Ein "Scheinproblem" ist das Leib-Seele-Problem wohl nur dann, wenn man Geist und Materie, Psychisches und Körperliches einfach für identisch erklärt, was ich für nachweislich falsch halte. Mein Körper, das ist zunächst etwas Materielles, Organisches, in Raum und Zeit Feststellbares. Mein Leib, das ist der religiös verklärte, der beseelte Körper. Die Seele nannte Aristoteles 'Psyche' und definierte sie als "die Form des Körpers" und als das zweckgerichtete (entelechetische) Lebensprinzip, das, was den Körper am Leben hält. Heute meinen wir mit Seele und Psyche vor allem die individuelle, je-meinige Art, in der ich mich und die Welt erlebe.
Candace B. Pert analysiert (2001) das gesamte zelluläre beziehungsweise energetische Geschehen im menschlichen Organismus als "dynamisches Informationsgeschehen", wodurch der latente Dualismus von Leib und Seele überwunden werde, und zwar durch die durch den "Körpergeist" bewirkte "informationelle Interaktion". Hieraus lässt sich eine neue Hypothese des Interaktionismus entwickeln, und zwar an Hand eines neuen, dialektisch-materialistischen Informationsbegriffs.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Subjekt-Sein und Leib-Seele-Problem
2.1 Dialektik und Information
2.2 Interaktionismus und Materie
2.2.1 Quanteninformation als Weltsubstrat
2.2.2 Autoadaptions-Theorie und Subjektivität
3. Semiotik und Informationstheorie
4. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, das klassische Leib-Seele-Problem durch einen dialektisch-materialistischen Informationsbegriff neu zu interpretieren und einer Lösung näherzubringen, wobei die Trennung von Materiellem und Geistigem durch informationelle Interaktionsprozesse überwunden werden soll.
- Überwindung des Dualismus zwischen Leib und Seele
- Integration von Informationstheorie und Dialektik
- Analyse der informationellen Einheit von Körper, Geist und Emotionen
- Untersuchung der Rolle von Subjekt-Objekt-Beziehungen
- Verknüpfung von Informationstheorie mit der Semiotik
Auszug aus dem Buch
Mit Leib, Seele und Information. Ein Vorschlag zur Lösung des Leib-Seele-Problems
Koitieren, urinieren, fühlen, schmecken, reflektieren, sprechen, träumen – alles ein- und dasselbe? Natürlich können die genannten Aktionen allesamt von ein- und derselben Person vollzogen werden. Sind sie deshalb wesensgleich, evtl. sogar in qualitativer Hinsicht? Nur einer einzigen, immer gleichen Sinn- und Bedeutungsebene zuzuordnen? Überlegungen dieser Art gehen einem immer wieder durch den Kopf, wenn man über das Leib-Seele-Problem nachdenkt.
Und dies ändert sich auch nicht, wenn man bedenkt, dass manche Theoretiker darin ein bloßes „Scheinproblem“ sehen. Eine Annahme, die doch allenfalls dann berechtigt sein könnte, wenn man Geist und Materie, Psychisches und Körperliches einfach für identisch erklärt, was ich für nachweislich falsch halte. „Wie kommt der Geist in die Hose?“ „Wie können Theologen behaupten, die Seele sei unsterblich?“ „Der Geist weht, wo er will?“ Angesichts solcher Fragen und Probleme glaubt man jedenfalls zu wissen, worin die Aufgabe besteht: Die Nuss zu knacken, den Dingen auf den Grund zu gehen, endlich Klarheit zu gewinnen.
Aber wie? Müssen nicht zunächst wenigstens die Grund- und Schlüsselbegriffe definiert werden? Was ist denn der Leib im Unterschied zum Körper? Worin unterscheiden sich Körper, Seele, Psyche und Geist? Existiert der Mensch, auch und gerade als Person, nicht immer als Einheit, wenn nicht substanziell, so doch wenigstens akzidentiell? Körper und Leib, Psyche und Seele – diese Unterscheidungen verdanken wir vor allem der christlichen Theologie. Mein Körper, das ist zunächst und vor allem etwas Materielles, Organisches, in Raum und Zeit Feststellbares. Mein Leib, das ist der religiös verklärte, der beseelte Körper. Und die Seele? Aristoteles nannte sie Psyche und definierte diese als „die Form des Körpers“ und als das zweckgerichtete (entelechetische) Lebensprinzip, das, was den Körper am Leben hält.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Komplexität des Leib-Seele-Problems ein und hinterfragt die traditionelle Trennung von Körper, Seele und Geist.
2. Subjekt-Sein und Leib-Seele-Problem: Dieses Kapitel exploriert die dialektische Verbindung zwischen Subjekt-Sein, materiellen Organismen und Informationsprozessen als Ansatz zur Lösung der leib-seelischen Differenz.
3. Semiotik und Informationstheorie: Hier wird die Verknüpfung von Informationstheorie mit semiotischen Ansätzen diskutiert, um die Bedeutung von Zeichen- und Codierungsprozessen für die menschliche Existenz zu beleuchten.
4. Zusammenfassung und Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die gewonnenen Erkenntnisse zusammen und definiert die leib-seelische Existenz als umfassendes Informations- und Interaktionsgeschehen.
Schlüsselwörter
Leib-Seele-Problem, Dialektik, Information, Materie, Geist, Subjektivität, Interaktionismus, Epigenetik, Quanteninformation, Autoadaptions-Theorie, Semiotik, Entelechie, Körpergeist, Informationsverarbeitung, Naturphilosophie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der philosophischen und theoretischen Aufarbeitung des klassischen Leib-Seele-Problems unter Einbeziehung naturwissenschaftlicher und systemtheoretischer Perspektiven.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den zentralen Themen gehören die Definition von Leib, Körper und Seele, die Dialektik von Subjekt und Objekt sowie die Rolle der Information als verbindendes Element.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, durch einen dialektisch-materialistischen Informationsbegriff eine neue theoretische Basis zu schaffen, um den latenten Dualismus zwischen Leib und Seele zu überwinden.
Welche wissenschaftlichen Ansätze werden genutzt?
Die Arbeit nutzt dialektische Methoden, vergleichende Analysen und integriert Erkenntnisse aus der Biologie, der Informationstheorie, der Quantenphysik und der Semiotik.
Was ist Gegenstand des Hauptteils?
Der Hauptteil behandelt die Transformation von Materie zu Information, die Rolle von Gefühlen und Neuropeptiden als Vermittler sowie theoretische Modelle wie die Autoadaptions-Theorie.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Information, Dialektik, Leib-Seele-Einheit, Interaktionismus und Materie charakterisiert.
Wie unterscheidet der Autor zwischen Körper und Leib?
Der Autor definiert den Körper als das materielle, organische und messbare Objekt, während der Leib als der beseelte, religiös verklärte Körper verstanden wird.
Inwieweit spielt Candace B. Pert eine Rolle?
Candace B. Pert dient mit ihrer Analyse des zellulären Informationsgeschehens und der Verbindung von Körper, Geist und Emotionen als wichtige Referenzquelle für die Hypothese des Interaktionismus.
Welche Bedeutung hat das „Spin-Netzwerk“?
Das Spin-Netzwerk wird als mathematisch-abstrakte Darstellung der fundamentalen Informationsebene des Universums angeführt, die als Basis für die Schöpferkraft der Natur fungiert.
- Citation du texte
- Dr. Klaus Robra (Auteur), 2019, Mit Leib, Seele und Information. Ein Vorschlag zur Lösung des Leib-Seele-Problems, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461010