„Meinen Sie nicht, daß ich der Mädchen endlich zu viel mache? Sara! Minna! Emilia!“, fragte Lessing den Freund Johann Wilhelm Ludwig Gleim im Brief vom 22. März 1772 . Der Dramatiker G.E. Lessing stellte in seinen zahlreichen Bühnenwerken Frauenfiguren in den Mittelpunkt. Dabei benannte er sie sogar nach ihnen und reformierte mit seinen Schriften nicht nur das deutsche Theater, sondern kristallisierte ein erst auf dem zweiten Blick erscheinendes, ambivalentes Frauenverständnis des 18.Jahrhunderts. Die Zeit der Aufklärung als Zeitalter des Strebens nach einer neuen Weltordnung ohne Unterdrückung von Minderheiten, mit Aufhebung der Ständegesellschaft und Akzeptanz einer „ewige[n] Gerechtigkeit, die in der Natur begründete[n] Gleichheit(...)“ liegt, prägte die Literatur dieses Jahrhunderts. Dennoch herrscht bis heute eine Auseinandersetzung mit den Geschlechterrollen und besonders mit der Frage der Emanzipation der Frau aus den vorgegeben Ehr- bzw. Tugendvorstellungen. Sogar in Deutschland, einem demokratischen und sozialen Land, werden Morde an Frauen im Namen der Ehre ausgeführt.
Selbst die literarische Epoche des 18. Jahrhunderts als Prototyp gesellschaftlicher Umwälzung thematisiert dabei widersprüchlich die Frau zwischen ihren individuellen, emotionalen Bestrebungen und ihrer gleichzeitigen Gebundenheit an die bürgerlichen Tugenden einer ehrenhaften Frau. Auch Lessing scheint ein „Ideal einer frommen, gehorsamen, hingebungsvollen Frau, deren wichtigste Eigenschaft die Tugend ist(...)“ zu vertreten, gibt aber seinen weiblichen Protagonisten, wie auch im bürgerlichen Trauerspiel Emilia Galotti aus dem Jahre 1772, subjektive Handlungsspielräume. Den Zwiespalt zwischen Sinnlichkeit und Moral, in dem Emilia gefangen ist, verdeutlicht Lessing nicht zuletzt durch das Konzept eines „gemischten Charakters“. Diese Ambivalenz soll in der vorliegenden Arbeit auf Grundlage des Werkes Emilia Galotti durchleuchtet werden: Ist Emilia ein Opfer des Ehrbegriffs des 18. Jahrhunderts oder verkörpert sie die Anfänge der Emanzipation des weiblichen Individuums? Hierfür ist es notwendig, den Ehrbegriff der Epoche einzugrenzen, um ihn anschließend im vorliegenden Werk analysieren zu können. Das Hauptanliegen der Arbeit bildet die Hervorhebung der differenten Rollen, die Emilia einnimmt, und ihr Kontrast zu Orsina. Abschließend folgt ein Fazit, welches die Problematik des Frauenbildes im 18. Jahrhundert in Emilia Galotti zusammenfasst.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Der Ehrbegriff im 18. Jahrhundert
- Die weibliche Ehre
- Die Ehre und Tugendhaftigkeit der Frau in „Emilia Galotti“
- Emilia Galotti: Der menschliche, Engel'.
- Zwiespalt zwischen innerem Begehren und Repräsentation des Ehrbegriffes …...
- Orsina: Kontrastfigur zu Emilia Galotti......
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit analysiert die Figur der Emilia Galotti im Kontext des bürgerlichen Trauerspiels von G.E. Lessing und beleuchtet dabei die Frage, ob sie ein Opfer des Ehrbegriffs des 18. Jahrhunderts ist oder bereits Aspekte der weiblichen Emanzipation verkörpert.
- Der Ehrbegriff im 18. Jahrhundert und seine Bedeutung für Frauen
- Die Rolle der Ehre und Tugend in der Darstellung der Frau in Lessings „Emilia Galotti“
- Die Ambivalenz von Emilias Charakter zwischen innerem Begehren und gesellschaftlichen Erwartungen
- Der Kontrast zwischen Emilia und Orsina als Repräsentantinnen unterschiedlicher Frauenbilder
- Die Problematik des Frauenbildes im 18. Jahrhundert in „Emilia Galotti“
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die Problematik des Frauenbildes im 18. Jahrhundert vor und führt in das Thema der Arbeit ein. Das erste Kapitel beschäftigt sich mit dem Ehrbegriff des 18. Jahrhunderts, wobei besonders die Bedeutung für Frauen und die gesellschaftlichen Erwartungen an deren Verhalten hervorgehoben werden. Der zweite Teil befasst sich mit der Figur der Emilia Galotti und analysiert ihre Rolle im Kontext der Ehrenvorstellungen des 18. Jahrhunderts. Dabei wird der Gegensatz zwischen Emilias innerem Begehren und den Anforderungen der gesellschaftlichen Moral dargestellt. Auch die Kontrastfigur Orsina wird in diesem Kapitel betrachtet. Abschließend wird die Problematik des Frauenbildes im 18. Jahrhundert im Kontext von „Emilia Galotti“ zusammengefasst.
Schlüsselwörter
Diese Arbeit fokussiert auf die Themen des Ehrbegriffs im 18. Jahrhundert, die Rolle der Frau im Kontext gesellschaftlicher Moral, die Ambivalenz von Emilias Charakter zwischen innerem Begehren und gesellschaftlichen Erwartungen, die Kontrastfigur Orsina und die Problematik des Frauenbildes in Lessings "Emilia Galotti".
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- Anonym (Autor), 2015, Emilia, (k)ein Opfer? Frauen als autonome Individuen oder Opfer des Ehrbegriffs im 18.Jahrhundert, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463115