Sachanalyse zum Thema "Staatsorgane". Eine fachdidaktische Analyse von "Wahlen mit 16"

Sozialkunde in einer 9. Klasse


Studienarbeit, 2018
13 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Sachanalyse - Die Staatsorgane
1.1. Einleitung
1.2. Sachanalyse
1.2.1 Der Bundesrat
1.2.2 Der Bundestag
1.2.3 Der Bundespräsident
1.3 Fazit und Bezug auf den Beutelsbacher Konsens
1.4. Literaturverzeichnis

2. Didaktische Analyse: Wahlen mit 16
2.1 Themenauswahl
2.2 Didaktische Analyse der Themenauswahl
2.2.1 Unterrichtszusammenhang
2.2.2 Exemplarisches Lernen und Struktur
2.2.3 Aktualität / Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung
2.2.4 Problemorientierung und Kontroversität
2.2.5 Handlungsorientierung
2.3. Grobplanung Unterrichtsverlauf
2.4 Literaturverzeichnis

1. Sachanalyse - Die Staatsorgane

1.1. Einleitung

Der Rahmenlehrplan des Faches Sozialkunde setzt der Jahrgangsstufe 9 die Thematik der politischen Ordnung als Vorgabe. Im Rahmen dieses Sachinhaltes ist der politische Prozess im Regierungssystem der Bundesrepublik Deutschland zu thematisieren. Zielführend ist, dass es den Schülern möglich wird, politische Institutionen und Strukturen beschreiben zu können und Beziehungen zwischen ihnen zu erkennen und zu analysieren. Eine wichtige Komponente für ein fundiertes Verständnis dafür stellen die Verfassungsorgane dar. Die politische Willensbildung vollzieht sich weitgehend im Rahmen von Institutionen. Daher ist auch die strukturelle Seite des Regierungssystem ein Teil politischer Bildung und deren Inhalt im Unterricht zu erschließen (vgl. Janssen 1997, S. 37). Daher führe ich nachfolgend eine Sachanalyse nach der Methode von Janssen zu dieser Thematik durch. Die geplanten Unterrichtseinheiten werden drei, höchstens vier Doppelstunden umfassen. Um die Lerneinheiten nicht zu überfrachten, habe ich drei Verfassungsorgane (Bundesrat, Bundestag und den Bundespräsidenten) ausgewählt, um die Thematik zu konkretisieren und zu begrenzen. Meines Erachtens ist die Behandlung dieser im Sozialkundeunterricht wichtig, da diese Organe sind, die eng miteinander verflochten sind und Repräsentationsinstanzen darstellen. Es fließen viele Faktoren zusammen (beispielsweise der Gesetzgebungsprozess, Länderinteressen, Sachpolitik etc.). Diese bilden eine gute Grundlage für die politische Urteilsbildung der Schüler und auch eine kritische Auseinandersetzung mit der Thematik, die meine Unterrichtseinheiten für die Schüler auch zu einer interessanten Stunde werden lassen.

1.2. Sachanalyse

1.2.1 DER BUNDESRAT

Schon im Norddeutschen Bund und im Deutschen Reich gab es eine Vor-Form des Bundesrates, der aus Vertretern des Bundes bestand und mit dem Reichstag die Reichsgesetzgebung ausübte. Der Bundesrat, in seiner heute bekannten Form, wurde am 23. Mai 1949 gegründet (vgl. Stein 1993, S. 67).

Allgemeingültig gesprochen, ist der Bundesrat „die Vertretung des Staatsvolkes auf Bundesebene“ (Stein 1993, S. 67) und bildet das gemeinsame Verfassungsorgan der Länder auf Bundesebene (vgl. Pötzsch 2009, S. 86). Eine große Anzahl an Verwaltungsvorschriften müssen vom Bundesrat bestätigt werden, um in Kraft zu treten (vgl. Bormann 2001, S. 36).

Die 16 Bundesländer entsenden zwischen drei und sechs Mitglieder in den Bundesrat und haben ebenso viele Stimmen. Jedes Land hat mindestens drei Stimmen, Länder mit mehr als zwei Millionen Einwohnern haben vier, mit mehr als sechs Millionen fünf und mit mehr als sieben Millionen Einwohnern sechs Stimmen (Art. 51 Abs. 2 GG). Ein Bundesland stellt abwechselnd für ein Jahr einen Bundesratspräsidenten, welcher als Vertreter des Bundespräsidenten fungiert (vgl. Pötzsch 2009, S. 86). Im Unterschied zu Mitgliedern des Bundestages sind Mitglieder des Bundesrates weisungsgebunden und genießen keine Immunität.

Der Bundesrat wirkt nach zwei Befugnissen: Dem Zustimmungsgesetz und dem Einspruchsgesetz. Ersteres tritt in Kraft, wenn Entscheidungen die Länder betreffen. Der Bundestag kann hier eine Ablehnung nicht überstimmen. Solchen Gesetzen muss vom Bundesrat eindeutig zugestimmt werden (vgl. Stein 1993, S. 68).

In Bezug auf Einspruchsgesetze ist der Bundesrat weitaus eingeschränkter. Es kann Einspruch gegen das eingereichte Gesetz gegeben werden, allerdings kann der Bundestag diesen zurück weisen (vgl. Stein 1993, S. 68).

Weiterhin bedient der Bundesrat eine wichtige Kontrollfunktion gegenüber Bundestag und Bundesregierung. Er wacht darüber, dass „die Gesetzgebung des Bundes nicht die Kompetenzen der Länder aushöhlt“ (Pötzsch 2009, S. 71).

1.2.2 DER BUNDESTAG

„Die zentrale Position im Gefüge der Institutionen nimmt der Deutsche Bundestag ein, vertritt er doch im Sinne der repräsentativen Demokratie den Souverän, nämlich das wahlberechtigte Volk.“ (Bormann 2001, S. 30)

Bundestagsabgeordnete fungieren als Vertreter der Bürger und werden in unmittelbaren, freien, gleichen und geheimen Wahlen nach Artikel 38 GG bestimmt. Es werden die aktuell relevanten politischen Strömungen abgebildet (vgl. Stein 1993, S. 69).

Die 656 Sitze im Bundestag werden zur Hälfte über die Wahlkreise mit der Erststimme festgelegt. Per Hare-Niemeyer-Verfahren werden die Zweitstimmen ausgezählt und bestimmen die zweite Hälfte der Sitze im Bundestag. Die Anzahl der Sitze kann sich durch Überhangmandate erhöhen (vgl. Bormann 2001, S. 31). Der erste deutsche Bundestag wurde am 14. August 1949 gewählt. Um eine Fraktion im Bundestag zu bilden, muss eine Partei eine Stärke von mindestens fünf Prozent haben. Die Abgeordneten einer Fraktion verteilen Ihre Sitze auf die Ausschüsse, das Präsidium und den Ältestenrat (vgl. Pötzsch 2009, S. 55).

Die Aufgaben des Bundestags gestalten sich vielfältig und lassen sich in vier Grundfunktionen eingrenzen.

Herausragende politische Bedeutung hat der Bundestag in der Besetzung anderer Staatsorgane, wie zum Beispiel die Wahl des Bundeskanzlers. Weiterhin nimmt die Institution eine wichtige Stellung in der Wahl des Bundespräsidenten, der Wahl der Richter des Bundesverfassungsgerichts und der Besetzung der obersten Bundesgerichte ein (vgl. Pötzsch 2009, S.60).

Die Kontrolle der Exekutive gilt als Kernstück des Systems von checks and balances. Die Instrumente liegen hierbei in den Informationsrechten der Abgeordneten, dem Einsetzen von Untersuchungsausschüssen, das Einsetzen eines Wehrbeauftragten, der Überarbeitung von Gesetzesentwürfen, die Kontrolle des Haushalts, die Verweigerung des Vertrauens und das Aussprechen des konstruktiven Misstrauensvotums (vgl. Pötzsch 2009, S. 58).

Außerdem hat der Bundestag ein Recht zum Ergreifen der Gesetzesinitiative, sodass er die Initiative zu neuen Gesetzen einsetzen kann (vgl. Stein 1993, S. 70f).

Der Bundestag besetzt eine wichtige Repräsentationsfunktion. Das bedeutet, dass alle wichtigen politischen Strömungen und Haltungen zu Wort kommen. Die Kommunikation zum Volk wird durch die Parteien und deren bzw. weitere Interessenverbände gesichert (vgl. Pötzsch 2009, S. 59).

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die klassische und zentrale Funktion des Bundestages darin liegt, die Interessen der Bürger direkt zu vertreten und so Gesetze und Haushaltsentscheidungen zu diskutieren und festzulegen.

1.2.3 DER BUNDESPRÄSIDENT

In der Bundesrepublik Deutschland vertritt der Bundespräsident das Amt des Staatsoberhauptes. Dieser wird für fünf Jahre von der Bundesversammlung gewählt und kann bis zu zwei Amtszeiten antreten. Jeder Deutsche, der das 40. Lebensjahr vollendet hat kann zum Bundespräsidenten gewählt werden (vgl. Pötzsch 2009, S. 97).

Im internationalen Vergleich hat der Bundespräsident relativ wenig Macht (vgl. Pötzsch 2009, S. 97). Diese Eingrenzung wurde nach dem 2. Weltkrieg beschlossen, um die neue Demokratie sicherer zu gestalten und um zu verhindern, dass zu viel Macht in eine Hand fällt.

„Der Bundespräsident spielt die Rolle des entmachteten Monarchen“ (Stein 1993, S. 99). Somit ist seine essentielle Aufgabe, das Land nach innen und außen zu vertreten. Dies kann durch öffentliche Auftritte und Vertragsunterzeichnungen mit anderen Staaten geschehen (vgl. Pötzsch 2009, S. 98).

Weiterhin besitzt der Bundespräsident zahlreiche durch das Grundgesetz definierte Aufgaben. Nach Artikel 28 GG unterzeichnet und fertigt er Gesetze aus. Artikel 64 besagt, dass er für die Ernennung und Entlassung von Bundesministern, sowie Bundesrichtern, Bundesbeamten, Offizieren und Unteroffizieren (Artikel 60/1 GG) zuständig ist. Außerdem übt er nach Artikel 60/2 für den Bund das Begnadigungsrecht aus.

Ebenfalls wichtig ist die nach Artikel 63 geregelte Wahl des Bundeskanzlers. Der Bundespräsident kann einen Kandidaten zur Wahl vorschlagen. Wenn der Bundeskanzler im Falle einer Vertrauensabstimmung keine Mehrheit erreicht, kann der Bundespräsident den Bundestag auflösen (Artikel 68 GG).

1.3 Fazit und Bezug auf den Beutelsbacher Konsens

1976 veranstaltete die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg eine Fachtagung in Beutelsbach. Nach dem vorangegangenen Richtlinienstreit Anfang der siebziger Jahre über die politischen und didaktischen Inhalte der neuen Lehrpläne für politische Bildung in den Ländern Hessen und Nordrhein-Westfalen wurden dort gemeinsame Grundsätze für einen didaktischen Minimalkonsens herausgearbeitet. Dieses Tagungsprotokoll ging als "Beutelsbacher Konsens" in die Geschichte der politischen Bildung in Deutschland ein, markiert den Wendepunkt hin zu einer Professionalisierung und bildet seither das Fundament der Politikdidaktik. (vgl. Reinhardt 2016, S. 29)

In Bezug auf die Staatsorgane wirkt der Konsens beinahe wie eine Binsenweisheit, da ein Politiklehrer natürlich positiv gegenüber den Grundlagen und der Ausübung der Demokratie gestellt sein sollte. Allerdings findet das Überwältigungsverbot, welches eine Indoktrination verbietet, hier Gebrauch, indem eventuelle Kritikpunkte am System der Staatsorgane nicht im Keim erstickt werden. Schüler können das Staatsgeschehen immer hinterfragen und auch Kritik äußern, da sie das System für undurchsichtig halten und ihre Interessen nicht vertreten sehen. Hier muss die Lehrkraft vermittelnd auftreten und auf Grund des eigenen Wissenstandes und der eigenen Haltung nicht erdrückend wirken. NANE MÖLLER 6

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Details

Titel
Sachanalyse zum Thema "Staatsorgane". Eine fachdidaktische Analyse von "Wahlen mit 16"
Untertitel
Sozialkunde in einer 9. Klasse
Hochschule
Universität Rostock  (Verwaltungs-und Politikwissenschaften)
Veranstaltung
Fachdidaktik Sozialkunde 1
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
13
Katalognummer
V460904
ISBN (eBook)
9783668885608
ISBN (Buch)
9783668885615
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sozialkunde, Fachdidaktik, Sozialwissenschaften
Arbeit zitieren
Nane Möller (Autor), 2018, Sachanalyse zum Thema "Staatsorgane". Eine fachdidaktische Analyse von "Wahlen mit 16", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/460904

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