In dieser Arbeit wird auf die psychische Gesundheit eingegangen, weil die Wirkungsrichtung zwischen Arbeitslosigkeit und individuellem psychischen Gesundheitszustand eine zentrale Fragestellung in der Arbeitslosenforschung ist. Es werden Leute betrachtet, die schon einmal arbeitslos waren, die also eine Arbeitslosigkeitserfahrung aufweisen und es wird erforscht, wie sehr ihre psychische Gesundheit dadurch beeinträchtigt wurde. Die Fragestellung dieser Arbeit lautet "Wie wirkt sich Arbeitslosigkeitserfahrung auf die psychische Gesundheit aus?"
Arbeitslosigkeit ist ein globales Problem, das auch nicht so schnell verschwindet. Arbeitslosigkeit führt zu gesundheitlichen Einschränkungen und Leistungsminderung, diese wiederum erschweren die Arbeitssuche und die erneute Etablierung auf dem Arbeitsmarkt. Es ist ein Teufelskreis und deswegen ein gesellschaftlich relevantes Thema. Zudem nehmen Arbeitslose staatliche Unterstützung in Anspruch und kosten dem Staat somit Geld. Die Zusammenhänge von Arbeitslosigkeit und Gesundheit sind wechselseitig und werden schon seit längerer Zeit in der Gesundheitsforschung analysiert. Studien haben gezeigt, dass Arbeitslose im Vergleich zu Beschäftigten einen schlechteren Gesundheitszustand aufweisen. Unter Gesundheit versteht man physisches und psychisches Wohlbefinden. In dieser Arbeit wird auf die psychische Gesundheit eingegangen, weil die Wirkungsrichtung zwischen Arbeitslosigkeit und individuellem psychischen Gesundheitszustand eine zentrale Fragestellung in der Arbeitslosenforschung ist.
Als erstes wird die Theorie erläutert, von der die darauffolgenden Hypothesen abgeleitet wurden. Die Zusammenhangs- und Interaktionshypothesen werden ausführlich beschrieben sowie die Auswahl an Kontrollvariablen. Aus diesen Hypothesen werden für den zweiten Teil dieser Arbei, die Konzepte und Dimension abgeleitet. Die Konzeptspezifikation und Operationalisierung werden diskutiert. Im dritten Teil dieser Arbeit werden die Fragen und ihre Formulierungen erläutert und kritisch reflektiert sowie die Probleme, die während dem Pre-Test aufgetaucht sind. Zum Ende dieser Arbeit wird der Aufbau des Gesamtfragebogens erklärt und diskutiert sowie die Vor- und Nachteile des Websurveys. Schließlich werden die wichtigsten Ergebnisse dieser Arbeit zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Theorie und Hypothesen
Konzeptspezifikation und Operationalisierung
Frageformulierung (eigener Fragebogen)
Fragebogenkonstruktion (Gesamtfragbogen Übungsgruppe)
Vor- und Nachteile des Websurveys
Zusammenfassung und Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeitserfahrung und der psychischen Gesundheit, wobei insbesondere die Rolle des Geschlechts als modifizierende Variable sowie verschiedene Kontrollvariablen wie Alter, physische Gesundheit und Arbeitsmarktsegmente betrachtet werden.
- Analyse des Vitamin-Modells von Warr zur theoretischen Fundierung der psychischen Instabilität bei Arbeitslosen.
- Methodische Operationalisierung von "Arbeitslosigkeitserfahrung" und "psychischer Gesundheit" für eine empirische Befragung.
- Konstruktion eines Gesamtfragebogens unter Berücksichtigung von psychologischen Antworteffekten und Filterführungen.
- Kritische Evaluation der Methode des Websurveys im Kontext einer studentischen Teilerhebung.
Auszug aus dem Buch
Theorie und Hypothesen
Als theoretische Grundlage dient das Vitamin Modell von Warr (1987) in dem es um die Umgebung der Arbeitslosen geht. Diese ist hauptverantwortlich für die psychische Instabilität von Nicht-Erwerbstätigen. In diesem Modell werden Einflussfaktoren genannt. Das Fehlen oder eine geringe Ausprägung dieser Faktoren führt bei den Betroffenen zu negativen, und eine hohe Ausprägung zu positiven Auswirkungen (Warr 1987: 10). Warr nennt folgende „Vitamine“, die Menschen durch ihre Erwerbstätigkeit bekommen: Möglichkeiten zur Ausübung von Kontrolle, Möglichkeiten zur Nutzung der eigenen Fähigkeiten, von außen gesetzte Ziele, Abwechslung, Klarheit und Eindeutigkeit der Umwelt, Verfügbarkeit von Geld, Physische Sicherheit, Möglichkeit zu interpersonellem Kontakt und anerkannte soziale Position (Warr 1987: 296). Arbeitslose sind mit Umständen konfrontiert, die diese Einflussfaktoren nur in einem geringen Maße oder gar nicht erfüllen. Das Fehlen dieser „Vitamin“-Faktoren wirkt sich negativ auf das psychische Wohlbefinden von Arbeitslosen aus und führt somit zu psychischer Instabilität (Warr 1987: 196f).
Von dem Vitamin-Modell von Warr wurde die folgende Zusammenhypothese herausgearbeitet: Personen mit Arbeitslosigkeitserfahrung weisen im Vergleich zu Erwerbstätigen tendenziell ein erhöhtes Risiko zu psychischen Erkrankungen auf (siehe Abbildung 1). Die „Vitamin“-Faktoren werden im späteren Teil der Arbeit dazu dienen, die Konzepte in Dimensionen zu unterteilen. In dem Modell von Warr wird das Geschlecht nicht berücksichtigt. Das Geschlecht scheint hier jedoch eine wichtige Rolle zu spielen, da Männer durch die Arbeitslosigkeit ihre Haupt-Ernährerrolle verlieren, und dies zum Verlust ihres männlichen Selbst- und Fremdbildes führt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Forschungsthema der Zusammenhänge zwischen Arbeitslosigkeit und Gesundheit ein und definiert die zentrale Fragestellung der Arbeit.
Theorie und Hypothesen: Hier wird das Vitamin-Modell von Warr vorgestellt und zur Ableitung von Zusammenhangs- und Interaktionshypothesen genutzt.
Konzeptspezifikation und Operationalisierung: In diesem Teil werden die Konzepte Arbeitslosigkeitserfahrung und psychische Gesundheit spezifiziert und messbar gemacht.
Frageformulierung (eigener Fragebogen): Das Kapitel reflektiert die Erstellung der konkreten Fragen und die methodischen Überlegungen zur Skalierung und Filterführung.
Fragebogenkonstruktion (Gesamtfragbogen Übungsgruppe): Hier wird der Aufbau des Gesamtfragebogens erläutert, insbesondere die Modulbildung und der Umgang mit Antworteffekten.
Vor- und Nachteile des Websurveys: Dieses Kapitel evaluiert kritisch die Wahl des Websurveys als Erhebungsinstrument hinsichtlich Stichprobenqualität und Implementierung.
Zusammenfassung und Diskussion: Das abschließende Kapitel resümiert die Arbeit, reflektiert die methodischen Einschränkungen und gibt einen Ausblick auf weiteren Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
Arbeitslosigkeit, psychische Gesundheit, Vitamin-Modell, Arbeitslosigkeitserfahrung, Websurvey, Fragebogenkonstruktion, Operationalisierung, Geschlecht, psychische Instabilität, Kontrollvariablen, Teilerhebung, Sozialgesetzbuch, psychisches Wohlbefinden, empirische Sozialforschung, Datenerhebung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Auswirkungen von Arbeitslosigkeitserfahrungen auf die psychische Gesundheit von Personen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die theoretische Fundierung durch das Vitamin-Modell, die Operationalisierung von Gesundheitsindikatoren sowie die methodische Umsetzung einer Online-Befragung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Fragestellung lautet: „Wie wirkt sich Arbeitslosigkeitserfahrung auf die psychische Gesundheit aus?“ unter Berücksichtigung des Geschlechts als Interaktionsvariable.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um ein soziologisches Forschungspraktikum, in dem ein eigener Fragebogen konstruiert und mittels Websurvey als quantitative Teilerhebung durchgeführt wurde.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretische Herleitung von Hypothesen, die präzise Operationalisierung der Variablen sowie die praktische Konstruktion und Kritik des Fragebogens.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Arbeitslosigkeitserfahrung, psychische Gesundheit, Websurvey, Operationalisierung und das Vitamin-Modell von Warr.
Warum wurde das Vitamin-Modell von Warr als Grundlage gewählt?
Das Modell dient als theoretische Erklärung, wie der Verlust von Erwerbstätigkeit zentrale Einflussfaktoren („Vitamine“) entzieht und dadurch zu psychischer Instabilität führt.
Welche Rolle spielt das Geschlecht in dieser Studie?
Das Geschlecht wird als Interaktionsvariable untersucht, da vermutet wird, dass der Verlust der Ernährerrolle bei Männern zu einer stärkeren Beeinträchtigung des psychischen Wohlbefindens führen könnte als bei Frauen.
Warum wurde ein Websurvey als Methode gewählt?
Der Websurvey wurde aufgrund der geringen Kosten, der schnellen Durchführung und der unkomplizierten Filterführung gewählt, auch wenn die Stichprobenziehung kritisch betrachtet wird.
Wie wurde die psychische Gesundheit messbar gemacht?
Die psychische Gesundheit wurde über eine subjektive Selbsteinschätzung anhand von vier Subdimensionen (Angst/Depression, psychisches Wohlbefinden, Verhaltens-/Emotionskontrolle, kognitives Verhalten) in einer Itembatterie erfasst.
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- Anonym (Author), 2018, Arbeitslosigkeit und psychische Gesundheit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461858