Die Hausarbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob und - wenn ja - inwieweit die internationalen Beziehungen von Thomas Hobbes´ Theorien tatsächlich beeinflusst werden.
Sicherheit ist ein Grundbedürfnis der Menschen und gilt als zentrale Aufgabe eines Staates. Internationale Beziehungen dienen dazu, Konflikte in gesellschaftlicher, wirtschaftlicher, aber vor allem in politischer Hinsicht zu erfassen und zu kontrollieren.
Im Zuge der Globalisierung gewannen die internationalen Beziehungen immer mehr an Bedeutung. Im Bildungsbereich wächst die Anzahl der internationalen Austauschprogramme. Immer mehr Schülerinnen und Schüler bewegen sich in transnationalen Bildungsräumen und auch die Lehrpläne passen sich dem Wandel an. Im Wirtschaftsbereich wächst die Anzahl der Vernetzungen verschiedener Märkte und die internationalen Wirtschaftsbeziehungen entwickeln sich rasant.
Dagegen zeigt jedoch das Konfliktbarometer 2017 des Heidelberger Instituts für Konfliktforschung auf, dass die Zahl der Kriege weltweit gestiegen ist. Ende 2017 waren über 68 Millionen Menschen auf der Flucht – das ist die bislang höchste, durch den Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen festgestellte Flüchtlingszahl.
Diese Diskrepanz zwischen politischer Realität und der Sehnsucht des einzelnen nach Sicherheit, Friede, Freiheit und Besitz ist auf den ersten Blick nicht zu erklären, existieren doch auch im Bereich der Politik weitreichende internationale Beziehungen.
In den zurückliegenden Jahrhunderten haben sich Philosophen und Politikwissenschaftler damit beschäftigt, in welcher Form Menschen zusammenleben können und hierbei insbesondere damit, was ein Staat ist, welche Aufgaben er hat und wie er diese wahrnehmen kann. Einer der wichtigsten Staatstheoretiker seiner Zeit war Thomas Hobbes. Seine Ideen und Gedankenmodelle flossen zu großen Teilen in den Realismus als politische Strömung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Thomas Hobbes
2.1. Erkenntniskonzeption
2.2. Leviathan
2.2.1. Naturzustand und Menschenbild nach Hobbes
2.2.2. Der Vertrag
3. Die politische Strömung des Realismus
3.1. Der weltweite Naturzustand
3.2. Das Sicherheitsdilemma
3.3. Der Welt-Leviathan als Lösungsansatz
4. Hobbes Einfluss auf den Realismus im aktuellen Kontext
5. Fazit
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Einfluss der Staatstheorie von Thomas Hobbes auf den politischen Realismus in den internationalen Beziehungen. Es wird analysiert, inwieweit das Konzept des Naturzustands und die daraus resultierende Notwendigkeit eines souveränen Leviathans als theoretisches Fundament für realistische Strömungen dienen und wie diese in der heutigen internationalen Politik, insbesondere im Kontext aktueller Sicherheitsstrategien, Anwendung finden.
- Grundlagen der Staatstheorie von Thomas Hobbes
- Strukturen des politischen Realismus und Neorealismus
- Die Übertragung des Naturzustands auf die internationale Ebene
- Das Sicherheitsdilemma als Konsequenz anarchischer Strukturen
- Analyse aktueller sicherheitspolitischer Beispiele im Lichte des Realismus
Auszug aus dem Buch
2.2.1. Naturzustand und Menschenbild nach Hobbes
„[…] [D]ie Menschen [befinden sich] während der Zeit, in der sie ohne eine allgemeine, sie alle im Zaum haltende Macht leben, […] in einem Zustand […], der Krieg genannt wird, und zwar in einem Krieg eines jeden gegen jeden.“ (Hobbes, Leviathan, 1987). So definiert Thomas Hobbes den Naturzustand, mit dem er seine Staatstheorie beginnt. Es handelt sich um eine gesetzlose Welt ohne staatliche Ordnung in der - ähnlich wie im Bürgerkrieg - jeder gegen jeden kämpft. Dort gelten lediglich die sogenannten natürlichen Gesetze, die nach Hobbes dem Selbsterhalt der Menschen dienen. (Kersting, 1994). „Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“, wie Hobbes bereits 1642 in seinem Werk „De Cive“ mit der Formulierung „homo homini lupus“ feststellt (Hobbes, Elementa Philosophica de Cive, 1657). Jeder Mensch ist also zuerst auf die Sicherstellung der eigenen Interessen bedacht. Nach Hobbes führt dieses Streben nach Selbsterhaltung zu einem unausweichlichen Konflikt zwischen den Menschen. Sie treten miteinander in einen Wettbewerb und kämpfen um den Zugang zu im anarchischen Zustand beschränkten Ressourcen (Hobbes, Leviathan, 1987).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz von Sicherheit als staatliche Kernaufgabe ein und stellt die Verbindung zwischen Thomas Hobbes' Staatstheorie und dem politischen Realismus in den internationalen Beziehungen her.
2. Thomas Hobbes: Dieses Kapitel erläutert die philosophischen Grundlagen Hobbes', insbesondere seine Erkenntniskonzeption sowie sein Verständnis des Naturzustands und des Gesellschaftsvertrags im „Leviathan“.
3. Die politische Strömung des Realismus: Es wird untersucht, wie realistische Denkschulen den Naturzustand auf das internationale System übertragen, das Sicherheitsdilemma definieren und Ansätze eines Welt-Leviathans diskutieren.
4. Hobbes Einfluss auf den Realismus im aktuellen Kontext: Anhand der „America First“-Politik von Donald Trump wird aufgezeigt, wie realistische Prinzipien in der zeitgenössischen Außenpolitik und bei Sicherheitsstrategien Anwendung finden.
5. Fazit: Das Kapitel reflektiert die Anwendbarkeit hobbescher Konzepte auf die heutige komplexe Weltordnung und hinterfragt kritisch, ob diese Theorien als Vorbild dienen oder missbraucht werden.
6. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Schlüsselwörter
Thomas Hobbes, Leviathan, Realismus, Internationale Beziehungen, Naturzustand, Sicherheitsdilemma, Gesellschaftsvertrag, Neorealismus, Außenpolitik, Machtstreben, Anarchie, Selbsterhaltung, Weltstaat, Trump Doktrin, Politische Theorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen Verbindung zwischen dem Staatsdenken des Philosophen Thomas Hobbes und der politischen Strömung des Realismus in den internationalen Beziehungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind das Menschenbild nach Hobbes, der Naturzustand als Modell für Anarchie, das Konzept des Sicherheitsdilemmas und die Anwendung realistischer Machtpolitik auf moderne Staaten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu untersuchen, ob und inwieweit die klassischen Theorien von Hobbes die heutige internationale Politik beeinflussen und als theoretische Rechtfertigung für heutiges staatliches Handeln dienen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche Analyse, indem sie primäre Werke von Hobbes mit den theoretischen Ansätzen des klassischen Realismus und Neorealismus verknüpft und diese auf aktuelle Fallbeispiele überträgt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Struktur des Naturzustands, die Übertragbarkeit auf das internationale System (weltweite Anarchie), das Sicherheitsdilemma sowie die theoretische Debatte um einen möglichen „Welt-Leviathan“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Thomas Hobbes, Leviathan, Realismus, Sicherheitsdilemma, Internationale Beziehungen und Machtstreben.
Inwiefern beeinflusst das Menschenbild nach Hobbes die Argumentation der Arbeit?
Das negative Menschenbild, das von einem dominanten Selbsterhaltungstrieb ausgeht, dient als Ausgangspunkt, um zu erklären, warum Staaten in einem anarchischen internationalen System zwangsläufig misstrauisch gegenüber anderen Akteuren agieren.
Wie wird das Beispiel Donald Trump im Text eingeordnet?
Trump dient als aktuelles Beispiel für einen „Prinzipienfesten Realismus“. Die Analyse zeigt, dass seine Außenpolitik auf einem Nullsummendenken basiert, das Parallelen zum hobbeschen Naturzustand aufweist.
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- Julia Kunz (Autor), 2018, Thomas Hobbes und der Realismus der Internationalen Beziehungen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/462395