Im ersten Kapitel meiner Seminararbeit erläutere ich zunächst, was man allgemein unter der Spezifischen Sprachentwicklungsstörung versteht und gehe dann auf eine Teilsymptomatik dieser Sprachstörung, den Dysgrammatismus, genauer ein. In meiner Arbeit geht es um die Auswirkungen des Dysgrammatismus auf die Flexionsmorphologie, im speziellen auf die Pluralflexion. Auch heute weiß man noch nicht sicher, was genau bei Kindern mit Dysgrammatismus geschädigt ist bzw. welche Ursachen dieser Sprachstörung zugrunde liegen. Im zweiten Teil meiner Arbeit stelle ich zwei Studien dar, die sich damit beschäftigen, wie sich der Dysgrammatismus im Deutschen im besonderen auf die Pluralflexion auswirkt. Die Untersuchungsfrage dabei lautet, ob der dysgrammatische Spracherwerb durch dieselben Prinzipien bestimmt wird wie der normale Erwerb oder nicht. Zum Schluss fasse ich die Ergebnisse und Positionen zusammen, beziehe die beiden Studien aufeinander und diskutiere diese.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Spezifische Sprachentwicklungsstörung
1.1 Was versteht man unter SSES?
1.2 Der Dysgrammatismus: Leitsymptom der SSES
2. Die Pluralflexion im Dysgrammatismus
2.1. Studie zur Pluralmarkierung von Hermann Schöler und Werner Kany
2.2 Experiment zur Plural- und Kompositabildung von Susanne Bartke
Schlussteil
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Auswirkungen des Dysgrammatismus auf die Flexionsmorphologie im Deutschen, mit einem spezifischen Fokus auf die Pluralflexion. Die zentrale Forschungsfrage ist dabei, ob der Spracherwerb dysgrammatischer Kinder durch dieselben zugrundeliegenden Prinzipien bestimmt wird wie der Erwerb sprachunauffälliger Kinder oder ob qualitative Unterschiede in der mentalen Repräsentation bestehen.
- Grundlagen der Spezifischen Sprachentwicklungsstörung (SSES)
- Charakteristika des Dysgrammatismus als Leitsymptom der SSES
- Analyse der Pluralmarkierung bei dysgrammatisch sprechenden Kindern
- Vergleichende Betrachtung psychologischer und linguistischer Erklärungsansätze
Auszug aus dem Buch
1.2 Der Dysgrammatismus: Leitsymptom der SSES
Nach dieser Skizze eines für SSES typischen Entwicklungsverlaufs ist deutlich geworden, dass die Spezifische Sprachentwicklungsstörung verschiedene Symptome umfasst. Wie bereits erwähnt, tritt jedoch die grammatische Störung am dominantesten in Erscheinung, weshalb ich im Folgenden noch genauer auf die Problematik des Dysgrammatismus eingehe. Wie eingangs angemerkt, zeigen allein schon die vielen unterschiedlichen Benennungen, die es für SSES gibt, dass im Feld dieser Sprachstörung noch großer Forschungsbedarf besteht. Ebenso wie über die verschiedenen Bezeichnungen der spezifischen Sprachentwicklungsstörung herrscht auch über den Begriff des „Dysgrammatismus“ Uneinigkeit. Während die meisten Forscher „Dysgrammatismus“ als Bezeichnung für SSES verwenden beziehungsweise als Leitsymptom der Störung verstehen, bezweifeln andere, dass es überhaupt eine rein grammatische Störung gibt. So schreibt beispielsweise Hannelore Grimm: „Der Begriff des Dysgrammatismus sollte demgenüber für solche Kinder reserviert bleiben, die, wie schon der Name besagt, eine von anderen kognitiven Bereichen vollständig isolierte Störung der Grammatik aufweisen. Ob es solche Kinder überhaupt gibt, ist eine empirische Frage. Mir sind sie jedenfalls noch nicht begegnet.“7
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung skizziert das Ziel der Arbeit, die Spezifische Sprachentwicklungsstörung (SSES) und deren Auswirkungen auf die Pluralflexion mittels zweier Studien zu untersuchen.
1. Die Spezifische Sprachentwicklungsstörung: Dieses Kapitel definiert die SSES und beschreibt den Dysgrammatismus als deren dominierendes Leitsymptom.
1.1 Was versteht man unter SSES?: Hier werden die Definition, Symptomatik und Heterogenität der SSES sowie deren Abgrenzung von anderen Störungen erläutert.
1.2 Der Dysgrammatismus: Leitsymptom der SSES: Dieser Abschnitt befasst sich mit der Uneinigkeit über den Begriff Dysgrammatismus und beschreibt die typischen Auffälligkeiten der dysgrammatischen Sprache.
2. Die Pluralflexion im Dysgrammatismus: Dieses Kapitel bildet den Hauptteil der Arbeit, in dem die Auswirkungen des Dysgrammatismus auf die Pluralmorphologie unter Einbeziehung zweier Studien analysiert werden.
2.1. Studie zur Pluralmarkierung von Hermann Schöler und Werner Kany: Vorstellung einer entwicklungspsychologischen Studie, die den Pluralerwerb bei dysgrammatischen und sprachunauffälligen Kindern vergleicht.
2.2 Experiment zur Plural- und Kompositabildung von Susanne Bartke: Präsentation einer linguistisch orientierten Studie zur Plural- und Kompositabildung, die den Dysgrammatismus auf spezifische grammatische Defizite zurückführt.
Schlussteil: Zusammenfassung und kritische Diskussion der Ergebnisse beider Studien sowie eine abschließende Bewertung der verschiedenen Erklärungsmodelle.
Schlüsselwörter
Spezifische Sprachentwicklungsstörung, SSES, Dysgrammatismus, Pluralflexion, Flexionsmorphologie, Spracherwerb, Pluralmarkierung, Kunstwörter, Sprachverarbeitung, mentale Repräsentation, Kompositabildung, Sprachheilpädagogik, Linguistik, Sprachstörung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Spezifischen Sprachentwicklungsstörung (SSES) und untersucht, wie sich der Dysgrammatismus, als deren Leitsymptom, speziell auf die Flexionsmorphologie und hierbei besonders auf die Pluralbildung im Deutschen auswirkt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Spracherwerb bei Kindern mit SSES, die Identifikation von Pluralmarkierungsmustern bei dysgrammatisch sprechenden Kindern im Vergleich zu sprachunauffälligen Kindern sowie die Diskussion verschiedener theoretischer Erklärungsansätze für diese Sprachstörung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, durch den Vergleich zweier ausgewählter Studien zu klären, ob der dysgrammatische Spracherwerb lediglich eine zeitliche Verzögerung darstellt oder ob grundlegende qualitative Unterschiede in der mentalen Repräsentation und Sprachverarbeitung bestehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturgestützte Analyse zweier empirischer Studien. Dabei werden die methodischen Ansätze von Schöler & Kany (entwicklungspsychologisch) und Bartke (linguistisch) gegenübergestellt und kritisch diskutiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden detailliert die Durchführung und Ergebnisse der Studien von Schöler & Kany zur Pluralmarkierung sowie das Experiment von Susanne Bartke zur Plural- und Kompositabildung dargelegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Dysgrammatismus, SSES, Pluralflexion, Flexionsmorphologie, mentale Repräsentation, Sprachverarbeitung und Spracherwerbsstudien charakterisieren.
Worin liegt der Unterschied zwischen den Erklärungsansätzen von Schöler & Kany und Bartke?
Schöler & Kany führen die Sprachstörung primär auf allgemeine kognitive Verarbeitungsdefizite und eine gestörte Analogiebildung zurück, während Bartke eine rein linguistische Sichtweise einnimmt und ein selektives Defizit in spezifischen grammatischen Bereichen der Repräsentation annimmt.
Warum spielt die Kompositabildung in der Studie von Bartke eine so wichtige Rolle?
Die Kompositabildung dient als Diagnosewerkzeug, um zu prüfen, ob die Unterscheidung zwischen regulärer und irregulärer Pluralflexion auch im dysgrammatischen System vorhanden ist, was Rückschlüsse auf die mentale Struktur und Reihenfolgenbeschränkungen im Lexikon erlaubt.
Was bedeutet das "Defaultflexiv" in diesem Kontext?
Das Defaultflexiv ist das als regulär klassifizierte Pluralmorphem (im Deutschen oft -s, wobei Kinder individuell unterschiedliche Defaultwerte wählen können), das bei der Pluralbildung angewendet wird, wenn eine spezifische Form nicht erinnert wird.
- Quote paper
- Verena Roelvink (Author), 2005, Zur Pluralflexion beim Dysgrammatismus im Deutschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46016