In dieser Arbeit soll exemplarisch anhand der Bauten Lopodunums gezeigt werden, wie der Wandel von einem Kastellstandort zu einer Stadt ablief.
Vor 1920 Jahren wurde Lopodunum, das antike heutige Ladenburg, gegründet. Es soll als Beispiel dazu dienen, aufzuzeigen, wie Städte in den von den Römern eroberten Gebieten entstanden und aussahen. Noch heute tragen dort drei Straßen die Namen von römischen Kaisern. Die Domitian-, die Trajan- und die Valentinianstraße erinnern an den Beginn, die Blüte und das Ende der antiken Stadt Lopodunum.
371 n. Chr. berichtet Ausonius in seinem Text Mosella über einen Ort Namens Lupodunum. Marquard Freher identifiziert 1605 erstmalig dieses Lupodunum als Ladenburg und berichtet darüber in seinem Werk De Lupoduno Antiquissimo Alemaniae Oppido Commentariolus. 1998 wird eine Erläuterung dazu veröffentlicht. 1893 konnte der Philologe K. Zangemeister das Kürzel CVSN erstmals als Civitas Ulpia Sueborum Nicrensium auflösen. Der Archäologe H. Gropengießer entdeckt 1912 im heutigen Ladenburg die Überreste eines Steinkastells und nimmt Grabungen an der Basilika vor. Die Unterlagen seiner Grabungen gingen im Krieg verloren, sodass nicht mehr überprüfbar ist, ob die von ihm rekonstruierten Pläne der Basilika korrekt sind. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Forschung zu Lopodunum über viele Jahrzehnte eng mit B. Heukemes verknüpft. Bis heute finden Grabungen in Ladenburg statt, um das antike Lopodunum besser entschlüsseln zu können, da noch immer Fragen offengeblieben sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsklärungen
3. Vom Kastell zur Stadt
3.1. Die Vorgeschichte Lopodunums
3.2. Vom Kastell zur Zivilsiedlung
3.3. Die Civitas
3.3.1 Die Gebäude der Civitas
3.3.2 Lopodunum eine Stadt?
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, den historischen Entwicklungsprozess von Lopodunum von einem römischen Kastellstandort hin zu einem zivilen Civitas-Hauptort nachzuvollziehen. Dabei wird exemplarisch untersucht, anhand welcher architektonischen und strukturellen Kriterien Lopodunum trotz fehlenden offiziellen Stadtrechts als „gelebte Stadt“ der Antike klassifiziert werden kann.
- Grundlagen der antiken römischen Stadtdefinition und -kriterien
- Militärische Struktur und Aufbau römischer Kastelle
- Die Entwicklung und Transformation von Kastellvici (Lagerdörfern)
- Analyse der urbanen Bausubstanz und Funktion von Lopodunum als Civitas-Hauptort
Auszug aus dem Buch
3.1. Die Vorgeschichte Lopodunums
Der Name Lopodunum soll auf den keltischen Ortsnamen Lokudunon zurückgehen, der übersetzt wird mit „Sumpfsiedlung“ oder „Seeburg“.
Zwischen etwa 3000 v. Chr. bis etwa zur Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. bestand nordwestlich des heutigen Stadtgebietes eine keltische Siedlung, die um 200 v. Chr. den Heiligenberg bei Heidelberg als Siedlungsmittelpunkt der Kelten abgelöst hatte.
Nach dem Augustus Germanienpolitik gescheitert war und die geplante Ausweitung des Römischen Reiches bis zur Elbe verworfen werden musste, akzeptierte sein Nachfolger Tiberius den Rhein und die Donau als natürliche Grenzen des Reiches und bestärkte diese dadurch, dass er in diesen nahezu entvölkerten Gebieten „befreundete“ Stämme ansiedelte, die als eine Art Bauernmiliz fungieren sollten. Im Bereich um das heutige Ladenburg wurden die später für die Civitas namensgebenden SVEBI NICRENSIS (Neckarsueben) angesiedelt, die zu den sogenannten Elbgermanen gehörten. Diese integrierten sich rasch und trieben regen Handel mit den Römern, sodass sich vor allem an den Grabbeigaben eine kontinuierliche Entwicklung der Neckarsueben hin zu Provinzialrömern ablesen lässt, bis sich etwa in der Mitte des 2. Jahrhunderts keine Aussagen mehr über die Ursprungsherkunft der Bestatteten machen lassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein, erläutert den historischen Kontext von Lopodunum und stellt die methodische Herangehensweise sowie die Forschungsfrage der Arbeit vor.
2. Begriffsklärungen: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Kastell, Vicus und Stadt und stellt die unterschiedlichen stadtgeschichtlichen Kriterien der Wissenschaftler Schalles, Kolb und Pferdehirt gegenüber.
3. Vom Kastell zur Stadt: Das Hauptkapitel analysiert den zeitlichen und baulichen Wandel von Lopodunum von der ersten militärischen Besiedlung über die Kastellphase bis hin zur Gründung und Etablierung als Civitas-Hauptort.
3.1. Die Vorgeschichte Lopodunums: Es wird die vorrömische keltische Besiedlung sowie die spätere Ansiedlung der Neckarsueben als Bauernmiliz unter römischer Herrschaft betrachtet.
3.2. Vom Kastell zur Zivilsiedlung: Das Kapitel behandelt die archäologisch nachweisbare Abfolge der Kastellbauten sowie die Entstehung der Zivilsiedlungen (Vici) nördlich und südlich des Kastells.
3.3. Die Civitas: Die Analyse konzentriert sich auf die Gründung und politische Rolle der Civitas Ulpia Sueborum Nicrensium und die daraus resultierende infrastrukturelle Entwicklung Lopodunums.
3.3.1 Die Gebäude der Civitas: Hier werden die monumentalen Neubauten, wie der Forum-Basilika-Komplex, das Theater sowie die palastartigen Komplexe als Zeichen städtischer Bedeutung beschrieben.
3.3.2 Lopodunum eine Stadt?: Das Kapitel führt eine abschließende Diskussion darüber, ob Lopodunum aufgrund seiner baulichen Infrastruktur und sozioökonomischen Struktur trotz des fehlenden rechtlichen Status als Stadt zu werten ist.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und bestätigt, dass Lopodunum durch seine Entwicklung vom Militärlager zur zivilen Civitas-Metropole als „gelebte Stadt“ bezeichnet werden kann.
Schlüsselwörter
Lopodunum, Ladenburg, römische Geschichte, Kastell, Civitas, Zivilsiedlung, Vicus, Stadtentwicklung, Antike, Archäologie, Forum, Neckarsueben, Civitas Ulpia Sueborum Nicrensium, Urbanisierung, römische Baukunst.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Wandel der römischen Siedlung Lopodunum (heute Ladenburg) vom militärischen Kastellstandort zu einem zivilen urbanen Zentrum.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind der architektonische Wandel von Holz- zu Steinbauten, die Entwicklung der Civitas-Strukturen sowie die Frage der Definition einer „antiken Stadt“ im Gegensatz zu einer einfachen Siedlung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, anhand des Fallbeispiels Lopodunum aufzuzeigen, was eine typische antike Stadt ausmachte und wie schwierig es ist, diese von einem Vicus abzugrenzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine archäologisch-historische Analyse durchgeführt, die primär auf der Auswertung aktueller Forschungsliteratur (insbesondere Sommer, Hensen und Rabold) basiert, um archäologische Befunde mit stadtgeschichtlichen Definitionen abzugleichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich chronologisch mit der Vorgeschichte, der Kastellzeit, der Entstehung der Vici und der schließlich ausgebauten Civitas mit ihren monumentalen öffentlichen Gebäuden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Lopodunum, Civitas, Kastell, Vicus, Urbanisierung, Forum-Basilika-Komplex und römische Antike.
Warum wird Lopodunum als „gelebte Stadt“ bezeichnet?
Obwohl Lopodunum rechtlich als Vicus galt, erfüllte es aufgrund seiner monumentalen Architektur, der sozialen Differenzierung und seiner Funktion als administrativer Zentralort die wesentlichen Kriterien einer antiken Stadt.
Welche Rolle spielten die sogenannten „Neckarsueben“ für die Entwicklung?
Sie wurden als „befreundeter“ Stamm durch die Römer angesiedelt und bildeten das Fundament der späteren zivilen Bevölkerung, die sich durch Handel und Integration zu Provinzialrömern entwickelte.
- Arbeit zitieren
- Rebecca Myga (Autor:in), 2018, Lopodunum. Entwicklung eines römischen Kastells zur Stadt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461843