Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen Social Entrepreneurship in Deutschland. Die Begrenzung auf den Standort Deutschland wurde vorgenommen, weil sich die Bundesrepublik Deutschland durch individuelle Standortfaktoren auszeichnet und so eine Vergleichbarkeit der Modelle innerhalb des nationalen Kontexts gegeben ist.
Ziel der Arbeit ist es, dem Konzept Social Entrepreneurship anhand von Kernmerkmalen auf den Grund zu gehen und sich nach der theoretischen Kenntnis des Konzeptes, erfolgreichen Sozialunternehmen aus der Praxis zuzuwenden. Die Begutachtung ausgewählter Fallbeispiele beabsichtigt, ein Verständnis für die Besonderheiten der sozialunternehmerischen Herangehensweise zu erlangen.
Zur Erreichung dieses Verständnisses sollen insbesondere die Innovativität der Sozialunternehmen und deren konkrete Dimensionen eruiert werden. Als weiteren Untersuchungsschwerpunkt widmet sich die Arbeit der ethischen Dimension des SE-Phänomens, wobei vor allem Bezug auf das Prinzip der Anerkennung genommen wird. Es soll dabei erfasst werden, in welcher Form sich Sozialunternehmen der Thematik Inklusion widmen und ob sich in den Konzepten normative Risiken erkennen lassen.
Aus den Ergebnissen lässt sich schließlich ableiten, welches wirtschaftsethische Potential zur Inklusion von Minderheiten in den Initiativen von Social Entrepreneurs zu finden ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Motivation und Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise
2. Social Entrepreneurship: Begriffsklärung und Gegebenheiten in Deutschland
2.1 Geschichtliche Einordnung des Phänomens
2.1.1 Historische Beispiele
2.1.2 Entwicklung in der Wissenschaft, Praxis und der Öffentlichkeit
2.2 Definitionen von Social Entrepreneurship
2.2.1 Definitionsüberblick und Analyse
2.2.2 Merkmal #1: Unternehmerisches Handeln
2.2.3 Merkmal #2: Social Value
2.2.4 Merkmal #3: Innovation
2.2.5 Exkurs: Verwandte Begriffe und weitere soziale Organisationsformen
2.3 Zwischenfazit und Arbeitsdefinition
2.4 Gegebenheiten in Deutschland
2.4.1 Tätigkeitsfelder von Sozialunternehmen
2.4.2 Deutsche Sozialpolitik und der Dritte Sektor
2.4.3 Möglichkeiten der Rechtsform
2.4.4 Möglichkeiten der Finanzierung
2.4.5. Zwischenfazit
3. Analyserahmen
3.1 Methodik und Auswahl der Organisationen
3.2 Bestimmung des Innovationspotentials
3.3 Social Entrepreneurship und Ethik
3.4 Inklusion und Ethik
3.4.1 Zum Inklusionsbegriff
3.4.2 Zur Bedeutung von Anerkennung und Freiheit
3.4.3 Von der Fürsorge zur Autonomie
4. Fallanalysen
4.1 auticon
4.1.1 Unternehmensprofil auticon
4.1.2 Innovationsanalyse auticon
4.2 discovering hands
4.2.1 Unternehmensprofil discovering hands
4.2.2 Innovationsanalyse discovering hands
4.3 Dialog im Dunkeln
4.3.1 Unternehmensprofil Dialog im Dunkeln
4.3.2 Innovationsanalyse Dialog im Dunkeln
4.4 VerbaVoice
4.4.1 Unternehmensprofil VerbaVoice
4.4.2 Innovationsanalyse VerbaVoice
4.5 Zusammenfassung Innovativität
4.6 Ethische Analyse
4.6.1 Stärken im Hinblick auf Inklusion
4.6.2 Risiken im Hinblick auf Inklusion
5. Fazit und kritische Würdigung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen Social Entrepreneurship in Deutschland, um dessen Innovationspotential und die ethische Dimension im Hinblick auf die Inklusion von Minderheiten zu beleuchten. Ziel ist es, durch die Analyse der Kernmerkmale und ausgewählter Fallbeispiele zu ergründen, inwiefern sozialunternehmerische Ansätze effektiv zur gesellschaftlichen Inklusion beitragen können.
- Grundlagen des Social Entrepreneurship und wissenschaftliche Begriffsbestimmung
- Analyse der Rahmenbedingungen für Sozialunternehmen in Deutschland
- Untersuchung des Innovationspotentials durch vier praktische Fallbeispiele
- Ethische Reflexion der Inklusionsstrategien und möglicher normativer Risiken
Auszug aus dem Buch
Merkmal #1: Unternehmerisches Handeln
In Bezug auf die unternehmerische Herangehensweise ist es zunächst notwendig, den Begriff „Entrepreneurship“ genauer zu betrachten. Das Wort „Entrepreneur“ hat seinen Ursprung im lateinischen pre(he)ndere mit der Bedeutung „nehmen“ und „ergreifen“. Übernommen wurde der Begriff aus der französischen sowie der englischen Sprache und lässt sich übersetzen als „Unternehmer“ (vgl. Duden Online, 2018a, Zugriff: 05.01.2018). Im allgemeinen Sprachgebrauch versteht man darunter häufig die Gründung eines Unternehmens. Diese Einschätzung fasst jedoch zu kurz (vgl. Faltin, 2008, S. 28). Entrepreneurship lässt sich allgemein als Überbegriff eines Forschungszweiges bezeichnen, der der Frage nachgeht, wie sich Individuen angesichts von jeglichen wachstumsorientierten Gestaltungsprozessen basierend auf einer Gelegenheit effektiv organisieren (vgl. Kuckertz, 2017, S. 3).
Ungeachtet dessen haben sich zahlreiche Ökonomen dem Versuch der Definition angenommen. Die erste Definition zum Entrepreneur wird häufig auf Jean-Baptiste Say zurückgeführt. Dieser schrieb um das Jahr 1800: “The Entrepreneur shifts economic resources out of an area of lower and into an area of higher productivity and greater yield.” Folglich agieren Entrepreneurs mit gesteigerter Produktivität und kreieren dadurch Mehrwert (zitiert nach Faltin, 2008, S. 28). Says Unternehmertyp entnimmt Wirtschaftsressourcen aus Bereichen mit geringer Produktivität und setzt sie andernorts, wo höhere Erträge erzielbar sind, wieder ein. Er agiert damit als „Lückenfinder“ und ist tätig, wo vor ihm noch keiner tätig war.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung von Social Entrepreneurship als Antwort auf komplexe soziale Probleme ein und umreißt die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit.
2. Social Entrepreneurship: Begriffsklärung und Gegebenheiten in Deutschland: Hier werden das theoretische Fundament, die Merkmale des Konzepts sowie die spezifischen deutschen Rahmenbedingungen wie Recht und Finanzierung detailliert analysiert.
3. Analyserahmen: Dieses Kapitel erläutert die methodische Vorgehensweise zur Auswahl der Fallbeispiele sowie die Kriterien zur Bewertung des Innovationspotentials und der ethischen Implikationen.
4. Fallanalysen: Vier spezifische Sozialunternehmen werden hinsichtlich ihres Konzepts, ihrer Innovationsleistung und der ethischen Aspekte bei der Inklusion untersucht.
5. Fazit und kritische Würdigung: Zum Abschluss werden die Ergebnisse synthetisiert und das Potential von Social Entrepreneurship als inklusives, aber ethisch ambivalentes Modell kritisch diskutiert.
Schlüsselwörter
Social Entrepreneurship, Soziales Unternehmertum, Inklusion, Innovation, Deutschland, Sozialunternehmen, Social Value, Geschäftsmodell, Ressourcen, Ethik, Anerkennung, Autonomie, Skalierung, Nonprofit, Sozialpolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das Phänomen Social Entrepreneurship in Deutschland und untersucht, welchen Beitrag soziale Geschäftsmodelle zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen leisten können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf die theoretische Einordnung des sozialen Unternehmertums, die deutsche Gesetzes- und Förderlage sowie die Innovationskraft und ethische Dimension der Praxisbeispiele.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Primäres Ziel ist es, die Innovationsfähigkeit der untersuchten Sozialunternehmen zu bewerten und kritisch zu prüfen, ob diese tatsächlich ein wirtschaftsethisches Potential zur Inklusion von Minderheiten besitzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Literaturanalyse sowie eine explorative Fallstudienmethode, bei der vier deutsche Sozialunternehmen in Hinblick auf ihre Geschäftskonzepte und Innovationsdimensionen analysiert werden.
Was ist Gegenstand des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine umfassende Begriffsklärung, die Darstellung der deutschen Rahmenbedingungen und eine detaillierte Fallanalyse von vier Unternehmen, ergänzt um eine ethische Würdigung.
Durch welche Merkmale charakterisiert sich die Arbeit?
Die Arbeit zeichnet sich durch die Verbindung von klassischer Entrepreneurship-Theorie mit sozialwissenschaftlichen Inklusionsdiskursen und einer praktischen Bilanz- sowie Innovationsanalyse aus.
Wie unterscheidet sich auticon von anderen untersuchten Organisationen?
auticon ist ein IT-Dienstleister, der gezielt Menschen im Autismus-Spektrum als IT-Consultants einsetzt und somit eine organisationale Innovation im Recruiting-Bereich darstellt, während andere Fallbeispiele wie discovering hands andere Branchen (Gesundheit) bedienen.
Welche Rolle spielt die "Social Value Chain" in der Analyse?
Sie dient als Analyseinstrument, um zu bestimmen, an welcher Stelle im Wertschöpfungsprozess (z.B. Produktentwicklung, Arbeitnehmerbeschäftigung) die untersuchten Unternehmen sozial-innovativ agieren.
Gibt es ethische Bedenken bei diesen Sozialmodellen?
Ja, die Arbeit identifiziert Risiken wie den "Mission Drift" (Gefahr der Vernachlässigung der sozialen Ziele zugunsten wirtschaftlicher Stabilität) sowie die Problematik, dass eine einseitige Fokussierung auf Zielgruppen auch neue Diskriminierungsformen begünstigen könnte.
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- Anonym (Autor), 2018, Gesellschaftliche Inklusion durch Social Entrepreneurship in Deutschland, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/460509