In dieser Arbeit soll untersucht werden, wie bisher existierende Theorien das Zustandekommen von Interesse erklären und was für einen Einfluss das Interesse auf das menschliche Lernen hat. Dabei soll auch auf die Konsequenzen für den praktischen Unterricht bzw. das praktische Lernen eingegangen werden.
Die Bedeutung von Interessen für das schulische Lernen ist ein altes Thema der pädagogischen Psychologie. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts etablierte sich eine empirisch-pädagogische Forschung, die sich mit dem Thema Interesse, Lernen und Leistung auseinander setzte. Jedoch gelang es der frühen Interessenforschung nicht, den vielfältigen alltagssprachlichen Interessenbegriff durch wissenschaftliche Kategorien zu ersetzen.
Deshalb verzichtete man in der Psychologie des Lehrens und Lernens immer häufiger auf den Interessenbegriff und verwendete statt dessen andere, nämlich motivationale bzw. emotionale Konzepte, um einzelne Aspekte des Lerngeschehens präziser erfassen zu können. Erst seit Mitte der achtziger Jahre ist ein Aufschwung der pädagogisch-psychologischen Interessenforschung zu verzeichnen, da auch die motivationalen Konzepte nicht alle Aspekte des Lernens ausreichend erklären konnten.
Es besteht weitgehend Konsens darüber, dass Interessen eine zentrale motivationale Komponente im schulischen Lehr-/Lerngeschehen darstellen. Auch wird konstatiert, dass fachliche Interessen für die Vorhersage und Erklärung von Leistungsunterschieden in Schule und Studium einen signifikanten Beitrag liefern. Außerdem werden Interessen im Zusammenhang mit der Schule deshalb positiv eingeschätzt, weil sie einen leistungsfördernden Einfluss haben. In dieser Arbeit geht es deshalb um die positive Auswirkung von Interesse auf das Lernen und um das wünschenswerte Resultat Interesse durch das Lernen.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung
1.1 Interessenbegriff
1.2 Fragestellung
2. Person-Gegenstands-Theorien
2.1 Ein Rahmenkonzept intrinsischer Motivation
2.2 Modell der Wirkungsweise von Interesse
3. Äußere Einflussfaktoren der Interessengenese
3.1 Situationales Interesse
3.2 Mögliche Formen der Entstehung situationalen Interesses
4. Einfluss des Interesses auf Lernen und Leistung
4.1 Zusammenhang zwischen individuellen Interessen und bewerteter Leistung
4.2 Zusammenhang von individuellem Interesse und Wissensstruktur
4.3 Einfluss situationaler Interessen auf die schulische Leistung
4.4 Einfluss situationaler Interessen auf die Wissensstruktur
5. Folgerungen für das praktische Lernen
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Interesse für den Lernprozess und die akademische Leistung, indem sie sowohl die theoretischen Grundlagen der Entstehung von Interesse als auch deren praktische Auswirkungen auf das Lernen analysiert.
- Erforschung der theoretischen Fundamente von Interessenmodellen (Person-Gegenstands-Theorien).
- Unterscheidung zwischen dispositionalen individuellen Interessen und situationalem Interesse.
- Analyse des Einflusses verschiedener Interessenformen auf die kognitive Wissensstruktur und die schulische Leistungsbewertung.
- Ableitung von Schlussfolgerungen für die Gestaltung einer lernwirksamen und interessenorientierten Unterrichtspraxis.
Auszug aus dem Buch
1.1 Interessenbegriff
Der Begriff des Interesses ist sehr vielschichtig. Im deutschen Wörterbuch der Gebrüder Grimm von 1877 wird Interesse definiert als den „antheil, den wir an einer sache nehmen: interesse wird das wohlgefallen genannt, das wir mit der vorstellung der existenz eines gegenstandes verbinden.“ In einer zweiten Bedeutungsvariante der Gebrüder Grimm bezeichnet Interesse den „reiz einer sache, der unseren antheil hervorruft.“ Eine weitere allgemeine Definition des Interesses liefert Hans Schiefele nach der sich eine Person dann für etwas interessiert, wenn sie sich dem Gegenstand ihres Interesses mit der Geste der Wertschätzung nähert, der Bereitschaft, sich etwas sagen zu lassen, was sie noch nicht wusste, der Erwartung, im Umgang mit der Sache, um die es geht, Spannung, Überraschung und Befriedigung zu erleben, mit der Freude, Neues zu entdecken und der Hoffnung, dass das Ergebnis schließlich allen Einsatz lohnt.
Die historischen Interessendefinitionen von Piaget und Kerschensteiner dagegen haben eine pädagogische Ausrichtung. Für Piaget sind Interessen, „wenn das Ich sich mit einer Idee oder einem Objekt identifiziert, wenn es darin ein Ausdrucksmittel findet und sie zu einem notwendigen Stoff für seine Aktivität werden.“ Somit ist Interesse der dynamische Aspekt der Assimilation. Für Kerschensteiner jedoch sind Interessen auf Gegenstände bezogen und mit Handlungstendenzen, Aufmerksamkeit und Gefühlen verbunden. Sie sind mit Werten eng verknüpft und beinhalten eine dauerhafte Beschäftigung mit dem Gegenstand.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung: Dieses Kapitel führt in die Vielschichtigkeit des Interessenbegriffs ein und definiert die zentrale Fragestellung bezüglich des Einflusses von Interesse auf das menschliche Lernen.
2. Person-Gegenstands-Theorien: Hier werden theoretische Rahmenkonzepte intrinsischer Motivation sowie das Modell der Wirkungsweise von Interesse erläutert, um die inneren Prozesse der Interessengenese zu verstehen.
3. Äußere Einflussfaktoren der Interessengenese: Dieses Kapitel befasst sich mit der Entstehung von situationalem Interesse durch äußere Anreize und diskutiert verschiedene Formen, wie durch didaktische Gestaltung Interessen geweckt werden können.
4. Einfluss des Interesses auf Lernen und Leistung: Der Hauptteil analysiert empirische Zusammenhänge zwischen sowohl individuellen als auch situationalen Interessen und deren Wirkung auf die schulische Leistungsbewertung sowie die kognitive Wissensstruktur.
5. Folgerungen für das praktische Lernen: Basierend auf den theoretischen Erkenntnissen werden Schlussfolgerungen für die pädagogische Praxis abgeleitet, wobei die Möglichkeiten und Grenzen einer aktiven Interessenförderung im Unterricht diskutiert werden.
6. Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse der Arbeit, insbesondere der Bedeutung von Interesse für den Wissenserwerb und der Notwendigkeit weiterführender Forschung für konkrete Handlungsempfehlungen.
Schlüsselwörter
Interesse, intrinsische Motivation, Person-Gegenstands-Beziehung, Lernen, Wissensstruktur, situationales Interesse, Leistungsbewertung, pädagogische Psychologie, Persistenz, Selektivität, Selbststeuerung, kognitive Diskrepanz, Interessengenese, Unterrichtsgestaltung, Wissenserwerb.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit widmet sich einer Bestandsaufnahme der wissenschaftlichen Erkenntnisse über das Phänomen „Interesse“ und dessen zentrale Rolle für den schulischen und allgemeinen Lernprozess.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Interesse, der Erklärung seiner Entstehung durch interne und externe Faktoren sowie der Untersuchung seiner leistungsfördernden Effekte auf Lernen und Wissensaufbau.
Welche Forschungsfrage steht im Mittelpunkt?
Die Arbeit untersucht, wie existierende Theorien das Zustandekommen von Interesse erklären und welchen konkreten Einfluss dieses Interesse auf das menschliche Lernen und die daraus resultierenden Konsequenzen für den Unterricht hat.
Welche wissenschaftlichen Ansätze oder Methoden werden verwendet?
Es erfolgt eine theoretische Analyse auf Basis pädagogisch-psychologischer Forschungsliteratur, unter Einbezug von Modellen der intrinsischen Motivation sowie Metaanalysen zu empirischen Studien über den Zusammenhang von Interesse und Leistung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Person-Gegenstands-Theorien), die Betrachtung äußerer Einflussfaktoren (situationales Interesse) und die detaillierte Analyse der Auswirkungen auf schulische Leistung und kognitive Wissensstrukturen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind neben „Interesse“ und „intrinsische Motivation“ auch „Persistenz“, „Selektivität“ sowie die Unterscheidung zwischen „situationalem“ und „individuellem“ Interesse.
Warum ist das "situationale Interesse" für den Lehrer besonders relevant?
Das situationale Interesse ist deshalb relevant, weil es im Gegensatz zum stabilen individuellen Interesse kurzfristig durch didaktische Gestaltung, abwechslungsreichen Unterricht und gezielte Motivierungsmethoden im Lernprozess geweckt werden kann.
Gibt es praktische Tipps, wie man Interessen im Unterricht fördert?
Die Arbeit betont, dass Interessen nicht direkt „herstellbar“ sind, rät jedoch dazu, Lernumgebungen zu schaffen, die Autonomie und Kompetenzerleben fördern, Zwänge minimieren und durch eine interessante Aufbereitung des Stoffes Neugier wecken.
Was ist das Ergebnis der Untersuchung zum Einfluss von Interesse auf die Leistung?
Es zeigt sich ein generell positiver Zusammenhang zwischen Interesse und Lernerfolg, wobei die Stärke dieses Effekts jedoch von Moderatorvariablen wie dem Alter der Lernenden und dem Geschlecht abhängig ist.
- Arbeit zitieren
- Mathias Bertsch (Autor:in), 2002, Welchen Einfluss hat Interesse auf das menschliche Lernen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/462562