Der Körper spielt in unserer Gesellschaft eine zentrale Rolle. Zwar nimmt die körperliche Beanspruchung im Beruf immer weiter ab, doch auch in Bürojobs sind eine hohe Belastbarkeit sowie Flexibilität gefragt. Die sozialen Medien bieten darüber hinaus eine Plattform für die schnelle Verbreitung von neuen Idealen.
Die Gesellschaft erschafft so die Erwartung eines leistungsstarken, immer einsatzbereiten Körpers. In der Realität gibt es gerade in Deutschland allerdings viele übergewichtige und krankheitsanfällige Menschen. Kati Hafemann zeigt in ihrer Publikation, wie dieser gesellschaftliche Widerspruch mit der marktwirtschaftlichen Entwicklung zusammenhängt.
Die Konstitution eines Menschen hängt maßgeblich von seiner sozialen Situation ab. Wie kann die Soziale Arbeit hier aktiv werden? Hafemann beantwortet diese Frage vermeintlich simpel: mit Sport. Sie erklärt, wie Sport sich positiv auf den Körper auswirkt und wie die Soziale Arbeit ihn fördern kann.
Aus dem Inhalt:
- Soziologie;
- Körperdiskurs;
- Sportgeschichte;
- Bewegung;
- Körpertheorie;
- Kultur
Inhaltsverzeichnis
1 Folgen und Konsequenzen der Modernen Gesellschaft
1.1 Fragestellung und Sozialarbeitsbezug
1.2 Aufbau der Arbeit
1.3 Verwendete Begrifflichkeiten
2 Das Zusammenspiel von Gesellschaft, Politik und Wirtschaft
2.1 Gesellschaft
2.2 Die Wirtschaft und die Politik
2.3 Folgen der neoliberalen Entwicklung
3 Der Körper als kleinste Einheit der Gesellschaft
3.1 Theoretisch-begriffliche Einordnung des „Körpers“
3.2 Die Bedeutung des Körpers für die Soziologie
3.3 Körpertheorien
4 Sport
4.1 Sportgeschichte
4.2 Bedeutung und Funktionen des Sports in der Gesellschaft und für die Gesellschaft
4.3 Wirkungen des Sports auf den Körper
5 Die Wechselbeziehungen von Körper und Sport, der analytisch – integrative Rahmen
5.1 Verkörperte Strukturen des Sports
5.2 Körperdiskurse des Sports
5.3 Leibliches Wahrnehmung im Sport
5.4 Verkörpertes Handeln im Sport
6 Sport und Soziale Arbeit
6.1 Gegenstand und Aufgaben der Sozialen Arbeit
6.2 Sport als Handlungsfeld der Sozialen Arbeit
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die gesellschaftspolitische Notwendigkeit aufzuzeigen, Sport als ein legitimes und relevantes Handlungsfeld der Sozialen Arbeit zu etablieren. Dabei wird der Zusammenhang zwischen den Auswirkungen neoliberaler Wirtschaftsentwicklungen, gesellschaftlichen Körperdiskursen und den daraus resultierenden physischen sowie psychischen Belastungen für das Individuum untersucht, um Sport als präventive und ressourcenorientierte Unterstützungsmöglichkeit in der Sozialen Arbeit zu begründen.
- Analyse der Folgen moderner, neoliberal geprägter Gesellschaftsstrukturen auf das Individuum.
- Theoretische Fundierung des Körperbegriffs durch Soziologen wie Elias, Foucault und Bourdieu.
- Untersuchung der Sportgeschichte und der soziokulturellen Bedeutung von Körperbildern.
- Etablierung eines analytisch-integrativen Rahmens zur Systematisierung der Wechselbeziehungen zwischen Körper und Sport.
- Begründung von Sport als niedrigschwelliges Handlungsfeld und Mittel zur Selbstwirksamkeitserfahrung in der Sozialen Arbeit.
Auszug aus dem Buch
Die Bedeutung des Körpers für die Soziologie
Viele soziologische Abhandlungen, die sich mit dem Körper befassen, beginnen mit der Information, dass die Soziologie sich bisher sehr wenig um körperliche Themen bemüht hat. Wie es dazu kam und warum es sich änderte, soll kurz erläutert werden.
Im 19. Jahrhundert fanden zahlreiche Veränderungen in der Gesellschaft, Politik und Wirtschaft statt. Die Urheber der Soziologie hatten als zentrales Thema die Industrielle Revolution und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft. Die Verbindung Gesellschaft und Individuum wurde dabei eher mit dem Augenmerk auf die Gesellschaft betrachtet. Der Körper wurde dabei nicht beachtet. (vgl. Gugutzer 2015: 24f) „Die Körper der Menschen, die in einer Gesellschaft zusammenlebten, spielten als Erklärung für gesellschaftliche Ordnung letztlich keine Rolle.“ (Gugutzer 2015: 25) Soziales Handeln wurde nicht mit dem biologischen Körper in Verbindung gebracht. Durch die „Körper-Brille“ gelesen, so Gugutzer, findet man in einigen Klassikern Elemente einer Soziologie des Körpers, aber Priorität war er nicht. (vgl. Gugutzer 2015: 38)
In der Entstehungszeit der Soziologie waren die kulturell-historischen Geschehnisse Grund für die (fast) Abwesenheit des Körpers in den soziologischen Betrachtungen. In der neueren Zeit, das heißt in den letzten drei bis vier Jahrzehnten, war es genauso. Einige soziokulturelle Entwicklungen sorgten dafür, dass die Aufmerksamkeit immer mehr auf den Körper gerichtet wurde. Das waren z. B. mehr Freizeit in der postmodernen Gesellschaft, die unter anderem dazu genutzt wurde, sich körperlich zu betätigen oder sich anderweitig mit seinem Körper zu befassen. (vgl. Gugutzer 2015: 40) Die Entwicklung der Konsumgesellschaft ging mit einem gewissen Körperboom einher. Ein schlanker und sportlicher Körper wird bevorzugt, der in Form gehalten und gepflegt werden muss. Davon profitieren mehrere Industriezweige. Der schöne und erotische Körper wurde immer mehr ins Zentrum der Werbung gerückt. (vgl. Gugutzer 2015: 40f) Die Expansion der Massenmedien fördert die Konsumkultur, die gezeigten Körperbilder aus den Bereichen Sport, Gewalt und Sex faszinieren die Konsumenten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Folgen und Konsequenzen der Modernen Gesellschaft: Analyse der steigenden Anforderungen an den modernen Menschen im Kontext von Neoliberalismus und Digitalisierung und deren Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit.
2 Das Zusammenspiel von Gesellschaft, Politik und Wirtschaft: Erläuterung der gesellschaftstheoretischen Grundlagen und der Dynamiken zwischen Politik und Wirtschaft, die zur Entstehung der heutigen Leistungs- und Konsumgesellschaft führten.
3 Der Körper als kleinste Einheit der Gesellschaft: Theoretische Einordnung des Körpers mittels anthropologischer Ansätze sowie der Theorien von Elias, Foucault und Bourdieu, um den Körper als Produkt und Produzent von Gesellschaft zu verstehen.
4 Sport: Überblick über die Sportgeschichte und die funktionale Differenzierung des Sports in der modernen Gesellschaft sowie dessen Wirkungen auf den Körper.
5 Die Wechselbeziehungen von Körper und Sport, der analytisch – integrative Rahmen: Zusammenführung der Themenbereiche in einem analytisch-integrativen Rahmen, der die Wechselwirkungen zwischen Strukturen, Diskursen, Wahrnehmung und Handeln systematisiert.
6 Sport und Soziale Arbeit: Diskussion über die Legitimation von Sport als Handlungsfeld der Sozialen Arbeit, um durch niedrigschwellige Angebote und Selbstwirksamkeitserfahrungen gesellschaftliche Teilhabe zu fördern.
7 Fazit: Zusammenfassende Reflexion der zentralen Ergebnisse, die Sport als unterschätzte Ressource für die Soziale Arbeit identifizieren und die Notwendigkeit politischer Aktivität betonen.
Schlüsselwörter
Körpersoziologie, Sport, Soziale Arbeit, Neoliberalismus, Leistungsgesellschaft, Körperbilder, Körperdiskurse, Selbstwirksamkeit, Zivilisationstheorie, Habitus, Gesundheit, Soziale Ungleichheit, Körper, Bewegung, Empowerment.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der gesellschaftspolitischen Rolle des Sports und untersucht, inwiefern Sport als niedrigschwelliges, ressourcenorientiertes Handlungsfeld in der Sozialen Arbeit genutzt werden kann, um Menschen bei der Bewältigung von Problemen in der modernen Leistungsgesellschaft zu unterstützen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die Soziologie des Körpers, die Auswirkungen neoliberaler Wirtschaftsstrukturen auf den Einzelnen, die Geschichte und Funktionen des Sports sowie die methodischen Ansätze der Sozialen Arbeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es, die gesellschaftspolitische Notwendigkeit herauszuarbeiten, Sport als ein neues, legitimes Handlungsfeld für die Soziale Arbeit zu begründen und aufzuzeigen, wie Klienten durch sportliche Teilhabe ihre Selbstwirksamkeit stärken können.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und einer theoretischen Aufarbeitung soziologischer Konzepte (u.a. von Norbert Elias, Michel Foucault und Pierre Bourdieu), um den Körper als Produkt und Produzent von Gesellschaft zu analysieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung der modernen Gesellschaft, die theoretische Einordnung des Körpers, die Sportgeschichte, die Wechselwirkungen zwischen Sport, Körper und Gesellschaft mittels eines analytisch-integrativen Rahmens sowie die konkreten Aufgaben und Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär durch die Begriffe Körpersoziologie, Neoliberalismus, Sport, Soziale Arbeit, Leistungsgesellschaft, Selbstwirksamkeit und Empowerment charakterisieren.
Warum wird der Körper in der Sozialen Arbeit als wichtiges Ansatzfeld betrachtet?
Der Körper ist die kleinste Einheit der Gesellschaft und ein zentrales Medium sozialen Handelns. Da die moderne Leistungsgesellschaft oft zur Entfremdung vom eigenen Körper und zu psychosomatischen Beschwerden führt, bietet die Arbeit mit dem Körper die Chance, kognitive und emotionale Prozesse positiv zu beeinflussen.
Welche Rolle spielt das Leistungsprinzip in dieser Untersuchung?
Das Leistungsprinzip wird kritisch betrachtet. Zwar ist es nicht per se negativ, doch führt ein übersteigerter Erfolgsdruck im neoliberalen Kontext zu Ausgrenzung und Versagensgefühlen. Sport in der Sozialen Arbeit soll daher nicht auf Leistung, sondern auf Selbstertüchtigung und Teilhabe ausgerichtet sein.
- Quote paper
- Kati Hafemann (Author), 2019, Körperbilder und Sport in der modernen Gesellschaft. Sport als gesellschaftspolitisches Handlungsfeld der Sozialen Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/459916