Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Analyse aller geschossenen Freistöße aller Mannschaften der Österreichischen Tipico Bundesliga aus der Saison 2015/16. Diese Arbeit soll Auskunft darüber geben, ob es direkte Zusammenhänge zwischen Entfernung, Schussart, Schussfuß, Zeitraum, Anzahl der Personen in der gestellten Mauer oder der Position des Freistoßes hinsichtlich des Torerfolgs gibt. Dabei ist dies die erste Studie, die sich über einen objektiven Beobachtungsbogen und einer anschließenden multimedialen computergestützten Systematischen Spielanalyse ausschließlich dem Standard des Freistoßes in dieser Liga widmet.
Die Erhebung, Auswertung und Präsentation von Informationen durch die Systematische Spielanalyse nimmt im Leistungsbereich des modernen Fußballsports einen hohen Stellenwert ein. Bezogen auf den Standard Freistoß stellt das Onlineportal RAN (2016) auf Grundlage der Datenbank optasports die Top Ten der effektivsten Freistoß-Schützen des Jahres 2016 vor. Der Deutschtürke Hakan Calhanoglu beispielsweise belegt mit einer Freistoßquote von 13,3% Platz acht. Er verwertete vier Freistöße aus insgesamt 30 Versuchen. Betrachtet man diese Freistoßquoten der effektivsten Freistoßschützen aller europäischen Fußball-Ligen der Saison 2015/16 näher, so scheint das Verhältnis der erfolgreich verwerteten Freistöße im Verhältnis zu allen Versuchen gering zu sein.
Als beste Freistoßschützen werden Namen wie Christiano Ronaldo, Lionel Messi oder Robert Lewandowski vermutet. Wider Erwarten ist es jedoch Zlatko Junuzović, offensiver Mittelfeldspieler bei Werder Bremen. Er hat eine Trefferquote von 23,5% (vier von 17 Freistößen). Das macht ihn in der vergangenen Saison, verglichen mit allen Spielern führender europäischer Fußballliegen, zum erfolgreichsten Freistoßschützen. Gemessen an der 5-Jahres-Wertung der UEFA 2015/16, sind das die Liga Nos (Portugal), die Serie A (Italien), die Bundesliga (Deutschland) und die Premier League (England) hinter dem Spitzenreiter aus Spanien, der Primiera División.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Spielanalyse im Leistungsfußball
2.1 Konzeption der systematischen Spielanalyse
2.2. Theoretische Einführung
2.2.1 Die quantitative Spielanalyse
2.2.2 Die qualitative Spielanalyse
2.2.3 Spielbeobachtung im Fußball
2.2.4 Formen der Spielbeobachtung
2.3 Gütekriterien der Spielbeobachtung und Spielanalyse
2.3.1 Hauptgütekriterien
2.3.2 Nebengütekriterien
2.4 Grenzen der systematischen Spielanalyse
3. Die Spielanalyse in der Fußballpraxis
3.1 Ziele der systematischen Spielanalyse in der Fußballpraxis
4. Der Freistoß als Standardsituationen im Fußball
5. Zusammenfassung
6. Methodik
6.1 Design
6.2 Durchführung
6.3 Datenanalyse
7. Ergebnisse
7.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
8. Diskussion
9. Fazit & Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, alle direkten und indirekten Freistöße der Mannschaften der österreichischen Tipico-Bundesliga der Saison 2015/16 systematisch zu analysieren, um direkte Zusammenhänge zwischen verschiedenen Situationsvariablen wie Entfernung, Schussart, Schussfuß oder Mauerkonstellation und dem Torerfolg zu untersuchen.
- Methodische Grundlagen der systematischen Spielanalyse und Spielbeobachtung
- Analyse von Standardsituationen, speziell Freistößen, im modernen Fußball
- Empirische Untersuchung von 255 Freistößen der Tipico-Bundesliga 2015/16
- Überprüfung von Hypothesen zu Erfolgskriterien bei der Freistoßausführung
- Evaluierung der Leistungsfähigkeit von Freistoßschützen und Verteidigungsstrategien
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Die quantitative Spielanalyse
Mit Hilfe der quantitativen Spielanalyse werden bestimmte Spielsituationen oder sich wiederholende Ereignisse eines Fußballspiels gezählt und in einem hohen objektiven Grad erfasst. Diese sind zuvor klar definiert, kategorisiert und festgelegt worden. Da die vorausgegangene Definition der Spielanalyse besagt, dass die reine Beobachtung nicht ausreichend ist, müssen die erhobenen Daten statistisch verarbeitet, tabellarisch oder grafisch dargestellt und fachlich interpretiert werden (Winkler, 2000). Zählbare Angaben sind bspw. die Spielminute, der Spieltag, die Freistoßposition, die Schussart oder der Torschütze (Loy, 2006). Aber auch Performancedaten, wie Laufdistanz, Schnelligkeit und Laufwege können im professionellen Fußball mit in die Analyse einbezogen werden (Hardt, 2016).
Im Falle des Standards Freistoß werden diese nicht nur gezählt. Sie werden darüber hinaus nach Kriterien wie direkt, indirekt, erfolgreich oder nicht erfolgreich eingeordnet. Untersucht eine Studie erfolgreich verwertete Freistöße, so muss vorher definiert werden, wann ein Freistoß als erfolgreich bzw. nicht erfolgreich gilt. Dabei befasst sich die quantitative Spielanalyse zumeist mit individual-taktischen oder individual-technischen Handlungen wie Ballkontakten, angekommenen Pässen, abgegebenen Torschüssen, geschlagenen Flanken, begangenen Fouls oder erfolgreichen Zweikämpfen (Krüger & Otto, 2012). Die quantitative Spielanalyse stellt also eine statistische Erfassung von Spielhandlungen samt der Aufbereitung dieser dar. Der größte Vorteil dieser Methode liegt dabei in der Objektivität. Sie liegt darin begründet, dass die eng definierten Kategorien einfach nur ausgezählt werden. Dadurch soll eine subjektive Interpretation vorerst ausgeschlossen werden. Die Ergebnisse können für die Übersicht in Tabellen und Grafiken aufbereitet und veranschaulicht werden (Hellwig, 2010).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Bedeutung der systematischen Spielanalyse für den modernen Fußball, benennt die Problemstellung und definiert das Ziel der Arbeit, Freistöße der österreichischen Tipico-Bundesliga 2015/16 zu untersuchen.
2. Spielanalyse im Leistungsfußball: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Spielanalyse, unterscheidet zwischen quantitativen und qualitativen Methoden und definiert Gütekriterien für eine wissenschaftlich fundierte Beobachtung.
3. Die Spielanalyse in der Fußballpraxis: Hier wird der Prozess der Spielanalyse in der Praxis dargestellt, wobei insbesondere die Zielsetzung und die Kombination aus Beobachtung und Auswertung für das Trainer-Coaching hervorgehoben werden.
4. Der Freistoß als Standardsituationen im Fußball: Dieses Kapitel definiert den Freistoß als Standardsituation und erläutert die regeltechnischen Bedingungen sowie die verschiedenen Formen, die zu direkten oder indirekten Freistößen führen.
5. Zusammenfassung: Es erfolgt eine Zusammenfassung bisheriger Forschungsergebnisse zu Freistößen im Leistungssport, gefolgt von der Formulierung der zu überprüfenden Hypothesen für den empirischen Teil.
6. Methodik: Der methodische Abschnitt beschreibt das Design des Beobachtungsbogens, die Durchführung der Datenerhebung anhand von Videozusammenschnitten und die angewandten statistischen Analyseverfahren.
7. Ergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert die erhobenen Daten in grafischer und schriftlicher Form, wobei die Verteilungen der Freistoßmerkmale in der untersuchten Saison im Fokus stehen.
8. Diskussion: Die Ergebnisse werden kritisch reflektiert, die aufgestellten Hypothesen verifiziert oder falsifiziert und Interpretationen hinsichtlich psychologischer oder taktischer Faktoren vorgenommen.
9. Fazit & Ausblick: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf die Notwendigkeit weiterer Studien zur technologischen Weiterentwicklung der Spielanalyse.
Schlüsselwörter
Systematische Spielanalyse, Leistungsdiagnostik, Fußball, Freistoß, Standardsituation, Spielbeobachtung, quantitative Analyse, qualitative Analyse, Gütekriterien, Datenerhebung, Kinovea, Statistik, SPSS, Leistungsoptimierung, Taktik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der systematischen Analyse von direkten und indirekten Freistößen in der österreichischen Tipico-Bundesliga während der Saison 2015/16.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Arbeit deckt Themen wie die Methodik der Spielanalyse, die Leistungsdiagnostik im Fußball sowie spezifische taktische und technische Aspekte bei Standardsituationen ab.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Zusammenhänge zwischen Variablen wie Entfernung, Schussart, Schussfuß und Mauerkonstellation in Bezug auf den Torerfolg bei Freistößen zu identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine systematische Spielanalyse durchgeführt, bei der Daten mittels eines objektiven Beobachtungsbogens erhoben, statistisch ausgewertet und im Rahmen von 255 Freistoß-Sequenzen analysiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen der Leistungsdiagnostik, eine detaillierte methodische Beschreibung der Datenerhebung mittels Software sowie die anschließende empirische Ergebnisdarstellung und Diskussion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlüsselwörter sind Systematische Spielanalyse, Fußball, Freistoß, Standardsituation, Leistungsdiagnostik und quantitative/qualitative Analyse.
Welche Rolle spielt das Videoprogramm Kinovea in der Studie?
Kinovea dient als technisches Hilfsmittel zur exakten Messung von Entfernungen (z. B. Torhüter zum Pfosten) und zur Lupenfunktion bei der Analyse von Spielerzahlen in der Mauer.
Was besagt die 5. Hypothese der Untersuchung?
Die 5. Hypothese geht davon aus, dass verwertete Freistöße vorrangig in der sogenannten "Mauerecke" fallen, da diese dem Schützen mehr Fläche bietet und dem Torhüter die Sicht erschwert.
Wie lautet die Schlussfolgerung bezüglich der Tabellenregionen?
Die statistische Überprüfung mittels Kruskal-Wallis-Test ergab keine signifikanten Unterschiede bezüglich der Anzahl an Freistößen oder Freistoßtoren zwischen den Mannschaften der oberen und unteren Tabellenhälfte.
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- B. Henning (Autor), 2017, Systematische Spielbeobachtung und Spielanalyse im Fußball, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/460871