Der Bewertung von Krisenunternehmen wird wenig Beachtung geschenkt. Jedoch entstehen, wenn ein Unternehmen in eine Krise gerät, diverse Probleme hinsichtlich der Bewertung. Als Beispiel lässt sich die wirtschaftliche Lage zu Zeiten der letzten Finanzkrise anführen. Hier befanden sich viele Unternehmen in einer Krise. Das Hauptproblem bei der Bewertung von Unternehmen in der Krise ist zum einen die nahezu unbrauchbare Vergangenheit, da diese Situation sich nicht wiederholen sollte und zum anderen die große Unsicherheit, ob die vorgenommenen Planungen erreich-bar sein werden.
Das Ziel dieser Arbeit ist es, die vorhandenen Verfahren der Unternehmensbewertung auf ihre Eignung zur Bewertung von Krisenunternehmen zu untersuchen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Gang der Untersuchung
2 Die Unternehmenskrise
2.1 Klassifizierung von Unternehmenskrisen
2.1.1 Vier-Phasen-Modell nach KRYSTEK
2.1.2 Vier-Phasen-Modell nach MÜLLER
2.2 Krisenerkennung
2.2.1 Früherkennung
2.2.2 Krisenerkennung durch Jahresabschlussdaten
2.2.3 Krisendiagnose ohne Früherkennung
2.3 Krisenbewältigung
2.3.1 Ertragswirtschaftliche Sanierungsmaßnahmen
2.3.2 Finanzwirtschaftliche Sanierungsmaßnahmen
2.4 Abgrenzung von Nonprofit-Unternehmen
3 Unternehmensbewertung in Krisenfällen
3.1 Anlässe für die Unternehmensbewertung
3.2 Funktionen des Bewerters
3.3 Einzelbewertungsverfahren
3.3.1 Substanzwert
3.3.1.1 Allgemeine Vorgehensweise
3.3.1.2 Probleme und Risiken bei Krisenunternehmen
3.3.2 Liquidationswert
3.3.2.1 Allgemeine Vorgehensweise
3.3.2.2 Probleme und Risiken bei Krisenunternehmen
3.3.2.3 Konkretes Bewertungsbeispiel für ein Krisenunternehmen
3.4 Multiplikatoren
3.4.1 Multiplikatoren zur Bewertung eines Unternehmens
3.4.2 Kritik am Multiplikator-Ansatz und Probleme bei Krisenunternehmen
3.4.3 Konkretes Bewertungsbeispiel für ein Krisenunternehmen
3.5 Gesamtbewertungsverfahren
3.5.1 Allgemeine Vorgehensweise
3.5.2 Vergangenheitsanalyse
3.5.3 Due Diligence
3.5.3.1 Financial Due Diligence
3.5.3.2 Commercial Due Diligence
3.5.3.3 Strategic Due Diligence
3.5.3.4 Tax und Legal Due Diligence
3.5.3.5 Besonderheiten im Krisenfall
3.5.4 Planung der zukünftigen Cash-Flows
3.5.4.1 Detailplanung und Ewige Rente
3.5.4.2 Besonderheiten im Krisenfall
3.5.5 Berechnung des CAPM
3.5.5.1 Risikofreier Zins und Marktrendite
3.5.5.2 Beta-Faktor
3.5.6 Berechnung des WACC
3.6 Der WACC-Ansatz
3.6.1 Der WACC-Ansatz in der Unternehmenskrise
3.6.2 Konkretes Bewertungsbeispiel für ein Krisenunternehmen
3.7 Der Ertragswert-Ansatz nach IDW S 1 – Bewertungsbeispiel für Krisenunternehmen
3.8 Der APV-Ansatz – Bewertungsbeispiel für Krisenunternehmen
3.9 Mischverfahren
3.10 Gemischte Unternehmenswerte
3.11 Break up Valuation
4 Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit untersucht die Eignung verschiedener Verfahren der Unternehmensbewertung im Kontext von Krisenunternehmen. Angesichts der besonderen Herausforderungen, wie mangelnde Verlässlichkeit historischer Daten und hohe Zukunftsunsicherheit, zielt die Untersuchung darauf ab, fundierte Bewertungsansätze für Unternehmen in wirtschaftlichen Krisensituationen aufzuzeigen.
- Methodische Einordnung der Unternehmenskrise und Krisenbewältigung.
- Analyse von Einzelbewertungsverfahren wie Substanzwert und Liquidationswert.
- Einsatz von Multiplikator-Verfahren bei der Bewertung von Krisenunternehmen.
- Anwendung komplexer Gesamtbewertungsverfahren (WACC, Ertragswert nach IDW S 1, APV).
- Bedeutung der Due Diligence Prüfung in Krisensituationen.
Auszug aus dem Buch
3.4.2 Kritik am Multiplikator-Ansatz und Probleme bei Krisenunternehmen
Der Multiplikator-Ansatz an sich ist nicht frei von Kritik. COENENBERG sieht die Probleme dieses Verfahrens in der Tatsache, dass „Identität aller Parameter bei Vergleichs- und Bewertungsobjekt“ gegeben sein muss. Dies ist sehr schwierig zu erreichen, da schon intuitiv nahezu ausgeschlossen scheint, dass es zwei exakt gleiche Unternehmen gibt. Des Weiteren ist der Multiplikator-Ansatz nicht zur Ermittlung von Wertbeiträgen und auch nicht zur Grenzpreisfindung geeignet. Ein weiterer Kritikpunkt beschreibt, dass das Verfahren an sich vergangenheitsbezogen ist. Diese Tatsache wird dann noch mit der Gegebenheit, dass die Multiplikatoren zu den statischen Verfahren gehören, verbunden. Damit können natürlich auch keine Wachstumsaussichten in diesen Ansatz integriert werden. Als nächstes Problem kann die unterschiedliche Rechnungslegung auf den verschiedenen Kontinenten genannt werden. Diese schränkt die Vergleichbarkeit ein, da ein und derselbe Sachverhalt unterschiedlich dargestellt werden kann und somit auch eine unterschiedliche Auswirkung auf den Jahresabschluss erzielt wird. Dem Multiplikator-Ansatz liegt die Annahme zugrunde, dass es effiziente Kapitalmärkte gibt, die davon ausgehen, dass die gelisteten Unternehmen richtig bewertet sind. Allerdings ist diese Annahme nicht zutreffend, da es in der Realität keine effizienten Kapitalmärkte gibt.
Bei der Bewertung von Krisenunternehmen mittels Multiplikatoren muss beachtet werden, dass nicht alle vorher vorgestellten Multiplikatoren verwendet werden können. Da bei einem Krisenunternehmen in aller Regel kein Gewinn vorhanden ist, können das Kurs-Gewinn-Verhältnis und andere, gewinnbasierte Multiplikatoren nicht angewendet werden. Für den Marktwert-Buchwert-Multiplikator gilt dabei ähnliches. Hier ist zu beachten, dass ein Krisenunternehmen nach einiger Zeit kein Eigenkapital mehr besitzt und daher dieser Multiplikator nicht mehr angewendet werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Definiert die Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit, die sich mit der methodischen Eignung von Bewertungsverfahren für Unternehmen in der Krise befasst.
2 Die Unternehmenskrise: Analysiert Phasenmodelle von Unternehmenskrisen und erläutert Möglichkeiten der Krisenerkennung sowie Ansätze zur Krisenbewältigung.
3 Unternehmensbewertung in Krisenfällen: Untersucht systematisch verschiedene Bewertungsverfahren (Einzel-, Multiplikator- und Gesamtbewertung) hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit bei Krisenunternehmen.
4 Zusammenfassung und Fazit: Führt die Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer individuellen Anpassung der Bewertungsverfahren sowie die Bedeutung der Due Diligence.
Schlüsselwörter
Unternehmensbewertung, Krisenunternehmen, Unternehmenskrise, Sanierungsmaßnahmen, Due Diligence, WACC-Ansatz, Ertragswert-Verfahren, Multiplikatoren, Liquidationswert, Krisenfrüherkennung, Finanzkrise, Insolvenzrisiko, Cash-Flow, Unternehmensstrategie, Kapitalmarktwert.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den spezifischen Herausforderungen und geeigneten Methoden der Unternehmensbewertung, wenn sich das zu bewertende Unternehmen in einer wirtschaftlichen Krise befindet.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Charakterisierung und Phasen von Unternehmenskrisen, die Möglichkeiten der Früherkennung sowie die detaillierte Analyse verschiedener Bewertungsmodelle unter Krisenbedingungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die vorhandenen Verfahren der Unternehmensbewertung kritisch auf ihre Eignung zur Bewertung von Krisenunternehmen zu untersuchen und Anpassungserfordernisse aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse sowie die Gegenüberstellung verschiedener Bewertungsmodelle, ergänzt durch praktische Bewertungsbeispiele (z.B. am Fall der Philipp Holzmann AG).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Darstellung der Krisenursachen und -phasen sowie eine ausführliche Untersuchung der Einzel-, Multiplikator- und Gesamtbewertungsverfahren im Krisenkontext.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Unternehmensbewertung, Krisenmanagement, Due Diligence, WACC, Ertragswert-Verfahren und Insolvenzrisiko geprägt.
Warum ist die klassische Bilanzanalyse in der Krise oft unzureichend?
Da in Krisensituationen häufig Bilanzpolitik betrieben wird, können Kennzahlen verfälscht sein. Zudem bildet die Vergangenheit, die bei der Analyse herangezogen wird, die für die Zukunft notwendige Trendwende in der Krise oft nicht realistisch ab.
Welche Rolle spielt die Due Diligence bei der Bewertung in der Krise?
Sie fungiert als essentielles Hilfsmittel zur fundierten Aufdeckung von Risiken und zur Plausibilisierung der Plandaten, um eine Entscheidungsgrundlage trotz der hohen Unsicherheit zu schaffen.
- Citation du texte
- Christian Maisch (Auteur), 2011, Unternehmensbewertung bei Krisenunternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461750