Inwieweit werden Reziprozitätsnormen in Internet-Tauschbörsen eingehalten?


Hausarbeit, 2013
15 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist Reziprozität?
2.1 Verschiedene Formen der Reziprozität

2.2 Direkte Reziprozität
2.3 Generalisierte Reziprozität

3. Der virtuelle Tausch
3.1 Tauschbörsen
3.2 Funktionsweise der Tauschbörsen
3.3 Rechtlicher Exkurs

4. Studien zur Reziprozität in Tauschbörsen
4.1 Aufbau und Ergebnisse der Studie von Haug/Weber

4.2 Erklärungsansatz für Kooperation in Tauschbörsen

5. Schlussbemerkung

6. Quellenverzeichnis

7. Anhang

1. Einleitung

Soziale Beziehungen spielen in unserem Alltag eine sehr wichtige Rolle und sind Untersuchungsgegenstand der Soziologie. Reziprozitätsnormen, also das Prinzip der Gegenseitigkeit, sind inmitten dieser sozialen Beziehungen das Bindeglied. Sei es innerhalb der Familie oder draußen beim Einkaufen, überall da wo mindestens zwei Menschen interagieren, spielt das Geben und Nehmen eine Rolle.

Im Zuge der Globalisierung ist kein Medium für die weltweite Vernetzung so prägend wie das Internet. Längst werden die Menschen auf globale Thematiken aufmerksam, die weit hinter den eigenen Grenzen liegen und sich außerhalb der vertrauten Umgebung der Familie und Freunde abspielen. Die zunehmende Verbreitung und die steigenden Geschwindigkeiten in der Datenübertragung wirken sich auf das Nutzerverhalten aus und nehmen so einen immer wichtiger werdenden Platz im Alltag der Menschen ein. Man kauft aus dem Internet. Man kommuniziert mit Hilfe des Internets und man führt Beziehungen über das Internet.

Die vorliegende Arbeit möchte sich mit dem neuartigen Phänomen des Tausches über das Internet beschäftigen. Das Internet ist zu einer Anlaufstelle für viele Nutzer geworden, die sich in sogenannten „Tauschbörsen“ bewegen. Die Besonderheit dieser Tauschbörsen zeichnet sich dadurch aus, dass eine gewisse Anonymität der Nutzer vorliegt und quasi jeder mit jedem, weltweit, auf einfache Weise einen Tausch von Daten vollziehen kann. Der klassische reziproke Tausch von Gütern, wie ihn die Soziologie bisher skizzierte, erhält dadurch eine neue Untersuchungsebene im Hinblick auf die Einhaltung der Reziprozitätsnormen. Dennoch ist diese Thematik in der Soziologie noch relativ wenig untersucht worden, deswegen versteht sich diese Arbeit als ein kleiner Impuls auf diesem Gebiet. Im Verlauf werden zunächst bekannte Theorien und Definitionen über den Reziproken Tausch behandelt. Daraufhin möchte ich versuchen die Funktionsweise der Tauschbörsen zu beleuchten und gehe hierfür auf Vertreter wie Napster ein. In einem weiteren Schritt möchte ich dann die theoretischen Grundlagen über das Verhalten der Menschen in reziproken Beziehungen, mit dem Verhalten in Tauschbörsen miteinander verbinden und ziehe hierfür die Ergebnisse der empirischen Studie von Sonja Haug und Karsten Weber (2003) heran. Anschließend soll herausgestellt werden wie die Kooperation in diesen Tauschbörsen funktioniert und was sie so attraktiv für die Nutzer macht, trotz gewisser rechtlicher Risiken. Hierfür werden die sozialpsychologischen Erkenntnisse von Strahilevitz (2002) zur Rate gezogen. Abschließend sollen die Erkenntnisse zusammengefasst und die Forschungsfrage der vorliegenden Arbeit beantwortet werden.

2. Was ist Reziprozität?

Reziprozität ist eine Grundform sozialer Beziehungen und stellt damit eine wesentliche Grundlage des Sozialen dar (vgl. Hondrich 2005). Die Gesellschaft kann ohne den Austausch von Gaben nicht bestehen, denn diese sind für den Zusammenhalt unabdingbar (vgl. Caillé 2008). Reziprozität kommt in unterschiedlichen Kontexten und Formen zum Vorschein und wird durch Beziehungen „moderiert“ (Stegbauer 2010). Insofern kann man davon ausgehen, dass z.B. Beziehungsformen wie das Familienleben, oder die Solidarität innerhalb von Gruppen, auf dem Reziprozitätsprinzip beruhen. Dieses Prinzip soll als erstes behandelt werden, damit eine theoretische Grundlage geschaffen werden kann. Hierzu werden im Folgenden unterschiedliche Formen der Reziprozität definiert und erläutert.

2.1 Verschiedene Formen der Reziprozität

Rein von der Begrifflichkeit her, lassen sich vier verschiedene Reziprozitätsformen unterscheiden (Stegbauer 2011):

1. Direkte Reziprozität
2. Generalisierte Reziprozität
3. Reziprozität von Positionen
4. Reziprozität der Perspektive

Für die vorliegende Arbeit sind nur die ersten beiden Formen relevant. Deshalb werden die beiden letzteren Formen ausgelassen.

2.2 Direkte Reziprozität

Nach Stegbauer (2011: 33ff) beruht direkte Reziprozität auf direkten Beziehungen, in denen gleichwertige Leistungen wechselseitig erbracht werden. Als die einfachste Form des Tausches benennt er hierbei den Kauf. Der Tausch ist abgeschlossen sobald die Ware gegen Geld bzw. das Geld gegen die Ware eingetauscht worden ist. Auf der Beziehungsebene ergeben sich hieraus keinerlei weitere Verpflichtungen. Dennoch muss man unter einer Gabe, wie im klassischen Sinne von Marcel Mauss (1990) dargelegt, nicht allein den Austausch materieller Güter verstehen. Es geht um den äquivalenten Tausch an sich. Maßgebend dafür ist, dass das Ausgetauschte, in der Wahrnehmung der miteinander in einer Austauschbeziehung befindlichen Personen, irgendwie gleichwertig ist. Davon ausgehend können auch immaterielle Leistungen einen Tauschwert besitzen, sofern ihnen von den Tauschpartnern ein Wert beigemessen wird. Information bzw. Wissen wären zum Beispiel solche immateriellen Gegenstände, oder auch der Tausch eines Geschenks gegen eine emotionale bzw. sexuelle Zuwendung. Im Prinzip kann man also so gut wie alles miteinander tauschen. Der entscheidende Faktor hierbei ist lediglich, dass die Tauschpartner untereinander den Tausch als gerecht und äquivalent empfinden (Stegbauer 2011:44).

2.3 Generalisierte Reziprozität

Das Gegenstück zu der eben vorgestellten direkten Reziprozität, ist die generalisierte oder indirekte Reziprozität. Bezeichnend für diese Form der Gegenseitigkeit ist der Umstand, dass sich Gaben und Gegengaben (bzw. Taten) nicht mehr ohne weiteres gegenseitig direkt verrechnen lassen. Das liegt daran, dass hier nun die Gemeinschaft im Vordergrund steht. Die Leistungen werden innerhalb der Gruppe erbracht und nicht direkt entgegnet, denn die Gegenleistung wird zu einer anderen Zeit von einer anderen Person, die sich aber immer noch innerhalb der Gemeinschaft befindet, erwartet. (Stegbauer 2010: 118)

Als Beispiel für ein solches Verhalten, kann man die Bereitschaft zur Hilfe gegenüber Fremden anführen. Sei es eine Ältere Dame, der man über die Straße hilft, oder ein verirrter Passant dem man den Weg beschreibt. In beiden Fällen wird die Hilfeleistung nicht sofort vergelten werden, außer bestenfalls mit einem einfachem „Danke“, welches aber zur Höflichkeit gehört und nicht als gleichwertige Gegenleistung zu identifizieren ist. Wenn man sich später mal in einer ähnlichen Situation befinden sollte, so hofft man dann wiederum auf die Hilfe seiner Mitmenschen. „Hilfeleistung wird also zu etwas, wovon man glaubt, sie universell erwarten zu können.“ (ebd.). Ergänzend hierzu kann man die Solidarität betrachten. Wenn sich Interessensgruppen oder Minderheiten gegenseitig unterstützen, bei Demonstrationen oder Streiks, sich unter die Arme greifen, so ist diese Art von Handlung ebenso kennzeichnend für eine generalisierte Reziprozitätsform (ebd.).

An dieser Stelle haben wir nun einen ersten Einblick in die Thematik der „Reziprozität“ gewonnen und die wichtigsten Formen kennengelernt. Als nächstes gilt es einen Überblick in die Funktionsweise der Tauschbörsen zu bekommen. Das soll dabei helfen den Tauschvorgang in diesen „sozialen“ Netzwerken zu verstehen, damit eine anschließende Analyse auf Reziprozitätsnormen möglich wird.

3. Der virtuelle Tausch

Tauschbörsen und insbesondere Musiktauschbörsen sind seit vielen Jahren, sowohl in der Musikindustrie, als auch bei den Internetnutzern, ein großes Thema.„Shawn Fanning“ zeichnet sich verantwortlich für die Entwicklung der Software „Napster“, mit dessen Hilfe es möglich ist, auf einfache Weise Musikdateien (MP3s) über das Internet kostenlos herunterzuladen und mit anderen Nutzern untereinander zu tauschen. Napster ist der Vorreiter auf diesem Gebiet des virtuellen Tausches gewesen und steht deshalb quasi Stellvertretend für InternetTauschbörsen allgemein (vgl. Röttgers 2003: 18ff). Bevor genauer auf die Funktionsweise von diesen Netzwerken eingegangen wird, gilt es im Folgenden als erstes den Begriff der Tauschbörse zu beleuchten. Mit dem Wissen über die Funktionsweise soll im Anschluss Klarheit darüber geschaffen werden, um welche Art von „Tausch“ es sich hierbei genau handelt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Inwieweit werden Reziprozitätsnormen in Internet-Tauschbörsen eingehalten?
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V462223
ISBN (eBook)
9783668916647
ISBN (Buch)
9783668916654
Sprache
Deutsch
Schlagworte
reziprozität, normen, soziologie, tauschbörsen, internet
Arbeit zitieren
Yusuf Sari (Autor), 2013, Inwieweit werden Reziprozitätsnormen in Internet-Tauschbörsen eingehalten?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/462223

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