Die Entstehung der Bekennenden Kirche


Hausarbeit, 2017
8 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.0 Einleitung

2.0 Die Situation der christlichen Kirchen vor und mit dem Beginn der Machtergreifung
2.1 Die Ziele der Deutschen Christen
2.2 Die Bekennende Kirche

3.0 Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

1.0 Einleitung

Die Bekennende Kirche war eine oppositionelle Bewegung zur Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland. Ihr gegenüber standen die Deutschen Christen, welche, anders als die Bekennende Kirche, mit dem NS-Parteiprogramm sympathisierten und somit die Unterstützung des Regimes erhielten. Die Meinungen beider Parteien unterschieden sich besonders in ihren gegensätzlichen Haltungen zum Judentum und dem Parteiprogramm der NSDAP. Die Motivation oppositioneller Gruppen sowie deren Motivation und Methoden, sind im Hinblick auf die Entstehung der jeweiligen Gruppierung oftmals besser nachzuvollziehen. In der folgenden Ausarbeitung sollen die Ziele und die Entstehung der Deutschen Christen und der Bekennenden Kirche erläutert werden. Ferner wird die allgemeine Situation für die deutschen Kirchen, vor und mit dem Beginn der Machtergreifung, beschrieben.

2.0 Die Situation der christlichen Kirchen vor und mit dem Beginn der Machtergreifung

Beginnend mit dem Anschwellen von Wählerstimmen der Nationalsozialistischen Partei im Jahr 1930 sah sich die katholische Kirche zu einer öffentlichen Stellungnahme verpflichtet, da jene sich vor dem großen Erfolg der NSDAP der Partei gegenüber eher desinteressiert zeige. Aufgrund der erhöhten Anzahl der Wählerstimmen demonstrierten deutsche Bischöfe ihre Antipathie der NSDAP gegenüber öffentlich, lehnten die Befassung mit dem Parteiprogramm ab und warnten die Katholiken vor der Unvereinbarkeit der katholischen Lehre mit den Zielen der Nationalsozialisten. Ferner wiesen sie verschiedene Äußerungen und die Hervorhebung der germanischen Rasse als falsch zurück.

Auch die evangelische Kirche nahm die NSDAP ab 1930 verstärkt wahr. Zustimmung bekam diese von Adolf Hitler, der den starken Einfluss der Kirche kannte. Er wusste, nur mit ihr die absolute Macht im Reich ergreifen zu können. Im Zuge dessen betonten Hitler und seine Parteianhänger ihre Nähe zur Kirche öffentlich und stellten sich als kirchenfreundlich dar, indem beispielsweise uniformierte Sturmabteilungsgruppen christliche Gottesdienste besuchten.1 Diese öffentlichen Bekenntnisse und Zusprüche zum Christentum kamen am ,,Tag von Potsdam“ am 21. März 1933 in der Garnisonkirche zu ihrem Höhepunkt.2

Insgesamt gab es, zur Zeit der Machtergreifung der NSDAP, verschiedene Haltungen gegenüber der Partei, die von tiefer Ablehnung, beispielsweise durch religiöse Sozialisten, bis zu großer Zustimmung bestimmt waren.3

2.1 Die Ziele der Deutschen Christen

Eine Gruppierung, die vor allem für die Gründung der Bekennenden Kirche eine Rolle spielte, bildeten die Deutschen Christen, deren Gründung 1932 durch Nationalsozialisten und junge Pfarrer stattfand. Somit entstand eine eigenständige Kirchenpartei, welche die Gleichschaltung des „Dritten Reiches“ mit der evangelischen Kirche ,,auf ihre Fahnen geschrieben hatte.“4 Fortan solle, laut den Deutschen Christen, nicht die Bibel als Heilige Schrift, sondern allein der Volksgedanke die Grundlage für Glauben und Religion in der Kirche darstellen.5 Des Weiteren setzten sich die Deutschen Christen für das positive Christentum im Parteiprogramm der NSDAP und die Rassentrennung ein.6

Durch die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler begann für die Deutschen Christen ein großer Aufschwung. Anfänge Hitlers Machtergreifung fanden sich in dem Gesetz der Gleichschaltung, welches bereits kurz nach seiner Machtergreifung verabschiedet wurde, wieder. Die NSDAP bezog sich dabei nicht nur auf die Gleichschaltung der Länder, sondern betonte den Übergriff auf Bildung und Kultur.7 Im Übergriff auf die evangelische Kirche wollte Hitler die Deutschen Christen zu seinem eigenen Nutzen fördern, um so die ,,evangelischen Kirchen gleichsam von innen (zu) erobern und gleichzuschalten.“8 Diese Unterstützung sorgte im April 1933 für ein neues Programm der Deutschen Christen, welche unter Anderem eine vereinigte Reichskirche, bestehend aus allen 28 Landeskirchen mit einem Reichsbischof als ihr Oberhaupt, forderten.9 Im Zuge der Wahl ergab sich somit eine Möglichkeit das Kräfteverhältnis zwischen den Deutschen Christen und der Jungreformatorischen Bewegung, den Gegnern der Deutschen Christen, bestehend aus verschiedenen Theologen und Pastoren, darzustellen. Friedrich von Bodelschwingh, welcher das Amt des Leiters der Betheler Anstalten ausführte, wurde mehrfach von den Jungreformatoren nominiert und fand somit vorerst mehr Zustimmung als Ludwig Müller. Jener war der Kandidat der Deutschen Christen und ein Vertrauter Hitlers.10 Jedoch fand von Bodelschwingh auf Dauer nicht genug Unterstützung in der Kirche und legte bereits einen Monat später, am 24. Juni 1933, sein Amt nieder.11 Zum neuen Reichsbischof wurde, zugunsten der Deutschen Christen, Ludwig Müller ernannt, der die neue Verfassung fertig stellte. Einen weiteren Erfolg für die Deutschen Christen stellte die Billigung der Verfassung am 14. Juli 1933 dar, da ferner an diesem Tag der Bildung eines Reichskonkordats zugestimmt wurde.12

2.2 Die Bekennende Kirche

Bereits kurz nach den Kirchenwahlen 1933 begann allerdings die Gründung einer, aus Gegnern der Deutschen Christen bestehende, Gruppe, die später als Bekennende Kirche bekannt wurde. Unterstützung sowie einen Anstoß dafür lieferte Karl Barth, welcher mit seinem 1933 veröffentlichtem Werk ,,Theologische Existenz heute!“ zum Erinnern an die wahre Bedeutung der Kirche, abseits der Politik, aufrief.13 Einen Grund für eine Opposition gegenüber den Deutschen Christen stellte die Eingliederung der evangelischen Jugend in die Hitler-Jugend im Dezember 1933 dar. Die vorausgegangene Zustimmung zwischen Ludwig Müller und dem NS-Jugendleiter Baldur von Schirach schloss somit eine unabhängige Jugendarbeit der Kirche nahezu aus.14 Ferner ist an dieser Stelle der Maulkorberlass zu nennen, welcher kirchenpolitische Auseinandersetzungen und Kundgebungen untersagte, indem er für die „Wiederherstellung geordneter Zustände“ sorgen sollte.15

Entscheidend innerhalb der Bekennenden Kirche war die ablehnende Meinung gegenüber dem kirchlichen Arierparagraphen, der es seit September 1933 Christen jüdischer Herkunft verbot, Beamte oder Angestellte in der evangelischen Kirche zu sein.16 Einen Ausdruck für diese Anfechtung fand der Berlin-Dahlemer Pfarrer Martin Niemöller, indem er frühere Mitglieder der Jungreformatorischen Bewegung zu der Gründung des Pfarrernotbundes aufrief. Der Verpflichtungserklärung gehörten vier Erklärungen an. Innerhalb selbiger verpflichte sich jedes Mitglied der Meinung, dass „eine Verletzung des Bekenntnisstandes mit der Anwendung des Arierparagraphen im Raum der Kirche Christi geschaffen“17 sei. Nachdem sich nach der Gründung über ein Drittel der deutschen Pfarrern dieser Bewegung anschloss, entstanden in verschiedenen Landeskirchen entsprechende „Freie Synoden“, ein Mittel der Selbstbestimmung, da die Pfarrer nicht mehr den deutsch-christlichen Synoden unterworfen sein wollten. Ein Zusammenschluss von Vertretern dieser Synoden ergab sich vom 27. Mai bis 31. Mai 1934 auf der ersten Reichsbekenntnissynode in Barmen-Gemarke. Hier entstand die Grundlage für die Arbeit der Bekennenden Kirche anhand des Barmer Bekenntnisses, einer theologischen Erklärung, die später als die Barmer-theologische Erklärung bekannt wurde.18 Der Pfarrernotbund reagierte beispielsweise auf die Vereinigung der kirchlichen Jugend mit der Hitler-Jugend mit der Kanzelabkündigung, die am siebten und am 14. Januar 1934 in vielen deutschen Kirchen vorgestellt wurde.19

Ein Ereignis hoher Bedeutsamkeit für die evangelischen Christen und ihrer Haltung gegenüber den Deutschen Christen, stellte außerdem die Sportpalastkundgebung der Deutschen Christen im November 1933 dar. Zuvor Erwähnte forderten, vertreten durch den Berliner Gauobmann Reinhold Krause, den Machtanspruch des Staates an der Kirche, der sich durch die Ablehnung des Alten Testaments und den Zusammenschluss aller Regionen und Konfessionen zu einer völkischen Nationalkirche äußerte.20 Aufgrund der Radikalität dieser Rede kam es zur Distanzierung fast aller Teilorganisationen der evangelischen Kirchen von den Deutschen Christen und vielen Protesten.21

[...]


1 Gutschera, Herbert / Maier, Joachim / Thierfelder Jörg (Hgs.): Geschichte der Kirchen. Ein ökonomisches Sachbuch mit Bildern, Stuttgart 1992, 305-306.

2 Schneider, Ulrich: Bekennende Kirche zwischen ,,freudigem Ja“ und antifaschistischem Widerstand. Eine Untersuchung des christlich motivierten Widerstandes gegen den Faschismus unter besonderer Berücksichtigung der Bekennenden Kirche in Kurhessen-Waldeck und Marburg, Kassel 1986, 94.

3 Gutschera, Herbert / Maier, Joachim / Thierfelder Jörg (Hgs.): Geschichte der Kirchen. Ein ökonomisches Sachbuch mit Bildern, Stuttgart 1992, 307.

4 Schlingensiepen, Johannes: Widerstand und verborgene Schuld. Erinnerungen an den Kampf der Bekennenden Kirche, Wuppertal ²1977, 16.

5 Schlingensiepen, Johannes: Widerstand und verborgene Schuld. Erinnerungen an den Kampf der Bekennenden Kirche, Wuppertal ²1977, 20.

6 Greschat, Martin / Jacobs, Manfred / Krumwiede, Hans-Walter / Lindt, Andreas (Hgs.): Neuzeit. 2. Teil, Neukirchen-Vluyn ²1985, 118.

7 Schneider, Ulrich: Bekennende Kirche zwischen ,,freudigem Ja“ und antifaschistischem Widerstand. Eine Untersuchung des christlich motivierten Widerstandes gegen den Faschismus unter besonderer Berücksichtigung der Bekennenden Kirche in Kurhessen-Waldeck und Marburg, Kassel ²1986, 94.

8 Gutschera, Herbert / Maier, Joachim / Thierfelder Jörg (Hgs.): Geschichte der Kirchen. Ein ökonomisches Sachbuch mit Bildern, Stuttgart 1992, 313.

9 Gutschera, Herbert / Maier, Joachim / Thierfelder Jörg (Hgs.): Geschichte der Kirchen. Ein ökonomisches Sachbuch mit Bildern, Stuttgart 1992, 313-314.

10 Schneider, Ulrich: Bekennende Kirche zwischen ,,freudigem Ja“ und antifaschistischem Widerstand. Eine Untersuchung des christlich motivierten Widerstandes gegen den Faschismus unter besonderer Berücksichtigung der Bekennenden Kirche in Kurhessen-Waldeck und Marburg, Kassel ²1986, 142.

11 Kater, Horst: Die Deutsche Evangelische Kirche in den Jahren 1933 und 1934. Eine rechts- und verfassungsgeschichtliche Untersuchung zu Gründung und Zerfall einer Kirche im nationalsozialistischen Staat, Göttingen 1970, 84.

12 Gutschera, Herbert / Maier, Joachim / Thierfelder Jörg (Hgs.): Geschichte der Kirchen. Ein ökonomisches Sachbuch mit Bildern, Stuttgart 1992, 314.

13 Gutschera, Herbert / Maier, Joachim / Thierfelder Jörg (Hgs.): Geschichte der Kirchen. Ein ökonomisches Sachbuch mit Bildern, Stuttgart 1992, 314-315.

14 Meier Kurt: Die Deutschen Christen. Das Bild einer Bewegung im Kirchenkampf des Dritten Reiches, Halle/ Saale ³1967, 58.

15 Meier Kurt: Die Deutschen Christen. Das Bild einer Bewegung im Kirchenkampf des Dritten Reiches, Halle/ Saale ³1967, 58.

16 Gutschera, Herbert / Maier, Joachim / Thierfelder Jörg (Hgs.): Geschichte der Kirchen. Ein ökonomisches Sachbuch mit Bildern, Stuttgart 1992, 315.

17 Schneider, Joahnnes: Kirchliches Jahrbuch 1933-1944, Gütersloh 1976, 35.

18 Gutschera, Herbert / Maier, Joachim / Thierfelder Jörg (Hgs.): Geschichte der Kirchen. Ein ökonomisches Sachbuch mit Bildern, Stuttgart 1992, 315.

19 Meier Kurt: Die Deutschen Christen. Das Bild einer Bewegung im Kirchenkampf des Dritten Reiches, Halle/ Saale ³1967, 58-59.

20 Meier Kurt: Die Deutschen Christen. Das Bild einer Bewegung im Kirchenkampf des Dritten Reiches, Halle/ Saale ³1967, 34-35.

21 Meier Kurt: Die Deutschen Christen. Das Bild einer Bewegung im Kirchenkampf des Dritten Reiches, Halle/ Saale ³1967, 40-41.

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Die Entstehung der Bekennenden Kirche
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Seminar: Die Entstehung des Christentums
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
8
Katalognummer
V462424
ISBN (eBook)
9783668901766
ISBN (Buch)
9783668901773
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bekennende, Kirche, Nationalsozialismus, Hitler, Barth, Bonhoeffer, Widerstand, Barmen
Arbeit zitieren
Julia Guenter (Autor), 2017, Die Entstehung der Bekennenden Kirche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/462424

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