Als der britische Physiker und Informatiker Sir Timothy Berners-Lee 1989 am Schweizer CERN das erste Hypertext-System aufbaute, war ihm wahrscheinlich noch nicht bewusst, welche Auswirkungen dies haben würde. Das Grundgerüst des World Wide Web wurde weiter entwickelt und feiert seitdem einen unmessbaren Erfolg quer über alle Kontinente. Allein in Deutschland sind im Jahr 2011 73,3 % der Bevölkerung online. Beim Start der jährlichen ARD/ ZDF Onlinestudie 1997 waren es lediglich 6,5 %.
Die Vorteile des Mediums Internet liegen klar auf der Hand: frei verfügbare Informationen und Kommunikation für jedermann zu jeder Zeit. In einer zunehmend individualisierten Welt wird auch flexibler Wissens- und Unterhaltungszugang von zumeist jungen Konsumenten immer mehr geschätzt. Diese Welt des Fortschritts und der Schnelllebigkeit scheint konträr zu jener des altruistischen Gebens und Teilens, in der Werte und Ideale wichtig sind. Das „Spenden“ hat ein verstaubtes Image, dass eher mit einer älteren, gesetzteren Zielgruppe assoziiert wird.
Können diese beiden Welten voneinander lernen und profitieren? Wie sind Fundraising und das Web 2.0 miteinander vereinbar und wie können sie zusammen wirken? Und worauf sollte man achten, damit die sozialen Medien keinen Image-Schaden oder gar Spenderverluste mit sich bringen? Dies soll in dieser Hausarbeit untersucht werden.
Dabei wird zunächst eine kurze Begriffsklärung durchgeführt, anschließend werden die verschiedenen Möglichkeiten des Online-Spendens anhand von Beispielen erläutert. Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Risiken der Internettätigkeit von Fundraisern, zeigt Möglichkeiten auf das Vertrauen der Nutzer zu erlangen und gibt eine kurze Prognose für die Zukunft ab.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Begriffsklärung
2 Möglichkeiten des eFundraisings für Spendensammler
2.1. Spendenportale
2.1.1 betterplace.org
2.1.2 HelpDirect.org
2.1.3 Alvarum
2.1.4 Vorteile von Spendenportalen
2.2. Soziale Netzwerke
2.3. Google Grants/ Google AdWords
3 Risiken für Fundraiser
4 Möglichkeiten Vertrauen zu schaffen
5 Potentiale und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Integration von Fundraising-Aktivitäten in das Web 2.0, wobei Möglichkeiten der Mittelakquise sowie damit verbundene Risiken und Vertrauensfragen analysiert werden.
- Grundlagen des Fundraisings und Web 2.0
- Einsatz von Spendenportalen und sozialen Netzwerken
- Suchmaschinenmarketing als Instrument der Mittelbeschaffung
- Risiken im Umgang mit Nutzerdaten und Transparenz
- Strategien zur Vertrauensbildung gegenüber Spendern
Auszug aus dem Buch
2.1.2 HelpDirect.org
Neben betterplace.org gibt es jedoch eine Vielzahl weiterer Spendenportale, die mit unterschiedlichen Online-Auftritten, Zahlungstrukturen und Verlässlichkeitsnachweisen um die Aufmerksamkeit und vor allem das Geld der Spender werben. Dies sind z.b. Alvarum, spendenportal.de, helpedia.de, das gls spendenportal.de der GLS-Bank, das Spendenportal der Bank für Sozialwirtschaft, www.heelp.de und HelpDirect.org. Letzteres existiert bereits seit 1999 und ist – wie betterplace.org – einer der führenden Anbieter in Deutschland für die Förderung internationaler Hilfsprojekte. Auf der Seite vom HelpDirect.org heißt es: „In den ersten 10 Jahren konnten über HelpDirect ca. 2.500 Hilfsprojekte aus 130 Ländern von über 700 Organisationen unterstützt werden. Bisher entstand so ein Spendenvolumen von mehreren Millionen Euro.“
Auch diese Nutzung ist kostenlos und wird durch Sponsoren und Direktspender finanziert. Und auch hier gibt es eine GmbH, die im Bereich Social Business tätig ist und ihre Gewinne teilweise an die Spendenplattform abführt. HelpDirect listet die einzelnen Organisationen und deren Projekte auf, gibt aber auch die Möglichkeit an thematisch sortierte Spendenpools zu spenden. So kann ein Nutzer z.B. bei Überforderung durch die Menge der Projekte auch einfach die Kategorie Bildung oder Menschenrechte wählen. Das Geld verteilt HelpDirect dann zu gleichen Teilen an die bis zu 10 Projekte, die pro Pool zusammengefasst worden sind. Auch gibt es Geschenkkarten, die man online bestellen und mit einem Wunschmotiv versehen kann. Diese werden durch den Schenker mit einem Geldwert versehen und der Beschenkte kann die Spende an die Organisation seiner Wahl weitergeben. Somit wird die Spende von der Online-Welt in die reale geholt. Der Schenker hat etwas Greifbares, das er übergeben kann und der Beschenkte setzt sich intensiv mit seinem Geschenk, das gleichzeitig Spende ist, auseinander, da er selbst die Auswahl des zu unterstützenden Projektes treffen kann.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in das Thema und die Fragestellung zur Vereinbarkeit von Fundraising und Web 2.0.
1 Begriffsklärung: Definition der zentralen Begriffe Fundraising und Web 2.0 als theoretische Grundlage.
2 Möglichkeiten des eFundraisings für Spendensammler: Analyse verschiedener digitaler Kanäle wie Portale, soziale Netzwerke und Suchmaschinen.
3 Risiken für Fundraiser: Betrachtung potenzieller Gefahren wie mangelnde Transparenz, Spam und Datenschutzprobleme.
4 Möglichkeiten Vertrauen zu schaffen: Untersuchung von Strategien und Institutionen zur Sicherung der Glaubwürdigkeit bei Online-Spenden.
5 Potentiale und Ausblick: Zusammenfassung der künftigen Entwicklungsmöglichkeiten für gemeinnützige Organisationen im Internet.
Schlüsselwörter
Fundraising, Web 2.0, NPO, NGO, Online-Spenden, Spendenportale, Soziale Netzwerke, Transparenz, Vertrauen, Crowdfunding, Virales Marketing, CSR, Social Business, Spenderkommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Einfluss des Web 2.0 auf die Fundraising-Praktiken gemeinnütziger Organisationen und den damit verbundenen neuen Chancen und Herausforderungen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf digitalen Spendenplattformen, der Nutzung sozialer Medien für karitative Zwecke sowie dem kritischen Bereich der Vertrauensbildung und Datensicherheit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie NPOs das Web 2.0 nutzen können, um Spender zu gewinnen, und worauf sie achten müssen, um dabei professionell und vertrauenswürdig zu agieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturrecherche und der Analyse aktueller Praxisbeispiele und Studien zur Internetnutzung im Spendenwesen.
Was wird im Hauptteil detailliert beleuchtet?
Der Hauptteil analysiert konkrete Fundraising-Tools wie Spendenportale, Social-Media-Kanäle wie Facebook und Twitter sowie Google-Grants-Programme und diskutiert die Risiken der Online-Interaktion.
Welche Schlagworte charakterisieren das Werk?
Typische Charakteristika sind die Transformation von Spendenabläufen durch Interaktivität, die Bedeutung von Transparenz sowie das Konzept des "effizienten Idealismus" der heutigen Spendergeneration.
Wie gehen Spendenportale mit dem Thema Transparenz um?
Portale setzen auf unterschiedliche Ansätze, von der Kontrolle durch die Community ("Schwarmintelligenz") bis hin zu zertifizierten Bewertungssystemen wie dem "HelpRank".
Welche Rolle spielen Prominente beim Online-Fundraising?
Sie agieren als Multiplikatoren, die über ihre eigenen Social-Media-Kanäle eine enorme Reichweite erzielen und durch ihr Engagement Authentizität für die beworbene Sache schaffen können.
- Citar trabajo
- Bianka Thielcke (Autor), 2012, Fundraising im Web 2.0. Möglichkeiten und Risiken, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/460992