Motivation von Sportmuffeln zu gesundheitsförderlicher Bewegung mittels Imagination


Projektarbeit, 2017

37 Seiten, Note: 2,3

Michaela Perteneder-Goll (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Verzeichnis der Abbildungen

Verzeichnis der Abkürzungen

TEIL 1 – Literatur- und Studienanalyse samt Bewertung

1 Einleitung
1.1 Beispiel: Andreas Goldberger - Mit Visualisierung aus dem Motivationstief
1.2 Projektmanagement
1.3 Beschreibung und Auswahl des Analysegegenstandes
1.4 Bestimmung und Beschreibung der Zielgruppe und Setting
1.5 Auswahl und Beschreibung der sportpsychologischen Intervention
1.5.1 Zielsetzung der Intervention
1.5.2 Relevanz und Bedeutung des Themas: Prävalenzen

TEIL 2 – Methodisches Vorgehen

2 Situationsanalyse
2.1 Festlegung der Analysemethode
2.2 Theoretischer Hintergrund für die Fragebogenkonzipierung
2.3 Methodisches Vorgehen und Testkonstruktion
2.3.1 Persönlichkeit – Big Five Model (B5T)
2.3.2 Lebensziele - GOALS
2.3.3 Motivationsmangel – TK Studie “Beweg dich, Deutschland!”
2.4 Vor- und Nachteile der Methode und des Instrumentariums
2.5 Wissenschaftliche Gütekriterien
2.6 Fragebogenentwurfsbeschreibung

3 Projektmäßige Umsetzung
3.1 Testung und Evaluation
3.2 Umsetzung des Trainings
3.3 Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang
A Fragebogen
B Poster

Abstract

Gemäß der Studie „Beweg dich, Deutschland!“ der Techniker Krankenkasse sind etwa ein Drittel der deutschen Erwachsenen Sportmuffel. Hauptursachen sind Motivations- mangel, Lustlosigkeit, Zeitmangel oder körperliche Einschränkungen. Bewegung ist die Medizin des 21. Jahrhunderts. Schon moderater Sport hat positive Wirkung auf die Gesundheit. Metaanalysen bestätigen, dass die Gesamtsterblichkeit durch regelmäßige Aktivität um 22 bis 34 Prozent gesenkt werden kann. Ein Blick in den Profisport zeigt, dass durch Visualisierung Motivationsmangel bekämpft werden kann. Andreas Gold- berger, ein österreichischer Profisportler, schaffte mittels Visualisierung seine verletzungs- und motivationsbedingten Einschränkungen zu lösen und sprang als erster Mensch über die 200m Grenze und landete des Weiteren einen Weltrekord über 225m. Das vorliegende Projekt konzipiert darauf aufbauend eine Interventionsmaßnahme zur Bewegungsmotivation von Sportmuffeln mittels Zielvisualisierung. Das Projekt wird von einem Coaching-Unternehmen initiiert und in Kooperation mit der Barmer Krankenkasse im Rahmen der Initiative "Deutschland bewegt sich!" umgesetzt. Ziel der Intervention ist die Vermittlung der Freude am Sport durch Motivationsaufbau und Abbau der Lustlosigkeit, um folglich gesundheitsförderliche Bewegung zum Alltag zu machen. Ausgangspunkt ist die Analyse und das Verständnis des Motivationsmangels und der Zielmotivation, welche auf motivationstheoretischen Modellen beruhen sowie die Erfassung der Persönlichkeitsdimension zur individuellen und personenzentrierten Ausrichtung der Maßnahme. Basierend auf diesem triadischen Analysekonzept wird ein standardisierter Fragebogen konzipiert. Als Referenzen dienen die (1) Ergebnisse der TK Studie „Beweg dich, Deutschland!“ zur Erfassung der Motivationsmangelursachen. Ferner bedarf es des Lebensziel-Fragebogens GOALS von Pöhlmann & Brunstein zur Zielwunscheruierung. Um die Interventionsmaßnahme mittels individuellem Training umsetzen zu können, wird die (3) Persönlichkeit mittels des Big-Five-Modells nach Satow erfasst. Im Rahmen der Barmer Krankenkasse Aktiv-Tage wird die Trainingsintervention getestet, evaluiert und finalisiert. Ziel ist die Konzipierung eines Visualisierungstrainings, welches vom Coaching-Unternehmen in Kooperation mit der Barmer KK angeboten wird. Durch die sportpsychologische Interventionsmaßnahme sollen der Motivationsmangel adressiert und Sportmuffel zu Freude an Bewegung motiviert werden. Durch regelmäßige Bewegung wird somit die Gesundheit gefördert.

Verzeichnis der Abbildungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

TEIL 1 – Literatur- und Studienanalyse samt Bewertung

1 Einleitung

„Bewegung ist die Medizin des 21. Jahrhunderts“ war das Motto des Ärztekongresses 2014 (vgl. Ärztezeitung, 2013, online). Kaum eine andere Maßnahme hat eine derart breite präventive wie auch therapeutische Wirkung, ist kostengünstig und überall umsetzbar. Sport trägt zur Förderung des physischen und psychischen Gesundheitszustandes bei (vgl. Schuck-Weber, 2016, S. 53 f). Schon moderater Sport beeinflusst die Gesundheit positiv (vgl. Alfermann, Stoll, 2007, S. 165 f.). Psychologische Hypothesen vermuten, dass Sport sich positiv auf die Wahrnehmung der eigenen Selbstwirksamkeit auswirkt und von negativen Gedanken ablenkt (vgl. Schuck-Weber, 2016, S. 23). Sport wirkt auch positiv auf die koronare Gesundheit, vor allem durch regelmäßige Bewegung (vgl. Fuchs, 2003, S. 68). Dies zeigt die positiven Seiten der sportlichen Betätigung. Die Langzeitstudie „Gesundheit zum Mitmachen“ zeigt, dass Bewegung Gesundheit fördert, Krankheit vermindert und Lebenszeit erhöht. Aktive 50jährige sind gleich fit wie Inaktive 40jährige. Gesundheitssportler sind von altersbedingten Krankheitszunahmen weniger betroffen. Grundsätzlich besteht ein positiver Trend in der Zunahme körperlicher Aktivität, jedoch weniger als die Hälfte der Probanden erreicht zweieinhalb Stunden Bewegung pro Woche, welches der Bewegungsempfehlung der WHO entspricht (vgl. KIT, 2017, S. 7f.). Die Techniker Krankenkasse in Ihrer „Beweg dich, Deutschland!“ Studie bestätigt dieses Bild. Etwa 30% der deutschen Bundesbürger sind Sportmuffel und treiben selten Sport. 18 % sind sogar Antisportler, welche nie Sport ausüben (vgl. TK, 2016, S. 23). Auch eine aktuelle Online- Umfrage von Splendid Research konstatiert, dass etwa ein knappes Viertel der Deutschen keinen oder sehr selten Sport treibt (vgl. Splendid Research, 2017, S. 5). Hauptgründe der Sportmuffel liegen im Motivationsmangel und der Lustlosigkeit, gefolgt von Zeitmangel und sportlichen Verletzungen (vgl. Splendid Research, 2016, S. 9). Die Bewegungsstudie Deutschland zeigt auf, dass an der Spitze der Ausreden zu große Entfernungen, Zeitmangel, körperliche Einschränkung und fehlende Motivation stehen (vgl. TK, 2016, S. 18). Die Forsa-Studie im Auftrag von Cosmos Direkt zeigt, dass der Hauptgrund der Sportverweigerer der Motivationsmangel ist und es ihnen nicht gelingt den „Inneren Schweinehund“ zu überwinden. Als weitere Faktoren werden Zeitmangel, fehlender Sparringpartner und gesundheitliche Einschränkungen erwähnt (vgl. Cosmos Direkt, 2018, S. 2). Regelmäßiges Sporttreiben wirkt nicht nur positiv auf die physische Gesundheit, sondern auch auf die Psyche und stellt folglich ein geeignetes Medium für eine psychologische Interventionsmaßnahme dar (vgl. Alfermann; Stoll, 2007, S. 16f.). Es stellt sich abschließend die Frage, wie und mit welcher Interventionsmaßnahme Sportmuffel zu regelmäßiger Bewegung angeregt werden können, um Gesundheit und Wohlbefinden nachhaltig zu sichern. Die vorliegende Projektarbeit zeigt fußend auf einem Beispiel aus dem professionellen Spitzensport wie durch die Interventionsmaßnahme der Visualisierung die Lust an Sport etabliert werden könnte. Die vorliegende Arbeit zeigt die Entwicklung einer motivationsfördernden Interventions- maßnahme für die Zielgruppe der Sportmuffel auf. Ziel ist es, Sportmuffel zu Bewegung zu animieren und diese in den Alltag zu integrieren mit dem langfristigen Ziel, Gesundheit zu fördern und präventiv zu schützen.

1.1 Beispiel: Andreas Goldberger - Mit Visualisierung aus dem Motivationstief

Die sportpsychologische Praxis fand in den letzten Jahren Einzug in den Präventions- und Gesundheitssport aufgrund der positiven Wirkfaktoren (vgl. Schuck, 2015, S. 6). Folgendes adaptiertes Beispiel1 aus dem Profisport, dient als Ausgangspunkt und Aufhänger mit einer gewissen Vorbildfunktion zur Entwicklung einer Interventions- maßnahme im Gesundheitsbreitensport für die Zielgruppe der Bewegungsverweigerer.

Andreas Goldberger2, eine österreichische Skisprunglegende, schaffte mit Talent und harter Arbeit den Einzug in das österreichische Skisprungteam. Mit 15 Jahren, zu Beginn seiner Skisprunglaufbahn, zog er sich eine Sportverletzung zu. Diese zwang ihn, wettkampfseitig zu pausieren und seine Motivation war am Tiefpunkt angelangt. Im Training zeigte sich aufgrund der Knöchelverletzung eine körperliche Einschränkung. Die Motivation litt und die Leistung verringerte sich. Sein damaliger Trainer meinte, wenn Leistungssteigerung mit physischem Training und Disziplin nicht die gewünschte Leistungssteigerung bringt, bedarf es der psychischen Komponente. Der Motivationsmangel und der Abbau des Leistungsrückstandes durch die Verletzung wurden mit Mentaltraining entgegnet. Andreas Goldberger, als visueller Typ, fand in der Visualisierung von gewünschten Zielzuständen den Schlüssel zur Motivations- reaktivierung und Leistungssteigerung. Als Andreas Goldberger in den Skiflugzirkus nach seiner Verletzung und seinem Motivationstief zurückkam, waren seine Leistungen extrem besser, als jene der Konkurrenten. Mentales Training, ganz speziell durch Visualisierungs-übungen ausgerichtet auf gewünschte Ziele, brachten diesen enormen Motivations- und Leistungsschub. Andreas Goldberger sprang als erster Mensch im Jahr 1994 über die 200m Marke, trotz verletzungsbedingten körperlichen Einschränkungen. Er wollte diesen Erfolg später nochmals ausweiten. Trotz erneuter Rückschläge durch private Skandale schaffte er 6 Jahre später im Jahr 2000, den Weltrekord mit über 225m. Dies mit zielavisierten Visualisierungstechniken, welche zu seiner Leistungssteigerung beitrugen und das Motivationstief und Rückschläge besiegten.

1.2 Projektmanagement

Auftraggeber des Projektes zur Entwicklung einer Interventionsmaßnahme zur Motivation von Sportmuffeln zu gesundheitsförderlicher Bewegung mittels Imagination ist ein Coaching-Unternehmen. Ziel des Unternehmens ist die Erweiterung der strategischen Geschäftsfelder zur Umsatzsteigerung und Imageverbesserung. Das neu zu etablierende Geschäftsfeld umfasst die Sparte der „gesundheitsfördernden Trainingsangebote“. Erstes umzusetzendes Kursangebot ist ein Visualisierungstraining zur Motivation von Inaktiven zu Bewegung und folglich nachhaltiger Gesundheit. Projektziel ist die Ausarbeitung dieser gesundheitsförderlichen Interventionsmaßnahme zur Förderung der Bewegung im Rahmen der Bewegungsempfehlungen der WHO (vgl. WHO, 2010). Das Projekt findet in Kooperation mit der Barmer Krankenkasse im Rahmen der Initiative „Deutschland bewegt sich!“ statt. Diese 2003 initiierte Gesundheitskampagne von Barmer hat zum Ziel, Menschen zu Bewegung zu animieren. Bewegungsangebote werden gemeinsam mit unterschiedlichen Partnern, hier das Coaching-Unternehmen, realisiert (vgl. Barmer, 2018, Internet). Teil des Lenkungsausschusses sind die Geschäftsleitung, als Projekt- sponsor, der Projektleiter (Autor) und ein Kooperationspartner der Barmer Krankenkasse. Projektmitarbeiter sind der Personalleiter, 3 Coaches/Trainer, der Marketing- und Kommunikationsleiter sowie der Finanzleiter. Als konsultierende Partner, welche das erweiterte Projektteam darstellen, fungieren ein Sportpsychologe, ein Visualisierungs- fachexperte, ein Sport-Promi und ein Event-Manager der Barmer Krankenkasse. Das Projekt läuft in Phasen von der Grob- zur Feinplanung ab. Ein abgestufter Planungs- prozess mit definierten Meilensteinen ermöglicht eine übersichtliche Planung, Steuerung und Kontrolle (vgl. Geckler, 2013, S. 45 ff.). Die Initialisierung (Projektidee) und die Definition (Rahmenbedingungen) sind die Eingangsphasen, welche mit dem Projekt- auftrag abschließen. Sie umfassen die Umfeldanalyse, die Auswahl und Beschreibung des Analysegegenstandes, die Festlegung der Zielgruppe sowie des Projektzieles. In der Planungsphase wird ein standardisierter Online-Fragebogen entwickelt. Die Ergebnisse der Umfrage sind der Startpunkt zur Entwicklung der Interventionsmaßnahme. Ferner werden Aufgabenpakete, Meilensteine, Kosten-, Zeit und Arbeitspläne konzipiert. Die Umsetzungsphase beinhaltet die operative testmäßige Durchführung der Trainings-maßnahme im Rahmen der Barmer Gesundheitstage. In der Evaluationsphase werden die Rückmeldungen der Schnuppertrainingstage evaluiert, reflektiert und gegebenenfalls Anpassungen umgesetzt und das finale Trainingskonzept zu erstellt.

1.3 Beschreibung und Auswahl des Analysegegenstandes

Welches sind die Beweggründe von Sportmuffeln, keinen Sport zu treiben? Die ursächlichen Hintergrundprozesse können auf motivationalen, emotionalen, gruppen- dynamischen oder funktionalen Prozessen beruhen. Auf der motivationalen Ebene bedarf es der Antwort auf die Frage: „Welches Motiv wird verfolgt?“. Auf der emotionalen Stufe bedarf es dem Verständnis, welche Emotionen das Ziel hervorruft. Die Frage nach den Folgen und Auswirkungen des Sportes für die entsprechende Person, stellt sich die funktionale Ebene. Abschließend gilt es auch die sozialen, also gruppendynamischen Prozesse zu durchleuchten, um Antwort auf die Frage „Wer hilft mir dabei anzufangen und durchzuhalten?“ zu bekommen (vgl. Schuck, 2015, S. 17). Grundsätzlich werden sportliche Handlungen durch Aktivierung, Zielausrichtung und Intensivierung geleitet. Die Aktivierung bezieht sich auf das Initiieren von bestimmten Verhalten. In Bezug auf das Ziel, spielt dessen Attraktivität eine maßgebliche Rolle. Die Intensität wird durch den individuellen Anstrengungsgrad zur Zielerreichung bestimmt. Ob die Person nun motiviert ist oder nicht liegt des Weiteren an individuellen Komponenten, wie der Zielstrebigkeit, der Ausdauer, der Anstrengungsinvestition und der Emotion. Die Zielstrebigkeit zeigt den Genauigkeitsgrad in der Verfolgung des gesetzten Ziels. Bei Rückschlägen oder Niederlagen zeigt die Ausdauer das Durchhaltevermögen. Die Summe der investierten Energie zur Zielerreichung lässt Rückschlüsse auf die Anstrengung zu. Die Emotion zeigt die Zielmotivation, die Gefühle bei der Erreichung oder Nichterreichung. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Person, zukunftsorientiert, selbstbestimmend, zielgerichtet subjektiv entscheidet. Einflussgrößen können von intraindividuellen Unterschieden, der Situation oder von etablierten, zeitüberdauernden Handlungsten- denzen resultieren (vgl. Schuck, 2015, S. 22f.). Dies hängt von der Persönlichkeits- dimension ab und von der individuellen kognitiven Verarbeitung. Um dies greifbar zu machen, bedarf es der Selbstreflexion oder der Fremdbeobachtung, da es sich um subjektive Konstrukte handelt. Motivation wird folglich von externen situativen Anreizen einerseits und internen individuellen Persönlichkeits-faktoren bestimmt. Ferner wird die Motivation von Kognition und Emotion gesteuert (vgl. Gabler et al., 2000, S. 205f.). Motivation braucht aber auch Volition und Selbstregulation. Diese ermöglichen bei Motivmangel das Aufrechterhalten des Leistungsstrebens (vgl. Schuck, 2015, S. 29). Abschließend kann konkludiert werden, dass Motivationsmangel eine Vielzahl von Steuerungsgrößen hat, die durch ihre Komplexität und ihrer Interdependenzen schwierig zu eruieren sind, um sie entsprechend zu adressieren. Folglich wir von der bloßen Rückschau in die Ursachen des Motivationsmangels Abstand genommen und die Bewegungsmotivation vorwiegend durch Vorschau mittels Zielaktivierung adressiert.

1.4 Bestimmung und Beschreibung der Zielgruppe und Setting

Als Zielgruppe sind jene Personen fokussiert, die keine sportliche, gesundheitsförderliche Bewegung machen. Umgangssprachlich wird diese Gruppe als Sportmuffel bezeichnet. Der Duden definiert „Muffel“3 als eine Person, die missmutig oder mürrisch ist. Des Weiteren werden Personen, die Gleichgültigkeit oder Desinteresse einer Sache gegenüber zeigen, als Muffel bezeichnet. Ein Sportmuffel ist demnach eine Person, die Sport gleichgültig und desinteressiert gegenübersteht und keine Freude an Sport empfindet. Um die geplante Intervention personenzentriet etablieren zu können bedarf es dem Verständnis der Zielgruppe. Zielgruppen werden marketingseitig in fünf Bereiche eingeteilt (vgl. Hermanni, 2016, S. 317 ff.). Diese werden folgend beschrieben. Sozio- demographisch wird der Fokus auf die Gruppe der frühen und mittleren Erwachsenen gelegt, welche entwicklungspsychologisch den Altersbereich der 18 – 65 Jährigen abdeckt (vgl. Myers, 2014, 217ff.). Kinder, Jugendliche oder ältere Erwachsene werden nicht adressiert, da ihr Sportverhalten entwicklungsseitig und physiologisch grundsätzlich differiert. In Bezug auf Familienstand, Beruf oder Geschlecht, wird keine Eingrenzung vorgenommen, da einerseits ein breites Spektrum, das heißt alle erwachsenen Sportmuffel adressiert werden und eine Eingrenzung, studienseitig kaum umfassend und datenrelevant möglich ist. Geografisch begrenzt sich die Auswahl auf Deutschland. Das Setting betrifft respektive das Sportland Deutschland. Differenzen im globalen Sportverhalten sind zu unterschiedlich und zu wenig spezifisch. Dies ergab eine Studie der Standford University zum weltweiten Bewegungsverhalten (vgl. Althoff et al., 2017, S. 336). Medienseitig kann das Ansprechen der Zielgruppe über medizinische, gesundheitsförderliche Einrichtungen, über betriebliches Gesundheitsmanagement oder über die Massenmedien erreicht werden. Konsum- und Besitzfaktoren spielen eine geringere Rolle. Nach der Abgrenzung der externen Zielgruppenbedingungen bedarf es der Analyse der internen Beweggründe der Zielgruppe der Sportmuffel. In Bezug auf die psychologischen Faktoren wird keine Einschränkung vorgenommen aufgrund der Komplexität. Es stellt sich abschließend die Frage, womit und wodurch Gleichgültigkeit, Freudlosigkeit und das Desinteresse an Sport in Freude und Bewegungslust transferiert werden können, um Sportmuffel zu regelmäßiger Bewegung zu animieren.

1.5 Auswahl und Beschreibung der sportpsychologischen Intervention

Imaginationen üben einen starken Einfluss auf die Motivation und das Verhalten aus. Sie bildeten den Ursprung von Jungs Arbeit (vgl. Jung, 2003, S. 11). Er führte aus, dass alles was er schuf aus Initialimaginationen resultierte (vgl. Jung, 2003, S. 196). Er beteuerte, dass die Wirklichkeit der Seele, die psychische Objektivität sei (vgl. Jung, 2003, S. 186). Jung erkannte in Imaginationen eine positive Kraft, die Selbsterkenntnis fördert, zu Persönlichkeitsentwicklung und seelischem Wachstum beiträgt und große Bedeutung für die psychische Gesundheit hat. Der deutsche Psychologe Hanscarl Leuner zeigte mit der staatlich anerkannten psychotherapeutischen Methode „Katathym-Imaginative Psycho- therapie“ die positive Wirkung von Imaginationen in der Psychotherapie und Persönlich- keitsentwicklung (vgl. Kottje-Birnbacher, 2001, S. 7).

Kognitive Prozesse beziehen sich auf die Informationsverarbeitung. Diese umfasst die Aufnahme, Speicherung und Verarbeitung von Informationen. Sie ist tragend im Bereich der Wahrnehmung, Mustererkennung oder Problemlösung (vgl. Alfermann; Stoll, 2007, S. 29f.). Praktisch läuft dies folgend ab: Es folgt die Aufnahme, also Wahrnehmung über Sensoren von Informationen. Diese werden gefiltert und subjektiv bewertet, welches zu Entscheidungen über Zuordnung zu erfolgreichen oder misslungen Handlungen führt (vgl. Alfermann; Stoll, 2007, S. 30). In Bezug auf den Motivationsmangel und die Lustlosigkeit sind es nicht nur die kognitiven Prozesse, sondern auch die des Gedächtnisses, der Vorstellung und Antizipation, die einen Einfluss auf das Erreichen des Ziels und die Handlungen ausüben (vgl. Alftermann; Stoll, 2007, S. 41). Ohne positiven Sportsinn wird die Motivation auf der Strecke bleiben. Die Sprache des Gehirns, ist der kognitive Prozess des Visualisierens. Sie zielt darauf ab sich mental ohne gleichzeitige praktische Umsetzung das Ziel vorzustellen (vgl. Alfermann, Stoll, S. 58). Die kognitiven Denkprozesse sind jedoch zu den Wahrnehmungsprozessen ein Sekundärprozess. Zwischen Wahrnehmung und Zielerreichungswunsch liegen Hindernisse. Diese können mithilfe des Denkprozesses gesteuert werden. Das TOTE-Modell (Test-Operation-Test- Exit-Model) beschreibt diesen Prozess und gilt als Grundschema von Handeln und Problemlösen Das intuitive Denken steht in Bezug mit automatisierten Denk- und Handlungsprozessen (vgl. Schuck, 2015, S. 40ff.). Es sind die emotionalen Prozesse, welche die Richtung und Form der Kognitionen steuern. Sie steuern das Verhalten und zeigen mit positiven oder negativen Gefühlen die Diskrepanzen zum Zielzustand auf (vgl. Thomas, 1995, S. 273). Beispielsweise tritt ein Stresszustand ein, wenn aufgrund der emotionalen und kognitiven Bewertungen die Situation als herausfordernd eingestuft wird (vgl. Alfermann; Stoll, 2007, S. 66).

Visualisierung ist eine kognitive Technik. Da kognitive Prozesse bewusst und unbewusst steuerbar sind, bedeutet dies, dass diese in Form von Visualisierung steuerbar werden. Visualisierung gilt in diesem Zusammenhang als psychischer Prozess. Visualisierung bedarf im Vorfeld der Aktivierung von Wahrnehmungsprozessen. Das heißt, eine gewünschte Handlung wird vorgestellt, antizipiert und hilft bei der Verarbeitung und Beschreibung (vgl. Alfermann; Stoll, 2007, S. 49 f.). Visualisierung kann in Form von subjektiver, objektiver oder kinästhetischer Visualisierung stattfinden (vgl. Stoll et al., 2010, S. 62 f.). Die subjektive Form nimmt die Ich-Perspektive ein. Dabei wird das gewünschte Resultat in Gedanken und auch physisch so durchlebt, als würde das Ziel erreicht sein. Die objektive Form nimmt die Position einer neutralen Person ein. Die Person beobachtet sich selbst bei der Handlungsausführung. Die kinästhetische Visualisierung bezieht den Körper mit ein (vgl. Stoll et al., 2010, S. 54 ff.). Nicht jede Person hat dieselben Visualisierungsfähigkeiten. Dies bedarf bei der Umsetzung einer entsprechenden Berücksichtigung. Voraussetzungen erfolgreicher Visualisierungen sind beispielsweise die Durchführung an einem ungestörten Ort, die Ausgeglichenheit des Durchführenden, die Vorstellungsgenauigkeit und das Miteinbeziehen von mehreren Sinnesempfindungen (vgl. Alfermann; Stoll, 2007, S. 52). Visualisierung fokussiert auf vorgestellte Seheindrücke und Imagination nutzt alle Sinnesqualitäten, um bewusste und unbewusste Prozesse in Gang zu setzen und Außen und Innenwelt zu synchronisieren. Die Außenwelt wird subjektiv erlebt durch unbewusste Filter. Wir sehen gemäß unserer Deutung und reagieren auf ein Bild, das wir uns von der Situation machen mehr als auf die Situation selbst. Das innere Bild leitet das Außenverhalten und sorgt für die Blockade. Dies aufzulösen, bedient man sich der Imagination, da Wirklichkeiten in der Vorstellung entstehen. Je genauer die Visualisierung stattfindet, desto erfolgreicher ist die Umsetzung. Alle Wahrnehmungskanäle sollten anvisiert werden: Sehen, Hören, Fühlen, Schmecken und Riechen. Visualisierung ist gedankliches Vorerleben. Dies wirkt wie ein Magnet zum Ziel (vgl. Nussbaumer, 2017, online). Durch die Steigerung der Erwartungshaltung können bessere Resultate erzielt werden. Eine klare Fokussierung auf ein motivierendes emotionales Ziel, stärkt die Motivation durch positive Erwartungs- haltung. Die Erfolgswahrscheinlichkeit ist ausgeprägter. Es bedarf der Wiederholung beim Nutzen der Vorstellungskraft. Meilenstein ist der erzielte Erfolg, auf den später mit Stolz zurückgeblickt werden kann. Diese positive Erfahrung, wirkt sich positiv auf spätere Herausforderungen aus. Durch den Abbau der Lustlosigkeit und dem Start der sportlichen Bewegung kann die Verbesserung des allgemeinen Wohlseins-Zustandes erfolgen. Konsequent sich mit positiven Vorstellungsbildern zu beschäftigen, aktiviert Vorfreude, Motivation und positive Erfolgserwartung. Dies hilft innere Stärke und Selbstbewusstsein aufzubauen. Visualisierung beeinflusst die unbewussten Reaktionen. Das Unbewusste macht keinen Unterschied, zwischen Wirklichkeit oder Imagination. Durch Wiederholung kann das Unbewusste zur Ausführung angeleitet werden (vgl. Nussbaumer, 2017, online).

1.5.1 Zielsetzung der Intervention

Ziel der Intervention ist die Vermittlung der Freude am Sport durch Motivationsaufbau und Abbau der Lustlosigkeit mittels der Visualisierungstechnik. Erlebnisnahe Zielvorstellungen ermöglichen den Erfolg (vgl. Kanfer; Schmelzer, 2001, S. 136 f.) Ziel der Intervention ist die körperlich Inaktiven zu gesundheitsförderlicher Bewegung gemäß den Empfehlungen der WHO für Erwachsene (18-64 Jährige) zu motivieren. Diese sind ein Ausdauertraining (Minimum von 150 Minuten pro Woche aerober, also sauerstoffabhängiger, körperliche Aktivität mit moderater Intensität) und der Muskelaufbau (muskelstärkende Aktivitäten an 2 Tagen pro Woche) (vgl. WHO, 2010, S. 8).

1.5.2 Relevanz und Bedeutung des Themas: Prävalenzen

Morbiditäts- und Mortalitätsraten liefern direkte Belege der Wirksamkeit von sportlicher Betätigung. Es ist nachgewiesen, dass Sport das Leben verlängert. Dies ist in der Gesamtmortalität (Sterblichkeit) der körperlich Aktiven und Inaktiven ablesbar. Die aktuelle weltweite Haupttodesursache sind kardiovaskuläre Erkrankungen. Die weltweit ausgelegte PURE-Studie4 belegt, dass körperliche Betätigung, egal welcher Art, Freizeit Sport oder Alltagsbewegung, die Sterblichkeitsrate und das Risiko an kardiovaskulären Krankheiten zu erkranken senkt. Schätzungsweise sind 23% der Weltbevölkerung nicht ausreichend körperlich aktiv ist. Moderate körperliche Bewegung (150 Minuten pro Woche) kann das Sterberisiko in etwa 7 Jahren um 20% senken. Je mehr man sich bewegt, desto größer ist die Wirkung. Bei 750 Minuten pro Woche ist die Gesamtmortalität um 35% geringer (vgl. Lear et al., 2017, S. 2643 ff.). Studien weisen dies sowohl bei Männern als auch bei Frauen nach. Männer die 3h/Woche aktiv sind haben eine 53% geringere Gesamt-Sterblichkeit und leben um 2 Jahre länger als jene die weniger als 1h/Woche aktiv sind. Frauen, die aktiv sind, weisen eine um 79% geringere Sterblichkeitsrate auf (vgl. Schuck-Weber, 2016, S. 55). Die Wirkung von Sport ist sowohl von der Intensität sowie der Art und Weise abhängig. Für einen gesundheitsrelevanten Beitrag sind daher sowohl die Qualität als auch die Quantität von Bedeutung. Entscheidend ist die Abwechslung in der Intensität, der Regelmäßigkeit und der Berücksichtigung der Merkmale der sportausübenden Person, wie beispielsweise das Alter (vgl. Stoll et al., 2010, S. 218). Metaanalysen bestätigen, dass die Gesamtsterblich-keit durch regelmäßige Aktivität um 22 bis 34 Prozent und die kardiovaskuläre Mortalität um 27 bis 35 Prozent gesenkt werden kann (vgl. Löllgen et al., 2009, S. 213ff.; Nocon et al., 2009, S. 239ff.; Samitz et al., 2011, S. 1382ff.).

TEIL 2 – Methodisches Vorgehen

2 Situationsanalyse

2.1 Festlegung der Analysemethode

Zur Sicherung des Qualitätsstandards in der Sportpsychologie bedarf es zweier Bedin- gungen: Die Ableitung der Interventionsmaßnahme braucht eine vorangegangene Diagnostik und die verwendeten prozessualen Methoden in Bezug auf den Ablauf müssen wissenschaftlich fundiert sein (vgl. asp, 2014, b). Das Kennen der Ursachen, Rahmen- bedingungen und Ziele der Zielgruppe der Sportmuffel ist Voraussetzung für die Entwicklung der sportpsychologischen Intervention, welche auf die individuellen Bedürfnisse der Zielgruppe ausgerichtet ist. Als Methoden zur Datenerhebung (vgl. Döring; Bortz, 2016, S. 321ff.) werden Beobachtung, psychologische Tests und die Dokumentenanalyse ausgeschlossen, da sie nicht praktikabel sind. Von persönlichen Interviews wird abgesehen. Sie sind zeitintensiv und können das breite Spektrum der Sportmuffel nicht abdecken. Ferner sind sie personalintensiv. Als Methodik wird die Befragung mittels vollstrukturierten Fragebogen in schriftlicher Form durchgeführt. Der Fragebogen wird quantitativ ausgewertet (vgl. Döring; Bortz, 2016, S. 184). Das Erstellen eines diagnostischen Fragebogens ermöglicht sportpsychologische Interventions-maßnahmen abzuleiten (vgl. Schuck, 2015, S. 7).

[...]


1 Beispiel: in Anlehnung an Andreas Goldberger, adaptiert für die vorliegende Arbeit

2 Andreas Goldberger: Internetquellen, abgerufen am 20.03.2018: https://www.klarafuchs.com/2017/04/23/interview-mit-andi-goldberger-erfolgstipps-mentale-staerke/ http://andreasgoldberger.at/sportler/lebenslauf/ http://www.juergenhoeller.com/blog/entry/mentale-visualisierungstechnik.html

3 Duden-Referenz: https://www.duden.de/rechtschreibung/Muffel_Person_Maul_Nasenspiegel (abgerufen am 20.03.2018).

4 PURE-Studie: Prospective Urban-Rural Epidemiology Studie

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten

Details

Titel
Motivation von Sportmuffeln zu gesundheitsförderlicher Bewegung mittels Imagination
Hochschule
APOLLON Hochschule der Gesundheitswirtschaft in Bremen
Note
2,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
37
Katalognummer
V462390
ISBN (eBook)
9783668919563
ISBN (Buch)
9783668919570
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sport Motivation Bewegung
Arbeit zitieren
Michaela Perteneder-Goll (Autor), 2017, Motivation von Sportmuffeln zu gesundheitsförderlicher Bewegung mittels Imagination, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/462390

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