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Systemtheoretischer Begriff der Öffentlichkeit: Öffentlichkeit und öffentliche Meinung als Medium der Kommunikation

Title: Systemtheoretischer Begriff der Öffentlichkeit: Öffentlichkeit und öffentliche Meinung als Medium der Kommunikation

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 25 Pages , Grade: 1

Autor:in: Martin Rafailidis (Author)

Communications - Theories, Models, Terms and Definitions
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Spricht man von der Öffentlichkeit, ist damit zumeist die Akkumulation von Meinungen einer Vielzahl von Mitgliedern einer Gesellschaft gemeint. Diese Öffentlichkeit ist nicht immer sichtbar – sie ist latent vorhanden. Kommt es z.B. in der Politik zu einem Skandal, so bricht die Öffentlichkeit aus ihrem Schattendasein hervor und „äußert“ sich. Die öffentliche Meinung dient damit als Absicherungsmechanismus, der Fehlentscheidungen kritisiert und in der Folge korrigiert.
In einem alltäglichen Verständnis klingt das plausibel. Sieht man genauer hin, erkennt man jedoch, dass unter Öffentlichkeit noch mehr verstanden wird: Dies reicht über ein rechtliches Verständnis, das den Zugang zu bestimmten (öffentlichen) Orten meint, über kommunikationswissenschaftliche bis hin zu psychologischen und soziologischen Ansichten und Modellen. Dabei wird beispielsweise die Öffentlichkeit als Maßstab/Kontrollinstanz für die Psyche des Einzelnen gesehen oder auch als Diskurs zur Einsicht zum Besseren. Sehr häufig wird Öffentlichkeit auch als etwas gesehen, das durch die Massenmedien erst erzeugt oder doch zumindest durch sie „manipuliert“ wird. Doch welche Öffentlichkeit ist jetzt „die Öffentlichkeit“?
Öffentlichkeit bildet keine Einheit. Die Systemtheorie versteht sie als systeminterne Umwelt der gesellschaftlichen Teilsysteme und zwar der Funktionssysteme Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, etc. oder auch der Organisationen und der gesellschaftlichen Interaktionen. Kein System - gerade auch nicht die Politik – hat die Möglichkeit, exklusiven Anspruch auf öffentliche Kommunikation zu erheben. Eine Folge davon ist jedoch auch, dass Aufmerksamkeit zum zentralen Problem wird. Wenn jeder sagen kann, was er will, hört bald niemand mehr zu.
Ziel dieser Arbeit ist es, den systemtheoretischen Begriff von Öffentlichkeit bei Niklas Luhmann darzustellen, um damit die Voraussetzungen zu schaffen für eine sinnvolle Systematisierung der unterschiedlichen "Öffentlichkeiten". Öffentlichkeit wird dabei als Medium verstanden, mit dessen Hilfe - trotz hoher Unwahrscheinlichkeit - dennoch Aufmerksamkeit und damit Anschlusskommunikation für die (jeweilige) öffentliche Kommunikation der Teilsysteme der Gesellschaft sichergestellt wird. Mit Hilfe systemtheoretischer Prämissen lassen sich dann Begriffsverwirrungen in Bezug auf das, was jeweils mit „Öffentlichkeit“ gemeint ist, klären.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. BEGRIFFLICHE VORBESTIMMUNGEN

2.1 Wo zeigt sich die Öffentlichkeit?

2.2 Die Beobachtung und die Beobachtung von Beobachtern

3. ÖFFENTLICHKEITSBEGRIFF BEI LUHMANN

3.1 Öffentlichkeit als systeminterne Umwelt der gesellschaftlichen Teilsysteme

3.2 Öffentliche Kommunikation der gesellschaftlichen Funktionssysteme

3.3 Das Medium der Öffentlichkeit

4. AUSPRÄGUNGEN ÖFFENTLICHER KOMMUNIKATION

4.1 Die Massenmedien als Formgeber einer Realität zweiter Ordnung

4.2 Die Selbstbeobachtung der Politik durch die öffentliche Meinung

4.3 Öffentliche Meinung und die Bereitstellung von Aufmerksamkeit

5. SCHLUSS

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, den systemtheoretischen Öffentlichkeitsbegriff von Niklas Luhmann darzustellen, um die Voraussetzungen für eine sinnvolle Systematisierung unterschiedlicher „Öffentlichkeiten“ in der modernen Gesellschaft zu klären. Dabei wird untersucht, wie Öffentlichkeit als ein Medium fungiert, das trotz hoher Unwahrscheinlichkeit Aufmerksamkeit generiert und Anschlusskommunikation für gesellschaftliche Teilsysteme sicherstellt.

  • Systemtheoretische Perspektive auf den Öffentlichkeitsbegriff
  • Die Rolle von Beobachtung erster und zweiter Ordnung
  • Funktion der Massenmedien als Konstrukteure einer Realität zweiter Ordnung
  • Selbstbeobachtung der Politik durch öffentliche Meinung
  • Interdependenz von Aufmerksamkeit, Medium und Kommunikation

Auszug aus dem Buch

3.3 Das Medium der Öffentlichkeit

So wie Luft und Licht Bedingungen für akustische und optische Wahrnehmung und damit letztlich auch für Sprache sind, ist Sprache wiederum Bedingung für Kommunikation. Solche Bedingungen stellen das Medium dar, das als eine lose Verknüpfung von Elementen verstanden werden kann. Im Medium lassen sich nun durch die enge Verknüpfung der losen Elemente, Formen bilden. Man kann also zwischen dem Medium als eine lose Verknüpfung von Elementen und der Form, als eine rigide Verknüpfung dieser Elemente unterscheiden (Luhmann 1992, WdG, S.53). Dabei wären im Medium der Sprache Worte zu verstehen als lose gekoppelte Elemente, die zusammengefügt zu Sätzen, Formen bilden können. Denken und Kommunizieren ist dann letztlich ein laufendes Verbinden der lose gekoppelten Elemente zu Formen. Das Medium wird dabei nicht aufgebraucht, sondern steht für weitere Kopplungen zur Verfügung (ebd. S.54).

Allerdings ist das Medium nur dann vorhanden, wenn es auch Systeme gibt, welche es benutzen. Licht ist als Medium der Wahrnehmung nur dann relevant, wenn es durch einen Wahrnehmungsapparat wahrgenommen wird. Insofern wird das Medium (egal ob Wahrnehmungs- oder Kommunikationsmedium) von den Systemen, die es benutzen erst erzeugt, in dem es Anwendung findet. So ist Sprache als Medium der Kommunikation auch nicht ohne die sie verarbeitenden Systeme zu verstehen. Das Medium wird produziert und reproduziert sich im Laufe der Autopoiesis des Systems, also von Gedanke zu Gedanke und von Kommunikation zu Kommunikation.

Durch die Kopplung und Entkopplung der Elemente verändert sich das Medium laufend. Das Koppeln einer Form erzeugt eine neue Form und macht die vorherige Form damit zum Medium. Bedingung ist nur, dass die Form zum Medium unterscheidbar ist (Luhmann 1992, WdG, S.54). Und dafür müssen die Formen nicht zwingend rational sein und auch nicht vollständig ausgebildet werden. Formen setzen sich gegenüber dem Medium durch, da sie durch ihre starre Selektivität auffallen (ebd. S.55).

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Die Einleitung umreißt die verschiedenen, oft intuitiven Verständnisse von Öffentlichkeit und führt in die systemtheoretische Perspektive ein, die Öffentlichkeit als systeminterne Umwelt begreift.

2. BEGRIFFLICHE VORBESTIMMUNGEN: Hier wird Luhmanns Ablehnung einer psychologischen oder "im Volk latenten" Öffentlichkeit dargelegt und der Begriff der Beobachtung (erster und zweiter Ordnung) als empirisches Anschauungsmaterial eingeführt.

3. ÖFFENTLICHKEITSBEGRIFF BEI LUHMANN: Dieses Kapitel erläutert, wie Öffentlichkeit als systeminterne Umwelt für Funktionssysteme dient und wie Beobachtung zweiter Ordnung dabei als Charakteristikum fungiert.

4. AUSPRÄGUNGEN ÖFFENTLICHER KOMMUNIKATION: Die Analyse konzentriert sich auf die Funktion der Massenmedien als Formgeber und auf die öffentliche Meinung als Spiegel der Selbstbeobachtung für das politische System.

5. SCHLUSS: Die Arbeit fasst zusammen, dass Öffentlichkeit keine Entität ist, sondern eine notwendige Funktion zur Bereitstellung eines Mediums für die Selbstbeobachtung der Gesellschaft.

Schlüsselwörter

Systemtheorie, Öffentlichkeit, Öffentliche Meinung, Niklas Luhmann, Massenmedien, Beobachtung zweiter Ordnung, Kommunikation, Autopoiesis, System/Umwelt, Komplexitätsreduktion, Selbstbeobachtung, Aufmerksamkeit, Anschlusskommunikation, Konstruktion von Realität, Funktionssysteme.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den systemtheoretischen Begriff der Öffentlichkeit, insbesondere basierend auf den Theorien von Niklas Luhmann, und analysiert deren Funktion in der modernen Gesellschaft.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der systemtheoretischen Differenzierung zwischen System und Umwelt, der Rolle der Beobachtung zweiter Ordnung und der Funktion von Massenmedien sowie öffentlicher Meinung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den systemtheoretischen Öffentlichkeitsbegriff darzustellen, um die Voraussetzungen für eine systematische Einordnung der verschiedenen „Öffentlichkeiten“ innerhalb der Funktionssysteme der Gesellschaft zu schaffen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine systemtheoretische Analyse angewandt, die auf der Unterscheidung zwischen System und Umwelt sowie der Beobachtung von Beobachtern (Beobachtung zweiter Ordnung) basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil behandelt die begrifflichen Vorbestimmungen (Beobachtung), den spezifischen Luhmannschen Öffentlichkeitsbegriff und die Ausprägungen durch Massenmedien und öffentliche Meinung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den zentralen Begriffen zählen Systemtheorie, Öffentlichkeit, Beobachtung zweiter Ordnung, Massenmedien und Selbstreferentialität.

Wie unterscheidet sich Luhmanns Ansatz vom klassischen Verständnis der öffentlichen Meinung?

Während klassische Ansätze öffentliche Meinung oft als Akkumulation von Gedanken einzelner Menschen im Volk begreifen, sieht Luhmann sie als ein rein kommunikatives Phänomen und ein Medium der Selbstbeobachtung der Gesellschaft.

Warum spielt die Unterscheidung von Medium und Form eine zentrale Rolle?

Sie ist essentiell, um zu verstehen, wie Kommunikation in der Öffentlichkeit stattfindet: Das Medium (z. B. Öffentlichkeit) bietet lose gekoppelte Elemente, aus denen durch rigide Selektion Formen (z. B. Nachrichten, Berichte) entstehen, die Aufmerksamkeit binden.

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Details

Title
Systemtheoretischer Begriff der Öffentlichkeit: Öffentlichkeit und öffentliche Meinung als Medium der Kommunikation
College
LMU Munich  (Institut für Kommunikationswissenschaften)
Course
Theorien der Öffentlichkeit
Grade
1
Author
Martin Rafailidis (Author)
Publication Year
2003
Pages
25
Catalog Number
V46254
ISBN (eBook)
9783638434874
ISBN (Book)
9783638802420
Language
German
Tags
Systemtheoretischer Begriff Meinung Medium Kommunikation Theorien
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Martin Rafailidis (Author), 2003, Systemtheoretischer Begriff der Öffentlichkeit: Öffentlichkeit und öffentliche Meinung als Medium der Kommunikation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46254
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