Die Hausarbeit beschäftigt sich dabei mit der Frage, welches Gefährdungspotential von Reichsbürgern und den verschiedenen Gruppierungen, in denen sie sich zusammenschließen, ausgeht. Die Beantwortung der Fragestellung ist dabei wichtig, um einzuschätzen, wie diesen von staatlicher Seite sinnvoll begegnet werden sollte.
Auch ist eine analytische Auseinandersetzung mit der Reichsbürgerbewegung und ihren MitgliederInnen generell notwendig, um das Gedankengut zu verstehen, zumindest zu versuchen, mit diesen ins Gespräch zu kommen und einer weiteren Radikalisierung von Personen aus dem Milieu – vor allem auch durch die Soziale Arbeit – entgegenzuwirken oder einen Ausstieg von Betroffenen zu erreichen. Auch muss es Ziel sein, potentielle Neueinstiege in die Szene durch die gesammelten Erkenntnisse präventiv zu vermeiden.
Am Morgen des 19. Oktobers 2016 versuchten SEK Beamte, sich Zutritt zu einem im fränkischen Georgensgmünd zu verschaffen. Nachdem dieser sich mehrfach weigerte, seine insgesamt 31 Lang- und Kurzwaffen vom Landratsamt überprüfen zu lassen, sollten diese nun konfisziert werden. Völlig unvermittelt eröffnete der Hauseigentümer jedoch das Feuer, tötete einen Polizisten und verletzte zwei weitere. Fast genau ein Jahr später verurteilte das Landgericht Nürnberg ihn nun wegen Mordes, zweifachen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Es ist ein Urteil mit Signalwirkung, wird er doch seit Jahren der sogenannten Reichsbürgerbewegung zugeordnet. Es sind die Schüsse, die vor etwas mehr als einem Jahr die lange unterschätze Szene überhaupt erst in den verstärkten Fokus der Öffentlichkeit rückten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Reichsbürgerbewegung in Deutschland
2.1. Entstehungsgeschichte und aktuelle empirische Befunde
2.2. Begrifflichkeiten und Organisationsformen
2.3. Hauptargumentationen
2.4. Weltbild und Ideologie
3. Gefährdungspotential der Reichsbürgerbewegung
4. Bezug zur Sozialen Arbeit
5. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Gefährdungspotential der sogenannten Reichsbürgerbewegung sowie deren verschiedene Gruppierungen. Ziel ist es, durch eine Analyse der Ideologien, Argumentationsmuster und Organisationsformen ein Verständnis zu entwickeln, das es der Sozialen Arbeit ermöglicht, präventiv tätig zu werden, Betroffene zu unterstützen und Radikalisierungsprozessen entgegenzuwirken.
- Historische Entwicklung und empirische Einordnung der Reichsbürgerszene
- Analyse der heterogenen Organisationsformen und Submilieus
- Dekonstruktion der ideologischen Hauptargumentationen und Verschwörungsmythen
- Bewertung des Gefährdungspotentials für die öffentliche Sicherheit
- Strategien und Handlungsansätze für die Soziale Arbeit
Auszug aus dem Buch
2.3. Hauptargumentationen
Die Vielzahl der AnhängerInnen und Gruppierungen des Milieus bedienen sich „eines breiten Fundus von scheinjuristischen Argumenten und historischen Halbwarheiten“ (Freitag 2014, S. 160). Diese sind dabei weder stringent noch logisch. Es sind Konstrukte, die eine fehlende Legitimität der Bundesrepublik Deutschland beweisen wollen (vgl. Caspar/ Neubauer 2012, S. 532). Dabei werden nicht einzelnen Fakten zu allgemeinen Aussagen gebündelt, sondern die Aussage steht bereits vorher fest und die „Fakten“ werden gesammelt, um diese deduktiv zu belegen (vgl. Rathje 2014, S. 14). Durch die unübersichtliche Fülle an Theorien sollen hier nur einige häufig vorgetragene Behauptungen zusammengetragen werden. Die Aufzählung ist dabei nicht vollständig. Eine Wiederlegung der einzelnen Theorien, für die komplexe Zusammenhänge erklärt werden müssten, ist dabei auf Grund des vorgegebenen Umfangs der Hausarbeit nicht möglich und es wird auf die entsprechend genutzte Fachliteratur verwiesen. Innerhalb der Szene kommt es dabei häufig zu Vermischungen der einzelnen theoretischen Ansätze (vgl. Freitag 2014, S. 164).
Eine Hauptannahme der Reichsideologie ist, dass die Bundesrepublik Deutschland nicht mehr bestehe. Einige VertreterInnen beziehen sich dabei auf deren Gründung am 23. Mai 1949, die häufigste These ist jedoch, dass die BRD mit der Wiedervereinigung im Jahre 1990 rechtlich untergegangen sei. Dies wird mit Aussagen des damaligen US- Amerikanischen Außenministers James Baker und des sowjetischen Außenministers Eduard Schewardnadse, die sich als Vertreter der Besatzungsmächte bei den Verhandlungen zum Zwei-Plus-Vier Vertrag mündlich zu den Artikeln 23 und 146 des Grundgesetzes geäußert hatten, begründet. Artikel 23 GG regelt dabei den Geltungsbereich des Grundgesetzes. Mit dessen versehentlicher Aufhebung durch die Außenminister sei die Wirksamkeit des Grundgesetzes insgesamt entfallen (vgl. Caspar/ Neubauer 2012, S. 532f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Reichsbürgerbewegung ein und formuliert das Ziel, das Gefährdungspotential dieser Bewegung sowie Interventionsmöglichkeiten für die Soziale Arbeit zu untersuchen.
2. Die Reichsbürgerbewegung in Deutschland: Dieses Kapitel beleuchtet die historische Entstehung, die verschiedenen Organisationsformen (wie Reichsbürger, Selbstverwalter, Souveränisten) sowie die zentralen ideologischen Argumentationsmuster des Milieus.
3. Gefährdungspotential der Reichsbürgerbewegung: Es wird analysiert, inwieweit von der Bewegung eine reale Gefahr ausgeht, insbesondere durch Gewaltbereitschaft, Radikalisierung und die Ablehnung staatlicher Strukturen.
4. Bezug zur Sozialen Arbeit: Das Kapitel diskutiert, wie die Soziale Arbeit präventiv wirken kann, um den Einstieg in die Szene zu verhindern und Betroffene beim Ausstieg zu unterstützen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit, das Gefährdungspotential nicht zu unterschätzen und die Soziale Arbeit stärker in die Präventionsarbeit einzubinden.
Schlüsselwörter
Reichsbürgerbewegung, Reichsideologie, Verschwörungstheorien, Souveränisten, Selbstverwalter, Gefährdungspotential, Soziale Arbeit, Radikalisierung, Prävention, Staatsleugnung, Grundgesetz, Rechtsradikalismus, Antisemitismus, Geschichtsrevisionismus, Staatsfeindlichkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die Reichsbürgerbewegung in Deutschland, ihre ideologischen Grundlagen, ihre heterogene Struktur und das daraus resultierende Gefährdungspotential für die Gesellschaft.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt die Entstehungsgeschichte, die ideologische Argumentation (z. B. Staatsleugnung), die Radikalisierungsprozesse sowie Handlungsansätze für pädagogische Fachkräfte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, das Gefährdungspotential der Bewegung fundiert einzuschätzen und Handlungsoptionen für die Soziale Arbeit abzuleiten, um Radikalisierungen entgegenzuwirken.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und einer deskriptiven Darstellung der vorhandenen empirischen Befunde zu Reichsbürgerstrukturen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Bestandsaufnahme der Szene, die Analyse der Verschwörungsmythen sowie die Diskussion über die Rolle der Sozialen Arbeit im Umgang mit dem Milieu.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Reichsbürgerbewegung, Reichsideologie, Gefährdungspotential, Prävention, Soziale Arbeit und Radikalisierung.
Wie gehen Reichsbürger in der Argumentation gegenüber staatlichen Stellen vor?
Reichsbürger nutzen scheinjuristische Argumente, um die Legitimität der Bundesrepublik zu leugnen, verweigern Zahlungen und fordern Behörden mit pseudostaatlichen Dokumenten heraus.
Welche besondere Rolle spielt die Soziale Arbeit bei der Prävention?
Die Soziale Arbeit soll durch Aufklärung, frühzeitige Ansprache gefährdeter Personen und die Unterstützung von Aussteigern verhindern, dass sich Personen weiter in das Milieu radikalisieren.
- Arbeit zitieren
- Marcel Riepegerste (Autor:in), 2018, Zwischen Verschwörungstheorien und Rechtsextremismus. Die Reichsbürgerbewegung in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461110