Das Online-Dating. Einflüsse des Internets auf das Heiratsverhalten


Hausarbeit, 2018

12 Seiten, Note: 2,0

Pauline C. (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Partnerwahl und Heiratsmuster

3. Neue Gelegenheitsstruktur: Internet

4. Online-Kontaktbörsen-Nutzer

5. Muster der Partnerwahl im Internet

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Online-Dating ist in Deutschland eine verbreitete und gesellschaftlich weitgehend akzeptierte Methode, einen Partner zu finden. Das Internet biete neue Möglichkeiten für die Partnersuche, die im Alltag zunehmend an Bedeutung gewinnen. Das Konzept des Heiratsmarktes meint in der Soziologie die Beschreibung struktureller Rahmenbedingungen der Partnerwahl. Der Partnerwahlprozess unterliegt derzeit einem Wandel und ist vor allem für die Partnerwahlforschung relevant. Die Untersuchung von Internetkontaktbörsen ist auch aus weiteren Gründen für die Soziologie interessant. Es handelt sich bei der Partnersuche im Internet um eine neue Gelegenheitsstruktur mit starkem öffentlichem und wissenschaftlichem Interesse.

In dieser Hausarbeit wird nur eines der Merkmale der Partnerwahl näher betrachtet: die Bildung. Die Fragestellung lautet: Inwieweit verändert das Online-Dating die Partnerwahl-Muster? Somit handelt es sich hier um die soziale Mobilität, die über die Bildung des Partners erfolgt. In dieser Hausarbeit soll als erstes das Heiratsverhalten aus der offline Welt beschrieben werden. Es werden die verschiedenen Tendenzen des Heiratsmarktes expliziert. Im zweiten Teil wird herausgearbeitet, was unter Partnerwahl im Internet zu verstehen ist und es werden die neuen Möglichkeiten des digitalen Heiratsmarktes vorgestellt. Im letzten Teil dieser Arbeit werden die Online-Kontaktbörsen-Nutzer beschrieben und die Muster der Partnerwahl im Internet analysiert um sie mit dem Heiratsverhalten aus dem ersten Teil zu vergleichen. Es soll herausgefunden werden, inwieweit die Möglichkeiten des Online-Datings das Heiratsverhalten beeinflussen. Es wird vor allem geschaut ob die neue Gelegenheitsstruktur des Internets sozialen Aufstieg ermöglicht und die Partnerwahlmuster verändert.

2. Partnerwahl und Heiratsmuster

Um eine Partnerschaft einzugehen, müssen sich zwei Personen erst einmal begegnen. Heiratsmärkte beschreiben den strukturellen Kontext, in dem sich Individuen begegnen könnten. Somit hängt die individuelle Entscheidung des Partners von den Begegnungen des Alltags ab, die in unterschiedlichen Kontexten stattfinden können wie zum Beispiel in der Ausbildungsstätte, Freundeskreis, Berufsumfeld oder Nachbarschaft (Skopek et al. 2009: 188).

Eine Heirat kann homogam oder heterogam sein. Homogamie- und Heterogamieraten zeigen, in welchem Ausmaß Akteure mit ähnlichen bzw. unterschiedlichen Merkmalen untereinander heiraten, oder eine partnerschaftliche Beziehung eingehen (Blossfeld und Timm 1997: 440f). Man spricht von Bildungshomogamie, wenn zwei Partner dieselbe Bildung aufweisen und von Bildungsheterogamie wenn sie unterschiedlich ist.

Die Bildung ist bei der Partnerwahl ein wichtiges Kriterium. Vor allem bei Frauen ist eine Tendenz zur Bildungshomogamie zu beobachten. Dies ist so zu erklären, dass durch die Bildungsexpansion Ende der 1950er Jahre, sich die Bildungsverläufe von Männern und Frauen angeglichen haben. Frauen haben öfter das gleiche Bildungsniveau wie Männer und deswegen gibt es auch mehr gleichgebildete Paare als vor der Bildungsexpansion. Männer geben bei ihrer Partnerwahl der Bildung ihrer Partnerin auch einen höheren Stellenwert, jedoch ist ihnen das Aussehen wichtiger (Skopek et al. 2009: 184).

Frauen suchen sich häufig einen gleichgebildeten oder höher gebildeten Partner. Männer hingegen eher eine niedriger oder gleichgebildete Partnerin. Somit bleibt die Norm der traditionellen Partner-Konstellation, in der der Mann höher und die Frau niedriger gebildet ist trotzdem noch bestehen (Blossfeld/Timm 1997: 447). Aber Akteure heiraten weniger auf- und abwärts und somit wird auch die soziale Heiratsmobilität weniger und dies spricht für die Schließung der Sozialstruktur und den sozialen Kreisen (Blossfeld und Timm 1997: 450).

Nun stellt sich die Frage, ob das Internet ein anderes Heiratsmuster aufweist, da die Partnersuche nicht auf die Alltagsbegegnungen beschränkt ist.

3. Neue Gelegenheitsstruktur: Internet

Das Internet und vor allem die Internetkontaktbörsen bieten eine neue Gelegenheitsstruktur für das Kennenlernen. Es besteht die Möglichkeit, mit jemandem in Kontakt zu treten, der nicht zu einem der Kontexte aus dem Alltag gehört. Die Bedeutung des Internets als Medium zur Partnersuche hat in den letzten Jahren stark zugenommen (Häring et al. 2014: 96). Auf Dating-Plattformen müssen Individuen ihren Partner selbst aktiv auswählen um mit ihm in Kontakt zu treten (Skopek et al. 2009: 186). Die Besucher dieser Plattformen müssen die Selektion potenzieller Partner selbst vornehmen und unterscheiden sich somit von Vermittlungsplattformen (Schulz und Zillmann 2009: 8).

Der neue Heiratsmarkt im Internet unterscheidet sich in mehreren Punkten von den Heiratsmärkten im Alltag. Als erstes ist zu erwähnen, dass Akteure auf Internetkontaktbörsen ganz bewusst an dem Kontext der Partnersuche teilnehmen und damit eine Erwartungssicherheit entsteht (Schulz und Zillmann 2009: 13). Des Weiteren ist die Zusammensetzung der Nutzer von Internetkontaktbörsen sehr heterogen. Prinzipiell ist niemand von deren Nutzung ausgeschlossen. Somit ist es für zwei Akteure mit komplett unterschiedlichen soziodemografischen und sozialen Hintergründen möglich, aufeinander zu treffen (Skopek et al. 2009: 193). Man könnte also eine Tendenz zur sozialen Öffnung erwarten (Skopek et al. 2009: 193). Drittens ist auch die Auswahl an potenziellen Partnern größer als im realen Alltag (Skopek et al. 2009: 193). Als letztes ist zu erwähnen, dass die Suche nach einem Partner im Internet rund um die Uhr und unabhängig von dem Raum stattfindet. Kontaktierung und Beantwortung können zeitversetzt stattfinden. Das Internet bietet bei der Partnersuche einen sozialer Begegnungsraum, der geringe Zugangsbarrieren aufweist und eine Erweiterung der Kontaktgelegenheiten mit potenziellen Partnern ermöglicht.

Angesichts dieser Punkte, bietet diese neue Gelegenheitsstruktur den Nutzern, die Möglichkeit über ihr eigenes Netzwerke hinaus, Personen mit verschiedenen soziodemographischen und sozialen Hintergründen kontaktieren zu können. Somit sollte das Internet eine Öffnung der sozialen Kreise ermöglichen.

4. Online-Kontaktbörsen-Nutzer

Die Online-Dating-Nutzer-Population weicht von der Gesamtbevölkerung deutlich ab. Tabelle 4 zeigt, dass die Überzahl an Frauen in der Gesamtpopulation nicht in der Kontakbörsen-Nutzung wiederzufinden ist.

Tabelle 4: Internetnutzer und Kontaktbörsennutzer im Vergleich mit der Gesamtpopulation nach Bildung, Geschlecht und Alter.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eigene Darstellung nach Skopek 2012 S.107. Quelle: ARD/ZDF-Onlinestudie 2007.

Das Alter der OKB-Nutzer (Online-Kontaktbörsen-Nutzer) ist signifikant geringer als in der Gesamtpopulation. Zudem ist der OKB-Nutzer höher gebildet als in der Gesamtpopulation. Man kann also sagen, dass Kontaktbörsennutzer hauptsächlich männlich sind und dabei jünger und gebildeter als der durchschnittliche Deutsche. Die Nutzer von Online-Kontaktbörsen entsprechen somit nicht der Gesamtbevölkerung. Es werden zudem Individuen ausgeschlossen, die keinen Zugang zum Internet haben, oder nicht über ausreichend Kompetenzen verfügen. Diese Personen gehören eher der niedrigeren Klassenlage an und sind somit unterrepräsentiert. Im Online-Dating hoch repräsentiert sind hingegen hochgebildete Frauen und weniger qualifizierte Männer. Dies hängt womöglich mit ihrer problematischen strukturellen Lage auf dem Heiratsmarkt zusammen.

Die hohe Repräsentation von hochgebildeten Frauen und niedrig gebildeten Männer kann aufgrund ihrer problematischen strukturellen Lage auf dem alltäglichen Heiratsmarkt begründet werden (Zillmann 2016: 63). Ein zusätzlicher Grund für diese Tendenz der Repräsentation auf OKB ist die digitale Spaltung, der sogenannte "digital divide" (Zillmann 2016: 63). Darunter versteht man die Ungleichheiten beim Zugang zum Internet (Schulz und Zillmann 2009:9f). Manche Leute haben gar keinen Zugang zum Internet oder nicht genügen Kompetenzen, um überhaupt Online-Dating-Portale zu nutzen (Skopek 2012: 94). Bei der Digitalen Spaltung spielt die Bildung eine wichtige Rolle. Das Bildungsniveau hat einen positiven Effekt auf die Internetnutzung, sowie auf die Häufigkeit und die Intensität der Nutzung (Skopek 2012: 96)

Die Nutzer von Online-Kontaktbörsen entsprechen somit nicht der Gesamtbevölkerung und dies ist im folgenden Vergleich zu beachten.

Im nächsten Teil dieser Arbeit wird analysiert, ob die soziale Schließung durch die institutionellen Strukturen auch bei der Partnerwahl im Internet gegeben ist, oder ob das Internet eine Öffnung der sozialen Kreise ermöglicht.

5. Muster der Partnerwahl im Internet

In diesem letzten Teil der Arbeit wird die bildungsspezifische Selektion von Interaktionspartnern bei der Partnersuche im Online-Dating analysiert, weil diese nicht so stark an institutionelle Strukturen gebunden ist.

In der Studie von Skopek (2012) werden die Muster der Erstkontakte analysiert, denn die ersten Entscheidungen im Prozess der Partnerwahl in Internet sind gute Prädikatoren für die Strukturen, die am Ende des Partnerwahl-Prozesses in Form von Heiratsmustern erwartet werden (Schulz et al. 2010: 508).

Tabelle 2: Bildungsspezifische Heiratsmuster bei Erstkontakten im Internet

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eigene Darstellung nach Skopek 2012 S.201. Quelle: Datenbankauszug einer deutschsprachigen Internetkontaktbörse, 01.01-29.06.2007.

In Tabelle 2 werden die Heiratsmuster nach Bildung dargestellt. Man kann der Tabelle zunächst entnehmen, dass Frauen am häufigsten bildungsgleiche Männer kontaktieren. 40,85% ihrer Anfragen gehen an Männer mit gleichem Bildungsniveau und 40,68% an Männer mit einer höheren Bildung. Männer kontaktieren am häufigsten niedriger gebildete Partnerinnen, mit 35,82%. Den zweitgrößten Anteil im Kontaktmuster der Männer bilden gleichgebildete Partnerinnen mit 35,03%. Diese Tabelle zeigt erste Anzeichen für die Bestätigung der Ähnlichkeitspaarbildung aber auch für das bestehende traditionelle Bild von Ehepartnern, indem die Frau nach oben und der Mann nach unten heiratet.

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Das Online-Dating. Einflüsse des Internets auf das Heiratsverhalten
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
12
Katalognummer
V461862
ISBN (eBook)
9783668915428
ISBN (Buch)
9783668915435
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Online-Dating, Heiratsverhalten, Internet, Partnerwahl, Gelegenheitsstruktur
Arbeit zitieren
Pauline C. (Autor), 2018, Das Online-Dating. Einflüsse des Internets auf das Heiratsverhalten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461862

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