Diese Forschungsarbeit wirft die Frage auf, welche Einflussfaktoren die Berufsentscheidung junger Frauen und Männer tangieren und ihnen damit ein Erklärungsbeitrag für die berufliche Geschlechtersegregation zukommt. Die Auseinandersetzung mit der Forschungsfrage geschieht anhand von drei Theoriesträngen, die in der wissenschaftlichen Literatur vorherrschen: der ökonomischen, der soziologischen sowie der psychologischen Perspektive. Jede dieser Theoriestränge rückt bestimmte Einflussfaktoren ins Zentrum, mithilfe derer die berufliche Geschlechtersegregation fundiert erläutert wird. Aufgrund der Theorienpluralität innerhalb eines Stranges fokussiert sich diese Arbeit auf die in der wissenschaftlichen Rezeption anerkanntesten Ansätze: Die Humankapitaltheorie, die Sozialisationstheorie sowie die Eingrenzungs- und Kompromisstheorie der Berufswahl werden im Folgenden vorgestellt und anschließend auf ihre empirische Gültigkeit überprüft.
Zur Beantwortung der vorliegenden Forschungsfrage wurde ein deskriptives Verfahren gewählt, um einen Überblick über die bedeutendsten Theorien sowie den aktuellen Forschungsstand zu geben. Diese Arbeit konzentriert sich zunächst auf das Phänomen der beruflichen GS und erläutert in diesem Rahmen unter anderem relevante Termini, Messverfahren sowie die historische Entwicklung. In einem nächsten Schritt werden sowohl nachfrage- als auch angebotsseitige Berufswahltheorien vorgestellt und kritisch diskutiert. Auf dieser Basis erfolgt die Herausbildung der Hypothesen, die anhand von anschließend dargestellten Forschungsarbeiten überprüft werden. Ein Fazit fasst schließlich die wichtigsten Erkenntnisse der Arbeit zusammen.
Inhaltsverzeichnis
1 Berufswünsche, Berufswahl und Geschlechtersegregation
2 Der deutsche Arbeitsmarkt und die berufliche Geschlechtersegregation
3 Berufswahltheorien
3.1 Nachfrageseitige Ansätze
3.2 Angebotsseitige Berufswahltheorien
3.2.1 Ökonomische Ansätze: Humankapitaltheorie
3.2.2 Soziologische Ansätze: Sozialisationstheorie
3.2.3 Psychologische Ansätze: Eingrenzungs- und Kompromisstheorie der Berufswahl
3.3 Zwischenfazit und forschungsleitende Hypothesen
4 Empirische Evidenz ausgewählter nachfrage- und angebotsseitiger Determinanten der Berufswahl
4.1 Nachfrageseitige Forschungsbefunde
4.2 Angebotsseitige Forschungsbefunde
4.2.1 Empirische Gültigkeit der Humankapitaltheorie
4.2.2 Empirische Gültigkeit der Sozialisationstheorien
4.2.3 Empirische Gültigkeit der Eingrenzungs- und Kompromisstheorie der Berufswahl
5 Fazit: Berufswahl als Zusammenspiel mehrerer Einflussfaktoren
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die Determinanten, die die Berufsentscheidung junger Frauen und Männer beeinflussen, um einen Erklärungsbeitrag zur persistenten beruflichen Geschlechtersegregation auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu leisten.
- Analyse der Bedeutung von Berufswünschen und Berufsentscheidungen im Kontext der Geschlechtersegregation
- Gegenüberstellung ökonomischer, soziologischer und psychologischer Berufswahltheorien
- Untersuchung nachfrageseitiger Faktoren wie Arbeitsmarktstrukturen und Arbeitgebervorbehalte
- Betrachtung angebotsseitiger Einflussfaktoren, insbesondere Sozialisationsprozesse und individuelle Präferenzen
- Kritische Überprüfung der empirischen Gültigkeit zentraler Theorieansätze
Auszug aus dem Buch
3.2.3 Psychologische Ansätze: Eingrenzungs- und Kompromisstheorie der Berufswahl
Der dritte Theoriestrang zur Erläuterung des Berufswahlprozesses stellen die psychologischen Ansätze dar. In der Psychologie existiert eine Vielzahl von BWT. Diese können in entwicklungspsychologische und differentialpsychologische Theorien sowie Ansätze, die die BW als Lern-, Zuweisungs-, oder Entscheidungsprozess begreifen, untergliedert werden (vgl. Driesel-Lange 2011: S. 54). Im Kontrast zu den bereits vorgestellten ökonomischen und soziologischen Theorien wird die BE hier nicht „als Produkt äußerer Umstände“ (Boll/ Bublitz/ Hofmann 2015: S. 16), sondern „als Ausdruck individueller psychischer Strukturen oder Merkmale“ (Ebd.) begriffen. Allen psychologischen Theorien ist gemein, dass der möglichst optimalen Passung zwischen den individuellen Charakteristika eines Absolventen und dem zukünftigen Beruf eine elementare Bedeutung zukommt (vgl. Gottfredson 2002: S. 86).
Zu den wissenschaftlich anerkanntesten psychologischen Ansätzen gehört die EK der BW von Gottfredson, welche der entwicklungspsychologischen Perspektive zugehörig ist (vgl. Schmude 2009: S. 81). Die BE dient nach Auffassung von Gottfredson der Verwirklichung des eigenen Selbstkonzepts, welches eigens zugeschriebene Interessen, Fähigkeiten, persönliche Attribute sowie die soziale Stellung umfasst. In die BE werden zudem Berufsstereotype einbezogen, die bestimmte Charakteristika eines Berufs – etwa das Berufsfeld oder die Geschlechterverteilung – vereinfachend abbilden. (vgl. Gottfredson 1981: S. 546 f.) Diese „stereotype[n] Annahmen hinsichtlich der Persönlichkeit von Menschen, die einen bestimmten Beruf ausüben, der Art der ausgeübten Tätigkeiten, der Entlohnung und Arbeitsbedingungen, der Eignung bestimmter Personen für diesen Beruf etc.“ (Schmude 2009: S. 83) werden mithilfe einer kognitiven Landkarte der Berufe gedanklich geordnet (vgl. Gottfredson 2002: S. 88).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Berufswünsche, Berufswahl und Geschlechtersegregation: Einführung in das persistente Phänomen der beruflichen Geschlechtertrennung und Formulierung der Forschungsfrage zur Bedeutung individueller Berufsentscheidungen.
2 Der deutsche Arbeitsmarkt und die berufliche Geschlechtersegregation: Beschreibung des Status quo der horizontalen und vertikalen Geschlechtersegregation am deutschen Arbeitsmarkt und deren Messbarkeit.
3 Berufswahltheorien: Darstellung und Kategorisierung bedeutender ökonomischer, soziologischer und psychologischer Ansätze zur Erklärung der Berufsentscheidung.
4 Empirische Evidenz ausgewählter nachfrage- und angebotsseitiger Determinanten der Berufswahl: Kritische Analyse vorliegender Forschungsbefunde zur empirischen Validität der in Kapitel 3 eingeführten Theorien.
5 Fazit: Berufswahl als Zusammenspiel mehrerer Einflussfaktoren: Synthese der Ergebnisse zur Eignung der verschiedenen Theorien und Schlussfolgerung hinsichtlich der Komplexität des Berufswahlprozesses.
Schlüsselwörter
Berufswahl, Geschlechtersegregation, Arbeitsmarkt, Humankapitaltheorie, Sozialisationstheorie, Eingrenzungs- und Kompromisstheorie, Berufsentscheidung, berufliche Aspirationen, Geschlechterstereotype, Intergenerationale Transmission, Diskriminierungstheorien, Berufsorientierung, Arbeitsmarktstruktur, Gender Pay Gap, horizontale Segregation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der beruflichen Geschlechtersegregation auf dem deutschen Arbeitsmarkt und untersucht, warum Männer und Frauen häufig unterschiedliche Berufsfelder wählen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretischen Erklärungsmodelle zur Berufswahl, die Rolle von Arbeitgebern und strukturellen Rahmenbedingungen sowie die Bedeutung von Sozialisationsprozessen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, verschiedene Einflussfaktoren auf die Berufsentscheidung junger Menschen zu analysieren und deren Beitrag zur Entstehung geschlechtsspezifischer Arbeitssphären zu prüfen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es wird ein deskriptives Verfahren gewählt, um einen systematischen Überblick über die bedeutendsten Theorien und den aktuellen Forschungsstand zu geben und diese kritisch zu diskutieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung durch nachfrage- und angebotsseitige Berufswahltheorien sowie eine empirische Überprüfung dieser Ansätze anhand bestehender Studien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Berufsentscheidung, Geschlechtersegregation, Humankapitaltheorie, Sozialisation und berufliche Aspirationen.
Wie unterscheidet sich die Humankapitaltheorie von der Sozialisationstheorie?
Während die Humankapitaltheorie von rationalen Kosten-Nutzen-Abwägungen ausgeht, erklärt die Sozialisationstheorie die Berufswahl durch erlernte Präferenzen und Geschlechterrollen, die bereits in der Primärsozialisation geformt werden.
Welchen Einfluss hat die kognitive Landkarte der Berufe laut Gottfredson?
Sie dient dazu, Berufsstereotype und Charaktereigenschaften von Tätigkeiten gedanklich zu ordnen, wodurch Jugendliche ihre Berufswünsche abgleichen und anpassen.
Inwieweit lässt sich das Fazit der Arbeit zusammenfassen?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass kein einzelner theoretischer Ansatz das komplexe Geflecht der Einflussfaktoren hinreichend erklärt; vielmehr wirken verschiedene exogene und endogene Faktoren in einem lebenslangen Prozess zusammen.
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- Sandra Heimrich (Author), 2017, Die berufliche Geschlechtersegregation als persistentes Phänomen des deutschen Arbeitsmarkts. Einflussfaktoren auf die geschlechtsspezifische Berufswahl, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/459835