Diese Arbeit setzt sich mit dem professionsethischen und vom Bund vorgegeben Auftrag der Offenen Jugendarbeit auseinander und fokussiert sich, im Hinblick auf die Forderung nach sozialer Gerechtigkeit, auf die (Re)Produktion sozialer Ungleichheit. Ziel ist es, auf die Verstrickung Sozialer Arbeit in sozialen Ungleichheitsverhältnissen aufmerksam zu machen sowie Handlungsmöglichkeiten darzulegen, die der Vielschichtigkeit ihrer AdressatInnen und dem Auftrag gerecht werden. Zu Beginn der Arbeit wird der Intersektionalitätsansatz umfassend behandelt und Soziale Arbeit im Kontext sozialer Ungleichheit analysiert. In weiterer Folge wird die Lebensweltorientierung in der Offenen Jugendarbeit verortet und die gesellschaftskritische Ausrichtung thematisiert. Abschließend wird eine intersektionale lebensweltorientierte Offene Jugendarbeit skizziert sowie die daraus resultierenden Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Intersektionalität und Soziale Arbeit
2.1 Historischer Kontext
2.2 Soziale Arbeit und ihre Verstrickung in soziale Ungleichheitsverhältnisse
2.3 Intersektionalität als Analyseinstrument
2.3.1 Begriffsklärung
2.3.2 Intersektionale Mehrebenenanalyse nach Winker und Degele
3. Theoretische Grundlage der Offenen Jugendarbeit
3.1 Verortung der Lebensweltorientierung in der Offenen Jugendarbeit
3.2 Lebensweltorientierte Soziale Arbeit im Kontext sozialer Ungleichheit
3.3 Perspektiven einer intersektionalen lebensweltorientierten Offenen Jugendarbeit
4. Intersektionale Handlungsmaximen
5. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie die Offene Jugendarbeit intersektionale und lebensweltorientierte Handlungsmethoden integrieren kann, um der Reproduktion sozialer Ungleichheit entgegenzuwirken und ihrem professionellen sowie gesellschaftlichen Auftrag gerecht zu werden.
- Analyse der Verstrickung Sozialer Arbeit in gesellschaftliche Ungleichheitsverhältnisse.
- Einsatz der intersektionalen Mehrebenenanalyse nach Winker und Degele als Reflexionsinstrument.
- Verknüpfung von Lebensweltorientierung mit intersektionalen Ansätzen.
- Ableitung konkreter Handlungsmaximen für die Praxis der Offenen Jugendarbeit.
- Stärkung der Selbstreflexivität von Fachkräften zur Förderung diskriminierungsfreier Räume.
Auszug aus dem Buch
2.3.2 Intersektionale Mehrebenenanalyse nach Winker und Degele
Winker und Degele empfehlen eine Analyse, die vier Kategorien (Klasse, „Rasse“, Geschlecht, Körper) und drei Ebenen (Struktur, Identität, Repräsentation) beinhaltet. Die Anzahl der Kategorien, die in Wechselbeziehung zu den Ebenen gesetzt werden, variiert. Für die Strukturebene sind die vier genannten Kategorien heranzuziehen, da sich die Relevanz dieser vier Kategorien aus einer deduktiven Gesellschaftsanalyse ergibt. Auf der Repräsentations- und Identitätsebene hingegen, sind die Differenzkategorien offen konzipiert und werden aus einem induktiven Forschungsprozesses abgeleitet. AdressatInnen haben hier die Möglichkeit eigene brisante Kategorien zu thematisieren (Bsp. Religion). Die einzelnen Kategorien werden in der Interdependenz zur jeweiligen Ebene analysiert sowie auch die Wechselbeziehung zwischen den Ebenen untersucht. (Walgenbach 2017, S. 77-78)
Der Intersektionalitätsansatz nach Winker und Degele verfolgt einen praxeologischen Ansatz, der angelehnt ist an Pierre Bourdieus Theorie der Praxis. Bourdieus Ansichten eignen sich als Grundlage für eine intersektionale Gesellschaftsanalyse, weil erstens die Theorie empirisch fundiert konstruiert wird, was bedeutet, dass die Theorie der Logik der untersuchten, empirisch erfassbaren, sozialen Praxis folgen sollte. Für eine intersektionale Analyse bedeutet dies, dass obwohl die sozialen Kategorien und Dimensionen immer mitgedacht werden, zu aller erst die Lebenswelt der AdressatInnen analysiert wird. Wie konstruieren sie ihre Identität, wie erleben bzw. deuten sie ihren Alltag und werden Differenzkategorien dazu genutzt, um den Alltag darzustellen?
Zweitens werden, aufbauend auf den Aussagen der AdressatInnen die Strukturen und Repräsentationen, die den Alltag bzw. die Identität der AdressatInnen beeinflusst, analysiert. Bourdieu fordert hier eine Relativierung und Kontextualisierung, denn kein soziales Problem oder Phänomen, lässt sich durch das eigene Faktum selbsterklären. Vielmehr wird es durch in Beziehung setzten zu anderen Elementen charakterisiert. (Winker, Degele 2010, S. 63-64)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den professionsethischen Auftrag der Offenen Jugendarbeit und führt in die Problemstellung der (Re)Produktion sozialer Ungleichheit im Arbeitsfeld ein.
2. Intersektionalität und Soziale Arbeit: Dieses Kapitel erläutert den historischen Kontext von Intersektionalität und analysiert die Verstrickung der Sozialen Arbeit in gesellschaftliche Machtstrukturen sowie die Methode der intersektionalen Mehrebenenanalyse.
3. Theoretische Grundlage der Offenen Jugendarbeit: Hier wird die Lebensweltorientierung in der Jugendarbeit verortet und mit intersektionalen Perspektiven verknüpft, um eine fundierte Basis für die Praxis zu schaffen.
4. Intersektionale Handlungsmaximen: Das Kapitel bietet konkrete methodische Ansätze und Reflexionsmöglichkeiten für Fachkräfte, um intersektionale Analysen in den Arbeitsalltag zu integrieren.
5. Resümee: Das Resümee fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit kontinuierlicher kritischer Reflexion zur Förderung sozialer Gerechtigkeit in Institutionen.
Schlüsselwörter
Offene Jugendarbeit, Intersektionalität, Lebensweltorientierung, Soziale Arbeit, Soziale Ungleichheit, Soziale Gerechtigkeit, Mehrebenenanalyse, Empowerment, Diskriminierung, Machtverhältnisse, Professionelle Reflexion, Identitätskonstruktion, Partizipation, Heterogenität, Handlungsmaximen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie die Offene Jugendarbeit durch intersektionale und lebensweltorientierte Methoden ihre eigene Praxis kritisch reflektieren kann, um soziale Ungleichheit nicht weiter zu reproduzieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind Intersektionalität als Analysewerkzeug, das Konzept der Lebensweltorientierung, die Verstrickung Sozialer Arbeit in gesellschaftliche Machtverhältnisse sowie Möglichkeiten der professionellen Selbstreflexion.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Fachkräfte in der Offenen Jugendarbeit durch eine intersektionale Analyse ihre Angebote und ihr Handeln so gestalten können, dass sie der Vielschichtigkeit ihrer AdressatInnen gerecht werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit nutzt die intersektionale Mehrebenenanalyse nach Winker und Degele als methodisches Instrument für die Fallanalyse und als Grundlage für die Reflexion der institutionellen Arbeit.
Welche Inhalte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Im Hauptteil werden der historische Kontext der Intersektionalität, die theoretische Verortung der Lebensweltorientierung in der Offenen Jugendarbeit und die Verknüpfung dieser Ansätze zu konkreten Handlungsmaximen erörtert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Intersektionalität, Lebensweltorientierung, Soziale Ungleichheit, Empowerment und institutionelle Reflexion geprägt.
Wie trägt die intersektionale Analyse zur Professionalisierung der Jugendarbeit bei?
Durch die Analyse von Identitäts-, Repräsentations- und Strukturebene können Fachkräfte eigene Voreingenommenheiten und ungleichheitsgenerierende Mechanismen innerhalb der Institution aufdecken und minimieren.
Warum ist das Konzept des "öffentlichen Wohnzimmers" kritisch zu hinterfragen?
Das Konzept läuft Gefahr, sich auf bloßes "Abhängen" zu reduzieren, statt aktiv zur Subjektbildung beizutragen und politische Bildungsprozesse anzuregen, die für benachteiligte Jugendliche essentiell sind.
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- Ina Röck (Author), 2019, Intersektionale lebensweltorientierte Offene Jugendarbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/460778