Ein Vergleich von Brezinkas und Klafkis Verständnis der Erziehungswissenschaft


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2019
5 Seiten, Note: 1.7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Die Geisteswissenschaftliche Pädagogik

2. Strömungen der Erziehungswissenschaft
2.1 Brezinkas Verständnis der empirischen Erziehungswissenschaft
2.2 Klafkis Verständnis der kritisch-konstruktiven Erziehungswissenschaft

3. Brezinka und Klafki – ein Vergleich

4. Literaturverzeichnis

1. Die Geisteswissenschaftliche Pädagogik

Die Pädagogik wurde in ihrer Vergangenheit von vielen Strömungen beeinflusst. Bis zur realistischen Wendung der Erziehungswissenschaft Anfang der 1960er galt die Geisteswissenschaftliche, im weiteren Verlauf auch traditionelle Pädagogik genannt, als die wissenschaftliche Hauptströmung ihrer Disziplin (Huisinga, o. D., S. 7). Als wichtiger Begründer dieser Strömung ist hierbei Wilhelm Dilthey zu nennen, der im Sinne der Geisteswissenschaften normative Wissenschaften ablehnte und sich für ein Verstehen der Bedeutung und des Sinnes menschlichen Handelns, sowie gesellschaftlicher Prozesse aussprach (Huisinga, o. D., S. 7). Zu diesem Zweck dient dabei die Hermeneutik als verstehendes Verfahren für die Erziehungswirklichkeit und ihr Handeln (Gudjons, 2008, S. 32). Die Geisteswissenschaftliche Pädagogik steht jedoch oft in der Kritik, da sie affirmativ sei und der Gesellschaft und Politik nicht kritisch genug gegenübertrete (Gudjons, 2008, S. 34). Vor allem die empirische sowie die kritisch-konstruktive Erziehungswissenschaft grenzen sich deutlich von ihr ab. Im Anschluss werde ich nun auf diese zwei weiteren wichtigen Strömungen der Pädagogik eingehen.

2. Strömungen der Erziehungswissenschaft

2.1 Brezinkas Verständnis der empirischen Erziehungswissenschaft

Wolfgang Brezinka ist Vertreter der empirischen Erziehungswissenschaft und stellt diese als eine theoretische, auf nomologisches Wissen ausgerichtete Wissenschaft dar, die sich als ein System von Aussagen auf einen Objektbereich der Pädagogik und der darin enthaltenen Probleme beschränkt (Brezinka, 1972, S. 14–15). Dabei soll sich die Erziehung, in Abgrenzung an die traditionelle Pädagogik, weder mit philosophischen noch ideologischen Aspekten auseinandersetzen (Brezinka, 1972, S. 15). Erziehungswissenschaft muss somit wertfrei und deskriptiv sein, um intersubjektiv überprüfbar zu bleiben. (Gerstner und Popp, 2012, S. 19). Desweitern untersucht die empirische Erziehungswissenschaft im Gegensatz zur traditionellen Pädagogik mit rationalen Methoden der Wissenschaft die Ziele und Bedingungen erzieherischen Handelns und erzieherischer Institutionen (Brezinka, 1972, S. 14). Die empirische Forschung und die Spezialisierung auf einen Teilbereich ist nach Brezinka unerlässlich um detaillierte Erkenntnisse über die Wahrheit gewinnen zu können, welches wiederum eine Voraussetzung für vernünftiges Handeln darstellt (Brezinka, 1972, S. 14). Auch ist die traditionelle, zu normbelastenden Pädagogik alleine, nicht in der Lage alle geforderten Zwecke ihrer Disziplin gleich gut erfüllen zu können (Brezinka, 1972, S. 14). Das schließt für ihn jedoch nicht aus, dass neben dieser neutralen theoretischen Wissenschaft der Erziehung, nicht auch philosophische, normative und praktische Aspekte bearbeitetet werden sollen. Stattdessen muss es eine deutlichere Abgrenzung zwischen der realwissenschaftlichen Pädagogik und der philosophischen und erziehungspraktischen Pädagogik geben, die für Empfehlungen für das praktische Handeln in der pädagogischen Praxis zuständig ist (Gerstner und Popp, 2012, S. 19).

2.2 Klafkis Verständnis der kritische-konstruktive Erziehungswissenschaft

Wolfgang Klafkis Verständnis über eine kritische-konstruktive Erziehungswissenschaft grenzt sich sowohl von der empirischen als auch von der traditionellen Pädagogik ab (Goudjons, 2008, S. 38). Nach Klafki ist nur durch einen gesellschaftskritischen Ansatz die Pädagogik in der Lage individuelle Selbstbestimmung und Freiheit zu gewähren und zu fördern. Dies ist notwendig zur Verbesserung der Bedingungen und den damit einhergehenden Veränderungen der Erziehungspraxis (Goudjon, 2008, S. 41). Kennzeichnend für die gesellschaftskritische Position der Erziehungswissenschaft sind dabei zwei Merkmale: zum einen die ideologiekritische Fragstellung und Methode und zum anderen das emanzipatorische Erkenntnisinteresse (Klafki, 1976 S. 40). Das emanzipatorische Erkenntnisinteresse befasst sich mit der Ermittlung der Bedingungen und Möglichkeiten um Freiheit, Gleichheit, Vernunft und Selbstbestimmung im gesellschaftlichen und individuellen Zusammenhang zu realisieren (Klafki, 1976, S. 44). Die ideologiekritische Fragestellung befasst sich daneben mit der Abhängigkeit der Erziehung von sozialen und gesellschaftlichen Prozessen und Strukturen (Gerstner und Popp, 2012, S. 27). Ideologie wird dabei als Rechtfertigung von Herrschaftsinteressen gesehen (Gudjons, 2008, S. 41). Als wichtiger Einfluss sind zudem auch die wirtschaftlichen Zusammenhänge zu nennen. (Klafki, 1976, S. 41). Denn durch die ideologiekritische Forschung wurde aufgezeigt, dass das System der deutschen Berufsausbildung, nicht auf pädagogischer Reflexion beruht, sondern viel mehr auf wirtschaftlichem Interesse (Klafki, 1976, S. 42).

Auch im Bezug auf das Leistungsprinzip sieht man ideologiekritisch betrachtet, dass dadurch größtenteils nur eine Anpassung an vorgegebene gesellschaftliche Hierarchien gefördert wird (Klafki, 1976, S. 41–42). Klafki sieht somit eine Notwendigkeit der Betrachtung ideologiekritischer Aspekte zu einem Erkenntnisfortschritt (Klafki, 1976, S. 42). Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Bildung und Erziehung in der kritisch-konstruktiven Erziehungswissenschaft nicht nur als etwas individuelles, rationales betrachtet werden darf, sondern auch als einen gesellschaftlichen, sozialen Prozess.

3. Brezinka und Klafki – ein Vergleich

Klafki und Brezinka hatten beide einen bedeutsamen Einfluss auf die Erziehungswissenschaft und ihr Verständnis davon gehört zu den Hauptströmen der Erziehungstheorien. Sie kritisieren dabei die hermeneutischen Methoden der traditionellen Pädagogik. Brezinka fehlt an dieser Stelle der Bezug zur empirischen Forschung und Klafki die unzureichende Erforschung des Zusammenhangs zwischen Erziehung und Gesellschaft. Gemeinsam haben sie jedoch, dass sie die traditionelle Pädagogik trotzdem als notwendig ansehen, sofern eine klare Abgrenzung vorhanden ist. Ihre unterschiedlichen Auffassungen von Erziehungswissenschaft unterscheiden sich auch dadurch, dass es sich bei der kritischen Erziehungswissenschaft mehr um eine Sichtweise für Problemlokalisierung und Hypothesenentwicklung handelt, als dass sie bestimmte empirische Methoden vorschlägt, wie es bei Brezinka der Fall ist (Gudjons, 2008, S. 40). Zusätzlich beruht die kritisch- konstruktive Erziehungswissenschaft auf einer normativen Basis und die empirische auf einer rationalen, streng wissenschaftlichen. Beide unterscheiden sich auch in ihrem Erkenntnisinteresse. Während Klafki die Selbstbestimmung und die Vernunft des Subjekt fördern will, spricht Brenzinka weniger von individuellen Angelegenheiten, sondern ihm geht es viel mehr um die Erkenntnis der Wahrheit (Gudjons, 2008, S. 40). Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das empirische wie auch das kritisch-konstruktive Verständnis wichtige Einflüsse darstellen und nur durch die Integration beider Aspekte, die Pädagogik ihrer Aufgabe gerecht werden kann.

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Ende der Leseprobe aus 5 Seiten

Details

Titel
Ein Vergleich von Brezinkas und Klafkis Verständnis der Erziehungswissenschaft
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1.7
Autor
Jahr
2019
Seiten
5
Katalognummer
V461109
ISBN (eBook)
9783668924505
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vergleich, brezinkas, klafkis, verständnis, erziehungswissenschaft
Arbeit zitieren
Iris Binder (Autor), 2019, Ein Vergleich von Brezinkas und Klafkis Verständnis der Erziehungswissenschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461109

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