Diese Arbeit befasst sich mit der Erzählung der Sabbatfrage aus der Sicht des Evangelisten Matthäus. Dabei steht besonders der Konflikt zwischen Jesus und den Pharisäern im Vordergrund. Außerdem wird die matthäische Perikope auf ihre Besonderheiten hin analysiert und interpretiert und die Argumentation Jesu ausgelegt.
Dazu erfolgt zuerst eine Textbestimmung unter Rückgriff auf die Arbeitsübersetzung und die Textkritik. Für die Textentstehung wird der Entstehungskontext berücksichtigt, sowie die Vorgeschichte und die Redaktionsanalyse. Es wird sowohl auf die Textstruktur als auch auf die Textnachwirkung eingegangen. Schließlich folgen im Zuge der Texterklärung eine narrative und eine geistesgeschichtliche Analyse.
Inhaltsverzeichnis
1. Textbestimmung
1.1 Vorwort/ Einführung
1.2 Arbeitsübersetzung
1.3 Textkritik
2. Textentstehung
2.1 Entstehungskontext
2.2 Vorgeschichte
2.3 Redaktionsanalyse
3. Textstruktur
3.1 Form- und Gattungsanalyse
3.2 Textanalyse
4. Textnachwirkung
4.1 Pragmatische Analyse
5. Texterklärung
5.1 Narrative Analyse
5.2 Geistesgeschichtliche Analyse (Vers-für-Vers Interpretation)
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Perikope von den Ährenraufen am Sabbat (Mt 12,1-8) aus der Perspektive des Evangelisten Matthäus. Ziel ist es, den Konflikt zwischen Jesus und den Pharisäern zu analysieren, die spezifisch matthäischen Besonderheiten des Textes herauszuarbeiten und die Argumentationsstruktur Jesu sowie deren christologische Bedeutung zu interpretieren.
- Matthäische Sondergut-Elemente und deren theologische Intention
- Analyse des Konflikts zwischen Jesus und den Pharisäern
- Die Rolle der Barmherzigkeit im Vergleich zum Gesetz
- Narrative und redaktionsgeschichtliche Untersuchung der Sabbatfrage
Auszug aus dem Buch
2.3 Redaktionsanalyse
Vergleicht man den Text mit den synoptischen Evangelien Mk und Lk, fallen einige Veränderungen auf. Auf die meiner Meinung nach wichtigsten dieser Veränderungen wird hier weiter eingegangen. Die Textsubstanz wird in V1 verändert. Hier fügt Mt πεινάω ein und ebenso, wie auch Lk, das Verb ἐσθίω. Durch das „hungrig sein“ der Jünger, das Mt beschreibt, kann das Ährenraufen gerechtfertigt werden. Sie taten es aus einer Notwendigkeit heraus, welche in Mk 2,23 und Lk 6,1 nicht beschrieben wird. Außerdem wird durch diese Ergänzungen auch „eine größere Angleichung an die David-Episode“ bewirkt, in der ebenso vom Hungrig sein Davids und dem Essen der Schaubrote berichtet wird. Eben diesen Rechtfertigungsgrund und die Deutungsähnlichkeit zu der Davidepisode, wollten Mk und Lk vermutlich nicht erwähnen, um deutlicher zu zeigen, dass Jesus das Verhalten der Jünger nicht nur aufgrund ihrer Notlage billigt, sondern, dass er über dem Gesetz steht und Herr des Sabbats (κύριος τοῦ σαββάτου) ist, so Schlatter. Schnackenburg stellt dazu eine andere These auf. Er meint, dass Mt durch das Hungern der Jünger „das Wort von der Barmherzigkeit [in V7] vor[bereitet]“, welches ausschließlich bei Mt zu finden ist.
In V3 streicht Mt den „bibelkundlichen Irrtum“ der Erwähnung des Hohenpriesters Abiathar aus Mk 2,26. „Er wird bemerkt haben, daß die Episode zur Zeit des Abimelech spielte (1 Sm 21,1 ff).“ Den deutlichsten Unterschied, der bei dem synoptischen Vergleich auffällt, bilden die Ergänzungen der Verse 5-7, die ausschließlich Mt aufführt. Diese Verse sollen das Argument aus V3 und V4 erläutern und verstärken, wie bereits in der Analyse der Vorgeschichte erörtert wurde. Mk 2,27 wird von Mt ausgelassen, was nur sehr schwierig nachzuvollziehen ist, da dieser Vers ein gutes Resümee der Argumentation bilden würde. Es gibt Spekulationen und Theorien, warum nur Mk, nicht aber Mt und Lk diesen Vers beinhalten. Jedoch sind diese laut Luz nicht sehr befriedigend. Gnilka meint dazu, dass es am wahrscheinlichsten ist, dass Mt wohl „die Argumentation aus dem Gesetz und den Propheten wichtiger war“. Denn dadurch, dass Mt diesen Vers auslässt, kommt das Hosea-Zitat der Barmherzigkeit (V7) mehr zu Geltung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Textbestimmung: Einführung in die Fragestellung der Arbeit sowie Präsentation einer Arbeitsübersetzung und kritische Betrachtung des griechischen Textbefundes.
2. Textentstehung: Untersuchung des Entstehungskontextes des Matthäusevangeliums, der Vorgeschichte des Textes sowie eine redaktionsgeschichtliche Analyse im Vergleich zu den synoptischen Parallelen.
3. Textstruktur: Einordnung der Perikope in die Gattung der Streitgespräche und Analyse der thematischen Gliederung innerhalb des Matthäusevangeliums.
4. Textnachwirkung: Untersuchung der pragmatischen Wirkung des Textes auf die Adressaten und wie die Erzählweise die Empathie für Jesus und seine Jünger steuert.
5. Texterklärung: Narrative Analyse der Erzählperspektiven sowie eine detaillierte Vers-für-Vers-Interpretation unter Berücksichtigung des zeitgeschichtlichen und jüdischen Kontextes.
6. Fazit: Zusammenfassende Deutung der Perikope als theologischer Grundstein, der das Gebot der Barmherzigkeit über eine starre Gesetzesauslegung stellt.
Schlüsselwörter
Matthäusevangelium, Sabbatfrage, Ährenraufen, Streitgespräch, Barmherzigkeit, Gesetz, Pharisäer, Exegese, Redaktionsanalyse, Jesus, Christologie, Tora, Tempel, Menschensohn, Hosea-Zitat.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die matthäische Erzählung vom Ährenraufen der Jünger am Sabbat (Mt 12,1-8) und untersucht, wie Jesus in diesem Streitgespräch den Konflikt mit den Pharisäern löst.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Auslegung des Sabbatgebots, das Verhältnis von Gesetz und Barmherzigkeit sowie die messianische Autorität Jesu im Matthäusevangelium.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Matthäus durch spezifische redaktionelle Anpassungen das Gebot der Barmherzigkeit (Hosea 6,6) in den Mittelpunkt stellt und Jesus über das Gesetz sowie den Tempel erhebt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt klassische exegetische Methoden, insbesondere Textkritik, Redaktionsgeschichte, Form- und Gattungsanalyse, narrative Analyse sowie eine geistesgeschichtliche Vers-für-Vers-Interpretation.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Textentstehung, die strukturelle Analyse, die pragmatische Wirkungsabsicht auf die Leser und die detaillierte inhaltliche Auslegung der Verse 1 bis 8.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie matthäische Sondergut-Theologie, Streitgespräch, Sabbatruhe, Gesetzesethik, Barmherzigkeit und christologische Profilierung beschreiben.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen „Größerem“ und „Größerem als der Tempel“ eine Rolle?
Diese Unterscheidung ist zentral, um zu klären, ob sich Jesus hier selbst als das „Größere“ bezeichnet oder ob er auf das kommende Gottesreich verweist, das durch ihn in der Gegenwart spürbar wird.
Welche Bedeutung hat das Fehlen von Mk 2,27 im Matthäusevangelium?
Das Fehlen des Satzes „Der Sabbat ist um des Menschen willen geschaffen“ wird als bewusste redaktionelle Entscheidung von Matthäus gewertet, um das Gewicht stärker auf das Barmherzigkeitszitat aus Hosea zu legen.
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- Anonym (Autor:in), 2018, Exegese der Sabbatfrage aus der Sicht des Evangelisten Matthäus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/459806