Das 1. Kapitel ist der Erschließung der Bedeutung von Sport und Bewegung für Schüler gewidmet. Ausgehend von Begriffsdefinitionen werden Zusammenhänge von Sport, Bewegung und Gesundheit durch einschlägige Literatur beschrieben. Den Potenzialen sportlicher Betätigung wird die sog. „Defizit-Hypothese“ gegenübergestellt . Es wird eine Fülle sportwissenschaftlicher Untersuchungen aufgegriffen, die diese Defizit-Hypothese belegen und die zentralen Diskurslinien prägnant zusammengefasst.
Das 2. Kapitel ordnet den „organisierten Sport“ gesellschaftlich ein, um dessen (mögliche) Beiträge im Bildungsbereich zu untersuchen. Der historische Abriss zur Entwicklung von Sportvereinen ist eher kursorisch.
Das 3. Kapitel widmet sich der Klärung der schulischen Säule. Die Entwicklung von GTS und ihre Sportangebote werden übersichtlich dargestellt, dann der Forschungsstand zu Kooperationen von GTS und Vereinssport in Deutschland ausführlich behandelt. Daran schließen sich Zusammenfassungen zum Schulsport/Sportunterricht, zur historischen Entwicklung des Schulsports einschließlich dessen Aufgaben und Konzepte an. Diese münden in Analysen zur gesellschafts- und bildungspolitischen Funktion von Ganztagsschulen unter dem Aspekt ihrer lebensweltlichen Öffnung. Die Argumentation wird sodann auf Bedingungen der Möglichkeiten fokussiert und schließlich mögliche Wirkungsbereiche der Vereine skizziert.
Das 4. Kapitel stellt das Hauptkapitel der Master-Thesis dar. Ziel ist hier die Erschließung möglicher Schnittmengen zwischen Ganztagsschulen und Sportvereinen im Rahmen des Schulsports. Auf den historischen Überblick der Zusammenarbeit zwischen Schule und Verein folgen die Einordnung in ein Phasenmodell und die Formulierung von Kooperationsbedingungen und -Zielen, sowie deren modellhafte Darstellung. So werden Ansprüche zur nachfolgenden bewertenden Analyse und dem Vergleich ausgewählter Schulprofile formuliert und interpretiert.
Das 5. Kapitel dient der Diskussion möglicher „Synergieeffekte“ in der Ganztagskooperation. Angestrebt ist die „objektive Sicht“. Es erfolgt ein Rückbezug auf Kap. 1-4 und so die Betrachtung eines breiten Inhaltes, erweitert im Blick auf die aktuelle wie potenzielle Schulraumentwicklung und eine Einbettung von solchen Kooperationen in die Schul- und Kommunalentwicklung.
Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert sie inhaltlich und methodisch. Es folgt der Ausblick auf Forschungsdesiderate und mögl. Kooperationsstrukturen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Die Bedeutung von Sport und Bewegung für Schüler
1.1 Begriffsdefinitionen
1.1.1 Gesundheit
1.1.2 Gesundheitsförderung
1.1.3 Bewegung vs. Sport
1.1.4 Kinder und Jugendliche bzw. Schüler
1.2 Sport, Bewegung und Gesundheit
1.2.1 Entwicklung motorischer Fähigkeiten
1.2.2 Körpergesundheit und Bewegung
1.2.3 Psychische Gesundheit, Sozialisation und Sport
1.2.3.1 Individuelles Empfinden der Wellness
1.2.3.2 Entwicklung des Selbstkonzepts
1.2.3.3 Entwicklung des Sozialverhaltens
1.2.4 Bewegungsmangel: Risiken für Kinder und Jugendliche
1.3 Die Lebenswelt von Schulkindern
1.3.1 Familienstrukturen und soziale Hierarchien: Bedeutung für den Sport
1.3.2 Bewegungsverhalten
1.3.3 Medienkonsum
2 Die Situation der Sportvereine in Deutschland
2.1 Historischer Überblick der Entwicklung von Sportvereinen
2.2 Definition und Merkmale von Sportvereinen
2.3 Sportverein und Gesellschaft heute
3 Sport und Bewegung in der GTS
3.1 Definition und Entwicklung der GTS in Niedersachsen
3.2 Schulische Ganztagsangebote
3.3 Forschungsstand: Studien zu GTS und (Vereins-) Sport in Deutschland
3.4 Schulsportunterricht in der GTS
3.4.1 Geschichte und Entwicklungsphasen von Schulsport
3.4.2 Die Aufgaben von Schulsport und die Rolle der Schule
3.4.3 Konzepte schulsportlichen Unterrichts
3.4.4 Schulöffnung und Aufgabe der originären Funktion der GTS
3.4.5 Personalstrukturen
3.4.6 Finanzierung und Versicherung (außer-)schulischer Vereinsangebote
3.5 Rahmenbedingungen von BeSS in der GTS
3.6 BeSS in der GTS: Wirkungsbereiche der SV
4 Kooperation von Schule und Verein
4.1 Historische Entwicklung
4.2 Vereinskooperation in GTS: Die aktuelle Lage
4.3 Kooperation in der GTS
4.4 Bedingungen der Zusammenarbeit
4.5 Ziele von Kooperation
4.5.1 Bewegungsmangel: ein Motiv mit Gesellschaftsbezug
4.5.2 Ziele und Motive der GTS
4.5.3 Ziele und Motive der SV
4.5.4 Ziele und Motive zur Beteiligung der Schülerschaft
4.6 Kooperationsmodelle
4.6.1 Das additiv-duale Modell
4.6.2 Das additiv-komplementäre Modell
4.6.3 Das integrative Modell
4.7 Beispielschulen: Bewegungskonzepte der GTS
4.7.1 Die KGS Waldschule in Schwanewede
4.7.2 Die KGS Rastede
4.7.3 Die KGS Hemmingen
4.7.4 Die IGS in Peine
4.8 Zwischenfazit: Umsetzung von BeSS-Angebote in der GTS
5 Diskussion: Synergieeffekte der Kooperation von GTS und SV
5.1 BSS-Angebote in der Schule: Die Perspektive der Verbände und SV
5.2 Gesundheitsförderung und Sport
5.3 Verflechtung kognitiver und motorischer Prozesse
5.4 BSS-Angebote als Instrument zur Schulung sozialer Kompetenz
5.5 Schulraumentwicklung: Der äußere Rahmen für BSS-Angebote
5.6 Schul- und Kommunalentwicklung: Kooperation als Chance für SV?
6. Zusammenfassung der Ergebnisse, kurze Reflexion und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Masterarbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Ganztagsschulen (GTS) und Sportvereinen (SV) unter Berücksichtigung gesundheits- und sportpädagogischer Aspekte. Das primäre Ziel ist es, das Potenzial der Kooperation zur Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit und des Wohlbefindens von Schulkindern zu analysieren und Wege aufzuzeigen, wie diese Zusammenarbeit nachhaltig gestaltet werden kann.
- Bedeutung von Sport und Bewegung für die Schülergesundheit.
- Die sich wandelnde Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen.
- Strukturen und Herausforderungen der Sportvereine in Deutschland.
- Analyse verschiedener Kooperationsmodelle (additiv, komplementär, integrativ).
- Bewertung praktischer Beispielschulen in Niedersachsen.
- Synergieeffekte für GTS und SV bei gemeinsamer Zielverfolgung.
Auszug aus dem Buch
1.2.1 Entwicklung motorischer Fähigkeiten
Nach Weineck (2010, S. 451) ist Motorik die Menge der „Steuerungs- und Funktionsprozesse“, die für Haltung und Bewegung begründend sind. Sie hat die Aufgabe, das Verhältnis von angemessener Körperhaltung und den darauf aufbauenden Bewegungen des Körpers zu kontrollieren. Wenn der Mensch sitzt, geht, hüpft oder etwas ergreift, laufen im Körper diese motorischen Steuerungs- und Regelungsvorgänge ab.
Zum Zeitpunkt der Geburt beruhen die lebenswichtigen Bewegungen auf Reflexen und Reaktionen. Innerhalb der Babyphase bis etwa zum 18. Lebensmonat adaptiert das Kind zielführende Bewegungs- und Verhaltensmuster. Das Sich-Bewegen und das Erfassen der Umwelt (sich und kleine Gegenstände bewegen, krabbeln, etc.) hat dabei eine grundlegende Bedeutung.
Bis zum Alter des Schuleintritts wird die Herstellung des Gleichgewichts zwischen Stabilität und Mobilität erlernt. Es wird möglich, motorische Abläufe mit Gegenständen zu koordinieren (z. B. rutschen und schaukeln) und Bewegung den Anforderungen anzupassen (z. B. das Gleichgewicht auf Roller und Fahrrad zu halten). Zudem kann das Kind nun senso-motorische Informationen in den Bewegungsauflauf integrieren (z. B. die Bewegung von Bällen oder des Springseils abzuschätzen) und entsprechend darauf reagieren (vgl. Weineck, 2010, S. 451 ff.).
Nach der ersten Entwicklung und Ausbildung des zentralen Nervensystems in der grobmotorischen Phase der ersten Lebensjahre folgt in der Primarstufe (5/6-10 Jahre) eine Reifeperiode: Sie äußert sich durch ungestüme Bewegungen, eine funktionierende Grob- und Sensomotorik und eine begeisterte, jedoch kritiklose Aneignung von Kenntnissen und Fertigkeiten. Bewegungen können leicht erlernt, müssen aber auch noch sehr oft wiederholt werden (vgl. Weineck, 2010, S. 455).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Die Bedeutung von Sport und Bewegung für Schüler: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen von Gesundheit und Bewegung sowie deren Einfluss auf die körperliche und soziale Entwicklung von Kindern.
2 Die Situation der Sportvereine in Deutschland: Hier wird der historische Kontext und die aktuelle Rolle der Sportvereine innerhalb der Gesellschaft analysiert.
3 Sport und Bewegung in der GTS: Das Kapitel befasst sich mit der Definition, Entwicklung und den Rahmenbedingungen von Ganztagsschulen sowie der Integration sportlicher Angebote in den schulischen Alltag.
4 Kooperation von Schule und Verein: Hier werden die historischen Anfänge, die notwendigen Bedingungen und die verschiedenen Modelle der Kooperation zwischen Schulen und Vereinen detailliert dargestellt.
5 Diskussion: Synergieeffekte der Kooperation von GTS und SV: Das Kapitel diskutiert die Synergieeffekte, die durch eine gelungene Zusammenarbeit entstehen, und beleuchtet die Perspektiven der beteiligten Akteure.
6. Zusammenfassung der Ergebnisse, kurze Reflexion und Ausblick: Der abschließende Teil fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen, reflektiert den Forschungsprozess und gibt Ausblicke auf zukünftige Entwicklungen.
Schlüsselwörter
Ganztagsschule, Sportverein, Schulsport, Bewegungsmangel, Gesundheitsförderung, Kooperation, motorische Entwicklung, Sozialisation, Kooperationsmodelle, Bewegungsangebote, Niedersachsen, Schulentwicklung, Partizipation, Vereinsarbeit, Kindheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Sportvereine und Ganztagsschulen kooperieren können, um dem Bewegungsmangel von Kindern entgegenzuwirken und deren Gesundheit sowie soziale Kompetenzen zu fördern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Bedeutung von Bewegung für die Entwicklung, der institutionelle Wandel der Schule zur Ganztagsschule und die strukturelle Integration außerschulischer Partner wie Sportvereine.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Kooperationen gestaltet werden können, damit sie sowohl dem Bildungsauftrag der Schule als auch den Interessen der Vereine gerecht werden und einen echten Mehrwert für die Kinder bieten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, dem Studium empirischer Studien und der qualitativen Analyse ausgewählter Schulprofile in Niedersachsen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Grundlagen (Gesundheit, Sozialisation), der aktuelle Stand der Sportvereine, die Organisation von Sport in der Ganztagsschule und verschiedene Kooperationsmodelle (additiv, integrativ etc.) erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Ganztagsschule, Kooperation, Bewegungsmangel, Sportvereine, Gesundheitsförderung und Schulsport sind die bestimmenden Begriffe.
Wie beeinflusst der Medienkonsum die physische Entwicklung der Schüler laut dieser Arbeit?
Die Arbeit zeigt, dass Medienkonsum zu einer statischen Körperhaltung führt und reale Bewegungserfahrungen im natürlichen Umfeld verdrängt, was negative Folgen für die motorische Leistungsfähigkeit und die Haltung hat.
Welche Rolle spielen "Trendsportarten" bei der Mitgliederbindung in Vereinen?
Trendsportarten bieten Jugendliche Möglichkeiten, ihre körperlichen Grenzen in einem weniger strukturierten Rahmen zu testen, was sie attraktiver macht als klassische Vereinsstrukturen und dem "Drop-out"-Phänomen entgegenwirken kann.
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- M.Ed. Sonja Wendel (Author), 2018, Vereinssport und Bewegung in der Ganztagsschule. Bestandsaufnahme, Probleme, Herausforderungen und Chancen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461704