Dem Ende des Werkes „Maria Stuart“ zufolge stirbt die schottische Königin Maria und die englische Königin Elisabeth erreicht ihr langersehntes Ziel der alleinigen Thronherrschaft. Doch bereits innerhalb der Handlung werden feste Machtstrukturen aufgehoben und verschiedene Arten der Macht herauskristallisiert. Aus diesem Grund stellt sich die Frage, inwiefern eine Königin mächtiger als die andere war und welche externen Machteinflüsse das Geschehen anregen.
Zu diesem Zwecke wird zunächst Heinrich Popitz’ Machtdefinition erläutert. Darauf folgt der Höhe- und Wendepunkt des Dramas: Das Zusammentreffen der Rivalinnen Maria und Elisabeth. Dabei wird unter anderem der Dialog der Königinnen und seine Strukturen mit Hilfe der vorausgehenden theoretischen Grundlage vorgeführt, aber auch handlungsleitende Elemente wie die Regieanweisung analysiert. Den externen Rollen wird ein eigenes Kapitel gewidmet in dem nochmals fokussierter das Einflussvermögen der Männerwelt auf die Macht der Frauen thematisiert werden soll. Abschließend wird die Arbeit mit einem Fazit rekapituliert, worin auch die Aufarbeitung des Maria Stuart- Stoffes und die Veränderung seitens Friedrich Schillers aufgezeigt wird.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Begriff der Macht nach Heinrich Popitz
2.1 Grundformen der Macht
2.2 Durchsetzungsformen der Macht
3 Die Rivalität der Königinnen
3.1 Die Rivalität und die Macht
3.2 Der Dialog und ihre Struktur: Macht und Ohnmacht
4 Die liebenden Männer zwischen der Rivalität der Königinnen
4.1 Graf von Leicester
4.2 Mortimer
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht auf Grundlage der Machtdefinition von Heinrich Popitz, inwiefern eine Machtasymmetrie zwischen den Protagonistinnen Maria Stuart und Elisabeth I. in Schillers gleichnamigem Drama besteht und welche Rolle dabei externe Machteinflüsse durch männliche Figuren spielen.
- Analyse des Machtbegriffs nach Heinrich Popitz (Grund- und Durchsetzungsformen).
- Untersuchung der Rivalität zwischen Maria Stuart und Elisabeth I.
- Analyse der Struktur von Macht und Ohnmacht im zentralen Dialog (Szene III. 4).
- Einordnung der männlichen Figuren (Leicester, Mortimer) als Einflussfaktoren auf die Machtdynamik.
- Kontrastierung von politischer Macht und menschlicher Menschlichkeit.
Auszug aus dem Buch
3.2 Der Dialog und ihre Struktur: Macht und Ohnmacht
„Mag Schiller [...] den Rivalinnenkampf zunächst selber als schlechthin unköniglich, ‚an sich selbst moralisch’ unmöglich, empfunden haben, so machte er gerade aus dieser moralisch- vergänglichen Not eine zeitüberdauernde künstlerische Tugend.“
Die Begegnung der Königinnen in der Szene III. 4. wird zum Höhe- und Wendepunkt des ganzen Geschehens, welches eines der Erfindungen Schillers bezüglich des wirklichen Geschehens in der Geschichte darstellt. Arrangiert wurde dieses Treffen von Leicester, der seine Schmeichelkunst einsetzt, um der eitlen und unsicheren Elisabeth einzureden:
„- Die Freude wünscht ich mir, ich berg es nicht, Wenn es ganz ingeheim geschehen könnte, Der Stuart gegenüber dich zu sehen! Dann solltest du erst deines ganzen Siegs Genießen!“
Elisabeth ist nun auf das Treffen, welches als Zufälligkeit erscheinen soll, moralisch vorbereitet und sieht sich durch Leicesters Überredungskunst in ihrer Macht als Regierende und Frau überlegen. Maria hingegen wird durch die neu gewonnene Freiheit im Park kurzzeitig in eine Hochstimmung versetzt. Allerdings erfährt sie von dem Dasein der Königin und beklagt: „O warum hat man mich nicht vorbereitet! Jetzt bin ich nicht darauf gefasst, jetzt nicht“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Macht im Drama „Maria Stuart“ und Vorstellung des theoretischen Rahmens sowie der Zielsetzung der Arbeit.
2 Der Begriff der Macht nach Heinrich Popitz: Theoretische Herleitung des Machtbegriffs sowie dessen Grund- und Durchsetzungsformen zur Vorbereitung der literaturwissenschaftlichen Analyse.
2.1 Grundformen der Macht: Detaillierte Betrachtung der vier von Popitz formulierten Grundformen der Macht (Aktions-, instrumentelle, innere und datensetzende Macht).
2.2 Durchsetzungsformen der Macht: Erläuterung spezifischer Mechanismen wie Gewalt, Drohung und Autoritätsbindung als Mittel zur Machtausübung.
3 Die Rivalität der Königinnen: Untersuchung des Konkurrenzkampfes zwischen Maria und Elisabeth unter besonderer Berücksichtigung ihrer unterschiedlichen Machtpotenziale.
3.1 Die Rivalität und die Macht: Analyse der Ursachen der Rivalität im Kontext der Herrschaftsansprüche und der gesellschaftlichen Wahrnehmung der Königinnen.
3.2 Der Dialog und ihre Struktur: Macht und Ohnmacht: Ausführliche Analyse des zentralen Zusammentreffens der Königinnen als Höhepunkt und Spiegel der Machtasymmetrie.
4 Die liebenden Männer zwischen der Rivalität der Königinnen: Untersuchung der Rolle von Leicester und Mortimer und deren Einfluss auf die Machtkonstellation zwischen den Frauen.
4.1 Graf von Leicester: Analyse der Rolle Leicesters als Intrigant, der durch Manipulation der Königinnen eigene machtpolitische Interessen verfolgt.
4.2 Mortimer: Betrachtung der Figur Mortimers als radikaler Gegenspieler, dessen Leidenschaft für Maria Stuart maßgeblich das Geschehen beeinflusst.
5 Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Ausgangsfrage und Reflexion über die Machtverteilung und das Ende des Trauerspiels.
Schlüsselwörter
Friedrich Schiller, Maria Stuart, Heinrich Popitz, Macht, Ohnmacht, Rivalität, Elisabeth I., Königinnen, Herrschaft, Durchsetzungsformen, Weiblichkeit, Politik, Männerwelt, Intrige, Drama
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht das Machtgefüge und die Rivalität zwischen den beiden Königinnen Maria Stuart und Elisabeth I. im gleichnamigen Drama von Friedrich Schiller unter Anwendung der machttheoretischen Konzepte von Heinrich Popitz.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen umfassen die Machtphilosophie nach Popitz, die psychologische und politische Konkurrenz zwischen den beiden weiblichen Hauptfiguren sowie die Rolle der männlichen Protagonisten als Einflussfaktoren auf dieses Machtgefüge.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt danach, inwiefern eine der Königinnen im Verlauf des Dramas machtvoller als die andere agiert und welche externen, insbesondere männlich gesteuerten Machteinflüsse dieses Geschehen maßgeblich vorantreiben.
Welche wissenschaftliche Methode wird für die Analyse verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse des Dramas vorgenommen, die durch eine soziologische theoretische Grundlage (Popitz' Machtdefinition) ergänzt wird, um die Interaktionen der Charaktere systematisch zu deuten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen nach Popitz erläutert. Danach folgt die Analyse der Rivalität, des zentralen Dialogs der Königinnen sowie der Rollen von Leicester und Mortimer als Akteure zwischen den Fronten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Aktionsmacht, innere Macht, Autoritätsbindung, Ambivalenz der Charaktere, Symmetrie des Aufbaus und das Spannungsfeld zwischen Weiblichkeit und politischer Herrscherrolle.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des Dialogs in Szene III. 4?
Der Dialog wird als entscheidender Höhe- und Wendepunkt des Dramas identifiziert, in dem die politische Machtebene in eine persönliche Ebene kippt, was zum Scheitern der Versöhnungsversuche und zum endgültigen Auseinanderdriften der Rivalinnen führt.
Welchen Einfluss haben Leicester und Mortimer auf die Machtverhältnisse?
Leicester und Mortimer werden als Figuren analysiert, die durch ihre eigenen Interessen (Intrige, Leidenschaft) die Handlung maßgeblich steuern. Sie benutzen die Königinnen für ihre Ziele, verstärken damit jedoch ungewollt das Machtdilemma und tragen zur Katastrophe des Stücks bei.
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- Anonym (Autor), 2016, Die Königinnen im Blick. Macht und Ohnmacht in Schillers "Maria Stuart", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463114