Körperbilder und Sport in der modernen Gesellschaft. Sport als gesellschaftspolitisches Handlungsfeld der Sozialen Arbeit


Fachbuch, 2019

60 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Folgen und Konsequenzen der Modernen Gesellschaft
1.1 Fragestellung und Sozialarbeitsbezug
1.2 Aufbau der Arbeit
1.3 Verwendete Begrifflichkeiten

2 Das Zusammenspiel von Gesellschaft, Politik und Wirtschaft
2.1 Gesellschaft
2.2 Die Wirtschaft und die Politik
2.3 Folgen der neoliberalen Entwicklung

3 Der Körper als kleinste Einheit der Gesellschaft
3.1 Theoretisch-begriffliche Einordnung des „Körpers“
3.2 Die Bedeutung des Körpers für die Soziologie
3.3 Körpertheorien

4 Sport
4.1 Sportgeschichte
4.2 Bedeutung und Funktionen des Sports in der Gesellschaft und für die Gesellschaft
4.3 Wirkungen des Sports auf den Körper

5 Die Wechselbeziehungen von Körper und Sport, der analytisch – integrative Rahmen
5.1 Verkörperte Strukturen des Sports
5.2 Körperdiskurse des Sports
5.3 Leibliches Wahrnehmen im Sport
5.4 Verkörpertes Handeln im Sport

6 Sport und Soziale Arbeit
6.1 Gegenstand und Aufgaben der Sozialen Arbeit
6.2 Sport als Handlungsfeld der Sozialen Arbeit

7 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Folgen und Konsequenzen der Modernen Gesellschaft

„Ausgeprägte Organisationskompetenz, [...], selbständige und mitdenkende Arbeitsweise sowie hohe Eigenmotivation, gewinnende Ausstrahlung und Serviceorientierung, Belastbarkeit und Durchsetzungsvermögen, Teamfähigkeit, hohe Flexibilität und Zuverlässigkeit [...]“ (Bosch 2018), listet eine Stellenanzeige für eine*n Sekretär*in. „Sie haben eine strukturierte sowie selbstständige und zuverlässige Arbeitsweise. Sie bringen zudem eine ausgeprägte Teamfähigkeit, Belastbarkeit sowie eine Verantwortungsbereitschaft mit [...]“ (Bayern 2018), verlangt eine andere Stellenanzeige für eine Fachkraft für Metalltechnik. Was fällt auf? Bei beiden fällt auf, dass diese Anforderungen, die noch neben den rein fachlichen stehen, sehr anspruchsvoll sind. Durchsetzungsvermögen besitzen und teamfähig sein, selbständig arbeiten und jederzeit flexibel sein, all das stellt die Bewerber*innen vor Herausforderungen. Wer diesem Druck permanenten Druck auf der Arbeitswelt nicht standhält, ist raus und ein*e andere* tritt an die Stelle.

Dynamischer Wandel durch Automatisierung und Digitalisierung in der Arbeitswelt, „Flexibilisierung von Ort und Zeit der Leistungserbringung, durch neue Formen der Zusammenarbeit von Mensch und Maschine sowie eine andere Gestaltung von Arbeitsabläufen“ (Bundesministerium 2012), fordern den Arbeitnehmer*innen immer mehr ab. Die rein körperliche Beanspruchung nimmt zwar weiterhin ab, aber „zunehmender Termin- und Leistungsdruck, Überforderung durch Arbeitsmenge und hohe Verantwortung sowie häufige Arbeitsunterbrechungen bringen psychische Belastungen hervor, die auch mit Gesundheitsgefährdungen verbunden sein können.“, so formuliert es das Bundesministerium für Arbeit und Soziales. (Bundesministerium 2012)

Das Robert-Koch-Institut hat umfangreiche Daten zum Thema Gesundheit gesammelt, ausgewertet und veröffentlicht. Augenmerk soll hier vor allem auf den Zusammenhang zwischen sozioökonomischem Status und Gesundheit gelegt werden. Der sozioökonomische Status setzt sich aus der Bildung, dem Einkommen und der beruflichen Stellung zusammen, je mehr von allem vorhanden ist, desto höher ist der Status einer Person. Analysiert wurden verschiedene Bereiche. Eine wichtige, die Lebensqualität widerspiegelnde Aussage, ist der subjektiv empfundene Gesundheitszustand. „43,5% der Frauen und 36,7% der Männer mit niedrigem Sozialstatus bezeichnen ihren Gesundheitszustand als allenfalls mittelmäßig. Bei Personen mit hohem Sozialstatus trifft dies nur auf 11,8% der Frauen und auf 14,2% der Männer zu“, konstatiert das Robert-Koch-Institut. (RKI 2015: 33) Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Muskel- und Skeletterkrankungen führen die Liste der Krankheitslast in Deutschland an. Auch hier ist der Zusammenhang zwischen dem sozioökonomischen Status und der Prävalenz der Krankheiten ausgeprägt. Die führenden Risikofaktoren sind neben Tabak- und Alkoholkonsum, körperliche Inaktivität und ungesunde Ernährung. (vgl. RKI 2015: 139) Das Institut erklärt ebenfalls, dass die Ursachen für diese ungleiche Verteilung von Gesundheit hauptsächlich in den sozialen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen liegen und es somit auch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, diese zu verringern. (vgl. RKI 2015: 141)

Die Entwicklung der neuen Medien verzeichnete in den letzten Jahrzehnten rasante Fortschritte. Verbunden damit sind nicht nur Vorteile. 32 Millionen Facebook-Nutzer im September 2018 und 15 Millionen Instagram-Nutzer gibt es allein in Deutschland (vgl. Rising Media 2018). Informationen und Bilder gehen meist unkontrolliert und unreflektiert in kürzester Zeit um die Welt. Und genauso ungefiltert kommen sie beim Empfänger an. Im Zusammenhang mit dem Thema der vorliegenden Arbeit soll es hier hauptsächlich um die Körperbilder gehen. Egal aus welchem Grund diese Bilder veröffentlicht werden, ob es um die soziale Anerkennung geht oder gar darum geht, damit Geld zu verdienen: sie vermitteln ein bestimmtes Bild vom Körper und bedienen und unterfüttern damit einen Teil des herrschenden Körperdiskurses. Die Medien produzieren einen „Körper, dessen Physis vor allem zur öffentlichen Inszenierung und sozialen Positionierung des Subjektes dient [...]“ (Klein 2008: 258) Im Moment entspricht dieses Bild, den obigen genannten Anforderungen der Stellenanzeigen ganz gut: sportliche und leistungsstarke Körper, die voller Energie und Motivation stecken. Oft wird dazu noch die Lebensweise präsentiert, gesundes Essen und viel körperliche Aktivität. Es wird außerdem deutlich gemacht, dass diese Art zu leben viel Disziplin erfordert und diejenigen, die sich daranhalten, Spaß und Freude haben. Damit wird gleichzeitig die Botschaft vermittelt, dass jede*r es schaffen könne, es liege also in den eigenen Händen und im eigenen Handeln. Der Druck auf den Einzelnen steigt und gleichzeitig sinkt das eigene Wertigkeitsgefühl, wenn man nicht in der Lage ist, dem medial verbreiteten Bild gerecht zu werden. Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere spiegelt folgende Zahlen wieder: 67,1% der Männer und 53% der Frauen, zwischen 18 und 79 Jahren, sind in Deutschland übergewichtig. Die befürwortete Bewegungsempfehlung der WHO erfüllen nur zwei Fünftel der Erwachsenen und ein Viertel der Minderjährigen. Mit sinkendem Sozialstatus sinkt auch die körperliche Aktivität. (vgl. RKI 2015: 189) Erwartet werden leistungsstarke Körper, aber über 50% der erwachsenen Bevölkerung leiden unter Übergewicht und dessen Folgen. Diese Situation wirft Fragen auf.

1.1 Fragestellung und Sozialarbeitsbezug

Wie kommt es zu diesen widersprüchlichen Tatsachen, also dem Bild eines leistungsstarken, immer einsatzbereiten Körpers auf der einen Seite und der Realität vieler übergewichtiger und krankheitsanfälliger Körper auf der anderen Seite? Wo liegen die Ursachen für diese Diskrepanz? Warum sind gerade die Körper der sozial schlechter Gestellten am anfälligsten für Krankheiten? Und was genau könnte die Aufgabe der Sozialen Arbeit, bei der Eindämmung des letztgenannten Problems sein?

Die folgende Arbeit hat zum Ziel erstens aufzuzeigen, dass die oben genannten körperlichen Probleme eine Folge der marktwirtschaftlichen Entwicklung und der daraus resultierenden aktuellen gesellschaftlichen Situation sind. Um diese Analyse mit einer umfassenden Theorie des Körpers zu verbinden, werden die Soziologen Norbert Elias, Michel Foucault und Pierre Bourdieu herangezogen. Nähere Betrachtungen zum Sport und zur Sozialen Arbeit sollen mit den gesellschafts- und sozialpolitischen Erkenntnissen verbunden werden, um das Thema der Arbeit „Sport als gesellschaftspolitisches Handlungsfeld“ zu begründen.

Der Körper kann als kleinste Einheit der Gesellschaft bezeichnet werden. Die Körper kommunizieren miteinander, wenn nicht verbal, dann körperlich. Wie Paul Watzlawick bereits sagte: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Diese nonverbale Kommunikation findet in der kleinsten Einheit „Bewegung“ statt. Oder wie Thomas Alkemeyer feststellt: „Körperbewegungen [können] als die kleinsten Einheiten der sozialwissenschaftlichen Analyse betrachtet werden.“ (Alkemeyer 2004: 3) Leider war das in der Vergangenheit nur selten der Fall, wie auch Nina Degele festgestellt hat: „Denn Sport erscheint der etablierten Soziologie als zu nebensächlich, der Körper ist in systemtheoretischer Sicht ohnehin Umwelt der Gesellschaft, und beide Themen gelten als zu wenig sozial (relevant).“ (Degele 2006: 141) Mit dieser Arbeit soll herausgearbeitet werden, dass der Körper Grundvoraussetzung einer Gesellschaft ist und dass Sport durchaus ein relevantes Handlungsfeld der Sozialen Arbeit ist und entsprechend einer Analyse unterzogen werden sollte.

1.2 Aufbau der Arbeit

Ausgangspunkt der Überlegungen ist eine Definition von Gesellschaft bzw. einer kurzen Erläuterung von Gesellschaftstheorien (Kapitel zwei). Um die Entstehung der oben genannten Probleme nachvollziehen zu können, werden die Zusammenhänge zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft erläutert. Damit letztendlich der Sport mit der Sozialen Arbeit verbunden werden kann, muss das „kleinste gemeinsame Vielfache“ ermittelt werden, der Körper. Neben Elias´ Zivilisationstheorie werden dazu die Theorien Foucaults und Bourdieus erläutert (Kapitel 3). Ihre Theorien werden ausgewählt, weil sie die Rolle des Körpers, als Produzent und Produkt von Gesellschaft verdeutlichen und auch auf das Wechselverhältnis zwischen Körper und Gesellschaft eingehen.

Dass Körper und Sport schon sehr lange eine Rolle für die Menschen spielen, wird in der Darstellung der Sportgeschichte im Kapitel vier deutlich. Daran schließt sich eine Betrachtung zur Bedeutung und Funktion des Sports in der Gesellschaft und für die Gesellschaft an. Wie sich der Sport letztendlich auf den Körper ganzheitlich auswirken kann, wird abschließend beschrieben.

Robert Gugutzer ermöglicht mit dem von ihm entwickelten analytisch-integrativen Rahmen die Wechselbeziehungen und Zusammenhänge zwischen dem Körper sowie den auf ihn einwirkenden und von ihm beeinflussten Dimensionen, zu systematisieren. Sein Konzept wird im fünften Kapitel vorgestellt.

Nach dieser theoretischen Einführung kommt die Soziale Arbeit dazu. Im sechsten Kapitel soll gezeigt werden, dass es durchaus sinnvoll ist, Sport als Handlungsfeld in diese zu integrieren. Im abschließenden siebten Kapitel wird ein Fazit der gewonnenen Kenntnisse gezogen.

1.3 Verwendete Begrifflichkeiten

Zuerst werde ich die verwendeten Begriffen Bewegung, körperliche Aktivität und Sport erläutern. Man unterscheidet die instrumentelle Bedeutung von Bewegung. Sie dient als Medium, um zu einem Ziel zu gelangen. Des Weiteren die Bewegungsbedeutung, das man durch sie etwas wahrnehmen und erfahren kann. Darüber hinaus beschreibt die soziale Bedeutung, dass man durch Bewegung mit anderen Menschen oder zu anderen Menschen kommunizieren bzw. mit ihnen in Beziehung treten kann. Die personale Bedeutung beinhaltet die Selbsterfahrung und Identitätsentwicklung. (Zimmer 2014) Für die Soziale Arbeit sind alle Bedeutungen sehr wichtig und nützlich.

Die körperliche Aktivität ist eine Steigerung der Bewegung. Hier kommt noch ein zusätzlicher Kalorienverbrauch zum Grundumsatz dazu. Eine einheitliche Definition für Sport ist in der Fachliteratur nicht vertreten. Darum sollen die nachfolgend beschriebenen Merkmale dazu dienen, zu erläutern, in welchem Sinne Sport in dieser Ausarbeitung verwendet wird. Zum Sport gehören Regeln. Zum einen Verhaltensregeln, die eingehalten werden (müssen) und zum Anderen auch Technikregeln, die dazu dienen, den jeweiligen Sport überhaupt ausführen zu können. Beide Male hat es Folgen, wenn die Regeln nicht eingehalten werden. Im Sport geht es nach Leistung bzw. es gibt ein festes Ziel. Das können bestimmte Zeiten sein, die erreicht werden wollen, oder eben der Sieg der Mannschaft.

Eine spezielle Unterscheidung wird hier bewusst vermieden und die Begriffe wurden synonym verwendet. Zum einen sollen die Begriffe nicht eingrenzend wirken. Wie bereits festgestellt, entsteht durch die hohe funktionelle Differenzierung des Sports eine nach Belieben breite Verständnismöglichkeit. Zum anderen kann es sein, dass manche das letzte Mal in der Schulzeit „Sport machen mussten“, der pädagogisch nicht sehr wertvoll war, bei dem nur Leistung zählte. Für diese Menschen, die Sport mit negativen Gefühlen assoziieren, sollten die Begriffe Bewegung und körperliche Aktivität verwendet werden, um sie nicht erneut zu verschrecken. Aspekte von Sport beinhalten all diese Möglichkeiten der Auslegung. Sport schließt immer Bewegung mit ein, aber nicht jede Bewegung ist Sport.

2 Das Zusammenspiel von Gesellschaft, Politik und Wirtschaft

2.1 Gesellschaft

Gesellschaft ist ein sehr komplexer Begriff und die Definition gestaltet sich schwierig. Je nachdem, aus welcher Richtung sich dem Thema genähert wurde, fallen die Beschreibungen sehr verschieden aus und werden von anderen Autoren auch sehr unterschiedlich beurteilt. Daher sollen hier einige Blickwinkel und Quellen aufgezeigt werden. Während man „im Alltagsverständnis [...] an konkrete Nationalgesellschaften denkt“ (Schimank 2013: 10), ist Niklas Luhmann diese Art der Gleichsetzung zu eng und begrenzend. Er sagt 1973 „Gesellschaft [...] ist das jeweils umfassendste System menschlichen Zusammenlebens. Über weitere einschränkende Merkmale besteht kein Einverständnis.“ (Luhmann zitiert nach (Schimank 2013: 10)) Schimank erläutert, dass Luhmann Gesellschaft an der Möglichkeit festmache, inwiefern man miteinander kommunizieren könne. Alle, die dies können, gehören „demzufolge zur selben Gesellschaft“ (Schimank 2013: 13). In Anbetracht der Globalisierung, so Schimank, handele es sich damit um eine „Weltgesellschaft“ (Luhmann zitiert nach (Schimank 2013: 14). Für Schimank selbst lässt sich Gesellschaft zumindest folgendermaßen darstellen:

„Gesellschaften sind die jeweils größte Art von relativ aus sich heraus reproduktionsfähigen sozialen Gebilden. Hierbei kann Größe schlicht an der Anzahl der dazugehörigen Akteure – oder noch simpler: Menschen – abgelesen werden. In vielen, wenn auch vielleicht nicht in allen Hinsichten fallen so bestimmte Gesellschaften nach wie vor mit Nationen zusammen, was aber auf längere Sicht nicht so bleiben muss.“

(Schimank 2013: 15)

Diese Definition von Gesellschaft bildet auch in dieser Arbeit die Grundlage zum Verständnis des Begriffes. Bei allen Definitionen steht eins fest: „Der Mensch ist ein soziales Tier, also auf das Zusammenleben mit anderen angewiesen, was Gesellschaft in einem zunächst offenen Sinn des sozialen Bezugs fundamental nahelegt.“ (Krossa 2018: 4) Die Strukturen dieses Zusammenlebens veränderten sich im Laufe der Zeit und sind weiterhin dynamisch. Die Entwicklung dieses Gefüges ist nicht dem Zufall überlassen, sondern stellt „ein konturiertes integrales Ordnungsmuster“ (Schimank 2013: 15) dar. Schimank erklärt dies anhand von mathematischen Zahlenreihen: Die Ziehung der Lottozahlen ist zufällig, die Zahlen untereinander ergeben keinen Sinn. Man kann nicht nachvollziehen, wie die vorigen Zahlen zustande gekommen sind und man kann nicht vorhersagen, auch nicht vermuten, wie die folgenden Zahlen aussehen werden. Hat man allerdings eine Zahlenreihe, die sich durch eine bestimmte mathematische Formel entwickeln lässt, kann man in der Retrospektive erkennen, wie diese Zahlen entstanden sind und man ist in der Lage die zukünftigen Zahlen zu generieren. (vgl. Schimank 2013: 15f) „Das Bestreben, solche Ordnungsmuster von Gesellschaften zu identifizieren, ist die zentrale Ambition soziologischer Gesellschaftstheorie [...]“ (Schimank 2013: 16), fasst er zusammen.

Ein erkanntes bzw. vermeintlich erkanntes Muster, ermöglicht es dann zu eruieren, wie die vorhandene Struktur entstanden ist und welchen Dynamiken sie unterliegt. Im weiteren Verlauf lässt diese Erkenntnis zu, „welche Effekte es auf die Lebenschancen der individuellen Gesellschaftsmitglieder und die gesellschaftliche Integration hat.“ (Schimank 2013: 18) Der Sinn von Gesellschaftstheorien ist, die Dynamiken, die das Zusammenleben prägen, zu erkennen. Sie sind ein Versuch, sie zu erklären, „um die Wiederholung schlechter Entwicklungen zu vermeiden und gute Entwicklungen befördern zu können.“ (Schimank 2013: 18f)

Mithilfe von Gesellschaftsanalyse, gesellschaftstheoretischen Instrumenten und Gesellschaftsmodellen werden „drei theoretische Perspektiven in der Soziologie“ (Birgit Schäfer-Biermann 2016: 92) unterschieden: die differenzierungstheoretische, die ungleichheitstheoretische und die kulturtheoretische Perspektive. (vgl. Schimank 2013: 34)

Ausgehend von einem „Nebeneinander ungleichartiger Teilsysteme“ (Schimank 2013: 38), wie beispielsweise Wirtschaft, Politik, Recht, Militär, Religion, Bildung, und Gesundheit, definieren sich die Differenzierungstheorien. Jedes dieser Teilsysteme handelt nach seinen eigenen Regeln und seinem je eigenen Ziel. Dieses Hauptziel gibt es in keinem anderen Teilsystem. Die handelnden Personen in diesen Systemen wissen somit, welches Verhalten und Handeln lohnenswert ist und welches nicht. (vgl. Schimank 2013: 39)

In den Ungleichheitstheorien geht es darum, dass man Gesellschaft nach „dem Gefälle der sozialen Lagen“ (Birgit Schäfer-Biermann 2016:. 93) strukturieren kann. Schimank unterscheidet zwei hauptsächliche „Ungleichheitsdimensionen [...]: zum einen Ungleichheiten unmittelbarer Bedürfnisbefriedigung, zum anderen Ungleichheiten gesellschaftlicher Einflusspotentiale.“ (Schimank 2013: 77f) Für Schimank stellt sich das Erwerbseinkommen als dominantester Einflussfaktor dar: „Sehr deutlich ist diese überragende Bedeutung des Geldbesitzes bei allen Konsumaktivitäten [...]. Neben dem Konsum sind die Bildungschancen in erheblichem Maße vom Geldbesitz abhängig [...].“ (Schimank 2013: 90) Ein Vertreter, der diese Perspektive ebenfalls unterstützt, ist Pierre Bourdieu, dessen Theorie noch in einem folgenden Kapitel genauer beschrieben wird.

Die Kulturtheorien gehen davon aus, dass die Handlungen der Menschen durch kulturelle Orientierungen so geprägt sind, dass sie die gesellschaftlichen Bedingungen bestimmen. Sie „beschäftigen sich also damit, kulturelle Orientierung zu betrachten und sie als die entscheidenden Faktoren für eine bestimmte gesellschaftliche Ordnung zu analysieren.“ (Birgit Schäfer-Biermann 2016: 94)

2.2 Die Wirtschaft und die Politik

Es würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen, auf die Entstehung und Alternativen der aktuellen Wirtschaftsform in Deutschland einzugehen. Obwohl es durchaus interessant ist und die Entscheidung für die aktuelle Wirtschaftsform begründet. Ihre Funktionsweise soll aber kurz erläutert werden, damit die Entstehung der Problemlage nachvollzogen werden kann. Die grundsätzliche Herausforderung eines jeden Staates, ist die „Befriedigung der nahezu unendlichen privaten und öffentlichen Bedürfnisse“ (Weißer 2017: 25), mit den vorhandenen begrenzten Mitteln. Damit ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, bedarf es einer starken Wirtschaft.

Die freie Marktwirtschaft, wie sie beispielsweise in den USA betrieben wird, berücksichtigt die Frage nach sozialen Sicherungen nicht. Der Staat garantiert den rechtlichen und infrastrukturellen Rahmen, er sorgt dafür, dass eine stabile Währung im Umlauf ist und Frieden im Land herrscht, aus allem Wirtschaftlichen hält er sich heraus. Es herrscht das Leistungsprinzip. Vernachlässigt werden die, die nicht (mehr) leistungsfähig sein können. Vernachlässigt wird auch, wie die ursprüngliche Verteilung der individuellen Ressourcen zustande kam. Durch die freie Marktwirtschaft wird die Ungleichverteilung gefördert, denn wo viel Kapital ist, das refinanziert werden kann, entstehen auch wieder höhere Gewinne. So kommt es, dass die, die viel haben immer, mehr bekommen. (vgl. Martin Pätzold 2018: 31)

Es ist also eine Lösung zu finden, die die sozialen Aspekte bedenkt und berücksichtigt, ohne die notwendigen wirtschaftlichen Bedingungen zu begrenzen. Die soziale Marktwirtschaft bietet diese Möglichkeit, in ihr sind die Grundwerte des wirtschaftlichen Handelns definiert. (vgl. Martin Pätzold 2018: XIII) „Der Staat hat für eine soziale Politik und damit für das Streben nach einem sozialen Gleichgewicht rechtliche, sozialwissenschaftliche (verhaltensorientierte) und finanzwirt­schaftliche (fiskalpolitische) Handlungsoptionen.“ (Martin Pätzold 2018: 41) oder wie es in der Verfassung des Bundeslandes Rheinland-Pfalz in den Artikel 51 und 52 geschrieben steht:

„Die soziale Marktwirtschaft ist Grundlage der Wirtschaftsordnung. Sie trägt zur Sicherung und Verbesserung der Lebens- und Beschäftigungsbedingungen der Menschen bei, indem sie wirtschaftliche Freiheiten mit sozialem Ausgleich, sozialer Absicherung und dem Schutz der Umwelt verbindet. [...] Die Vertragsfreiheit, die Gewerbefreiheit, die Freiheit der Entwicklung persönlicher Entschlusskraft und die Freiheit selbstständiger Betätigung des einzelnen bleiben in der Wirtschaft enthalten.“

(Weißer 2017: 61)

Soweit die ideale Theorie. Durch die fortschreitende Technologisierung und Globalisierung steht auch die Wirtschaft unter Druck. Die Unternehmen müssen im Welthandel mithalten können, bzw. möchte jede Firma auch innerhalb des Landes Marktführer sein. Das wirtschaftliche Prinzip, ein bestimmtes Ergebnis mit immer weniger Aufwand zu erzeugen oder mit demselben Aufwand ein möglichst höheres Ergebnis zu schaffen, nennt sich auch Rationalisierung. (vgl. Bundeszentrale 2018) In diesem Zusammenhang taucht der eher negativ konnotierte Begriff des Neoliberalismus auf. „Verfechter des Neoliberalismus betrachten die Ordnung des freien Marktes moralisch indifferent. Für sie sind der Markt und die Effekte des Konkurrenzkampfes nicht zu moralisieren. Der Markt und seine Akteure orientieren sich ausschließlich an den Kriterien der Kaufkraft und Rentabilität.“ (Spetsmann-Kunkel 2016: 7)

Gerhard Willke bietet folgende Definition für Neoliberalismus:

„Neoliberalismus ist Parole und Schimpfwort für ein wirtschaftspolitisches Projekt, das mehr Markt, mehr Wettbewerb und mehr individuelle Freiheit verwirklichen will durch weniger Staat und weniger Regulierung. Die neoklassische Wirtschaftstheorie stützt die Überzeugung vom Markt als effizientem Steuerungs-, Anreiz- und Sanktionsmechanismus. Die liberale Gesellschaftstheorie stützt die Überzeugung, dass eine gute Gesellschaft keine Frage guter Menschen, sondern eine Frage der guten Verfassung ist. Neoliberale Politik war und ist auch eine Reaktion auf regulatorische und wohlfahrtsstaatliche Exzesse, die eine fortschreitende Blockierung der Marktkräfte bewirkt haben. Im Gegenzug geht es um eine Erneuerung der Marktdynamik und um die Stärkung der marktwirtschaftlichen Ordnung.“

(Willke 2003: 28)

Die Politik - und im speziellen die Sozialpolitik - hat nun die Aufgabe beiden Systemen gerecht zu werden, ihnen einen Rahmen zu geben und auch Grenzen zu setzen. Für die Wirtschaft müssen demzufolge geschaffen werden, dass diese sich frei entfalten kann, ohne dass die Schere zwischen arm und reich zu sehr auseinanderklafft. Denn das wäre die Folge, würde nur der Markt „regieren“. Das soziale Ziel, „[...] den Lebensunterhalt des Einzelnen und/oder seiner Familie sicherzustellen, zugleich auch die Aufgabe, dass die nachfolgende Generation, sich auf deren zukünftige Stellung im gesellschaftlichen Entwicklungsprozess vorzubereiten und dann auch einbringen kann“ (Boeckh, et al. 2017: 129), bedeutet, dass das vorhandene Budget aufgeteilt werden muss, zum Ausgleich der sozialen Bedarfe, aber auch für Bildung, Kultur, Infrastruktur, Wissenschaft und Forschung.

„Dabei ist es von entscheidender Bedeutung, dass der Staat bei der Wahrnehmung seiner Aufgaben sowohl verbindliche Regeln aufstellt und rechtliche Instrumente einsetzt, als auch Anreize schafft, um sozial verantwortliches Handeln zu fördern. In Ergänzung sind verhaltensbeeinflussende Instrumente nicht zu vernachlässigen.“

(Martin Pätzold 2018: 44)

Es müssen also auch beide Systeme ihren Teil dazu beitragen. Außerdem kann nicht immer davon ausgegangen werden, dass nur die finanzpolitischen Optionen genutzt werden, sondern auch die sozialwissenschaftlichen Methoden zum Einsatz kommen, um die Möglichkeit zu erhalten Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten und nicht nur die Geldspritze anzusetzen.

2.3 Folgen der neoliberalen Entwicklung

Da das Wirtschaftsmodell der Sozialen Marktwirtschaft ein dynamisches System ist, unterliegt es ständigen Veränderungen und Anpassungen. In den letzten Jahren ging es tendenziell in die Richtung des Neoliberalismus. Die „zunehmend neoliberale Ausrichtung der Politik“ (Spetsmann-Kunkel 2016: 19) hat entsprechende Auswirkungen. „Dabei folgt der angewandte Neoliberalismus eine politische Praxis, deren Folgen den Zusammenhalt und die Lebensgrundlagen der Gesellschaft bedrohen oder zerstören“ (Butterwege, et al. 2008: 47). Die neoliberale Denkrichtung hat dabei die Absicht eine „Verschiebung des Kräfte- und Machtverhältnisses von Markt, Staat und privaten Haushalten zugunsten des Marktes“ (Galuske 2002: 144) umzusetzen. Diese Verschiebung manifestiert sich auf vielen Ebenen. Zunehmende Privatisierungen - das bedeutet, der „Staat zieht sich als Akteur aus dem wirtschaftlichen Geschehen zurück und unterwirft immer mehr Felder der bisherigen Staatsaktivitäten den Gesetzen des Marktes bzw. den Interessen von Privateigentümern“ (Seithe 2012: 95) - äußern sich beispielsweise im Gesundheitswesen durch nun primär gewinn- und nicht mehr patientenorientiertes Arbeiten. (vgl. Spetsmann-Kunkel 2016: 20) Dadurch erhöht sich beispielsweise die körperliche Belastung der dort Arbeitenden, da immer weniger Pflegepersonal die gleiche Menge an Arbeit bewerkstelligen muss. Es stellen sich Viele die Frage, ob sie diese Art Arbeit mit Menschen so noch ethisch vertreten möchten, ob unter diesen Umständen die Motivation, die diesen helfenden Berufswunsch ausgelöst hat, die physische und psychische Belastung noch tragen kann. Der öffentliche Dienst wird immer mehr in die Hände der Wirtschaft gelegt. Mehr noch, politisch und gesamtgesellschaftlich „bedeutsame Entscheidungen, werden nicht mehr von demokratisch gewählten Personen getroffen, sondern auf private Akteure verschoben [...].“ (Spetsmann-Kunkel 2016: 21) Das hat zur Folge, dass die Bevölkerung sich hilflos fühlt und ihre individuelle Macht, z. B. durch Wahlen, nicht mehr geltend machen kann, da dort die Vertreter der Politik und nicht die wirtschaftlichen Unternehmen gewählt werden. Diese gefühlte Ohnmacht führt zu Politikverdrossenheit: „Immer mehr Deutsche glauben, keinen Einfluss darauf zu haben, wie sich die Gesellschaft entwickelt, was mit einem zunehmenden Misstrauen gegenüber der politischen Klasse einhergeht.“ (Haubl 2017: 85)

Die so entstehende Gesellschaft nennt sich „Leistungsgesellschaft“: das ist eine „Gesellschaft, in der jeder aufgrund individueller Eignung, Tüchtigkeit und Fleiß jede Position erreichen könne.“ (Drechsler, et al. 2003: 610), so die inzwischen allgemeine Annahme und Überzeugung. In einem Refrain einer, -gerade bei Jugendlichen-, beliebten Musikgruppe heißt es: „Erfolg ist kein Glück! Sondern nur das Ergebnis von Blut, Schweiß und Tränen – das Leben zahlt alles mal zurück! Es kommt nur ganz darauf an, was du bist – Schatten oder Licht?“ (Diehn 2017 o.S.) Für einige mag dies motivierend wirken, aber andere, die es aufgrund ihrer sozialen Herkunft deutlich schwerer haben, fühlen sich wahrscheinlich nicht so gut, der Schatten zu sein.

Die Fokussierung auf Leistung erhält durch diesen Diskurs immer wieder Futter und kann sich reproduzieren. Was dabei meist nicht beachtet wird, sind Originalität, Phantasie, gesellschaftliche Verantwortung, Glück und Zufall. (vgl. Drechsler, Hilligen, & Neumann 2003: 610) Dieser Leistungsdruck beherrscht bereits die Schulen. Der Abschluss wird zum sozialen Stellungsmaßstab in der Gesellschaft und beeinflusst erheblich die weitere Ausbildungslaufbahn. Der berufliche Erfolg spiegelt vermeintlich den Fleiß und das Können des Einzelnen wieder. Dies führt zu einer anmaßenden Haltung von denen, die ihre berufliche Position ohne offensichtliche Unterstützung von außen erreicht haben, führt zur Enttäuschung bei denjenigen, die ihre individuellen Ziele oder auch gesellschaftliche Erwartungen nicht erfüllen. Sie empfinden dies als persönliches Versagen. (vgl. Drechsler, Hilligen, & Neumann 2003: 610) In Folge dessen treten immer mehr physische und psychische Erkrankungen auf. „Medizinsoziologisch wird vermutet, die weltweite Zunahme von Depressionen sei die Schattenseite eines globalen neoliberalen Gesellschaftswandels.“ (Haubl 2017: 86) Erklärt wird dies auch durch das geänderte Krankheitsbild. Waren es früher eher Schuldgefühle, die die Patienten plagten, sind es heute eher Versagensgefühle. (vgl. Haubl 2017: 87)

Nicht nur Depressionen und Burn-out sind ein aktuelles Thema. Ralf Gloel erklärt in einem Artikel 1998 im Sozialmagazin, dass Gewalttaten, die von marginalisierten Jugendlichen ausgeführt werden, dazu dienen, wenigstens einen Sieg davon zu tragen. Sie fühlen sich als Versager und sind enttäuscht von sich selbst, wenn sie dem Erfolgsdruck nicht standhalten oder nicht die Ressourcen zur Erreichung der inzwischen allgemein gültigen Ziele haben. (Gloel zitiert nach Spetsmann-Kunkel 2016: 9)

Eine weitere Folge der marktdominaten Politik ist die Entstehung einer weiteren „Gesellschaftsform“, der „Konsumgesellschaft“. Dies ist eine „Gesellschaft, in der die Wünsche der Konsumenten (Verbraucher) [...] weniger von eigenen Bedürfnissen und Interessen bestimmt, sondern durch Massenmedien, Werbung und politische Propaganda künstlich geweckt werden.“ (Drechsler, et al. 2003: 575) Statussymbole werden nötig und die Steuerung von außen wird größtenteils nicht bemerkt. Das Konsumverhalten wird so geschickt gelenkt. Von Bedeutung ist dabei der enge Zusammenhang mit der sozialen Stellung „Diesem Einfluss der Werbung sind vor allem die weniger gebildeten Schichten ausgesetzt, weil sie keinen genügenden Abstand zu den hohlen Versprechungen haben.“ (Weißer 2017: 550) Aber auch gebildete Menschen können sich nur schwer bis gar nicht dem Einfluss der Medien und dem herrschenden Diskurs höher, weiter, schneller und schlank, schlau und schön entziehen.

3 Der Körper als kleinste Einheit der Gesellschaft

„Da soziale Wirklichkeit aus sozialem Handeln resultiert und soziales Handeln immer auch körperliches Handeln ist, tragen körperliche Handlungen und Interaktionen zur Konstruktion sozialer Wirklichkeit bei.“, schreibt Gugutzer (Gugutzer 2015: 9) Dieses körperliche Handeln ist abhängig von der kulturellen und gesellschaftlichen Umgebung, in der wir aufwachsen und leben. Sie ist mitbestimmend, ob und wie wir die Möglichkeiten unseres Körpers nutzen, bewerten und beurteilen. (vgl Gugutzer 2015: 7f) In den folgenden Kapiteln soll dargestellt werden, was mit dem Begriff „Körper“ gemeint ist, in welcher Art und Weise er für die Soziologie bedeutsam ist. In den Theorien liegt der „Schwerpunkt auf dem Körper als Produkt und als Produzent gesellschaftlicher Wirklichkeit“ (Gugutzer 2015: 11).

3.1 Theoretisch-begriffliche Einordnung des „Körpers“

Wie für die meisten Ausdrücke gibt es auch hier für den Begriff „Körper“ keine einheitliche und einzig gültige Definition und Bedeutung. Gugutzer beruft sich auf die anthropologische Herangehensweise, diese soll auch in dieser Arbeit genutzt werden. Außerdem wird die Unterscheidung von Körper und Leib genauer betrachtet. Gugutzer nutzt dazu die Arbeiten Helmuth Plessners (1892-1985), besonders das Werk „Die Stufen des Organischen und der Menschen“ (Plessner 1975). Hierin beantwortet Plessner die Frage, in „welchem Verhältnis der Mensch zu seinem Körper steht“ (Gugutzer 2015: 13), mit: „Der Mensch ist sein Körper, und er hat einen Körper.“ (Gugutzer 2015: 13) Einerseits ist der Mensch ein Körper, er besteht aus Zellen, hat Arme und hat Beine. Andererseits kann er „sich selbst zum Gegenstand machen“ (Gugutzer 2015: 14), er kann sich und sein Handeln betrachten und sich selbst reflektieren. Das Körpersein bekommt man praktisch mit der Geburt mit, man wird mit seinem biologischen Körper geboren. Kontrollieren und lenken kann man ihn aber noch nicht. Das erfolgt über das Lernen kulturspezifischer Körpertechniken im Laufe der Zeit. ( vgl. Gugutzer R 2015: 14) „Körpersein und Körperhaben bezeichnen zwei Facetten menschlichen Daseins, die untrennbar miteinander verbunden sind und sich wechselseitig bedingen, wobei ihr Verhältnis zueinander historisch-kulturell variabel ist.“ (Gugutzer 2015: 13) Es gibt nicht die Wahl zwischen dem einen oder anderen, der Mensch ist immer beides. Diese Unterscheidung Plessners, liefert eine „anthropologische Begründung für die Verschränkung von natürlichem und kulturell geprägtem Körper“ (Gugutzer 2015: 15). Die kontrollierten Bewegungsmöglichkeiten des menschlichen Körpers sind nicht angeboren (Erbmotorik), sondern müssen erlernt werden (Erwerbsmotorik). Das bietet die „Chance verfeinerter Kombinationen“ (Willems 2008: 51). Der Mensch lernt, was er benötigt, was er sieht und was ihm beigebracht wird. Der soziale und kulturelle Einfluss spielen hier eine sehr große Rolle.

[...]

Ende der Leseprobe aus 60 Seiten

Details

Titel
Körperbilder und Sport in der modernen Gesellschaft. Sport als gesellschaftspolitisches Handlungsfeld der Sozialen Arbeit
Autor
Jahr
2019
Seiten
60
Katalognummer
V459916
ISBN (eBook)
9783956879777
ISBN (Buch)
9783956879784
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sport, Neoliberalismus, Bourdieu, Foucault, Elias, Soziale Arbeit, Soziologie, Körperdiskurs, Sportgeschichte, Bewegung, Körpertheorie, Kultur
Arbeit zitieren
Kati Hafemann (Autor), 2019, Körperbilder und Sport in der modernen Gesellschaft. Sport als gesellschaftspolitisches Handlungsfeld der Sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/459916

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Körperbilder und Sport in der modernen Gesellschaft. Sport als gesellschaftspolitisches Handlungsfeld der Sozialen Arbeit



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden