Max Aub und das republikanische Exil. Eine Analyse der Kurzgeschichte "El Remate"


Hausarbeit, 2016
17 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeines
2.1 Der Begriff „Exil“
2.2 Die spanische Exilliteratur

3. Aub im Kontext des republikanischen Exils
3.1 Max Aub
3.2 „El Remate“

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis
5.1 Primärliteratur
5.2 Sekundärliteratur

1. Einleitung

Um nach dem Ende der Reconquista die kastilisch - aragonesische Vorherrschaft auf der Iberischen Halbinsel zu festigen, wurden die jüdischen und muslimischen Ethnien auf Grund ihres unreinen nichtchristlichen Blutes vertrieben1 – obwohl Christen, Juden und Muslime trotz ihrer religiösen und kulturellen Differenzen einige Jahrhunderte zusammengelebt hatten.

Dieses Beispiel zeigt, wie weit die Geschichte des spanischen Exils zurückgeht – das republikanische Exil von 1939, das in dieser Hausarbeit behandelt werden soll, stellt bisher das letzte dar. Wie die meisten historischen Ereignisse führte auch dieses zu einer vermehrten Produktion künstlerischer Werke, allerdings wurde ein Großteil davon während der Diktatur Francos zensiert und auch nach dessen Tod lange Zeit verleugnet – teilweise bis heute. Aus diesem Grund bietet sich eine Auseinandersetzung mit diesem Thema an; wessen Werk aber eignet sich gut, um die Darstellung des republikanischen Exils als Resultat des Spanischen Bürgerkrieges aus der „Opferperspektive“ zu analysieren?

Max Aub, ein „exponente y testimonio notable“2 aus den Reihen der im Exil lebenden spanischen Republikaner, ist wegen seiner außergewöhnlichen Lebensgeschichte, der Vielzahl seiner kulturellen Tätigkeitsfelder sowie seiner zahlreichen Publikationen zum entsprechenden Themengebiet gut für die Analyse der Exildarstellung geeignet.3 In dieser Hausarbeit soll das republikanische Exil von 1939 in Aubs Kurzgeschichte „El Remate“ analysiert werden; dazu werden im anschließenden Kapitel zuerst allgemeine Informationen behandelt werden, die der Orientierung in diesem Themengebiet dienen sollen. Danach folgt ein Überblick über das Leben und das Exil des Autors, bevor die Analyse der genannten Kurzgeschichte im Fokus steht. Im Fazit werden die Ergebnisse resümiert und ein kleiner Ausblick gegeben.

2. Allgemeines

Als Einstieg in die Thematik soll zuerst der Terminus Exil definiert werden und ein Überblick über die spanische Exilliteratur folgen, damit die Analyse von „El Remate“ besser in den Kontext eingeordnet und die Besonderheit dieser Kurzgeschichte erkannt werden können.

2.1 Der Begriff „Exil“

Unter Exil versteht man die erzwungene Exklusion aus einer sozialen Gemeinschaft, deren Motive politischer, religiöser oder rassischer Natur sein können. Vertreibungen, die häufig als eine Vorstufe des Exils gesehen werden, stellen mit diesem zusammen Phänomene dar, die vor allem das letzte Jahrhundert weltweit beeinflusst haben.4 Aus diesem Grund scheint es kaum verwunderlich, dass das Exil und die damit verbundenen Erlebnisse von vielen Betroffenen auf unterschiedlichste Weise verarbeitet worden sind, so zum Beispiel in Film und Theater aber vor allem in literarischer Form. Der Terminus „Exilliteratur“ beschreibt eben die Werke, die von ausgeschlossenen Schriftstellern während ihres Exils verfasst worden sind. Ein bekannter Vertreter dieser Literaturform ist Max Aub, dessen Darstellung des Exils im Fokus dieser Hausarbeit steht.

Bevor anschließend auf die spanische Exilliteratur im Allgemeinen eingegangen wird, sei vorher erwähnt, dass der Begriff Exil in der Forschung als überholt gilt und Bezeichnungen wie „cultural mobility“ ihn mittlerweile ersetzen.5 Da der „veraltete“ Terminus jedoch auf die „politischen Implikationen“6 hinweist, die der Exklusion der Republikaner nach dem Ende des spanischen Bürgerkrieges zu Grunde liegen, wird im Laufe dieser Arbeit weiterhin Exil verwendet werden.

2.2 Die spanische Exilliteratur

Um sich genauer mit der spanischen Exilliteratur zu beschäftigen, ist zuvor eine kurze historische Einordnung nötig: Der am 18. Juli 1936 ausbrechende spanische Bürgerkrieg zwischen dem faschistischen Franco - Regime und den Anhängern der Republik endete am 1. April 1939 mit dem Sieg Francos und bedeutete einerseits das Fortbestehen einer totalitären Diktatur und andererseits gleichzeitig die Flucht vieler Andersdenkender.7 Das Exil der spanischen Republikaner von 1939 war „un verdadero exilio“8, da die Republikaner vor politischer Verfolgung, Repression und Tod flüchteten. Wie bereits erwähnt, hat die spanische Kultur eine „unerfreulich lange Tradition von Exilierungen“9 erlebt, allerdings stellt das republikanische Exil von 1939 eine Besonderheit dar, da sich unter diesen „refugiados“10, wie Manuel Aznar Soler sie nennt, der Großteil der Intellektuellen, der Bildungseliten Spaniens, befand. Dazu zählten auch einige der besten spanischen Schriftsteller, zu denen Max Aub und andere bekannte Autoren wie María Zambrano gehören. Aus kulturellen und sprachlichen Gründen begann die Mehrheit dieser Intellektuellen in spanischsprachigen Ländern wie zum Beispiel Mexiko ein neues Leben. Während der ersten Dekade wurden im spanischen Exil zahlreiche Werke publiziert, denen wegen ihrer Qualität eine große Bedeutung für die spanische Geschichte zugeschrieben wird.11 Aus diesem Ansatz heraus entwickelten sich mehrere interessante Forschungsfragen, die den Rahmen dieser Hausarbeit jedoch übersteigen – nachzulesen sind sie in Manuel Aznar Solers Aufsatz „La historia de las literaturas de exilio republicano español de 1939: problemas teóricos y metodológicos“.

Mit Sicherheit ist die „existenzielle Erfahrung von Bürgerkrieg und Exil“12 als der außerliterarische Hauptfaktor für die Entwicklung der spanischen Literatur im 20. Jahrhundert zu bezeichnen – Aub selbst schrieb dies in einem Vorwort.13 Doch was waren die Schreibmotive der im Exil lebenden spanischen Republikaner und auf welche Thematiken begrenzten sich ihre Werke?

José Ramón Marra-López nennt unter anderem el pasado, el presente und la España inventada y el problemático regreso14 als Hauptthemen der spanischen Exilliteratur, von denen sich die Motive der Schriftsteller ableiten lassen. Prinzipiell sind alle diese Thematiken auf eine bestimmte Weise mit dem spanischen Bürgerkrieg bzw. mit dessen Niederlage und dem daraus resultierenden Exil verbunden. Für die ausgeschlossenen Literaten war ihre Vergangenheit in ihrem Vaterland, „su patria“, von außerordentlich großer Bedeutung. Ihre Werke sind von der Hoffnung auf eine baldige Rückkehr in ein demokratisches Spanien geprägt. Dieser Gedanke wurde vor allem durch den Sieg der Alliierten im Zweiten Weltkrieg verstärkt – allerdings blieb Franco auch während des Kalten Krieges an der Macht.15 Eines der wichtigsten Ereignisse aus der Vergangenheit der spanischen Republikaner war la Guerra Civil, welcher mit hoher Frequenz thematisiert wurde. Einerseits weil sie ihren Ursprung nicht verlieren und andererseits weil sie den Auslöser für ihre derzeitige Situation nicht vergessen wollten. Die exilierten Spanier schrieben jedoch nicht nur, um die eigenen Erfahrungen zu verarbeiten, sondern sahen sich weiterhin in der Verantwortung, für die folgenden Generationen als eine Art Zeitzeugen zu fungieren.16 In Aubs Kurzgeschichte „El remate“ wird diese Einstellung der Exilanten aufgegriffen werden.

Genaueres zu der Thematik der Gegenwart sei an dieser Stelle übergangen; wichtig für das Verständnis der spanischen Exilliteratur ist lediglich das Zusammenfinden der Schriftsteller in Aufnahmeländern wie Mexiko, wo sich Kreise von Intellektuellen bildeten, die politisch aktiv wurden und ihren Platz in der Gesellschaft fanden. Auf der Grundlage neuer Perspektiven, die durch das Zusammentreffen von Eurozentrismus und (Latein)Amerika entstanden waren17, wurde über die Gegenwart, über etwas „Neues“, geschrieben – nie aber, ohne auf der eigenen Vergangenheit aufzubauen oder diese aus dem Blick zu verlieren.18

La España inventada y el problemático regreso; diese Thematisierung verdeutlicht, wie sehr die Autoren der spanischen Exilliteratur in ihr Heimatland zurückkehren wollten. Buschmann formuliert treffend, dass das Exil nicht „ohne den Gedanken an die mögliche Wiedereingliederung“19 verstanden werden kann. Auf der einen Seite war die Rückkehr gewünscht, aber auf der anderen Seite gefürchtet, da die Exilanten unsicher waren, was sie erwarten würde. Wahrscheinlich hätten sie sich weiterhin ausgeschlossen gefühlt, in einem Spanien, das nicht dem Spanien geglichen hätte, für das sie gekämpft hatten.20 In Kombination mit der physischen Abwesenheit kreierten die Exilliteraten aus dieser Vorstellung la España inventada, sie schrieben über ein imaginäres Spanien, das sich teilweise aus persönlichen Erinnerungen der Autoren zusammensetzte.21

[...]


1 A. Buschmann: Max Aub und die spanische Literatur zwischen Avantgarde und Exil. Berlin: De Gruyter 2012, S. 4.

2 C. Blanco Aguinaga: „Max Aub y la cultura internacional del exilio republicano“, in: J. Valender/G. Rojo (Hrsg.): Homenaje a Max Aub. Mexiko-Stadt: El Colegio de México 2003, S. 85-99, hier: S. 85.

3 G. Malgat: „Las obras testimoniales de Max Aub sobre la guerra de España: las difíciles memorias de la derrota y del exilio“, in: Amnis. Revue de civilisation contemporaine Europes/Amériques 2, 2011, hier: S. 1.

4 Buschmann (2012), S. 34.

5 Näheres dazu: Vgl. Buschmann (2012), S. 34.

6 Buschmann (2012), S. 34.

7 Vgl. M. A. Soler: „La historia de las literaturas del exilio republicano español de 1939: problemas teóricos y metodológicos“, in: Migraciones & exilios: cuadernos AEMIC 3, 2002, S. 9-22, hier: S. 10-12.

8 Soler (2002), S. 10.

9 Buschmann (2012), S. 4.

10 Soler (2002), S. 11.

11 Vgl. Soler (2002), S. 12 & Buschmann (2012), S. 4-5.

12 Buschmann (2012), S. 5.

13 „Si existe algún escritor español en cuya obra no haya repercutido la Guerra abominable que nos haya sido impuesta, o no es escritor o no es español.“ Zitiert nach: Buschmann (2012), S. 5.

14 Vgl. J. R. Marra-López: „Las grandes líneas temáticas en la narrativa exiliada“, in: D. Ynduráin: Historia y crítica de la literatura española. Vol. VIII. Suplemento 1. Época contemporánea: 1939-1975. Barcelona: Crítica 1981, S. 508-522, hier: S. 508, 512 & 519.

15 Vgl. Soler (2002), S.14.

16 Marra-López (1981), S. 512: „Fue una prueba trágica; y, porque la vivieron, están contaminados y en cierto modo esteriliozados para superarla en forma de testimonio.“.

17 Vgl. F. Caudet: „Max Aub y México“, in: J. Valender/G. Rojo (Hrsg.): Homenaje a Max Aub. Mexiko-Stadt: El Colegio de México 2003, S. 219-268, hier: S. 232-233.

18 Vgl. Marra-López (1981), S. 512.

19 Buschmann (2012), S. 183.

20 Marra-López (1981), S. 522: „ […] el sentirse desplazado en su propia patria […]“.

21 Vgl. Marra-López (1981), S. 519.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Max Aub und das republikanische Exil. Eine Analyse der Kurzgeschichte "El Remate"
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Romanisches Seminar)
Veranstaltung
Literatura del exilio republicano español de 1939: Max Auben diálogo con Georg Simmel y María Zambrano
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
17
Katalognummer
V459932
ISBN (eBook)
9783668906488
ISBN (Buch)
9783668906495
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Spanisches Exil, Spanischer Bürgerkrieg, Max Aub, El Remate
Arbeit zitieren
Philipp Scheerer (Autor), 2016, Max Aub und das republikanische Exil. Eine Analyse der Kurzgeschichte "El Remate", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/459932

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