„Von Beginn an hat der Kinderfilm auf literarische Stoffe zurückgegriffen“ und weiterhin sind Kinder- und Jugendbücher häufig die Vorlage für filmische Adaptionen. In diesem Jahr lief bereits der dritte Teil der erfolgreichen Kinderbuchreihe von Andreas Steinhöfel über die beiden unterschiedlichen Freund Rico und Oskar in den deutschen Kinos, nachdem erst im Jahr 2014 der erst Teil „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ verfilmt worden war, welcher im Rahmen dieser Studienarbeit analysiert werden soll.
In der Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, mit welchen Mitteln die kinematografische Adaption der Romanvorlage von Andreas Steinhöfel umgesetzt hat und welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den beiden medialen Formen bestehen.
Zu diesem Ziel wurden der Analyse zwei theoretische Kapitel vorangestellt, welche in die grundlegenden Unterschiede zwischen kinematografischen und literarischen Erzählungen einführen sowie technische Methoden filmischer Narration vorstellt. Die eigentliche Analyse beginnt mit einer tabellarischen Darstellung der Kapitelfolge des Romans und der Sequenzübersicht des Films, um erste Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Handlungsaufbau sichtbar zu machen. Anschließend wird eine exemplarische Sequenz eingehend nach den im theoretischen Teil dargestellten Aspekten vorgenommen, bevor eine allgemeine Gegenüberstellung der filmischen Adaption zu ihrer Buchvorlage erfolgt. Die Arbeit schließt mit einer Konklusion der Ergebnisse sowie einem Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Unterschiede zwischen Buch und Film
2.1 Medium
2.2 Zeit
2.3 Raum
2.4 Innenperspektive
3 Technische Aspekte der Filmanalyse
3.1 Perspektive
3.2 Kameraeinstellungen
3.3 Kamerabewegung
4 Filmanalyse und Vergleich „Rico, Oskar und die Tieferschatten
4.1 Handlung: Sequenzprotokoll und Kapitelfolge
4.2 Analyse und Vergleich mit filmanalytischen Mitteln
5 Konklusion und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die filmische Adaption des Kinderbuches „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ von Andreas Steinhöfel durch Regisseurin Neele Vollmar. Das primäre Ziel besteht darin, herauszuarbeiten, mit welchen kinematografischen Mitteln die literarische Vorlage umgesetzt wurde und welche Unterschiede sowie Gemeinsamkeiten zwischen den beiden medialen Formen in Bezug auf Erzählweise, Raumgestaltung und Perspektive bestehen.
- Grundlegende Unterschiede zwischen literarischen und kinematografischen Erzählformen.
- Technische Aspekte der Filmanalyse wie Kameraperspektive, Einstellungsgrößen und Kamerabewegungen.
- Vergleichende Analyse von Handlungsaufbau und Zeitgestaltung in Buch und Film.
- Darstellung subjektiver Wahrnehmung und Innenperspektiven im Kinderfilm.
- Einfluss der medialen Umsetzung auf Geschlechterstereotype und Identifikationsmöglichkeiten.
Auszug aus dem Buch
2.1 Medium
Unabhängig von der Art der Literaturadaption besteht bei der Verfilmung einer literarischen Vorlage „ein Wechsel vom typographischen zum kinematographischem Medium“, welcher in einem Bearbeitungsprozess auf mehreren Ebenen realisiert wird. Während sich beim Lesen der graphemischen Zeichen der Buchvorlage die Bedeutung im Akt der Rezeption durch die Lesenden realisiert, muss die Filmadaption direkt Information erzeugen durch vertonte Bilderfolgen mit visuell wahrnehmbar handelnden Personen. Während durch Literatur Information nur durch die Sprache übermittelt wird, ist die „Struktur der kinematographischen Information […] ein Kompositum aus Elementen unterschiedlicher Qualitäten“. Neben der narrativen Ebene existieren eine Vielzahl audiovisueller Elemente. Im Roman erfolgt die Narration in der Regel durch eine Erzählstimme oder -person, welche die Handlung voranbringt, Hintergründe beleuchtet, verknüpft, beschreibt und erklärt. Sie kann beispielsweise die Zeit durch Reflexionen anhalten oder auch durch Zusammenfassungen beschleunigen (siehe 3.2.). Des Weiteren können Informationen durch die Kameraeinstellung, die Perspektive (siehe 5), Ton und Musik, Beleuchtung und Requisite übermittelt werden. Auch die Schauspieler/innen vermitteln durch Gestik und Mimik die Charakteristika und Gefühle einer Person oder Situation direkt. In der Folge kann im Film in wenigen Augenblicken dargestellt werden, was in der literarischen Vorlage seitenlanger Beschreibungen bedurfte, zum Beispiel bei Landschaftsdarstellungen (siehe 3.3.). Die Funktion der Erzählenden übernimmt im Film in der Regel die Kamera.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Literaturverfilmung am Beispiel von Steinhöfels Kinderbuchreihe und Darlegung des Analysefokus auf den ersten Teil.
2 Unterschiede zwischen Buch und Film: Erläuterung der medien-spezifischen Differenzen hinsichtlich Zeit, Raum, Medium und der filmischen Umsetzung von Innenperspektiven.
3 Technische Aspekte der Filmanalyse: Darstellung der filmischen Erzählmittel wie Kameraperspektiven, Einstellungsgrößen und Kamerabewegungen als theoretische Basis für die Analyse.
4 Filmanalyse und Vergleich „Rico, Oskar und die Tieferschatten: Praktische Anwendung der Analyse durch eine tabellarische Gegenüberstellung der Handlung sowie Untersuchung der filmischen Mittel zur Darstellung von Ricos Weltsicht.
5 Konklusion und Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Filmadaption, die als gelungene Übertragung unter Berücksichtigung der kindlichen Wahrnehmung und unter Beibehaltung der literarischen Essenz gewürdigt wird.
Schlüsselwörter
Filmanalyse, Literaturadaption, Rico, Oskar und die Tieferschatten, Andreas Steinhöfel, Kameraeinstellung, Kameraperspektive, Kinderfilm, Medienwechsel, Tiefbegabung, Erzählzeit, Bildsprache, Adaption, Filmtechnik, Montage, Rezeption.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die filmische Umsetzung des Romans „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ und vergleicht die mediale Gestaltung der Geschichte im Buch und im Film.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die theoretischen Unterschiede zwischen Literatur und Film, technische Aspekte der Filmanalyse (Kamera, Licht, Montage) sowie die Darstellung von Innenperspektiven und subjektiver Wahrnehmung im Kinderfilm.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu untersuchen, mit welchen Mitteln die kinematografische Adaption die literarische Vorlage umsetzt und wo Gemeinsamkeiten oder Unterschiede im Handlungsaufbau liegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Filmanalyse angewandt, die auf einer theoretischen Fundierung der filmischen Mittel basiert und durch eine vergleichende Sequenzprotokollierung ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt theoretische Unterschiede zwischen Medium und Zeit im Film, technische Grundlagen wie Perspektiven und Bewegungen sowie die konkrete Analyse des Films im Vergleich zur Romanvorlage.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Filmanalyse, Literaturadaption, Kameraführung, kindliche Weltsicht und die mediale Umsetzung von Innenperspektiven.
Warum spielt die Kameraperspektive in dieser Arbeit eine besondere Rolle?
Die Perspektive ist entscheidend, um die „tiefbegabte“ Weltsicht von Rico für junge Zuschauer nachvollziehbar zu machen und eine Identifikation mit der kindlichen Hauptfigur zu ermöglichen.
Wie unterscheidet sich die Darstellung von Ricos Innenwelt zwischen Buch und Film?
Während das Buch auf ein Tagebuch setzt, nutzt der Film visuelle Mittel wie Animationen, Montage und Tonaufnahmen, um Ricos komplexe Gedankenwelt zu visualisieren.
- Arbeit zitieren
- Janin Reitze (Autor:in), 2016, Verfolgungsjagden. Die Konkurrenz zwischen Literatur und Film anhand von Andreas Steinhöfels "Rico, Oskar und die Tieferschatten", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/462495