Erziehungs- und Familienberatung


Seminararbeit, 2005

18 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Geschichte der Erziehungs- und Familienberatung

3. Allgemeines

4. Eine spezielle Thematik in der Erziehungs- und Familienberatung: die Arbeit mit Pflegefamilien

5. Eine Leipziger Erziehungs- und Familienberatungsstelle: der Caktus e. V.

6. Erziehungs- und Familienberatung in Zahlen

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung:

Im ersten Teil meiner Ausarbeitung widme ich mich der geschichtlichen Entwicklung von Erziehungs- und Familienberatung in Deutschland vom 19. Jahrhundert bis zur heutigen Zeit.

Dann folgt eine allgemeine Beschreibung der gesetzlichen Grundlagen, auf die Beratung heute basiert, der fachlichen Grundlagen, denen sie folgen muss, der Arbeitsfelder der Beratungsstellen und des Verlaufs einer gelungenen Beratung. Das Ende des allgemeinen Teils bildet die kurze Vorstellung zweier Methoden der Intervention.

Im Anhang daran stelle ich ein Gebiet der Erziehungsberatung näher vor. Es handelt sich dabei um die Arbeit mit Pflegefamilien, die zwar nicht repräsentativ für den Alltag einer Beratungsstelle ist, mir aber aus genau diesem Grund auch interessant erschien. Außerdem ist diese Gruppe mit durchschnittlich 5 % Anteil an den Gesamtklienten in Beratungsstellen deutlich überrepräsentiert im Vergleich zu ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung. (vgl. Hundsalz 1995, S. 234)

Der vierte Teil dieser Hausarbeit widmet sich der detaillierten Beschreibung einer Erziehungs- und Familienberatungsstelle namens Caktus e. V. in Leipzig und den Abschluss bilden Zahlen und Fakten rund um die Erziehungsberatung wie die Geschlechter- und Altersverteilung der Klienten oder die Berufsausbildung der Mitarbeiter.

2. Geschichte der Erziehungs- und Familienberatung:

Das Arbeitsgebiet der Erziehungsberatung entwickelte sich in Folge der großen sozialen Veränderungen während der Industrialisierung im 19. Jahrhundert, in dessen Zuge die funktionierende Sozialordnung zerfiel, die lohnabhängige Arbeiterklasse entstand, die Verstädterung großer Bevölkerungsteile begann, Wohnungsnot herrschte, die Familien ohne Arbeit ihr Überleben nicht sichern konnten und durch verstärkte Außenarbeit keine ausreichende Betreuung der Kinder mehr gewährleistet war. Vor allem die in den psychiatrischen Kliniken arbeitenden Ärzte wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit den vielfältigen Folgen dieser Entwicklung konfrontiert und so kam es, dass die ersten pädagogischen Einrichtungen und Beratungsstellen auf Initiativen dieser Berufsgruppe zurückgingen. (vgl. Geib; Rosarius; Trabant 1994, S. 273)

Als Anfang der institutionellen Erziehungsberatung gilt die Errichtung der „Medico-pädagogischen Poliklinik für Kinderforschung, Erziehungsberatung und ärztliche Behandlung“ 1906 in Berlin durch den Psychiater W. Fürstenheim, der weitere heil- pädagogische Beratungsstellen unter ärztlicher Leitung folgten, wie z. B. 1917 die des „Vereins zur Fürsorge für jugendliche Psychopathen e. V.“ in Berlin.

W. Fürstenheim wechselte nach Frankfurt a. M. und gründete dort eine Jugend- sichtungsstelle, die ein Jahr später vom Stadtjugendamt übernommen wurde. Auffällige Kinder und Jugendliche wurden dort mithilfe zahlreicher medizinischer, psychiatrischer und psychologischer Tests gesichtet, um herauszufinden, ob ihren Störungen ein krankhafter Defekt oder Schwierigkeiten im häuslichen Milieu zugrunde lagen. Je nach Ausgang der Untersuchungen erfolgte eine Überweisung in Sonderkindergärten oder Erziehungsklassen oder die Fortsetzung der Erziehung in einer staatlichen Einrichtung. (vgl. Geib; Rosarius; Trabant 1994, S. 275)

In Anlehnung an den Pädagogen August Aichhorn, der ein Netz von Erziehungsberatungsstellen in Wien aufgebaut hatte, wurden ab 1922 auf der Grundlage des Reichsjugendwohlfahrtgesetzes weitere Beratungsstellen innerhalb der Jugend- fürsorge geschaffen. Im RJWG wurde außerdem das Recht des Kindes auf Erziehung zum ersten Mal gesetzlich verankert, die Städte mit über 10000 Einwohnern zur Errichtung eines Jugendamtes verpflichtet und daraufhin einheitlich geregelt, dass die Jugendämter die freien Verbände an den Ausführungen zu beteiligen haben. (vgl. Geib; Rosarius; Trabant 1994, S. 276)

Während der Weltwirtschaftskrise kam es zu einem deutlichen Abbau sozialer Leistungen, auch innerhalb der Jugendhilfe. 1932 wurde sogar das Reichsjugend-wohlfahrtgesetze um den § 73 erweitert, der aus Kostengründen die Ausgliederung der unerziehbaren Jugendlichen aus der Fürsorge anordnete. (vgl. Geib; Rosarius; Trabant 1994, S. 277)

Zu Zeiten des Nationalsozialismus wurde die institutionelle Erziehungsberatung weiter verringert. Dafür sollte jeder Mitarbeiter der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt in erzieherischen Maßnahmen tätig werden, (vgl. Menne 1993, S. 272) so lange es sich um „erbgesunde“ und „hochwertige“ Kinder handelte. (vgl. Geib; Rosarius; Trabant 1994, S. 279) „Unerziehbare“ oder „erbbiologisch Minderwertige“ wurden ab 1941 dem Reichskriminalamt unterstellt und in Jugendschutzlagern verwahrt, wo sie durch Arbeit und Terror erzogen werden sollten. (vgl. Geib; Rosarius; Trabant 1994, S. 284)

Nach Meinung von Geib, Rosarius und Trabant gab es nach Kriegsende kaum perso-nelle, institutionelle und ideologische Veränderung innerhalb der Erziehungsberatung, viele Mitarbeiter setzten ihre Karriere in den angestammten Institutionen fort, Arbeitsgrundlagen wurden nur um einige, nicht mehr zeitentsprechende Beiträge gekürzt. Es gab zwar zahlreiche Bestrebungen, ein Jugendamt neuer Prägung zu schaffen, aber es sollte noch einige Jahre dauern, bis dies umgesetzt werden konnte. (vgl. Geib; Rosarius; Trabant 1994, S. 285)

Im US-Sektor kommt es 1949 zur Gründung einer Child Guidance Clinic, an der sich in den Anfängen der 50er Jahre zahlreiche weitere neugegründete Beratungsstellen orientierten. Diese Einrichtungen wollten die Anpassung des Kindes an seine Umwelt und gleichzeitig seine freie individuelle Persönlichkeitsentwicklung fördern.

1961 wird die Bundeskonferenz für Erziehungsberatung e. V. gegründet, die es sich als Fachverband u. a. zum Ziel gesetzt hat, die Konkurrenz zwischen den Fachrichtungen und Schulen zu überwinden. (vgl. Geib; Rosarius; Trabant 1994, S. 287)

Im Rahmen einer europäischen Tagung befasste sich die WHO 1956 mit Erziehungsberatung, deren Empfehlungen die für die Jugendhilfe zuständigen Minister und Senatoren der Bundesländer 1973 in einer einheitlichen Regelung übernahmen. Aufgrund dieser Förderrichtlinien und verbesserten psychotherapeutischen Ausbildungsmöglichkeiten wurde die Anzahl der Erziehungsberatungsstellen in der Bundesrepublik Deutschland in den 70er Jahren verdoppelt. (vgl. Menne 1993, S. 273)

In der DDR existierten nur fünf Einrichtungen mit dem Namen Erziehungsberatungs-stelle, Entwicklungs- und Verhaltensprobleme wurden größtenteils im Rahmen der Polikliniken und Fachkrankenhäuser betreut. Generell wurden aber kinder- und jugendpsychologische Störungen bagatellisiert, da in den ideologischen Grundsätzen der DDR verankert war, dass alle Voraussetzungen bestehen würden, damit sich jedes Kind physisch und psychisch gesund entwickeln kann. Da aber der tatsächliche Behandlungsbedarf wuchs, wurden seit den 70er Jahren im ambulanten und stationären Bereich zunehmend Psychologen für erziehungsberatende Aufgaben eingestellt. (vgl. Dathe 1994, S. 192) Wie in vielen Lebensbereichen wurde nach der Wende dieses System jedoch nicht übernommen oder modifiziert, sondern abrupt aufgelöst. (vgl. Dathe 1994 S. 194) Es entstanden aber rasch zahlreiche neue Erziehungsberatungs-stellen, sie hatten jedoch in den ersten Jahren mit erheblichen personellen Ausstattungsproblemen und Unsicherheiten aufgrund eines hohen Anteils an ABM-Stellen zu kämpfen, ein Problem, das bis heute zum Teil andauert. (vgl. Menne 1993, S. 278)

1991 räumt das Kinder- und Jugendhilfegesetz einen Rechtsanspruch auf Erziehungsberatung ein und schreibt die Zusammenarbeit von Fachkräften verschie-dener Richtungen vor. Nach den ersten Vorstellungen der WHO oblag dem Sozialarbeiter die Anamnese des Falles, dem Psychologen die Diagnostik und den Ärzten mit einer psychoanalytischen Weiterbildung die Behandlung. Heutzutage liegt auch aufgrund der Fortbildungsmöglichkeiten für Sozialpädagogen und Psychologen die komplette Beratung innerhalb der Einrichtung.

Außerdem kann ein Übergang von der kindorientierten Behandlung zur systemischen Einbeziehung von Eltern und anderen Familienmitgliedern ausgemacht werden, auch gemeindenahe Ansätze durch Einbeziehung von Kindergärten und Schulen gewinnen an Raum. (vgl. Menne 1993, S. 279)

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Erziehungs- und Familienberatung
Hochschule
Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig
Veranstaltung
Seminar
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V46002
ISBN (eBook)
9783638432870
ISBN (Buch)
9783638791083
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Gute Arbeit zum Feld der Erziehungs- und Familienberatung mit Einführung, statistischem Überblick, Methoden, einem Beispiel, näheren Erläuterungen zum Thema Pflegefamilien, allgemeinen Infos, der Geschichte der Erziehungsberatung... war eine benotete prüfungsrelevante Studienleistung mit sehr großem Aufwand
Schlagworte
Erziehungs-, Familienberatung
Arbeit zitieren
Andrea Englisch (Autor), 2005, Erziehungs- und Familienberatung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46002

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