Goethe und die Walpurgisnacht

Goethes Erste Walpurgisnacht. Ihre historischen Hintergründe mit Bezug auf die darin enthaltene kritische Sichtweise Goethes gegenüber der Kirche


Hausarbeit, 2013
16 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biographie Goethe

3. Was ist eine Walpurgisnacht

4. Die Sachsenkriege

5. Kirchenkritik Goethes in der klassischen Walpurgisnacht

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang

1. Einleitung:

Meine Hausarbeit trägt den Titel „Goethes Erste Walpurgisnacht. Ihre historischen Hintergründe mit Bezug auf die darin enthaltene kritische S ichtweise Goethes gegenüber der K irche“. Ich versuche in meiner Hausarbeit die historischen Hintergründe der Ersten Walpurgisnacht näher zu untersuchen. Dabei werde ich mich besonders auf die Sachsenkriege unter Karl dem Großen im 8. Jahrhundert stützen. Als Q uellen dazu stütze ich mich vor allem auf die Unparteiische K irchen- und Ketzerhistorie von Gottfried Arnold, da es belegt ist, dass diese auf Goethe einen großen Einfluss hatte. Nach einer kurzen Biographie Goethes werde ich kurz auf den Stereotyp einer Walpurgisnacht eingehen. Dieser beinhaltet die Vorstellung, dass Hexen in der Nacht auf den ersten Mai mit einer Hexensalbe oder auf verschiedenen Tieren oder Besen zum Blocksberg fliegen und dort die ganze Nacht mit Teufeln feiern und tanzen. Goethe setzt sich in seiner ersten Walpurgisnacht mit diesem Stereotyp auseinander und versucht die historischen Wurzeln dafür zu finden. Es ist nicht klar, ob es sich dabei um die heidnischen Bräuche der Sachsen handelt, ich werde jedoch in meiner Analyse der ersten Walpurgisnacht Goethes einige Parallelen zum Sachsenkrieg Karl des Großen aufzeigen, die die Annahme wahrscheinlich machen, dass Goethe genau diesen gewaltsamen Bekehrungsversuch kritisch versuchte zu verarbeiten.

2. Biographie Johann Wolfgang von Goethe (28.8.1749 – 22.3.1832)

Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 in F rankfurt am Main als Johann Wolfgang von Goethe geboren (geadelt wurde er erst 1782). Er war der Sohn von Johann Kaspar Goethe, einem Jurist und Katharina Elisabeth Goethe, geb. Textor. Auf Wunsch seines Vaters begann Goethe 1765 ein Jurastudium in Leipzig, interessierte sich aber auch für Poetikvorlesungen oder Theaterbesuche. In Leipzig entstanden bereits erste Werke, jedoch gelang Goethe der Durchbruch erst 1774 mit dem Roman „Die Leiden des jungen Werthers“. Nach F rankfurt zurück gekehrt arbeitete Goethe als Rechtsanwalt. 1775 ging Goethe nach Weimar und wurde bald Geheimer Legationsrat und später Geheimer Rat, trat also in den S taatsdienst ein.

1786 entschloss sich Goethe, unzufrieden mit seinem Leben in Weimar, ohne große Ankündigung bis 1788 nach Italien, wobei er sich die meiste Zeit in Rom aufhielt. Zurück in Weimar ließ sich Goethe von den meisten politischen Aufgaben entbinden um sich mehr den eigenen Interessen zu widmen. Er behielt jedoch de n S itz im Consilium bei um die Möglichkeit zu politischer Einflussnahme nicht zu verlieren. Statt seiner vorherigen Aufgaben widmete sich Goethe von da an einer Reihe von kulturellen und wissenschaftlichen Aufgaben. So übernahm er beispielsweise die Leitung der Zeichenschule, die Leitung des Weimarer Hoftheaters oder eine beratenden Stelle für die Universität Jena, wo er sich vor allem für den Ausbau der Naturwissenschaften einsetzte.

Goethe kam im Laufe seines Lebens vielfach in den Genuss der Liebe, was s ich auch in vielen seiner Werke widerspiegelt. So bspw. die Liebe zu der bereits verlobten Charlotte Buff, die großen Einfluss auf seinen Roman „Die Leiden des jungen Werthers“ hatte. 1806 heiratete Goethe C hristiane Vulpius, mit der er bereits seit 1788 eine Verbindung hatte und seit Dezember 1789 den gemeinsamen Sohn August (August war der Erstgeborene von fünf gemeinsamen K indern, jedoch der einzige der das Kleinkindalter überlebte). Nach dem Tod seiner Frau Christiane am 6. Juni 1816 zog sich Goethe aus dem gesellschaftlichen Leben zurück und widmete sich seinen Werken.

Am 22. März 1832 starb Johann Wolfgang von Goethe (82 Jahre alt) und wurde neben Johann C hristoph F riedrich von Schiller, mit dem er eine innige Freundschaft pflegte, in der Weimarer F ürstengruft beigesetzt.

Goethe gilt als einer der bedeutendsten, wenn nicht sogar als bedeutendster deutscher Dichter. Er war Vorreiter und wichtiger Vertreter des S turm und Drangs und zusammen mit Friedrich Schiller ein wichtiger Vertreter der Weimarer K lassik. Goethe war, wie die bisherige Biographie zeigte, jedoch nicht nur Dichter, sondern auch Jurist, P hilosoph, Naturwissenschaftler, Schriftsteller und Staatsmann.

Wichtige Werke Goethes waren: Egmont (Druck 1788), Iphigenie auf Tauris (Druck 1787), Faust. Eine Tragödie (erster Druck unter diesem Titel 1808), Faust.

Der Tragödie zweiter Teil (Druck postum), Die Leiden des jungen Werthers (1774), Prometheus (1774), Der Erlkönig (1782) oder die erste Walpurgisnacht (1799). 1

3. Was ist eine Walpurgisnacht

Die Walpurgisnacht wird am Vorabend des Namensfestes der Heiligen Walpurgis, also in der Nacht vom 30. April zum 1. Mai gefeiert. Angeblich findet in dieser Nacht das Hexenfest auf dem Blocksberg (Brocken) statt. 2 Goethe schrieb drei verschiedene Fassungen einer Walpurgisnacht bzw. eines Walpurgisnachttraums, wobei die erste eventuell Grundlage für die beiden anderen in Faust Teil 1 & 2 enthaltenen Walpurgisnachtbeschreibungen ist. Die Erste Walpurgisnacht von Goethe handelt dabei vermutlich vom historischen Hintergrund des Stereotyps einer Walpurgisnacht, wobei ich auf den historischen Hintergrund später eingehe.

Als Stereotyp einer Walpurgisnacht lässt sich gut ein Textausschnitt von Johann Georg Gödelmann von 1592 zitieren:

„ Was die verme intlichen Zauberwerke der He xen betrifft, s o s agt man, daß, wenn s ie s ich mit Sa lben einreiben, die aus Katzen - oder Wolfs fett, aus Es els milch und ich weiß nicht was noch gemacht s ind, ihre Häus er auf Stöcken und Bes en verlass en, entweder au f dem gewöhnlichen Wege oder s ogar durch ein enges Loch, und daß s ie durch die Lüfte fliegen können und s ich s o von einem Ort bis dorthin fortbewegen, wo s ie ihre Fes te und Schle mme reien mit den Teufe ln fe iern. Es is t ein we itverbreiteter Glaube, daß alle He xen Deuts chlands während der Nacht zu m 1. Ma i in ganz kurzer Zeit zu m Blocks berg oder Heinberg, in der Gegend von Bructeri gebracht we rden, nachdem s ie s ich e inges albt haben. Einige re iten auf ihren Lieblings teufeln, die die Form von Ziegenböcken, Schweinen, Ha mme ln und anderen, ähnlichen Tieren annehmen, andere auf Gabeln und Krumms täben. Danach verbringen s ie die ganze Nacht mit Spie len und Fress gelagen und tanzen mit ih ren Liebhabern“.3

Wie auch Johannes Praetorius in Hexen-, Zauber- und Spukgeschichten aus dem Blocksberg beschreibt auch Gödelmann die nächtliche Hexenversammlung mit fliegenden Hexen, die tanzen und sich dem Teufel hin geben. 4

Johann Wolfgang von Goethe geht in seiner ersten Walpurgisnacht dem historischen Hintergrund dieser Walpurgisnac htsaga auf dem Grund. Er schrieb in einem Brief an Zelter vom 3. Dezember 1812 :

„ Nun muß ich noch Ihre Anfrage wegen der e rs ten Walpurgis nacht erwidern. Es verhä lt s ich nämlich fo lgendermaßen. Unter den Ges chichts fors chern giebt es welche, und es s ind Männer, denen man s eine Achtung nicht vers agen kann, die zu jeder Fabel, jeder T radition, s ie s ey s o phantastis ch, s o abs urd als s ie wolle, e inen realen Grund s uchen, und unter der Mährchenhülle jederze it einen factis chen Kern zu finden glauben. Wir s ind in dies er Behandlungs art s ehr viel Gutes s chuldig: denn um darauf e in zugehn gehört groß e Kenntnis , ja Ge is t, Witz, Einbildungs kraft is t nöthig, um auf dies e Art die Poes ie zur Pros a zu machen. So hat jun auch einer der deuts chen Altertums fors cher die He xen - und Teufe ls fahrt des Broc kengebirgs , mit der man s ich in Deuts chland s eit undenklichen Zeiten trägt, durch einen his toris chen Urs prung retten und begründen wollen. Daß nämlich die deuts chen HeydenPries ter und Altväter, nachdem man s ie aus ihren heiligen Hainen vertrieben und das Chris tenthum de m Vo lke aufgedrungen, s ich mit ihren treuen Anhängern auf die wüs ten unzugänglichen Gebirge des Harzes , im Frühlings Anfang begeben , um dort, nach alter Weis e, Gebet und Fla mme zu dem ges taltlos en Gott des Himme ls und der Erde zu richten. Um nun gegen die ausspürenden bewaffneten Bekehrer s icher zu s eyn, hätten s ie für gut befunden, eine Anzahl der Ihrigen zu vermu mmen, und hiedurch ihre ab erg läubis chen Widers acher entfernt zu halten, und, bes chützt von Teufels fratzen, den reins ten Gottesdienst zu vollenden.“5

Was Goethe hier beschreibt ist vermutlich das Abhalten von Opferfeiern der Sachsen auf dem Brocken, deren Lärm die Vorstellung einer christenfeindlichen Hexenversammlung hervorrief. 6

4. Der Sachsenkrieg

Wie Goethe selbst in seiner Autobiographie „Dichtung und Wahrheit“ schrieb, hatte die „Unparteiische K irchen- und Ketzerhistorie“ von Gottfried Arnold großen Einfluss auf Goethe, besonders auf Goethes kritische S ichtweise auf K irche und Christentum.

Einen großen Einfluß erfuhr ich dabei von einem wichtigen Buche, das mir in die Hände geriet, es war A rnolds Kirchen- und Ketzerges chichte. Dies er Mann is t nicht ein bloß reflektie render His toriker, s ondern zugleich fro mm und fühlend. Seine Ges innungen s timmten s ehr zu den meinigen, und was mich an s eine m Werk bes onders ergetzte war, daß ich von manchen Ketze rn, die man mir bis her als toll oder gottlos vorges tellt hatte, einen vorteilhafteren Begriff erh ielt“. 7

Gottfried Arnold versuchte in seiner „Unparteiischen K irchen- und Ketzerhistorie“ die Geschichte der Kirche möglichst unparteiisch (d.h. jenseits der Konfessionen) darzustellen. Dabe i ging er chronologisch vor und widmete jedem Jahrhundert ein Buch und gliederte es in mehrere Kapitel. F ür Goethe von besonderem Interesse war vermutlich das neunte Buch, in welchem Arnold die Geschichte der K irche im neunten Jahrhundert, die Regierung Karls des Großen und die Sachsenkriege näher beschreibt. 8 Die Sachsenkriege könnten eventuell, wie ich in meiner späteren Interpretation der ersten Walpurgisnacht versuche zu zeigen, Grundlage für Goethes erste Walpurgisnacht gewesen sein.

Arnold beginnt seine Ausführung über Karl den Großen mit dessen Ernennung zum Kaiser durch Papst Leo den dritten aus Dankbarkeit für die Unterstützung gegen den Langobardenkönig Desiderius. Er beschreibt, dass man Karl den Großen wegen seiner acht schweren Kriege und die dadurch entstandene Vermehrung des Reichs und des Christentums rühmt. Kritisch sieht Arnold jedoch, dass man dabei das Vergießen von unschuldigem Blut hunderttausender Heiden nicht bedenkt, wobei er sich dabei besonders auf den dreiunddreißigjährigen Krieg gegen die Sachsen bezieht. Er sagt auch alte Historiker können die Grausamkeit Karls nicht verschweigen, wenn man hört „er hätte mit dem Schwert als einer eisernen Zunge, die mit der Widerspenstigen Blut benetzt gewesen, den Glauben Christi als neuer Apostel tapfer gepredigt“9. Kritisch bemerkt Arnold dabei die Vorgehensweise Karls und damit in gewissem Maße auch der K irche bei der Bekehrung der Sachsen, indem er sie die „sogenannten C hristen“10 nennt, die sich mit solcher Vorgehensweise rühmen und meinen dadurch wäre das C hristentum verbreitet worden, so „als ob Christus befohlen hätte, selbiges durch Blut, Mord und Raub zu erweitern“. 11 Arnold sieht die sogenannte Bekehrung während des dreiunddreißigjährigen Krieges gegen die Sachsen (772-804) kritisch, aber auch andere Bekehrungen unter Karl dem Großen und schreibt „wie schrecklich aber alle diese Greuel das arme Volk mögen zurückgestoßen und irregemacht haben, ist von selbst klar und gibt eine gute Probe, was von den Bekehrungen dieser Zeit zu halten sei:“ 12 Grund dafür ist, dass viele Sachsen bspw. erst nach unendlichen N iederlagen und vielem Mord den Glauben Christus annahmen. Wobei auch dieses Annehmen nur Schutz für sie war und kein wirkliche s Annehmen des christlichen Glaubens. Schnell merkten die Heiden, dass der von Karl geforderte Eid, wenn sie C hristus und ihm weichen würden, alle ihre Güter und ihre Freiheit zu verlieren, nur seinen Reichtum vermehren sollte und keine christliche Vorgehe nsweise war. Auf Grund dessen fiel es ihnen, die vermutlich sowieso nicht wirklich wussten was Eid oder Christus war, leicht den Eid (aus S icht der Christen) zu brechen. 13

[...]


1 Vgl . Be rtelsman n Uni ve rsal Le xikon , Bd . 7, Gies -Hell , Be rtelsmann Le xikon Ve rlag, Gü te rsloh 1991.

2 Vgl . Be rtelsman n , Bd .7

3 Gödelman n , Johann Ge org: Von Zau be re rn , He xen un d Un holden , wah rha ftige r un d wohlge grü nde te r Be ri ch t. Fra nkfu rt/Main 1592, S. 31. In: Ba roja , Julio Ca ro: Die He xen und ih re Wel t. Mi t eine r Ei nfüh ru ng u nd einem ergänzenden Kapi tel von Professor Dr. Will -Eri ch Pe u cke rt. Stu ttga rt 1967, S.150.

4 Vgl . Prae torius , Johan nes : « He xen -, Zaube r- u nd Sp ukges chi ch ten aus dem Blocksbe rg». Möhrig, Wol fgan g (Hrsg.), Insel Ve rlag Frankfu rt a m Main 1979. S.37-63.

5 Intolle ran za de r Pfa ffe n ch ris ten S.125

6 Ebd . S. 124

7 Di ch tun g und Wah rhei t Bu ch 8

8 Vgl . Ne uaufglage Gottfried Arnold

9 Arnol d S. 185

10 Arnol d S. 185

11 Ebd .

12 S. 187

13 Arnol d S. 183-187

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Goethe und die Walpurgisnacht
Untertitel
Goethes Erste Walpurgisnacht. Ihre historischen Hintergründe mit Bezug auf die darin enthaltene kritische Sichtweise Goethes gegenüber der Kirche
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Veranstaltung
Proseminar Goethe und die Walpurgisnacht
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
16
Katalognummer
V461771
ISBN (eBook)
9783668917613
ISBN (Buch)
9783668917620
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Goethe, Walpurgisnacht, Kirchenkritik, Faust
Arbeit zitieren
Alena Wegner (Autor), 2013, Goethe und die Walpurgisnacht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461771

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