Jan Hus. Wegbereiter für die Reformation Luthers?

Nachwirkungen des böhmischen Reformators


Hausarbeit, 2018
12 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Leben und Wirken des Jan Hus
2.1 Wer war Jan Hus?
2.2 Jan Hus und John Wycliff
2.3 Die Lehren des Jan Hus
2.4 Das Konstanzer Konzil und der Tod des Jan Hus
2.5 Reaktionen auf den Tod des Jan Hus und die Entstehung der Hussitenbewegung

III. Jan Hus und Martin Luther

IV. Fazit

V. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Wenn bei der Internetsuchmaschine „Google“ der Begriff „Reformation“ oder „Reformator“ eingegeben wird, erscheinen als erstes Verweise auf Martin Luther und die Reformation von 1517.1 Jedoch bereits im ausgehenden 14. und beginnenden 15. Jahrhundert wurden Stimmen laut, die mit ihren Kirchenkritiken eine Reformation der Kirche für nötig hielten.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem böhmischen Reformator Jan Hus, der, auf Grund seines Wirkens, auf dem Konzil von Konstanz 1415 zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt wurde. Die Frage danach, in wie weit die Thesen Jan Hussens 100 Jahre später Martin Luther beeinflusst haben und er als Wegbereiter der Reformation durch Luther diente, soll als Leitthema dienen.

Zunächst wird das Leben und Wirken von Jan Hus beleuchtet. Folgende Fragen sind hierbei tonangebend und werden im ersten Teil dieser Arbeit behandelt: Wer war Jan Hus? Durch wen wurde er beeinflusst? Was war seine Kritik an der Kirche? Anschließend wird die Hussitenbewegung in Böhmen noch kurz beleuchtet, um abschließend die Kernfrage des Leitthemas beantworten zu können. Ein Fazit beschließt die Arbeit.

II. Leben und Wirken des Jan Hus

In diesem Kapitel sollen die einzelnen Aspekte der Fragestellungen näher beleuchtet werden. Zunächst wird in einer kurzen Biographie das Leben von Jan Hus mit den dazugehörigen Eckdaten erwähnt. Im Folgenden wird dann ein kleiner Einblick in das Verhältnis zu John Wycliff und seinen Werken geboten um dann herauszustellen, wie sich das Wirken Hussens dargestellt hat. Daran schließt sich die Erwähnung der Hussitenbewegung und das Nachwirken des Lebens von Jan Hus an und es wird ein Vergleich zwischen den Thesen Jan Hussens und Martin Luthers dargestellt.

2.1 Wer war Jan Hus?

Johannes (Jan) Hus wurde um 1370 in einem Dorf mit dem Namen Husinec in Südböhmen geboren.2 Das Jahr seiner Geburt ist strittig, da es keine amtlichen Urkunden zur Geburt gibt. Ebenso ist wenig über die Eltern des Jan Hus bekannt, außer dass sie freie Bauern gewesen sind und der Name des Vaters Michael war.3

Das politisch weltliche und kirchliche Umfeld war zu seiner Zeit durch Kirchenspaltung, der vorangegangenen Pest in den Jahren 1347 – 1353 und der angestiegenen finanziellen Ansprüche des Klerus und dessen Verweltlichung bereits angespannt, bevor Jan Hus sein Studium begann.4

Um der Armut zu entfliehen, entschloss sich Hus dafür eine kirchliche Karriere einzuschlagen und schrieb sich in der Prager Universität ein. 1393 wurde er zum Bakkalaureus der freien Künste ernannt und promovierte drei Jahre später zum Magister.5 Hus blieb an der Universität und studierte weiter an der Theologischen Fakultät. Im Jahre 1400 erfolgte die Priesterweihe und ein Jahr später wurde er zum Dekan an der Artistenfakultät ernannt.6

Zur Wende in seinem Leben kam es vor allem durch seine 1402 erfolgte Anstellung als Prediger an der großen Betlehemskapelle in Prag.7 Von der Kanzel aus ging Hus hart mit seiner Zeit ins Gericht und prangerte viele Missstände an. Seine Kritik beschränkte sich nicht nur auf die Zustände im Klerus8, er kritisierte unter anderem auch die Unmoral der Gesellschaft und stieß damit nicht überall auf Zustimmung. Nie hat der der weltlichen Obrigkeit geschmeichelt; seine Kritik machte auch vor den Machthabern im Staate nicht halt . 9

Als das Konzil von Konstanz 1414 einberufen wurde, wurde Jan Hus hierzu eingeladen. Seine Gegner forderten eine Verurteilung Hus wegen Häresie und Ketzerei, so dass Jan Hus nach seinem Eintreffen in Konstanz verhaftet und mehrfach verhört wurde. Schlussendlich kam es zu einer Verurteilung und Jan Hus starb am 6.Juli 1415 auf dem Scheiterhaufen.10

2.2 Jan Hus und John Wycliff

Seit Karls IV. Tochter Anna, die Schwester des Böhmenkönigs Wenzel IV. (1378 – 1419), mit Richard II. von England vermählt worden war (1382), hatte sich ein reger geistiger Austausch zwischen England und Böhmen entwickelt. 11 Daraus ergibt sich auch der Kontakt Jan Hussens zu dem englischen Philosophen und Theologen John Wycliff und seinen Schriften.12 Bereits in seinem Studium kam Jan Hus mit den Lehren Wycliffs in Berührung, da auch böhmische Theologen seit der Mitte des 14. Jahrhunderts diese Lehren aufgriffen und gegen die Amtskirche predigten.13

Diese schnelle Verbreitung der Ansichten Wycliffs waren in den Augen des böhmischen Klerus eine Gefahr für die Einheit der geltenden kirchlichen Lehre.14 Wycliff kritisierte zunehmend die Kirche und deren Bestreben nach Besitztümern, Ebenso wurden von ihm die Oberherrschaft des Papstes, die Heiligenverehrung sowie das Mönchstum angezweifelt, um nur ein paar Beispiele zu nennen.15 Auch noch nach seinem Tod 1384 wurden seine Lehren, die 1382 von einer Synode in Oxford für häretisch erklärt worden waren, weiterverbreitet.

Einer dieser Prediger, der die Lehren Wycliffs unter das Volk brachte, war Jan Hus. Als Volksprediger nahm er dessen Kritiken auf und verkündete sie während seiner Predigten in der Betlehemskapelle.

2.3 Die Lehren des Jan Hus

Wie bereits erwähnt kam Jan Hus schon während seines Studiums mit den Lehren Wycliffs in Berührung. Diese gab er in seiner Zeit als Prediger an das Volk weiter. Wycliff diente ihm als Leitbild. In seinem Handeln wurde er von König Wenzel unterstützt, der sich erhoffte die Kaiserkrone zu bekommen, was ihm jedoch durch das seit 30 Jahren andauernde Schisma und der zwei Päpste verwehrt blieb.

Hus wird zum Spielball der Obrigkeiten – vom König unterstützt vom Erzbischof jedoch mit einem Kirchenbann belegt. Solange Jan Hus unter dem Schutz von König Wenzel stand, brauchte er sich nicht um den Bann kümmern. Aber dies änderte sich 1411 mit der Wahl von Wenzels Bruder Sigismund zum Kaiser und dessen Geschick seinen Bruder mit in den Ablasshandel einzubeziehen, den Hus von Grund auf ablehnte.16

Durch die Verschärfung des Banns, blieben Hus nur noch die Predigten in der Betlehemskapelle um seine Überzeugungen und Lehren in die Gemeinde zu bringen.17

Die Ächtung Hussens, die Anklage von der Kurie wegen Häresie und Ketzerei und die angeordnete Verbrennung der Bücher Wycliffs führten schließlich dazu, dass Hus sich 1412 ins Exil auf die Burg Kozí begab und dort anfing seine Lehren in Schriften zu verfassen.18

Die wichtigsten seiner Schriften entstehen in den Jahren 1412 bis zu seiner Abreise nach Konstanz 1414: „Über den Ämterkauf“, „Über die Kirche“ (De ecclesia), die „Postille“ und die „Auslegungen“.19 Des Weiteren ließ Jan Hus das Traktat Von den sechs Verirrungen an die Wand der Betlehemskapelle anbringen, in denen er unter anderem ausschloss, dass Priester in der Lage wären den Leib Christi zu erschaffen. Zu den sechs Verirrungen merkt er zu Beginn an:

Eingedenk der sechs Verirrungen, denen Viele anheimfallen könnten, brachte ich die Schrift der Heiligen in der Betlehems-Kapelle an der Wand an, den Menschen zum Schutz: Die erste Verirrung betrifft die Schöpfung, die zweite den Glauben, die dritte die Vergebung der Sünden, die vierte den Gehorsam, die fünfte den Fluch, die sechste den Ämterkauf.[…]20

Schließlich kam er auch in seinem Exil in Südböhmen mit dem Landvolk in Berührung, denn er predigte regelmäßig unter freiem Himmel. Unter den Zuhörern befanden sich insbesondere die südböhmischen Bauern, die sich scharenweise zu seinen Predigten einfanden, weil sie hofften einen Ausweg aus ihrer Not zu finden. Hus verschärfte, durch die „andersartige“21 Zuhörerschaft, seine Kritik gegen die Kirche und alle anderen, die die Hörigen quälten und ausnutzten.22 Er war fest überzeugt davon, daß seine eigenen, sich auf die Bibel stützenden Ideen dieses Volk einem besseren Leben zuführen könnten und zögerte keinen Augenblick, für seine Ideen zu kämpfen. 23

Seine Predigten schienen Anklang zu finden, denn bereits 1413 diffamierte der einstige Studienkollege und Freund von Jan Hus, Stefan Pálec, den Magister, indem er behauptete, dieser habe einen neuen Glauben und eine neue Religion unter das Volk getragen, weil er frech verkündete, daß er allein die Bibel richtig erklären, darlegen und so Blinden die Augen öffnen könn e. 24

2.4 Das Konstanzer Konzil und der Tod des Jan Hus

1414 wurde schließlich das Konstanzer Konzil, durch das Einwirken Sigismunds auf Gegenpapst Johannes XXIII, einberufen. Auf diesem Konzil sollten besonders die Themen Schisma und dessen Beendigung, die Kirchenreform, sowie die Glaubensfragen erörtert und beschlossen werden. Die Gegner von Jan Hus sahen hier die Gelegenheit gegen Hus vorzugehen und verlangten seine Verurteilung als Ketzer. Hus wurde von Sigismund zum Konzil eingeladen und ihm wurde sicheres Geleit versprochen.25

Hin und hergerissen zwischen den Warnungen seiner Freunde und den Versprechungen des Königs entschied sich Hus letztendlich dafür, zum Konzil nach Konstanz zu reisen. Sicherlich beeinflussten auch die Angriffe gegen ihn und seine Anhänger führten diese Entscheidung. Im August 1414 liefen die Vorbereitungen für seine Reise auf Hochtouren.26 Das Konzil bot, nach der Ansicht von Jan Hus, die Gelegenheit seine Thesen dort, vor einer internationalen Öffentlichkeit, vertreten zu können. Trotz aller Gegenwehr war Hus fest davon überzeugt, sich im Recht zu befinden und nicht einer Irrlehre erlegen zu sein.27

[...]


1 Vgl. www.google.de: Bei der Eingabe des Suchwortes „Reformation“ verweist Google auf der ersten Seite auf Artikel und Internetseiten über Martin Luther. Ein ähnliches Ergebnis wird mit dem Suchwort „Reformator“ erzielt.

2 Hilsch, Peter: Johannes Hus. (um 1370 - 1415); Prediger Gottes und Ketzer. Regensburg 1999.

3 Vischer, Melchior: Jan Hus: sein Leben und seine Zeit. Frankfurt a. M. 1940.

4 Vgl. Soukup, Pavel: Jan Hus. Prediger - Reformator - Märtyrer. 1. Aufl. Stuttgart 2014 (Urban-Taschenbücher), S. 15.

5 Soukup, Jan Hus (wie Anm. 4).

6 Knefelkamp, Ulrich: Das Mittelalter. Geschichte im Überblick. 1. Aufl. Paderborn/Stuttgart 2008 (UTB 2105).

7 Knefelkamp, Das Mittelalter (wie Anm. 6), S. 334.

8 Vgl. Werner, Ernst: Jan Hus. Welt und Umwelt eines Prager Frühreformators. Weimar 1991 (Forschungen zur mittelalterlichen Geschichte 34) , S. 75: In einer Festrede anläßlich des Universitätsjubiläums 1404, "Abiciamus opera tenebrarum (1 Röm. 13, 12-13)" geißelte er die Unsittlichkeit, die Verweichlichung und Unmäßigkeit der Priester.

9 Riemeck, Renate: Jan Hus: Reformation 100 Jahre vor Luther; Anhang: Die drei Reden, die Hus in Konstanz nicht halten durfte. Frankfurt/M 1966 (Antworten: eine Paperbackbuchreihe), S. 27.

10 Knefelkamp, Das Mittelalter (wie Anm. 6).

11 Riemeck, Jan Hus: Reformation 100 Jahre vor Luther; Anhang: Die drei Reden, die Hus in Konstanz nicht halten durfte (wie Anm. 9), S. 20.

12 Vgl. Werner, Jan Hus (wie Anm. 8), S. 66.

13 Knefelkamp, Das Mittelalter (wie Anm. 6), S. 334.

14 Vgl. Kejř, Jiří [u.a.]: Die Causa Johannes Hus und das Prozessrecht der Kirche. Regensburg 2005, S. 17.

15 Pfersdorff, Heike [u.a.] (Hrsg.): Der Brockhaus Religionen. Glauben, Riten, Heilige. 2. Aufl. Leipzig/Mannheim 2007, S. 685.

16 Vgl. Hus, Jan: Schriften zur Glaubensreform und Briefe der Jahre 1414 - 1415. 13. Aufl. Frankfurt am Main 1969 (Sammlung Insel), S. 13f.

17 Hus, Schriften zur Glaubensreform und Briefe der Jahre 1414 - 1415 (wie Anm. 16), S. 15.

18 Knefelkamp, Das Mittelalter (wie Anm. 6), S. 334.

19 Hus, Schriften zur Glaubensreform und Briefe der Jahre 1414 - 1415 (wie Anm. 16), S. 15.

20 Hus, Schriften zur Glaubensreform und Briefe der Jahre 1414 - 1415 (wie Anm. 16), S. 27–66.

21 Die Zuhörerschaft in Südböhmen veränderte sich gegenüber der, zu der Hus in Prag predigte.

22 Vgl. Macek, Josef: Die Hussitenbewegung in Böhmen. 2. Aufl. Prag 1958, S. 28.

23 Macek, Die Hussitenbewegung in Böhmen (wie Anm. 22), S. 28.

24 Werner, Jan Hus (wie Anm. 8), S. 64.

25 Knefelkamp, Das Mittelalter (wie Anm. 6).

26 Vgl. Kejř [u.a.], Die Causa Johannes Hus und das Prozessrecht der Kirche (wie Anm. 14), S. 127f.: Unter anderem gehörte zu den Vorbereitungen, dass Hus öffentliche Aushänge in lateinischer, tschechischer und deutscher Sprache anbringen ließ, in denen er jeden aufforderte, der ihn der Ketzerei bezichtigte, dies in der Versammlung der Geistlichen oder auf dem Konzil zu tun.

27 Knefelkamp, Das Mittelalter (wie Anm. 6), S. 334.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Jan Hus. Wegbereiter für die Reformation Luthers?
Untertitel
Nachwirkungen des böhmischen Reformators
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Philosophische Fakultät - Historisches Seminar)
Veranstaltung
Voraussetzungen für die Reformation
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
12
Katalognummer
V460611
ISBN (eBook)
9783668913660
ISBN (Buch)
9783668913677
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wegbereiter, reformation, luthers, nachwirkungen, reformators
Arbeit zitieren
Katrin Deike (Autor), 2018, Jan Hus. Wegbereiter für die Reformation Luthers?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/460611

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