Beratung und Supervision in Weiterbildung und Schule


Hausarbeit (Hauptseminar), 2000

55 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Gliederung

I. Einleitung

II. Hauptteil
1. Definition von Beratung
1.1. Der partnerzentrierte Beratungsansatz
1.1.1. Die Beraterkompetenzen
1.1.1.1. Akzeptanz
1.1.1.2. Empathie
1.1.1.3. Kongruenz
1.1.2. Kommunikationssperren
1.1.3. Gesprächsmethoden
1.2. Das diagnostische Gespräch
1.3. Probleme in der Beratung und Beratungsmißbrauch
2. Notwendigkeit von Beratung in der Weiterbildung
2.1. Unterschiedliche Zielgruppen
2.2. Umfangreiches Angebot an Weiterbildungsmaßnahmen und Stätten
2.3. Beratungsarten
2.3.1. Informierende Weiterbildungsberatung
2.3.2. Motivierende Weiterbildungsberatung
2.4. Leistung des Beraters
2.4.1. Informierende Beratung
2.4.2. Motivierende Beratung
2.5. Leistung der Beratungsstellen
2.6. Probleme und Perspektiven der Beratung für Weiterbildung
3. Supervision – Begriff und Bedeutung
3.1. Geschichtliche Entwicklung der Supervision
3.2. Supervision heute
3.2.1. Unterschiedliche Einsatzbereiche der Supervision
3.2.2. Aktueller Stand
4. Grenzen der Supervision
4.1. Ziele der Supervision
4.2. Typen der Supervision
4.2.1. Klientenbezogene Supervision
4.2.2. Kooperationsbezogene Supervision
4.2.3. Rollenbezogene Supervision
4.3. Settings der Supervision
5. Anwendungsbereiche der Supervision
6. Wo und wie finde ich Supervisionsangebote im Internet
6.1. Vorgefundene Definitionen von Supervision im Internet
6.2. Angebote von Berufsverbänden , Institutionen und Organisationen
6.3. Supervisionsangebote im sozialen Bereich
6.4. Professionalisierung der Supervision

III Ausblick
Literaturliste

I. Einleitung

In unserer Hausarbeit widmen wir uns dem Thema Beratung und Supervision. Die Beratung stellen wir anhand einer Definition vor. Daran knüpft eine Vorstellung der Beraterkompetenzen und Gesprächsmethoden mit Hilfe eines Beratungsansatzes an.

Die im Referat vorgestellte Schulberatung entfällt in der schriftlichen Ausarbeitung. Desweiteren wird die Beratung in der Weiterbildung erläutert. Schwerpunkte liegen in der Art der Beratung und in der Leistung von Beratungsstellen.

Im Anschluß wird der Begriff der Supervision definitorisch abgrenzt und seine geschichtliche Entwicklung aufzeigt. Im folgenden werden die Grenzen, Ziele und Arten sowie Settings der Supervision dargestellt.

An diese theoretische Einordnung und Erklärung schließen sich Beispiele praktischer Anwendungsfelder der Supervision (Wirtschaft, Gesundheitswesen, Schule) an. Die vielfältigen Auffassungen von Supervision spiegeln sich in den Internetangeboten wieder. Dabei wird auf Institute mit ihren Angeboten genauer eingegangen und Berufsverbände der Supervision vorgestellt.

Organisation der Gruppenarbeit

Bei der Bearbeitung des Themenbereichs von „Beratung und Supervision“ hielten wir es für sinnvoll die beiden Bereiche zu trennen.

- Bei unserer Vorbesprechung der Arbeitsgruppe hatten wir unsere Vorerfahrungen und Kenntnisse über Beratung und Supervision zunächst zusammengetragen. Dabei erkannten wir die unterschiedlichen Verständnisse und Einsatzmöglichkeiten der beiden Begriffe.
- Die Gruppenteilnehmer berichteten aus folgenden Praxisbereichen von ihrem Wissen oder ihren Erfahrungen über Beratung und Supervision :

aus der Familienfürsorge,

aus Beratungsstellen der Sozialarbeit (Sozialamt, Caritas, Diakonisches Werk u. a.),

aus dem Krankenhauswesen,

aus der Kindergartenarbeit,

aus dem schulischen Bereich,

aus psychologischen Beratungsstellen,

aus dem Personalwesen betrieblicher Organisationen und

aus der Verwaltung

Aufgrund der Gruppengröße und der Komplexität der Themen wurde eine Trennung in zwei Arbeitsgruppen sinnvoll. Aus dem gleichen Grunde haben wir eine weitere Unterteilung der 2 Arbeitsgruppen vorgenommen. Für die Zusammenführung der Themen Beratung und Supervision haben wir uns für eine Videpräsentation entschieden, die die Zusammengehörigkeit der beiden Themen verdeutlicht. Hier wir als erstes eine mißlungene Beratung in der Schule aufgezeigt, die im späteren in einer professionellen Supervision aufgearbeitet wird.

II Hauptteil

1. Definition von Beratung

Bevor der Gegenstand Beratung nun in seinen Einzelheiten dargestellt wird, ist es zunächst einmal angebracht eine Definition für diesen Bereich zu geben. Hierbei habe ich mich für folgende Erklärung entschieden, da sie meiner Meinung nach den Komplex Beratung am besten umreißt:

„Beratung hat die Selbstverwirklichung des Einzelnen, sowie der gesamtgesellschaftlichen Bedürfnisse und Entwicklungen zum Ziel. Sie orientiert sich an den Wünschen des Einzelnen nach Informations- und Entscheidungshilfen, sowie an der Erkennung und Realisierung individueller und gesellschaftlicher Bedürfnisse. Sie sollte zur Förderung und Verstärkung von Bildungsbemühungen beitragen.[1]

Durch diese Begriffsklärung wird deutlich, daß Beratung zwei Aspekte hat, welche beide zu berücksichtigen sind. Einerseits kommt ein Ratsuchender in die Beratung um Hilfe auf dem Weg seiner Selbstverwirklichung zu erhalten und somit seine individuellen Bedürfnisse zu befriedigen. Andererseits hat dies unmittelbare Auswirkungen auf den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang. Individuelle Bedürfnisse sind Teil der Gesamtgesellschaft und deren Erfüllung oder Nichterfüllung beeinflußt die Entwicklung und Stabilität der Gesellschaft unmittelbar.

Ebenfalls wird klar aufgezeigt, daß in der Beratung zwei Hauptaufgaben auf den Berater zukommen. Er ist, worauf oft die Perspektive in der Wahrnehmung der Bevölkerung verengt wird, ein Lieferant von Informationen, mit Hilfe derer der Ratsuchende seine individuellen Bedürfnisse zu realisieren sucht. Sachkenntnis ist eine unbedingte Voraussetzung hierfür, Expertentum ist jedoch nicht unbedingt von Nöten. Andererseits kommt dem Berater auch die Funktion zu, Entscheidungshilfe zu bieten, als Hilfe zur Selbsthilfe. Gerade diese Funktion wird oft unterschätzt und ist an viele weiterführende Kompetenzen geknüpft, welche in den folgenden Punkten erläutert werden.

Zusätzlich umfaßt diese Definition noch den Auftrag, die Anstrengungen der Bildungspolitik mit den in der Beratung auftauchenden Bedürfnissen der Ratsuchenden in Einklang zu bringen.

1.1. Der partnerzentrierte Beratungsansatz

Exemplarisch für viele Beratungsansätze[2] wird nun der partnerzentrierte Beratungsansatz vorgestellt, anhand dessen Beratungskompetenzen aufgezeigt werden, die auch in anderen Beratungsansätzen auffindbar sind. Bei diesem Ansatz steht das Individuum und dessen Verantwortlichkeit für sich selbst, mit Hilfestellung des Beraters, eine Lösung zu finden im Vordergrund[3] und geht hauptsächlich auf Rogers klientenzentrierten Beratungsansatz zurück.[4] Dessen charakteristische Schritte zur Beratungsdurchführung wurden von Kolb aufgegriffen und in ein Vier-Punkte-System integriert.[5] Laut diesem System gibt es vier Fixpunkte, die unbedingt bei der Beratungsdurchführung beachtet werden müssen um eine adäquate Beratung zu gewährleisten. Zunächst muß die Beziehung zwischen dem Berater und dem Ratsuchenden geklärt werden. Der Berater soll sich darüber klar sein, daß beide in diese Situation mit Erwartungshaltungen gehen, er aber einen Zugang zum Ratsuchenden bekommen muß und dabei nicht an Autorität und Leitung verlieren darf. Weiterhin ist es von großer Bedeutung wie der Berater den Ratsuchenden an die Problematik heranführt. Versucht er das Problem rational zu sehen, es emotional zu greifen, oder aber möchte er durch klare Zieldefinitionen den Ratsuchenden vom Problem abtrennen. Je nach Herangehensweise ändert sich die Situation und es wird jeweils eine andere Problemlösungskompetenz beim Ratsuchenden vorausgesetzt. Dieser Punkt ist um so wichtiger, als der nächste auf eine geänderte Sichtweise des Ratsuchenden, sein Problem betreffend, abzielt. Durch die Beratung soll er eigenverantwortlich zu einer neuen Sichtweise gelangen und gegebenenfalls negative Gefühle und Einstellung zur Problematik löschen. Letztlich kommt der Ratsuchende zu einer Verhaltensänderung durch Einsicht und wird eigenverantwortlich das Problem angehen.

Bei diesem Beratungsansatz wird immer davon ausgegangen, daß ein Ratsuchender aus persönlicher Motivation in die Beratung kommen muß, ansonsten wird sie nicht den selbsgesetzten Zweck der Hilfe zur Selbsthilfe erfüllen können.

1.1.1. Die Beraterkompetenzen

Diese Eigenschaften zielen darauf ab, ein Vertrauensverhältnis zwischen den beiden Teilnehmern des Beratungsgespräches herzustellen.[6] Die wichtigsten Eigenschaften des Beraters sind das Zuhören[7] und Einfühlen in die Lage des Ratsuchenden.[8] Diese Eigenschaften äußern sich ganz konkret in drei Kompetenzen.[9]

1.1.1.1. Akzeptanz

Die erste dieser Kompetenzen ist die Akzeptanz.[10] Sie dient zur Herstellung emotionaler Wärme im Gespräch. Ein Ratsuchender, der sich auch nicht leicht einem Fremden öffnet, wird dies viel leichter tun, wenn der Berater ihm Verständnis durch eine gewisse Anteilnahme signalisiert. Weiterhin verstärken Akzeptanz und ein respektvoller Umgang mit dem Ratsuchenden dessen Gefühl ernst genommen zu werden.

Diese Kompetenz ist wichtig, da sie den Berater davor bewahren soll die Aussagen des Ratsuchenden nicht sofort zu bewerten, sondern erst einmal im Raum stehen zu lassen. Vor allem eine negative Bewertung sollte vermieden werden, ebenso wie ein Debattieren um richtige Definitionen. Dies ist um so wichtiger, wenn subjektive Gefühle geäußert werden. Zunächst einmal gilt die Maxime, daß der Ratsuchende alles unkommentiert erzählen kann was für ihn mit dem Problem zusammenhängt, das ihn zur Beratung brachte.

Gleichzeitig soll der Berater aber auch eine emotionale Distanz zu den Problemen und Gefühlen des Ratsuchenden wahren. Diese Distanz erleichtert ihm Akzeptanz für das Problem aufzubauen. Würde sich der Berater gar mit der Problemsituation teilweise oder gar vollkommen identifizieren, so wäre davon seine Wahrnehmung und seine Problemlösungskompetenz getrübt und er würde wohl eher eine subjektiv emotionale Herangehensweise an die Problemsituation wählen.

1.1.1.2. Empathie

Die zweite Kompetenz ist die Empathie.[11] Der Berater soll sich in die Gefühlslage des Ratsuchenden einfühlen.[12] Dies wird anhand der Verbalisierung emotionaler Erlebnisinhalte erreicht. Der Berater spricht die Gefühle, die hinter Äußerungen des Ratsuchenden verborgen sein könnten, an. Hat ein Ratsuchender zum Beispiel das Gefühl mit einem bestimmten Fach nicht klar zu kommen und verspürt eine Lernblockade sobald Arbeiten anstehen, so können viele Gründe dazu geführt haben. Dies kann durch ein schlechtes Erlebnis in der Klasse ausgelöst worden sein, oder durch eine unbedachte Äußerung eines Elternteils die angeblich nicht ausreichenden Resultate in diesem Fach betreffend. Also stünden bei diesen Beispielen hinter dem Sachverhalt der schlechten Leistungen eine traumatische Demütigung und/oder ein überzogener Erwartungsdruck von zu Hause. Durch diese Offenlegung der Gefühlsinhalte hat der Ratsuchende die Möglichkeit diese Gefühle frei von Emotionen wahrzunehmen, einzuordnen und zu strukturieren. Hierbei ist es für den Berater ganz besonders wichtig auch auf die nonverbalen Signale wie etwa Mimik, Gestik und Körperhaltung zu achten, sowie auf den Klang der Stimme.[13] Hinter all diesen Anzeichen können sich emotionale Signale verbergen, deren Offenlegung ein entscheidender Schritt zur Bewußtwerdung des Ratsuchenden führen kann.

Diese Gefühle, die sich hinter den Sachverhalten verstecken drückt der Berater durch Rückfragen aus. Gerade bei diesem Punkt ist emotionale Wärme entscheidend für die Öffnung des Ratsuchenden, sowie für dessen Akzeptanz die offengelegten Gefühlsinhalte überhaupt “anzusehen“. Gerade die emotionale Wärme läßt den Berater in diesem Stadium des Beratungsgesprächs nicht als kalten Experten erscheinen, sondern als Menschen, der an dem Problem und eben nicht nur an der Informationsvermittlung interessiert ist.

1.1.1.3. Kongruenz

Die letzte notwendige Kompetenz stellt die Kongruenz dar.[14] Hierbei kommt es darauf an, daß verbaler und nonverbaler Ausdruck miteinander übereinstimmen. Sollte der Berater zum Beispiel zwar dem Ratsuchenden verbal seine Anteilnahme und sein Interesse an dem Problem signalisieren, er aber innerlich sich von dem Problem distanzieren oder mitreißen lassen, da er es mit sich in Verbindung bringt und seine emotionale Distanz nicht wahren kann, so wird dies aufgrund von nonverbaler Signale sichtbar werden. Diese zwei unterschiedlichen Arten von Signalen, welche eben nicht kongruent sind, werden vom jeweiligen Gegenüber aufgenommen und führen dann bei diesem zu Verwirrung und Unsicherheit. Daraufhin wird sich der Ratsuchende immer mehr dem Zugang des Beraters verschließen.

Aus diesem Grund sollte die Reaktion auf den Ratsuchenden und sein Problem nicht zu positiv sein um ihn nicht in die Versuchung der Bestätigungssucht zu bringen. Man fühlt sich insgeheim durch Bestätigung veranlaßt eben mehr davon zu erhalten, durch die wissentliche oder unwissentliche Präsentation von Sachverhalten, die wiederum Bestätigung zur Folge haben. Allerdings sollte auch keine unbedachte negative Äußerung des Beraters auftreten. Dies könnte eben den gegenteiligen Effekt erzielen. Wichtiger ist die Rücksichtnahme auf und die Achtung vor dem Problem und der Offenheit des Ratsuchenden. In schwierigen Situationen ist es vom Berater durchaus angebracht seine Gefühle auszusprechen um die Beziehung in der Beratung zu klären. Somit beugt man einer Illusionsbildung und Mißverständnissen vor. Auch ist es besser der Berater teilt dem Ratsuchenden mit, daß er mit dessen Problem (aus welchen Gründen auch immer) nicht zurecht kommt und verweist ihn an einen anderen Berater um ihm somit die Chance einer fairen und relativ vorurteilsfreien Beratung zu gewähren.

1.1.2. Kommunikationssperren

Berater, wie Lehrer und andere Fachleute, die diese Beratertätigkeit versehen, laufen große Gefahr in einen belehrenden Ton zu fallen. Alsbald werden durch eine belehrende Haltung verbale Sperren aufgebaut („Straßensperren“), die den weiteren Gesprächsverlauf empfindlich beeinträchtigen, oder gar ganz abebben lassen.[15] Der Ratsuchende kann sich in einer solchen Situation nicht mehr angenommen fühlen und auch keine Vertrauensbasis zu dem Berater aufbauen oder aufrechterhalten.

Die kommunikativen Sperren des Beraters[16] haben verschiedene Aspekte, so gibt es Äußerungen, die eine Nicht-Annahme[17] signalisieren, wie etwa Befehle, Drohungen und Moralisieren. Die gleiche Funktion erfüllen ebenfalls Lösungen, die von Anfang an dem Ratsuchenden untergeschoben oder aufgezwängt werden, genauso wie lange Vorträge, die einfach dazu dienen diesen nicht zu Wort kommen zu lassen.

Eine weitere kategorie verbaler Gesprächssperren beurteilt die Aussagen des ratsuchenden, setzt ihn herab und bewertet den Inhalt.[18] Das kann durch kritisieren, Widersprechen und Beschuldigen geschehen, ebenso wie durch Beschimpfen und dem angeblich vorurteilsfreien Analysieren und Interpretieren.

Genauso schlecht sind Äußerungen, die nur darauf abzielen das Gegenüber aufzumuntern oder zu trösten.[19] Hierbei wird sich die Person nicht wahrgenommen fühlen können. Noch schlechter ist es natürlich, wenn der Berater versucht das Thema zu wechseln und somit ganz klar zum Ausdruck bringt, daß er mit diesem Thema nicht umgehen will oder kann und den Ratsuchenden damit allein läßt.

Die häufigste Sperre ist allerdings die Frage.[20] Aus diesem Grund versucht gerade der partnerzentrierte Beratungsansatz sich auf wenige Fragen zu beschränken und diese so offen wie möglich zu formulieren um den Ratsuchenden damit nicht zu stark zu beeinflussen.[21] Fragen werden gerne in vom Berater als hilflos empfundenen Momenten eingesetzt um mehr Informationen zu erhalten und damit die Situation besser verstehen zu können. Dies ist meistens jedoch nur der Auftakt um seine eigene, vorformulierte Lösung zu präsentieren, oder sich selbst über seine eigene Weigerung hinweg zu täuschen, sich nicht mit dem Problem des Ratsuchenden konfrontieren zu wollen. Um diesen Sperren vorzubeugen werden nun die Gesprächsmethoden für diesen Beratungsansatz vorgestellt.

1.1.3. Gesprächsmethoden

Neben den drei Kompetenzen sind auch die Gesprächsmethoden von entscheidender Bedeutung. Sie sind die eigentlichen „Werkzeuge“, in welchen die drei Kompetenzen einfließen, dort werden sie realisiert.

Zunächst ist da die nicht-verbale Kommunikation.[22] Sie ist unerläßlich für den Berater um während der Redezeit des Ratsuchenden Interesse signalisieren zu können. Dies kann mit Nicken, Mimik und verbalem Winken wie etwa „mmh, ja, aha, ach so“ und Ähnlichem geschehen. Wichtig ist einzig, daß es auf die Situation paßt und damit dem Ratsuchenden der Eindruck vermittelt werden kann, daß man ihm wirklich zuhört und ihn ernst nimmt.

Eine weitere Methode ist die der nicht festlegenden Aufforderungen.[23] Sie helfen Beratern das Gespräch am Laufen zu halten und den Ratsuchenden dazu zu bringen, mehr von einem bestimmten Thema zu erzählen. Es sind offene Botschaften, die nicht werten, sondern einfach nur den Einstieg zu einer Darstellung eines Sachverhalts durch den Ratsuchenden einleiten. Offene Botschaften können zum Beispiel Äußerungen darstellen, wie: „Möchtest Du darüber mehr erzählen? Das klingt, als berührt Dich das stark.“

Eine der wichtigsten Gesprächsmethoden ist das Paraphrasieren.[24] Mit Hilfe des Paraphrasierens ermittelt der Berater ob er die Aussagen des Ratsuchenden verstanden hat. Somit signalisiert er natürlich auch wieder Interesse. Dies geschieht, indem der Berater durch Wiederholungen oder Umschreibungen die Aussagen des Ratsuchenden nach seinem Verständnis wiedergibt. Das erfüllt zwei wichtige Funktionen. Zum einen erkennt der Ratsuchende wie der Berater ihn wahrnimmt und das Problem verstanden hat. Mißverständnisse können auf diese Weise aus dem Weg geräumt werden. Ebenso kann eine relativ emotionsfreie Präsentation des Problems durch den Berater den Ratsuchenden dazu bringen, das besagte Problem aus einer anderen Perspektive zu sehen und somit mehr emotionalen Abstand dazu zu gewinnen, was wiederum den ersten Schritt zu einer Problemlösung darstellt.

Letztlich kann der Berater noch das Verbalisieren emotionaler Erlebnisinhalte als Gesprächsmethode ins Feld führen.[25] Hierbei handelt es sich um eine Form des Paraphrasierens um die Gefühlsinhalte des Ratsuchenden auszudrücken und somit für diesen plastisch zu machen. Der Berater spiegelt durch seine Person die Gefühlserlebnisse des Ratsuchenden.[26] Das hat den Vorteil, daß der Ratsuchende wieder wahrnehmen kann wie diese Gefühle auf den Berater wirken. Auf diese Weise kann er lernen die Verantwortung für diese Gefühle und was sie bei anderen auslösen zu leben. Das Verbalisieren von Gefühlsinhalten kann ebenso zu weiteren Gefühlsaubrüchen führen. Hier ist es wieder wichtig zu betonen, daß der Berater in diesem Fall seine emotionale Distanz wahren muß. Weder darf er sich von den Gefühlsausbrüchen mitreißen lassen, noch soll er etwas kommentieren. Zunächst ist es angebracht den Ratsuchenden gewähren zu lassen um dann in einem zweiten Schritt mit Hilfe der Gesprächsmethoden diesen Gefühlsausbruch wieder verbal aufzugreifen und die Gefühle plastisch zu machen. Auf diese Weise wird einem sich mit diesen Gefühlen im Kreis drehen, vorgebeugt.

1.2. Das diagnostische Gespräch

Das diagnostische Gespräch wird auch Explorationsgespräch genannt. Es dient dazu im Vorfeld einer Beratung Informationen über den Ratsuchenden zu gewinnen.[27] Hierbei werden möglichst viele Daten, das Leben des Ratsuchenden betreffend, exploriert. Dies ergibt einen skizzenhaften Lebenslauf. Im Beratungsgespräch kann die Kenntnis dieser Daten von Vorteil sein um die anstehenden Probleme besser einordnen zu können. In einigen Beratungsmodellen ist dieses diagnostische Gespräch der Ausgangspunkt um den Verlauf der Beratung zu planen. So kann das Explorationsgespräch zu einer Hypothesenbildung führen. Diese Hypothesen werden dann mit Hilfe von Tests oder Einzel-/Gruppengesprächen überprüft. Nachdem dies abgeschlossen ist, werden Lösungsvorschläge unterbreitet.

1.3. Probleme in der Beratung und Beratungsmißbrauch

Neben den bereits genannten „Straßensperren“, gibt es in der Beratung viele Probleme[28], die im Gespräch auftreten können.

Das Beratungsgespräch unterliegt einem Zeitlimit. Dies kann ein Problem in sofern darstellen, daß zum Beispiel die Zeit für eine Beratung nicht ausreicht und aufgrund von institutionellen Hindernissen schwer eine zweite Beratung erreicht werden kann. Es könnte auch sein, daß die zweite Beratung aus dem gleichen Grund nicht bei demselben Berater stattfindet, was aufgrund von Vorgeschichte und dem bereits erzielten Vertrauensverhältnis zwischen Berater und Ratsuchendem eine weitere Hürde bedeuten kann, sich einem neuen Berater wieder zu öffnen.

Äußere Störungen müssen mit berücksichtigt werden und können zu Gesprächsunterbrechungen führen. Daher sollte im Vorhinein alles was potentiell stören könnte, wie etwa Telefon oder offenes Fenster, ausgeschaltet werden. Als Störung kann auch der Ort an sich gesehen werden. Jegliche Form der absoluten Autorität beeinflußt die Beratung so, daß der Ratsuchende sich nicht leicht auf den Berater einlassen wird. Dies gilt ganz besonders für die Schule. Hier kann es mitunter vorkommen, daß ein Schüler eine Beratung im Zimmer des Direktors erhält, welcher ihn noch vor ein paar Tagen zurechtwies. So eine Situation wäre absolut kontraproduktiv.

Gefährlich ist auch eine Antwortinduktion des Beraters. Gibt er wissentlich oder unwissentlich bereits in seinen Fragen erwünschte Antworten vor, so besteht die Gefahr, daß der unsichere Ratsuchende sich darauf einläßt und aus dem Drang bestätigt zu werden diese Fragen in der intendierten Weise beantwortet.[29]

Wie bereits erwähnt können auch Gefühlsausbrüche und die mangelnde Distanz des Beraters zu Störungen der Beratungssituation führen. hier ist es sehr wichtig, daß der Berater reagiert und entweder dies verbal in der Beratung auffängt, oder aber den Ratsuchenden an einen anderen Berater verweist. Ebenso kann sich die aktuelle Stimmung des Beraters sehr auf die Beratung auswirken. Dabei ist es egal ob dies negativ oder „positiv“ der Fall ist. Beides gefährdet die emotionale Distanz des Beraters und beeinträchtigt Akzeptanz, wie auch Kongruenz.

Das größte Problem stellt allerdings die Erwartungskonkordanz dar. Kommen Berater und Ratsuchender mit unterschiedlichen Erwartungen in die Beratung so wird es schwer eine gemeinsame Linie für das Beratungsgespräch zu finden.[30] Dem kann wohl nur durch Offenheit und konsequenten Einsatz des Paraphrasierens und Verbalisierens entgegengewirkt werden.

Beratungsmißbrauch besteht nach dem partnerzentrierten Beratungsansatz immer dann, wenn das Individuum mit seinen Bedürfnissen nicht im Mittelpunkt der Beratung steht, sondern etwas oder jemand anderes.

Dies ist der Fall, wenn die Beratung nur dazu dienen soll System- und Strukturschwächen zu verschleiern.[31] Ist eine Beratung zum Beispiel als Auffanginstrument für desorientierte Schüler gedacht, so hat sie eine Feuerwehrfunktion inne.[32] Sie erfüllt nicht mehr ihre eigentliche Aufgabe, nämlich dem Individuum Hilfe zur Entscheidungshilfe zu geben, sondern fungiert nur noch als Beratungsinstrument, weil die Strukturen in der Schule zu chaotisch und sehr fern von den Bedürfnissen der Schüler sind. Somit liefert die Beratung auch noch das Alibi für das System sich nicht zu ändern, da die Systemmängel ja aufgefangen werden.[33] Wird die Beratung gar als Ausleseinstrument benutz, ist ihre Funktion vollkommen ad absurdum geführt worden.

2. Notwendigkeit von Beratung in der Weiterbildung

Die Notwendigkeit einer Beratung liegt nicht nur im schulischen Bereich. Auch der Weiterbildungssektor benötigt dringend Beratung. Die Notwendigkeit ist schon alleine in der Breite der verschiedenen Gruppen und Interessenten von Ratsuchenden zu sehen. Hier ist besonders die Gruppe der Arbeitslosen zu nennen und die Gruppe der Personen, die auch als „stille Reserve“ bezeichnet werden kann(vgl. Braun1984, 23). Doch auch der immer schneller werdende technische Fortschritt in der Gesellschaft erfordert immer wieder neu qualifiziertes Personal. So muß die Beratung auch auf die qualifizierten Bevölkerungsgruppen ausgedehnt werden, um deren berufliche und soziale Handlungsfähigkeit zu erhalten, zu erweitern oder wieder herzustellen.(vgl. Braun 1984, 83)

Des weiteren ist das Angebot der Weiterbildungsmaßnahmen und die Anzahl der verschiedenen Weiterbildungsstätten so groß, dass es für den einzelnen Ratsuchenden oder Interessierten kaum möglich ist, sich qualitativ gut zu informieren. So haben wir allein in Hamburg ca. 250 Weiterbildungsmaßnahmen, die von Privaten Schulen oder Behördlichen Institutionen angeboten werden. Sollte der interessierte Bürger sich nun informieren wollen, was für ihn die richtige Maßnahme ist, so hat er viele Anbieter zu vergleichen. Aus diesem Grund ist eine Beratung von Vorteil. Notwendig wird die Beratung gerade bei solchen Problemgruppen, wie am Anfang schon einmal angeführt, die Arbeitslosen.

2.1. Unterschiedliche Zielgruppen

Wie bereits in Punkt 1 erwähnt, müssen nicht nur Arbeitslose oder Personen beraten werden, die keinen Zugang zum Arbeitsmarkt bekommen, es müssen auch Interessenten oder Fortbildungswillige beraten werden, um eine effektive Bildung und Weiterbildung zu ermöglichen.

Als unterschiedliche Zielgruppen können hier

- Arbeitslose
- Schulabgänger ohne Schulabschluß
- Interessierte
- Weiterbildungswillige

genannt werden.

Jede dieser unterschiedlichen Zielgruppen hat unterschiedliche Anforderungen an eine Beratung. Somit muß eine Beratungsstelle nicht nur eine Art von Beratung anbieten, sie muß individuell auf den einzelnen Ratsuchenden eingehen. Dies soll in Punkt 2 näher erläutert werden.

2.2. Umfangreiches Angebot an Weiterbildungsmaßnahmen und Stätten

Das Angebot der Weiterbildungsmaßnahmen ist sehr umfangreich. Schaut man sich das Angebot zum Beispiel von der Volkshochschule an, so kann man hier Kochkurse oder Yogakurse belegen, es gibt aber auch spezielle Computerkurse, oder fachspezifische Fremdsprachenkurse. Das Angebot liegt also zwischen einfachen handwerklichen Kursen, bis hin zu berufsspezifischen Weiterbildungs- oder Umschulungsmaßnahmen. Um hier einen Überblick über das gesamte Angebot von Kursen und Seminaren zu bekommen und zwar nicht nur bei der Volkshochschule, und den richtigen Kurs für den einzelnen herauszufinden, muß genau geklärt werden, in wie weit der einzelne Kurs für die Bedürfnisse des Interessierten von Nöten oder Interesse ist. Hier zeigt sich wieder der Bedarf an Beratung.

Des weiteren sind auf dem Markt unterschiedliche Institutionen zu finden, hier sollen beispielhaft, als bekannteste Institutionen in Hamburg, die Grohne-Schulen und die Volkshochschule genannt werden. Zu diesem Bereich der Weiterbildung gehören aber auch alle Sprachenschulen oder sonstigen Institutionen, die weiterbildende Kurse anbieten. Allein in Hamburg bieten über 200 Institutionen Weiterbildung an.(Gelbe Seiten 2000/2001, 884ff u.a.) In Hamburg ist für die Beratung für Weiterbildung die „Weiterbildung Hamburg E.V“. zuständig (www.weiterbildung-hamburg.de). Hier erhält man auch alle Informationen über Gütesiegel und Angebote der Weiterbildung.

[...]


[1] Bachmair, S./ Faber, J./ Hennig, C./ Kolb, R./ Willig, W. (Hrsg.): Beraten will gelernt sein. S. 121

[2] Martin, Lothar R.: Theorie der Beratung. S. 226/227 und Lüttge, Dieter: Beraten und Helfen. S. 33-37

[3] Bachmair, S./ Faber, J./ Hennig, C./ Kolb, R./ Willig, W. (Hrsg.): Beraten will gelernt sein. S. 21 und

May, Rollo: Die Kunst der Beratung. S. 121

[4] Bachmair, S./ Faber, J./ Hennig, C./ Kolb, R./ Willig, W. (Hrsg.): Beraten will gelernt sein. S. 27 und

Lüttge, Dieter: Beraten und Helfen. S. 36

[5] Kolb, R. : „Geh mal zu Frau B., die labert dich nicht gleich voll“. Gesprächsmethodische Hilfen zur Verbesserung von Beratungssituationen. S. 10

[6] Bachmair, S./ Faber, J./ Hennig, C./ Kolb, R./ Willig, W. (Hrsg.): Beraten will gelernt sein. S. 22

[7] Palmowski, Winfried. Der Anstoß des Steines. S. 29

[8] Bachmair, S./ Faber, J./ Hennig, C./ Kolb, R./ Willig, W. (Hrsg.): Beraten will gelernt sein. S. 29

[9] Weisbach, Ch.-R.: Training des Beraterverhaltens. S. 20

[10] Bachmair, S./ Faber, J./ Hennig, C./ Kolb, R./ Willig, W. (Hrsg.): Beraten will gelernt sein. S. 30

[11] ebenda. S. 31

[12] May, Rollo: Die Kunst der Beratung. S. 70

[13] Minsel, Wolf-Rüdiger: Gesprächsführung in der Beratung. S. 78

[14] Bachmair, S./ Faber, J./ Hennig, C./ Kolb, R./ Willig, W. (Hrsg.): Beraten will gelernt sein. S. 31und

Palmowski, Winfried: Der Anstoß des Steines. S. 81-88

[15] Bachmair, S./ Faber, J./ Hennig, C./ Kolb, R./ Willig, W. (Hrsg.): Beraten will gelernt sein. S. 18

[16] Palmowski, Winfried: Der Anstoß des Steines. S. 77-81

[17] Bachmair, S./ Faber, J./ Hennig, C./ Kolb, R./ Willig, W. (Hrsg.): Beraten will gelernt sein. S. 18

[18] Bachmair, S./ Faber, J./ Hennig, C./ Kolb, R./ Willig, W. (Hrsg.): Beraten will gelernt sein. S. 18/19

[19] Bachmair, S./ Faber, J./ Hennig, C./ Kolb, R./ Willig, W. (Hrsg.): Beraten will gelernt sein. S. 19

[20] Bachmair, S./ Faber, J./ Hennig, C./ Kolb, R./ Willig, W. (Hrsg.): Beraten will gelernt sein. S. 19

[21] ebenda. S. 38

[22] ebenda. S. 32

[23] ebenda. S. 32/33

[24] Bachmair, S./ Faber, J./ Hennig, C./ Kolb, R./ Willig, W. (Hrsg.): Beraten will gelernt sein. S. 32

[25] ebenda. S. 33

[26] ebenda. S. 34/35

[27] ebenda. S. 44

[28] Bachmair, S./ Faber, J./ Hennig, C./ Kolb, R./ Willig, W. (Hrsg.): Beraten will gelernt sein. S. 41

[29] Minsel, Wolf-Rüdiger: Gesprächsführung in der Beratung. S. 79

[30] Palmowski, Winfried: Der Anstoß des Steines. S. 75

[31] Bachmair, S./ Faber, J./ Hennig, C./ Kolb, R./ Willig, W. (Hrsg.): Beraten will gelernt sein. S. 121

[32] ebenda. S. 122

[33] ebenda. S. 121 und Wulf, Christoph: Kritik der Bildungsberatung. S. 112

Ende der Leseprobe aus 55 Seiten

Details

Titel
Beratung und Supervision in Weiterbildung und Schule
Hochschule
Universität Hamburg  (Pädagogisches Institut)
Veranstaltung
Organisationslernen in Weiterbildung und Schule
Note
1,5
Autor
Jahr
2000
Seiten
55
Katalognummer
V4624
ISBN (eBook)
9783638128377
Dateigröße
760 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Supervision, Beratung, Schule, Weiterbildung, Organisationsentwicklung
Arbeit zitieren
Thomas Grömling (Autor), 2000, Beratung und Supervision in Weiterbildung und Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4624

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