Prinz Eugen von Savoyen. Feldherr und Kunstmäzen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

19 Seiten, Note: 1,2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Wien um 1700: Eine Übersicht zur Kultur und Politik

Die internationale Politik im Zeitalter Ludwigs XIV.

Vom Westfälischen Frieden zum Pfälzischen Krieg

Osmaneneinfall und Spanischer Erbfolgekrieg

Eugen Prinz von Savoyen - Biografisches

Eugens militärische Laufbahn

Prinz Eugen und die Kunst - Die Schlossbauten

Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Das Zeitalter Ludwigs XIV. von Frankreich in den Jahren 1643/1661-1715 wurde von einer Reihe von nachhaltigen politischen Ereignissen geprägt, die in ihrer Bedeutung bis in die Nationalstaatenbildung des 19. Jahrhunderts hineinragen.

Insbesondere die außenpolitische Tragweite der ständig aufbrechenden Konflikte zwischen dem absolutistisch geformten sowie zentralistisch werdenden Frankreich und dem schwerfälligen dezentral regierten Römischen Reich ist unübersehbar. Zumal die Konflikte auf der dynastische Ebene zwischen dem Haus Bourbon und Habsburg ausgetragen wurden und somit verstärkt personale Kräfte im Mächtespiel um die exponierte Stellung in Europa rangen, kann der Blick auf bestimmte Personen hohen Ranges fokussiert werden, weil sie innerhalb der Institution Staat und Staatsorgane identitätsstiftend waren. Ein solcher Fokus wird in dieser Arbeit auf Eugen Prinz von Savoyen-Carignan gerichtet, da er durch sein rigides und entschlossenes Vorgehen gegen die Osmanen und die Heere Ludwigs XIV. für die innere und äußere Stabilisierung des Habsburgerreiches sowie auf die unzähligen Appendices des Römischen Reiches deutscher Nation eine enorme Ausstrahlungskraft hatte. Hierbei darf Prinz Eugens Bedeutung für die Architektur- und Kunstgeschichte des österreichischen Hochbarocks wegen seines Mäzenatentums und der Sammelleidenschaft nicht unterschlagen werden. Das Österreich um 1700 steht auf dem Plan, wobei Prinz Eugen der Hauptakteur und Mittelpunkt sein soll. Die Konflikte zwischen Habsburg und dem Sonnenkönig werden in einigen wichtigen Punkten vertieft. Dabei wird von mir versucht, Thesen herauszuarbeiten, die in ansprechendem Maß mit Hilfe von Beiträgen von Karl Gutkas, Franz Herre, Harm Klueting sowie Heinz Schilling diskutiert werden.

Wien um 1700: Eine Übersicht zur Kultur und Politik

Trotz der äußeren Bedrängnisse durch die Osmanen an der östlichen Peripherie des Reiches, der österreichischen Erbländer sowie durch die Franzosen im Westen und den bayerischen Einfall in Tirol inmitten des Spanischen Erbfolgekrieges, prosperierten Architektur und Malerei des Hochbarock in den habsburgischen Residenzen. Architekten wie Andrea Pozzo, Bernhard Fischer von Erlach und Lucas von Hildebrandt wurden von den adeligen Auftraggebern in die Pflicht genommen, Glanz und Ruhm der österreichischen Adelsgeschlechter und der Kaiser Leopold I. und Joseph I. zu versinnbildlichen.

Der Bau des Linienwalls um die Reichshauptstadt Wien, einer immensen Befestigungsanlage, war die Folge der Osmanenbelagerung 1683 und der anhaltenden Kuruzzeneinfälle in Niederösterreich um 1700 bis 1709. Diese Anlage wurde von Prinz Eugen selbst angeregt, damit die Hauptstadt vor den ungarischen Aufständischen dauerhaft geschützt würde. Die vom Prinzen angeregten Bauwerke des Belvedere werden an anderer Stelle Erwähnung finden. Auf dem Wiener Petersplatz wurde 1700 der baufällige Kirchenbau der Brüder der heiligen Dreifaltigkeit durch einen Neubau ersetzt. Der Entwurf stammte von Gabriel Montani, doch Lucas von Hildebrandt führte seit 1703 bis zur Fertigstellung 1708 den Bau der Peterskirche aus. Von ihm stammt auch die 1698 vollendete Piaristenkirche. Das Jahr 1703 war für die Jesuiten ein wichtiges, als sie eine neue Jesuitenkirche in Auftrag gaben, die als Universitätskirche genutzt werden sollte. Die Jesuiten wurden bereits von Ferdinand I. in den fünfziger Jahren des 16. Jahrhunderts nach Wien geholt und wies ihnen einige bebaute Grundstücke für deren Kollegium und Kirchenräume zu, bis sie nun 1703 einen repräsentablen Bau erhielten, der alle Kunstkniffe des Hochbarock aufweist. Andrea Pozzo versah den Innenraum mit einer gemalten Scheinkuppel. Die vier Darstellungen der Kirchenväter fanden in den gemalten Zwickeln Platz. Jede Seitenkapelle bekam einen separaten Altar und ein Altargemälde. In sich gedrehte, farbige Stuckmarmorsäulen, sowie einfache Säulen und Stützen verleihen dem Inneren Pracht und Glanz. Vor der Universitätskirche, auf dem Universitätsplatz wurden Stücke des Jesuitentheaters aufgeführt.

Die Pestwelle unter Kaiser Leopold I. 1679 führte zu zahlreichen Stiftungen von Pestsäulen in Wien und andernorts im heutigen Österreich. Wobei die Wiener Pestsäule, 1679 von dem äußerst frommen Leopold I. selbst gestiftet, in einem besonderen aussagekräftigen Bildprogramm ausgestattet wurde. Die sakrale Staatsidee der Habsburger findet sich hier durch die Darstellung dreier Kronen, der Kaiser-, Wenzels-, und Stephanskrone wieder, die symbolisch durch das Dreifaltigkeitsprinzip verbunden wurden.1 Rund 100000 Menschen fielen der Epidemie zum Opfer. Auch diese wurden entsprechend gewürdigt. Das Porträt des knienden und betenden Kaisers wurde erstaunlich lebensecht dargestellt. Die nach Kaiser Karl VI. benannte Karlskirche wurde ebenfalls als Stiftung in Gedenken an die große Pestwelle von 1713 errichtet. Mit flankierenden Triumphsäulen sowie einem gegenreformatorischen Bildprogramm in dem Kircheninnenraum merkt man den deutlichen Bezug zur römischen Kirche und durch den starken künstlerischen Einfluss aus Italien, mittels des Kulturtransfers der sogenannten Austroitaliener, war die Abgrenzung des süddeutschen und österreichischen Kulturraumes zu Frankreich nicht nur geografisch besonders deutlich. Auch die Kaiseridee wird in diesem Bau verdeutlicht.2 Gleichzeitig bildete sich nicht nur kulturell eine eigene Identität heraus, sondern auch politisch. Die stetige Festigung der habsburgischen Territorien nach innen, infolge vielerlei Maßnahmen,3 führten zu einer doppelten Staatsbildung4, die von Ferdinand II. und seinen Nachfolgern aufgegeben wurde um sich vollends der österreichischen Territorialbildung zu zuwenden, die schließlich in der Aufgabe der Reichskrone durch Franz II. 1806 ihren Abschluss fand5. Stolz sind die Wiener noch heute auf ihre erste erschienene Tageszeitung im Krisenjahr 1703.6 Weiterhin vorzeigbar sind die zahlreichen Residenzen und Schlösser der Adelsfamilien derer von Schwarzenberg und Liechtenstein samt ihren Kunstsammlungen. Der Sammel- und Baueifer von Karl Eusebius von Liechtenstein (1611-1684) ließ einen der schönsten Schlossbauten in Wien entstehen, der freilich nicht nur mit den zahlreichen Gemälden Peter Paul Rubens aufgefüllt wurde.7 Das Besitzen von Gemälden bedeutender Künstler der Epoche war nicht nur Prestigedenken, sondern auch Indiz für die hervorragende Kenntnis der dargestellten Bildthemen sowie der Kunstfertigkeit des Künstlers und im Fall Rubens war der Besitz seiner Bilder auch ein konfessionelles Bekenntnis des Fürsten. Das galt auch für die kaiserliche Familie, die nach dem Spanischen Erbfolgekrieg mit Erzherzog Leopold Wilhelm einen Statthalter in den südlichen, ehemals spanischen Niederlande besaß. Er bereicherte die kaiserliche Sammlung in Wien mit den besten Arbeiten von Peter Paul Rubens, die man noch zum Teil im heutigen Kunsthistorischen Museum betrachten kann.8

Könnten die Wiener Rubenssammlungen auch als ein Ausdruck der religiösen Formierung und Disziplinierung der adeligen Gesellschaft angesehen werden, ganz so, wie es Schilling im Zusammenhang mit der Entwicklung des Absolutismus während der frühneuzeitlichen Konfessionalisierung beschrieb?9 In der Tat unterstützt die Kunst den Prozess der Gegenreformation auf anschauliche Art und Weise. Ein Beschluss im Trienter Konzil war auch die angemahnte Abkehr von fälschlich bezeichneten religiösen Darstellungen in der Kunst und die Hinwendung zur Klarheit und Reinheit des eigentlichen Bildgegenstandes ohne zuviel Beiwerk und Symbole sowie insbesondere ohne Stifter hinzu zufügen. Dies war nicht immer der Fall, denn dem Künstler blieb die darstellerische Freiheit des Bildthemas, so dass beispielsweise in der Verkündigungsszene von 1613 Hans von Aachen den Erzengel Gabriel im Jesuitengewand erscheinen lässt und ganz auf die typische Engelsdarstellung verzichtete. Dies war zwar kein eindeutiger Bruch des Tridentinums und ist einzig und allein dessen Auslegung sowie der jesuitischen Propaganda zuzuschreiben.10

Die internationale Politik im Zeitalter Ludwigs XIV.

Die Zeit nach 1648 bis zum Tode des Sonnenkönigs 1715 war von dem ständig aufbrechenden Konflikt zwischen der wirtschaftlichen, militärischen und kulturellen Hegemonialmacht Frankreich und dem schwerfälligen und durch Osmaneneinfälle geschwächten Habsburgerreich geprägt. Dennoch rang Frankreich mit dem habsburgischen Spanien, England und der Republik der Niederlanden um die Kolonialherrschaft sowie den Seehandel. Österreich versuchte die Gebiete in Italien zu halten und die Osmanen vom Balkan zu vertreiben. Die Macht Spaniens war zweifelsohne durch die Kolonien die stärkste, denn mit diesem Imperium beherrschte die spanische Linie der Habsburger das westliche Mittelmeer, weite Teile Mittel- und Südamerikas, den westlichen Pazifik11 sowie die alle zu Portugal gehörenden Kolonien, die seit dem frühen 17. Jahrhundert durch das Aussterben der männlichen Habsburgerlinie Spanien gehörten. Mit dem Tod Karls II. erlangte Philipp von Anjou gemäß Karls Testament die spanische Krone. Dies bedeutete für Habsburg in erster Linie der Verlust der spanischen Niederlanden sowie der oberitalienischen Gebiete. Für immer war Spanien mit den Kolonien verloren. Die österreichischen Gesandten versuchten durch Verträge mit England und den Niederlanden die spanischen Niederlanden und die italienischen Gebiete zu sichern, für den Fall man könne mit kriegerischen Mitteln Ludwig XIV. zum Einlenken dieser Ansprüche zu bewegen. Ein Krieg mit Frankreich war für Österreich unumgänglich. An seiner Seite konnte es mit dem Kurfürst von Brandenburg rechnen, da er im Gegenzug die Zusage für die Bildung eines preußischen Königreiches außerhalb des Reichs erhielt.

Das Fürstenstaatmodell setzte sich im Reich endgültig für die frühmoderne Zeit durch und wurde im Westfälischen Frieden festgeschrieben. Dies ließ die Habsburger endgültig vom Prinzip der doppelten Staatsbildung abkehren, obwohl sie die Kaiserwürde als Ausdruck des Traditionsbewusstseins, der Festigung der innerösterreichischen Ordnung sowie internationalen Ansehens behielten.12

[...]


1 Dies bedeutet die Einigkeit der drei Kronen mit der Dreifaltigkeit, ergo pure von Gott gegebene Herrschaftslegitimation und Herrschaftsaufgabe der Habsburger über andere Völker; Schilling; 1998, S. 309 sowie Weiss; 2004, S. 86 f.

2 Klueting: 1999, S. 115 u. 116;

3 vgl. Klueting; 1999, S. 40-42; worin er auf die Übernahme der Landesherrschaft von Böhmen und Mähren eingeht und beide Landesherrschaften personell und institutionell an die Habsburger gebunden sieht sowie die „Peripherierung“ Österreichs gegenüber dem Reich beschreibt

4 Schilling; 1998, S. 304 u. 305; zahlreiche Verwaltungsreformen sowie die Reichskreiseinteilungen im frühen 16. Jh. führten zu einer allmählichen Abgrenzung des österreichischen Reichskreises als territoriales Ganzes gegenüber dem Reich

5 vgl. Schilling; 1998, S. 306

6 Wiener Zeitung Nr. 151, 8./9. August 2003, ursprünglich als Wienner Diarium bezeichnet

7 Kräftner: Rubens in Wien; 2004, S. 13-14

8 Schütz: ebd., S. 21-24 sowie zu Erzherzog Leopold Wilhelm siehe in: Mareš: 1941-1945, S. 355

9 Schilling: 1998, S. 309-311, hierzu erläutert Schilling die Idee des barocken Staatspathos im Zusammenhang mit dem katholischen Absolutismus in den habsburgischen Erzherzogtümern

10 siehe hierzu den Ausstellungskatalog zur Kunst am Hofe Rudolfs II. von Eliška Fučkovà ,S. 224, 1991, Prag um 1600, 1988 sowie Jacoby, J.: Hans von Aachen, 2000 und Jedin, H. im Handbuch der Kirchengeschichte, Bd. 4 1967, S. 487-491 u. 594 ff.

11 vgl. hier den Ausstellungskatalog zu: Prinz Eugen und das barocke Österreich. S. 5 von Karl Gutkas, u.a. verfasst

12 Schilling; 1998, S. 306

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Prinz Eugen von Savoyen. Feldherr und Kunstmäzen
Hochschule
Universität Leipzig  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Probleme des Habsburgerreiches im 17. Jahrhundert
Note
1,2
Autor
Jahr
2005
Seiten
19
Katalognummer
V461360
ISBN (eBook)
9783668918429
ISBN (Buch)
9783668918436
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Eugen von Savoyen, Ludwig XIV., Österreich-Ungarn, Frankreich, Regence-Stil, Versailles, Belvedere, Kunst, Mäzen, Savoyen-Carignan, Habsburg, Wien, Kuruzzen, Osmanen, Gabriel Montani, Lucas von Hildebrandt, Andrea Pozzo, Kaiser Leopold I., Pestsäulen, Karlskirche, Stephansdom, Karl Eusebius von Liechtenstein, Tridentinum, Rekatholisierung, Allianzkriege, Reunionspolitik, fait accompli, Subsidienmacht, Maximilian von Welsch, Balthasar Neumann, Martino Altomonte, Carlo Carlone, Gaetano Fanto, Schlosshof, Niederweiden, Bologneser Spätbarock
Arbeit zitieren
Magister Daniel Thalheim (Autor:in), 2005, Prinz Eugen von Savoyen. Feldherr und Kunstmäzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461360

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