Kinder können zunächst nichts dafür, daß sie in bestimmtem Alter so und nicht anders lernen; und zwar um so leichter und auch nachhaltiger, wenn man ihnen dafür die geeigneten (Lern-)Gelegenheiten gibt. Sie lernen am Vorbild ohne darüber nachzudenken, imitieren, spielen, verändern, legen sich ihre eigenen Regeln zurecht, wie es Charakter und angeborener Wissensdrang überwiegend ererbtermaßen vorgeben. Sie als Eltern, Übungsleiter und Trainer haben es seit Jahren mit vielen Kindern zu tun und wissen, wie unterschiedlich Kinder lernen, dh. Information wahrnehmen, sie verdauen (mehr oder weniger), und wie sie auf Kommandos, Tips, Anweisungen etc. ansprechen, wie die Trainer/innen es gerne haben würden (mehr oder weniger). Es ist dann oft erstaunlich, mit welcher ´Regelmäßigkeit` Kinder im Laufe ihrer Sportkarriere diese ihre eigene typische Art zu lernen beibehalten, als sei´s vorprogrammiert (ist es auch weitgehend), und man hört die Trainer schon ahnend sagen: „Paß auf, gleich kommt sie her und sagt: ´das geht doch gar nicht, das kann ich unmöglich so machen`“ ..., oder: „Och Mensch, i krieg dees oifach net hii“; oder auch: „isch scho ok, aber dürft i´s ao mol soo probiera?“
Inhaltsverzeichnis
1. Wie lernen Kinder?
1.1 Kinder lernen mit dem Körper
1.2 Grundlagen des Lernens und der Wissensspeicherung
1.3 Transfer vom schulischen Lernen zum Eiskunstlaufen
1.4 Beispiele für ein eiskunstlauftypisches Training
1.5 Methodik und Trainingstechniken
1.6 Zusammenfassung der Erkenntnisse
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Kinder durch körperbezogene Erfahrungen und individuelle Lernansätze nachhaltig in sportlichen Kontexten gefördert werden können, mit einem besonderen Fokus auf die Übertragung dieser Prinzipien auf das Eiskunstlauftraining.
- Bedeutung von koordinativem und spielerischem Grundlagentraining in jungen Jahren.
- Die Rolle von Trainern bei der Individualisierung von Lernprozessen und der Motivation.
- Effektivität der "Zeitlupen-Methodik" und der Arbeit mit Longen bei der Sturzprophylaxe.
- Verbindung von athletischer Ausbildung mit tänzerisch-schauspielerischen Elementen.
- Einsatz von Videoanalysen zur Selbstreflexion und Bewusstseinsbildung.
Auszug aus dem Buch
Konkret auf ein eiskunstlauftypisches Beispiel angewendet:
Die Anlage eines Sprunges kann ja verschieden sein, z.B. Salchow aus Mohawk oder Außendreier, Flip ebenfalls aus Außendreier oder Mohawk usw. Es darf nicht sein, dass ein Schüler nicht alle mind. 3 Anlages des Toeloops springen kann. Das sind Elemente, die als stabile Bausteine lokker aneinander gebunden werden müßten. Diese Variabilität muss gelernt werden, nicht nur eine perfekte Anlage! Das führt in die Sackgasse! Genauso kann man als motorisches „Vielfalts-Spiel“ prinzipiell an jede korrekte Landung einen (Doppel-)Toeloop anschließen, wenn die Bausteine ´Sprung`, Landung und Toeloop verfügbar sind. Das muss ständiges Lernziel bleiben. Es soll also z.B. nicht nur 1 Kombi als spezielle Sensation monatelang eingeübt werden. In der gleichen Zeit hat man mehr ´Schubladen` zur Verfügung, kann besser die verschiedenen Elemente locker und unkomplizierter kombinieren, üben und leichter steuern, präzisieren und stabil realisieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Wie lernen Kinder?: Einleitende Betrachtung zur Bedeutung von Lerngelegenheiten und der frühen motorischen Entwicklung bei Kindern im sportlichen Kontext.
1.1 Kinder lernen mit dem Körper: Analyse der instinktiven Lernweise von Kindern und der Notwendigkeit, das eigene Bewusstsein aktiv in den Lernprozess einzubeziehen.
1.2 Grundlagen des Lernens und der Wissensspeicherung: Untersuchung der neuronalen Entwicklung und des Einflusses von Lernerfahrungen sowie der Bedeutung positiver emotionaler Speicherung.
1.3 Transfer vom schulischen Lernen zum Eiskunstlaufen: Diskussion darüber, wie universelle Lernprinzipien individuell auf die Anforderungen des Eiskunstlaufs übertragen werden können.
1.4 Beispiele für ein eiskunstlauftypisches Beispiel angewendet: Konkrete Anwendung von Variabilität in der Sprungtechnik und dem Aufbau technischer Bausteine.
1.5 Methodik und Trainingstechniken: Vorstellung der Zeitlupen-Methodik und der Wichtigkeit von moderner technischer Unterstützung wie Longenarbeit und Videoanalyse.
1.6 Zusammenfassung der Erkenntnisse: Synthese der wichtigsten methodischen Ansätze für eine ganzheitliche und nachhaltige Sportausbildung.
Schlüsselwörter
Eiskunstlauf, Sportwissenschaft, motorisches Lernen, Koordinationsfähigkeit, Lernmotivation, Zeitlupen-Methodik, Trainerkompetenz, Sturzprophylaxe, Bewegungslexikon, Variabilität, Selbstbewusstsein, athletisches Training, Langzeitlernen, Kindersport, psychomotorische Entwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den lernpsychologischen Grundlagen, wie Kinder motorische Fähigkeiten erwerben, und überträgt diese Erkenntnisse gezielt auf das moderne Eiskunstlauftraining.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Themen umfassen frühkindliches Lernen, die Bedeutung von Koordinations- und Balancetraining, die Rolle von Trainern bei der Individualisierung sowie die Integration von künstlerischen und technischen Elementen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Methoden aufzuzeigen, wie durch spielerische Ansätze und effizientes, individuelles Training eine langfristige Motivation und technische Brillanz bei jungen Athleten erreicht werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich primär um eine pädagogisch-sportwissenschaftliche Analyse, die lerntheoretische Universalien mit praktischen, sportartspezifischen Erfahrungen verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Verbindung von theoretischem Lernen mit praktischer Bewegung, die Wichtigkeit der Variabilität in der Technik und den Einsatz unterstützender Tools wie Videoanalysen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören insbesondere motorisches Lernen, Bewegungslexikon, Zeitlupen-Methodik, Koordination und das Zusammenspiel von Vererbtem und Erlerntem.
Warum ist die "Zeitlupen-Methodik" laut dem Autor so wichtig?
Sie gilt als zeitsparend und erfolgversprechend, da sie durch gezielte Longe-Arbeit das korrekte neuronale Programm für Bewegungsabläufe einprägt und "Herausboxen" falscher Techniken vermeidet.
Welche Rolle spielt die psychische Komponente beim Sprungtraining?
Die psychische Kopfsteuerung ist essenziell, um Sturz- oder Schmerzvermeidungsaktionen zu überwinden und ein stabiles, angstfreies technisches Fundament zu bilden.
Inwiefern beeinflusst die moderne "Reizüberflutung" den Lernprozess?
Der Autor weist darauf hin, dass eine Überlastung durch zu viele audiovisuelle Reize in jungen Jahren die Informationsaufnahme stören kann, was sich in einer steigenden Zahl psychomotorischer Defizite widerspiegelt.
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- Udo von Grabowiecki (Autor), 2001, Wie lernen Kinder? Kinder lernen mit dem Körper, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/462990