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"Sie sind voll integriert. Die machen keine Probleme." Alltag der Grundschule in Deutschland: Erfahrungen und Bewältigungspotentiale von Kindern mit Migrationshintergrund

Title: "Sie sind voll integriert. Die machen keine Probleme." Alltag der Grundschule in Deutschland: Erfahrungen und Bewältigungspotentiale von Kindern mit Migrationshintergrund

Examination Thesis , 2004 , 92 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Regina Caspari (Author)

Sociology - Social System and Social Structure
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Summary Excerpt Details

In fast allen Klassenzimmern und Schulstufen der Bundesrepublik sind Kinder mit Einwanderungshintergrund. Mein persönlicher Bezug als zukünftige Lehrerin ist zugleich ein Leitgedanke dieser Arbeit: Der Diskurs über Migration, Ethnizität und Rassismus ist nicht vollständig, solange wir nicht hinterfragen, in welcher Weise wir selbst eingebunden sind in das System rassistischer und ausschließender Denkstrukturen und Handlungsmuster. Lehrerinnen und Lehrer haben die Aufgabe, Kinder mit Einwanderungshintergrund mit ihren Kompetenzen differenziert wahrzunehmen, sie zu unterstützen und sie mit ihren Problemen zu verstehen, ohne die gängige ethnisierende Konstruktion des „ausländischen Kindes“ zu nutzen. Der Alltag und die Selektion in der Grundschule bedeuten für viele Migrantenkinder jedoch Diskriminierung und Ausschluss für den weiteren Bildungsweg.

Fragestellung: Entwickeln Kinder mit Migrationshintergrund, die die Defizitzuschreibung der „kulturellen Differenz“ erfahren spezifische soziale und kulturelle Kompetenzen?

1. Kapitel: Einwanderung in Deutschland. Bis heute gibt es eine gesellschaftliche Präsenz von Rassismus in diesem Land. Sie hat Einfluss auf vorherrschende Diskurse über Einwanderung (Rassismus-Definition nach Robert Miles).
2. Kapitel: Postkoloniale Kritik und die These vom „Kulturkonflikt.“ Untersucht werden Argumentations- und Deutungsmuster der Kulturkonflikt-Defizit-These innerhalb der Migrationsforschung sowie Wissensproduktionen, in denen ethnisierende und rassistische Bilder von eingewanderten Menschen konstruiert werden und die „kulturelle Differenz“ als soziale Konstruktion.
3. Kapitel: Herstellung ethnischer Differenz in der Grundschule. Dabei werden insbesondere Mechanismen institutioneller Diskriminierung und Selektionsmechanismen untersucht.
4. Kapitel: Soziale und kulturelle Kompetenzen von Kindern mit Migrationshintergrund. Die subjektorientierte Perspektive aus der soziologischen Kindheitsforschung und eine empirische Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI) aus dem Jahr 2000 werden herangezogen. Nicht nur spezifische Kompetenzen von Migrantenkindern treten zu Tage. Offensichtlich ist auch: Ihre erfahrene Defizitzuschreibung ist kein „Ausländerproblem“. Wenn sie diskriminiert und ausgeschlossen werden, ist es das Problem der Einwanderungsgesellschaft.
Zum Schluss werden einige Interventionschancen auf der Handlungsebene formuliert, wie schulische Gerechtigkeit für alle Bevölkerungsgruppen erreicht werden kann.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

Fragestellung

Aufbau der Arbeit

1. EINWANDERUNG IN DEUTSCHLAND

1.1 Deutschland, ein Einwanderungsland

1.2 Rassismusdefinition nach Robert Miles

1.3 Gesellschaftliche Präsenz von Rassismus in Deutschland

1.4 Statistische Information: Allgemein bildende Schulen

2. POSTKOLONIALE KRITIK UND DIE THESE VOM „KULTURKONFLIKT“

2.1 Postkoloniale Theoriebildung auf Deutschland angewendet

2.2 Die „Kulturkonflikt-Defizit-These“ in der Migrationsforschung über Kinder und Jugendliche

2.2.1 Einflussfaktoren

2.2.2 Mögliche Ursachen der „Kulturkonflikt-Defizit-These“

2.3 „Kulturelle Differenz“

2.4 Die sogenannte Integration

3. HERSTELLUNG ETHNISCHER DIFFERENZ IN DER GRUNDSCHULE

3.1 Herstellung ethnischer Differenz an Konflikten um das Kopftuch

3.2 Institutionelle Diskriminierung in der Grundschule

3.2.1 Statistische Auffälligkeiten

3.2.2 Einschulung

3.2.3 Überweisung auf die Sonderschule für Lernbehinderte

3.2.4 Übergang in die Sekundarstufe

3.3 Zusammenfassung

4. SOZIALE UND KULTURELLE KOMPETENZEN VON KINDERN MIT MIGRATIONSHINTERGRUND

4.1 „Subjektorientierte Sozialisationsforschung“

4.2 DJI-Projekt „Wie Kinder multikulturellen Alltag erleben“

4.2.1 Sozialer und kultureller Bereich

4.2.2 Die Kinder und ihre Sprachen

4.2.3 Bedeutung von Schule

4.3 Auswertung

SCHLUSSBETRACHTUNG

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Erfahrungen und Bewältigungspotenziale von Kindern mit Migrationshintergrund im deutschen Grundschulalltag. Ziel ist es, die einseitige und defizitorientierte Wahrnehmung dieser Kinder im schulischen Diskurs zu dekonstruieren und aufzuzeigen, wie sie trotz struktureller Benachteiligung und Diskriminierung eigene soziale und kulturelle Kompetenzen entwickeln.

  • Analyse von Einwanderungsprozessen und Rassismus in Deutschland
  • Kritik an der „Kulturkonflikt-Defizit-These“ in der Migrationsforschung
  • Untersuchung institutioneller Diskriminierung an der Grundschule
  • Betrachtung der subjektorientierten Sozialisationsforschung
  • Auswertung empirischer Daten zur Lebenswelt und Kompetenzentwicklung von Kindern

Auszug aus dem Buch

Die Forschungsrichtung der postkolonialen Theoriebildung

Diese Forschungsrichtung der Kultur- und Sozialwissenschaften stellt Fragen nach der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der Geschichte des Kolonialismus und dessen globalem Fortwirken. Untersucht werden Herrschaftsverhältnisse wie Rassismus, Vergeschlechtlichung, gesellschaftliche Klassen, Sexualisierung und politische Diskriminierung. Es geht dabei um eine historische und gesellschaftspolitische Kontextualisierung von Kategorien der „Differenz“ (Kultur, Identität, „ethnische Minderheit“, etc.). Als solche ist diese Forschung eine gesellschaftskritische Theoriebildung mit einem dynamischen und sehr heterogenen Charakter. Eine lineare Darstellung der postkolonialen Theoriebildung lässt sich nicht beschreiben. In verschiedenen Ausprägungen und mit unterschiedlichen Schwerpunkten entwickelt sie Analysen, die klassische eurozentristische und die „ideologischen Diskurse der Moderne“ (Bhabha 1996: 345) über die „Anderen“ als Herrschaftsinstrumente entlarven, um das homogene Kulturverständnis zu sprengen (ebd.). Aufgezeigt werden dabei Lebenswirklichkeiten in den verschiedenen Lebenslagen der Marginalität. Marginalität ist nicht nur ein Problem der kolonisierten Länder, sondern „Effekte jener mit Macht betriebenen In- und Exklusionsprozesse, die selbst unabschließbar sind und in den Zentren nicht minder intensiv zu Werke gehen als an der Peripherie“ (Gutiérrez Rodríguez 2003: 23).

Wesentliche Bezugspunkte sind die Demaskierung und Dekonstruktion gesellschaftlicher Konstruktionen und Präsentationen des „Anderen“. Sie beschäftigt sich mit der „Funktion der Wissenschaft bei dem Versuch, die Praktiken und das Denken derer zu beschreiben, die in der herrschenden Öffentlichkeit faktisch nicht vertreten sind“ (ebd.: 26). Kritisiert werden vorherrschende Deutungsmuster und die damit verbundene Definitionsmacht der „westlichen Leitkultur“. Postkoloniale Theoriebildung kann auch als Aneignungsprozess des Wissens über die eigene Geschichte bezeichnet werden, das Marginalisierten so lange vorenthaltene wurde. Insofern ist sie die Artikulation von Widerstandsstrategien und die Rückgewinnung von Repräsentationsformen jenseits determinierter Bilder und Vorstellungen von Identitäten der westlichen Moderne.

Zusammenfassung der Kapitel

EINLEITUNG: Die Einleitung formuliert den persönlichen Bezug der Autorin und stellt die Forschungsfrage nach den Kompetenzen von Kindern mit Migrationshintergrund im Kontext struktureller Diskriminierung.

1. EINWANDERUNG IN DEUTSCHLAND: Dieses Kapitel kontextualisiert die Einwanderungsgeschichte Deutschlands, definiert Rassismus nach Robert Miles und beleuchtet die statistische Präsenz von Migrantenkindern im Schulwesen.

2. POSTKOLONIALE KRITIK UND DIE THESE VOM „KULTURKONFLIKT“: Hier werden die defizitorientierten Denkmuster der Migrationsforschung theoretisch dekonstruiert und den Perspektiven der postkolonialen Theorie gegenübergestellt.

3. HERSTELLUNG ETHNISCHER DIFFERENZ IN DER GRUNDSCHULE: Dieses Kapitel zeigt exemplarisch an Konflikten um das Kopftuch und institutionellen Abläufen auf, wie die Grundschule aktiv ethnische Differenzen produziert und verstärkt.

4. SOZIALE UND KULTURELLE KOMPETENZEN VON KINDERN MIT MIGRATIONSHINTERGRUND: Basierend auf dem DJI-Projekt werden die vielfältigen Alltagspraktiken, Freundschaftsnetzwerke und der mehrsprachige Kompetenzumgang der Kinder analysiert.

Schlüsselwörter

Migration, Rassismus, Ethnisierung, institutionelle Diskriminierung, Kulturkonflikt-Defizit-These, Grundschule, postkoloniale Theorie, Kindheitsforschung, kulturelle Differenz, soziale Kompetenz, Mehrsprachigkeit, Integration, Subjektorientierung, Bildungschancen, Ausschlussmechanismen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Alltag von Kindern mit Migrationshintergrund an deutschen Grundschulen, wobei besonders die Mechanismen von Diskriminierung und die gleichzeitig vorhandenen Kompetenzen der Kinder beleuchtet werden.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf Einwanderungsgeschichte, der Kritik an kulturellen Defizit-Theorien, institutioneller Diskriminierung im Schulsystem und der subjektorientierten Forschung zur Lebenswelt der Kinder.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die zentrale Frage ist, ob Kinder mit Migrationshintergrund trotz negativer Defizitzuschreibungen durch das Bildungssystem spezifische soziale und kulturelle Kompetenzen entwickeln.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse basierend auf postkolonialen Theorien sowie die Auswertung von empirischen Daten und Studienergebnissen, insbesondere des DJI-Projekts.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der theoretischen Dekonstruktion des Kulturkonflikt-Narrativs, der Analyse von Selektionspraktiken an Schulen und der Auswertung der Perspektive der Kinder auf ihre eigene Lebenswelt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Migration, Ethnisierung, institutionelle Diskriminierung, Mehrsprachigkeit und kindliche Perspektive.

Welche Rolle spielt das Kopftuch in der Analyse?

Das Kopftuch wird als exemplarischer Konfliktpunkt untersucht, an dem Lehrkräfte häufig stereotypisierende Zuschreibungen vornehmen, die zu einer ethnisierenden Stigmatisierung der Schülerinnen führen.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Schule bei der Selektion?

Die Schule wird als Institution identifiziert, die durch unbewusste oder routinierte Prozesse der Begründung (z.B. Sprachdefizite) aktiv dazu beiträgt, Bildungsungleichheiten und Ausschluss zu zementieren.

Was sind die "sozialen und kulturellen Kompetenzen" der Kinder?

Damit sind die Fähigkeiten der Kinder gemeint, ihre mehrsprachigen Erfahrungen aktiv zu nutzen, soziale Beziehungen über ethnische Grenzen hinweg zu knüpfen und ihre eigene Alltagswelt kreativ und eigenständig zu gestalten.

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Details

Title
"Sie sind voll integriert. Die machen keine Probleme." Alltag der Grundschule in Deutschland: Erfahrungen und Bewältigungspotentiale von Kindern mit Migrationshintergrund
College
University of Hamburg  (FB Sozialwissenschaften)
Grade
1,0
Author
Regina Caspari (Author)
Publication Year
2004
Pages
92
Catalog Number
V46106
ISBN (eBook)
9783638433723
ISBN (Book)
9783638707695
Language
German
Tags
Probleme Alltag Grundschule Deutschland Erfahrungen Bewältigungspotentiale Kindern Migrationshintergrund
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Regina Caspari (Author), 2004, "Sie sind voll integriert. Die machen keine Probleme." Alltag der Grundschule in Deutschland: Erfahrungen und Bewältigungspotentiale von Kindern mit Migrationshintergrund, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46106
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