Wie kann dem Leidensdruck von Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung in der systemischen Beratung und Therapie begegnet werden?


Ausarbeitung, 2018
15 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ansatz der systemischen Beratung und Therapie

3. Emotional instabile „Persönlichkeitsstörung des Borderline- Typs“
3.1 Erläuterung der Begriffes „Borderline-Persönlichkeitsstörung“
3.2 Krankheitsbild und Symptomatik der Borderline- Persönlichkeitsstörung
3.3 Ursachen und biopsychosozialen Einflussfaktoren
3.4 Verlauf, Auswirkungen und epidemiologische Folgen

4. Systemische Beratung und Therapie von „Borderline“- Klientel

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Überlastungserschöpfung, Depression und Burnout. Das habe ich gesagt. Nicht das andere böse B-Wort. Weil das Stigma noch zu groß ist. Viel zu groß. Und ich schäme mich dafür. Nein. Nicht Borderline zu haben, sondern nicht dazu zu stehen.“ (Nuthouse 2016)

Der mit diesem Zitat einer betroffenen Frau verbundene Eindruck gibt nur einen Bruch-teil der Präsenz von gängigen Vorurteilen wieder, welche gegenüber psychiatrischer Einrichtungen und psychisch erkrankter Menschen in der Gesellschaft kursieren (Hammer 2015). Im Speziellen werden als „Borderliner“ deklarierte Personengruppen durch einen in der Bevölkerung gängigen und unnachsichtigen Gebrauch von psycho-pathologischen Klassifizierungen und Diagnosen zu Leidtragenden von einer individuell reduzierend und nachhaltig wirkenden Definitionsgewalt sowie damit einhergehender Stigmatisierungs- und Etikettierungsprozesse der Öffentlichkeit (Mücke 2009: 40, 220; Wagner, Henz und Killian 2016: 22ff.; Fiedler 1994, zitiert in Wagner, Henz und Killian 2016: 33).Die von der Diagnose einer „Borderline- Persönlichkeitsstörung“ betroffenen Personen stoßen nicht nur auf Widerstand innerhalb ihres sozialen Kontextes, sondern werden ebenso bei der Suche und dem lang ersehnten Erhalt von therapeutischer Hilfe von den teils überforderten und entmutigenden Fachkräften als Patienten bzw. Patientinnen mit einer erschwert zu behandelten Symptomatik angesehen, die deshalb einer Vermeidung bedarf. Die in der psychotherapeutischen Fachwelt populäre Korrelation zwischen der Diagnose einer „Borderline-Persönlichkeitstörung“ und einem „Synonym für komplikationsreiche Therapien“ (Bretzner 2014: 7) äußert sich nicht nur anhand von Problematiken bei der psychotherapeutischen Begleitung der Klientel, der Anwendung von unzulänglichen traditionellen Verfahren mit wenig effektiver Wirkweise oder aber jährlich verursachter stationärer Behandlungskosten in Höhe von etwa vier Milliarden Euro (Bretzner 2014: 5ff.; Mücke 2009: 445; Wagner, Henz und Killian 2016: 11ff.,43f.). Jene schlägt sich oftmals ebenso als eine mit Tabus behaftete Thematik innerhalb von Diskursen diverser therapeutischer Fachrichtungen nieder: Trotz der alarmierenden Dringlichkeit hinsichtlich der stetig wachsenden Präsenz von „Borderline“ -Klientel in Einrichtungen des Gesundheitswesens und einer hieraus resultierenden Notwendigkeit von kompatiblen Verfahrensweisen, konnten die diagnostischen Spezifika der „Persönlichkeitsstörungen“ in der Fachwelt der systemischen Arbeitens bisher wenig Beach-tung finden. In diesem Sinne ist oftmals ein umfangreiches Vermeidungs- bzw. kritikreiches Ablehnungsverhalten bei vielen Fachkräften in Puncto konzeptioneller Betrachtung und Neuausrichtung der systemischen Prinzipien aufgrund vermeintlich unüberwindbarer Diskrepanzen präsent, was jedoch eine adäquate Hilfeleistung im Rahmen eines therapeutisch wirkungsvollen Umgangs mit sogenanntem „Borderline“-Klientel unmöglich zu machen scheint (Wagner, Henz und Kilian 2016: 11ff.).

In diesem Zusammenhang stellt sich deshalb die Frage, wie systemisch arbeitende Fachkräfte dem Leidensdruck von Personen mit einer diagnostizierten „Borderline- Persönlichkeitsstörung“ im Rahmen von psychosozialer Therapie und Beratung entstörungsspezifisch entgegnen können ?

Die nachfolgende Ausarbeitung umfasst einführende Darlegungen zum systemischen Ansatz in Therapie und Beratung, die für die Darstellung eines störungsspezifischen Vorgehens, mittels dargestellter Informationen zu den Begrifflichkeiten, der Genese und Symptomatik der Diagnose „Borderline-Persönlichkeitsstörung“ ergänzt und so für eine praktische Handhabung illustriert werden. In einem die Ausarbeitung abschließenden Fazit werden neben einer thematischen Zusammenfassung, weiterführende Gedankengänge dargelegt.

2. Ansatz der systemischen Beratung und Therapie

Das Realisieren einer psychosozialen Begleitung gemäß des Ansatzes der systemischen Gesprächsführung lässt sich unter Bezugnahme auf Darlegungen nach Levold als eine Disziplin, welche ,keine einheitliche, inhaltlich konsistente Arbeitsphilosophie darstellt, sondern eine Vielzahl von Konzepten und theoretischen Modellen umfasst, die untereinander mehr oder weniger anschlussfähig sind, aber gemeinsame Grund-orientierungen und -haltungen aufweisen' definieren (Levold und Wirsching 2014, zitiert in Wagner, Henz und Killian 2016: 18; Wagner, Henz und Killian 2016: 18). Jene gemeinsamen Orientierungen basieren auf handlungsleitenden Auffassungen von psychosozialen Krisen. Im Gegensatz zu den fokussierenden und störungsspezifischen Verständnissen von medizinischen Konzeptualisierungen und psychopathologischen Verfahrensansätzen entstehen die Problematiken eines Menschen nach systemischer Auffassung als Resultate einer Korrelation komplexer zirkulärer Vorgänge in biologischen, psychischen und sozialen Systemen, die nicht als Auswirkung eines klar definierbaren Ursprungs hervorgehoben werden können und durchweg in einem sozialen Kontext mit räumlichen und zeitlichen Sinnkonstruktionen sowie interaktioneller Schemata und subjektiven Wahrnehmungsweisen als veränderbare Gegebenheiten verortet sind (Mücke 2009: 23ff., 270; Wagner, Henz und Killian 2016: 15ff.,118ff. Schlippe und Schweitzer 2012, zitiert in Wagner, Henz und Killian 2016: 19). Die Wirkungen dieser Problematik zeitigen ein Hervorrufen von beständigen und die Betroffenen sehr in ihrer Handlungsfähigkeit beeinträchtigenden psychosozialen Schemata, welche wiederrum erhaltende Wirkung auf jene Problematik besitzen (Wagner, Henz und Killian 2016: 108f.). Eine aufgrund derartiger Beeinträchtigungen aufgesuchte systemische Beratung und Psychotherapie entspricht nach diesem Verständnis einem Prozess, der angesichts einer spezifischen rekonstruierenden, realitätsetablierende Kommunikationsweise von mindestens zwei Menschen charakterisiert wird (Mücke 2009: 29f.,219ff.; Ludewig 2013, zitiert in Wagner, Henz und Killian 2016: 24; Wagner, Henz und Killian 2016: 24,73). Die zentrale Komponente innerhalb jenes Therapie- oder Beratungsprozesses liegt auf der Konstitution und Präsenz eines interaktiv wirksamen und zirkulär strukturierten Korrelationshergangs zwischen den Fachkräften, der Klientel und sonstigen anwesenden Gesprächsteilnehmenden, welcher die Grundlage für das systemische Vorgehen darstellt. Für die Realisierung einer für das Ziel nützlichen Konversation und das hierauf erwachsende systemische Agieren ist eine anerkennende und produktive Kooperation zwischen dem therapeutischen Fachpersonal und den mit einer lebensweltlichen Expertise ausgestatteten Kunden bzw. Kundinnen von Nöten, die im Zuge eines aktiv lenkenden Handelns der Fachkräfte mit kompetenz-, lösungs- und zielorientierten Akzentuierungen die rekonstruktive Aufdeckung von sich negativ auswirkenden Handlungsroutinen der Klientel sowie der gemeinsamen Schaffung von Einfällen hinsichtlich adäquateren Verhaltens-weisen beabsichtigt (Mücke 2009: 57f., 236ff.; Schmidt 1995 zitiert in Mücke 2009: 243; Schmidt 1996 zitiert in Mücke 2009: 243; Bretzner 2014: 69ff.). Das systemische Vorgehen während eines Beratungs- bzw. Therapieprozesses zielt letztlich auf eine reflexive Nachbildung und wirksame Neuschaffung der für die Klientel und ihren Angehörigen bestehende Lebensweltkonstruktion und der dort gegenwärtigen Vielfalt an Mustern und Strukturen bei Begegnungen, Austausch und Beziehungen sowie dabei realisierter Wahrnehmung und Interpretationen. Ein Therapieerfolg tritt ein, wenn der Leidensdruck bei den Kunden bzw. Kundinnen vermindert und somit einer positiveren Zukunft entgegen geblickt werden kann (Bretzner 2014: 70f.; Mücke 2009: 23ff.,151,280ff.).

3. Emotional instabile „Persönlichkeitsstörung des Borderline- Typs“

3.1 Erläuterung der Begriffes „Borderline-Persönlichkeitsstörung“

„Und wenn man gründlich genug sucht, wird man auch immer welche finden. Oder etwas zu einem machen. Was vorher noch nicht da war. Oder einfach neue schaffen. Das geht auch. Besonders gut.“(Nuthouse 2016)

Die diagnostisch geprägte Bezeichnung „Persönlichkeitsstörungen“ umschreibt bei einer Person verortete Auffälligkeiten, welche zu Tage treten „als tief verwurzelte und anhaltende Fühl-, Denk- und Verhaltensschemata, die sich in starren Reaktionen und abnormen Verhaltensmustern in unterschiedlichen Lebenslagen zeigen“ (Wagner, Henz und Killian 2016: 14). Gemäß den Darlegungen international gegenwärtiger Klassifikationssysteme ist die Präsenz von rigider Abnormalität auf der Reaktions- und Verhaltensebene von zentraler Bedeutung. Unter individuell fachlich geprägter Wahr-nehmungsperspektive geschieht oftmals die Vergabe einer Diagnose, welche auf von diversen sozialen Normen und Werten differenten Auffälligkeiten beruht (Lieb 2009, zitiert in Wagner, Henz und Killian 2016: 32; Wagner, Henz und Killian 2016: 20ff.). In Betrachtung gängiger Klassifikationssysteme kann eine spezifische Persönlichkeitsstörung (Kapitel F60 ICD-10) des emotional instabilen Typs bei der Klientel diagnostiziert werden (Wagner, Henz und Killian 2016: 34ff.; Weltgesundheits-organisation 2006, zitiert in Bretzner 2014: 8). Der Diagnosetyp der emotional instabilen „Persönlichkeitsstörung“ ist gemäß des ICD-10 durch das mögliche Auftreten von zwei differenten Formen gliedernd charakterisiert: Jene Kategorie umfasst demnach eine impulsive Erscheinungsform, die mittels unzureichender Impulskontrolle und einem Bestehen von gewalttätigem, aggressiven und gefährdendem Agieren der Per-son zu Tage tritt sowie eine „Borderline“-Form, welcher über jene emotionale Labilität hinaus weitere Symptomen bei den Betroffenen erzeugt (Wagner, Henz und Killian 2016: 41f.) Im Allgemeinen kann eine „Borderline-Persönlichkeitsstörung“ unter Anbe-tracht des DSM-IV (301.83) als ,Ein tiefgreifendes Muster von Instabilität in zwischen-menschlichen Beziehungen, im Selbstbild und in den Affekten sowie von deutlicher Impulsivität' (DSM-IV, zitiert in Bretzner 2014: 21) bezeichnet werden. Das englische Wort „Borderline“ korreliert in einem vergangenen klinisch-diagnostischen Zusammen-hang mit dem Ausdruck „Grenzlinie“, der in den dreißiger Jahren einen Überbegriff für spezifische Erkrankungen darstellte, die als „Grenzfälle“ (Bretzner 2014: 6) zwischen der Symptomatik einer Neurose und Psychose verortet wurden (Bretzner 2014: 6; Wagner, Henz und Killian 2016: 42). Im Zeitraum der Jahre 1967 bis 1975 konnte sich dann eine davon abgesonderte Diagnose der „Borderline-Störung“ auf Basis der Arbeiten von Otto F. Kernberg in der psychotherapeutischen Praxis etablieren (Bretzner 2014: 6f.; Wagner, Henz und Killian 2016: 42). Im Rahmen einer stetig differenzierenden konzeptionellen Auffassung der Diagnose, war von da ab eine größer werdende Tendenz des Störungsverständnisses hin zu „Persönlichkeitsstörungen“ mit affektiven Komponenten erkennbar, wobei die diagnostische Bezeichnung einem oftmaligen und different inhaltlich akzentuierten Wandel unterliegt (Wagner, Henz und Killian 2016: 42; Bretzner 2014: 6f.).

3.2 Krankheitsbild und Symptomatik der Borderline- Persönlichkeitsstörung

„Ich werde oft gefragt, wie das eigentlich so ist mit Borderline. Und hab das mal zusammengefasst: Freude. Freude! Freude! Euphorie!! Oh. Traurig. Freude! Wütend. Extrem wütend. Nein, traurig. Einsam. So einsam. Einsam. Einsam. Leere. Oh, diese Leere. Traurig. Aber Liebe. So viel Liebe! Liebe. Liebe. Liebe. Empathie!!! Freude. Freude!! Freude! Traurig. Ja. Das beschreibt es schon ganz gut. So einen durchschnittlichen Nachmittag.“ (Nuthouse 2016)

Das Klassifikationsverzeichnis des DSM-IV umfasst die Darstellung als gesondert auf-geführten sozialen und individuellen Aspekten, wobei mindestens fünf dieser Symp-tome für die Diagnostizierung einer „Borderline-Persönlichkeitsstörung“ vorhanden sein müssen (DSM-IV, zitiert in Bretzner 2014: 21; Bretzner 2014: 20ff.). Auf individueller Ebene zeichnet sich eine von der „Borderline-Störung“ beeinträchtigte Persönlichkeit durch die Präsenz von Schwankungen in der labilen Eigenwahrnehmung und des konträr anmutenden Selbstbildes der Betroffenen aus. Dies äußert an einem oftmaligen Vorhandensein von Schwierigkeiten bei der Konstituierung eines beständigen Selbstbildes oder der Benennung von Emotionen sowie angesichts dadurch bedingter Selbstzweifel, Ängsten und fehlendem Selbstvertrauen. Die hierbei nuancenfreie Tendenz des kontrastreichen Verständnisses und eine eingeschränkte sowie stark auf extreme Gegensätze fokussierte Wahrnehmungs- und Denkweise tritt ebenso auf zwischenmenschlicher Ebene zu Tage, so dass oftmals die labile Präsenz von mehreren kurzzeitig bestehenden und in den Vordergrund gerückten Kontakten und Beziehungen bei den Betroffenen gängig ist, welche von einem anfänglichen, oftmals realitätsfernen Verherrlichen der anderen Person bis hin zur baldigen, konfliktreichen-den Abwertung derselben führt. Der Grund hierfür findet sich in dem spezifischen Bestreben, das häufig zu wenig gestillte Verlangen nach beständiger Liebe und Zuneigung zu kompensieren und das erneute Erfahren von Verlust und Unbeständigkeit zugunsten einer neugewonnen Sicherheit, Gewissheit und Verlässlichkeit zu vermeiden (DSM-IV, zitiert in Bretzner 2014: 22; Bretzner 2014: 3ff.;22ff.; Kernberg 2000, zitiert in Bretzner 2014: 23; Ebbecke-Nohlen 2000: 43). Diese Hoffnung entspricht oftmals nicht der Realität, da im Zuge einer Furcht vor Abwendung bzw. Enttäuschung und der hierausresultierenden Zweifel und Vertrauensproblematiken erneute Verlusterfahrungen als Folge eines permanenten Überprüfens, Vergewisserns und Einengens wahrscheinlicher werden (DSM-IV, zitiert in Bretzner 2014:21; Bretzner 2014: 21f.). Das dabei erfolgende gewaltvolle Fordern und neidvolle Verhalten ist letztlich häufig der Anlass eines Abwendens bzw. einer Trennung der Bezugspersonen, welches von den Betroffenen als schreckliches Desaster erachtet wird, so dass eine selbstabwertende Haltung konstituiert und die Anfälligkeit für die Einverleibung anderer Identitäten und Lebensweisen für das Herstellen einer vermeintlichen Selbstsicherheit begünstigt wird (Bretzner 2014: 3f.,21ff.; DSM-IV, zitiert in Bretzner 2014: 25; Wagner, Henz und Killian 2016: 44). Im Weiteren befinden sich die Betroffenen meist in einer nur gering stabil ausgeprägten emotionalen Verfassung, welche hinsichtlich eines gesteigerten Erfahrens von positiven und negativen Emotionen zu abrupt einsetzenden Schwankungen im konträr anmutenden, emotionalen Befinden und stärkeren, nicht steuerbaren emotionalen Reaktionen und Handlungsunfähigkeit bei konfliktreichen Gegebenheiten führen kann. Diese fehlende Kompetenz wird gekennzeichnet durch eine übermäßige Dauer von übersteigerten Spannungszuständen oder Gefühlsreaktionen wie Unruhe, Wut oder einer dauerhaft emotional beständigen Leere, welche adäquate Reflexionsvorgänge oder konstruktive Auseinandersetzungen unmöglich zu machen scheinen. Das führt neben der Erzeugung und dem Erhalt von zwischen-menschlichen Konflikten, ebenso zur Anwendung diverser Verminderungsstrategien (DSM-IV, zitiert in Bretzner 2014: 32ff.; Bretzner 2014: 3ff.,32ff.; Ebbecke-Nohlen 2000: 43; Wagner, Henz und Killian 2016: 43f.). Solche Verfahrensweisen können sich einerseits anhand eines paranoiden Phantasierens und dem Auftreten von dissoziativen Beschwerden manifestieren, wobei die hierbei bestehende psychotische Verfassung mit von einer Paranoia gekennzeichneten Gedanken diagnostisch von einer Schizophrenie differenziert werden (Bretzner 2014: 35f.; DSM-IV, zitiert in Bretzner 2014: 35). Andererseits kommt es häufig zur mit einem hohen Abhängigkeitspotenzial verbundenen Realisierung der ausgeprägten Neigung, die als erdrückend wahrgenommenen Emotionen mittels differenzierter selbstschädigender Handlungsmustern, dem Missbrauch von Suchtmitteln wie Medikamenten und Alkohol oder suizidalen Taten erträglicher zu machen (Bretzner 2014: 5,26). Häufig führt eine derartige Umsetzung von selbstschädigenden Tätigkeiten und risikobehafteten Aktivitäten wie dem Schnei-den oder Verbrennen der Haut, ungesundem Essverhalten, Spritzen diverser schädigenden Präparaten, Umgang und Beziehungen mit gewalttätigen Menschen aufgrund eines Rauschzustandes und der Konzentrationsverlagerung zu kurzzeitigem Stress-abbau, einer Entspannung und der wahrgenommene Milderung von emotionalen Beschwerden (DSM-IV, zitiert in Bretzner 2014: 26; Bretzner 2014: 3ff., 26ff.; Wagner, Henz und Killian 2016: 43f.). Längerfristig betrachtet werden jedoch an Intensität zunehmende Formen dieser Vermeidungsstrategien zum Erzielen einer solchen Verfassung benötigt, was jedoch nicht nur zu irreversiblen Schäden oder aber zwischen-menschlichen Konflikten führt, sondern ebenso im Suizid münden kann. Eine hierauf bezogene, empirisch belegte Erkenntnis vieler Langzeitstudien ist, dass alle Patienten bzw. Patientinnen mit einer „Borderline-Persönlichkeitsstörung“ während ihres Lebens mindestens einmal in eine suizidale Verfassung geraten. Die Selbsttötungsrate liegt dabei zwischen fünf bis zehn Prozent der jeweilig beeinträchtigten Personen (Bretzner 2014: 3ff.,27ff.; Wagner, Henz und Killian 2016: 43f.; DSM-IV, zitiert in Bretzner 2014: 27)

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Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Wie kann dem Leidensdruck von Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung in der systemischen Beratung und Therapie begegnet werden?
Hochschule
Evangelische Hochschule Ludwigsburg (ehem. Evangelische Fachhochschule Reutlingen-Ludwigsburg; Standort Ludwigsburg)
Veranstaltung
Systemische Beratung und die Arbeit in verschiedenen Berufsfeldern
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
15
Katalognummer
V461796
ISBN (eBook)
9783668956506
Sprache
Deutsch
Schlagworte
leidensdruck, menschen, borderline-persönlichkeitsstörung, beratung, therapie
Arbeit zitieren
Julia Wagner (Autor), 2018, Wie kann dem Leidensdruck von Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung in der systemischen Beratung und Therapie begegnet werden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461796

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