Der Fokus der vorliegenden Untersuchung ist es, auf inhaltlicher Ebene zu ergründen, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede es bei dem Umgang mit Magie in den Vergleichswerken gibt. Dadurch soll eine Antwort auf die Frage gegeben werden, ob sich die Charakterisierung von Medea mit der differenzierten Rolle der Magie oder dem Götterglauben in ihrer Geschichte verändert.
Eine Figur, deren Geschichte seit der Antike in Literatur und nicht-literarischen Medien kontinuierlich wiedergegeben und neuinterpretiert wurde, ist Medea. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Charakterisierung der Figur Medea in verschiedenen Rezeptionswerken des Mythos. Als Vergleichsgrundlage wurden bewusst drei Werke ausgewählt, die sich in Gattung, Entstehungszeit und -ort deutlich voneinander unterscheiden und in ähnlicher Gestaltung einen differenzierten Umgang mit dem Mythosgeschehen üben: "Medea" (431 v. Chr.) von Euripides, "Médée" (1635, dt. Medea) von Pierre Corneille und "Medea. Stimmen." (1996) von Christa Wolf.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Einführung
1. Definition von Mythos
2. Das Verhältnis von Mythos und Göttlichkeit
3. Analyse
1. Euripides
2. Pierre Corneille
3. Christa Wolf
4. Zusammenfassung der Ergebnisse
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Charakterisierung der Medea-Figur in den Werken von Euripides, Pierre Corneille und Christa Wolf mit dem Fokus auf deren Umgang mit Magie und Göttlichkeit. Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Darstellung dieser Motive aufzudecken und zu ergründen, wie sich die Charakterisierung von Medea durch die Rolle der Magie oder den Götterglauben verändert.
- Vergleichende Analyse des Medea-Mythos in unterschiedlichen Epochen
- Rolle von Magie und übernatürlichen Kräften für die Charakterisierung
- Einfluss des Götterglaubens auf das Handeln und die Wahrnehmung der Figur
- Untersuchung der menschlichen versus göttlichen Natur Medeas
- Politische und gesellschaftliche Dimensionen der Medea-Rezeption
Auszug aus dem Buch
3.1 EURIPIDES
Euripides war der „dritte und letzte aus der klassischen Trias der attischen Tragiker (Aischylos, Sophokles, Euripides)“. Die genauen Eckdaten vom Leben des griechischen Autors sind nicht eindeutig nachweisbar, aber seine Geburt wird auf entweder 484/5 oder 480 v. Chr. vermutet. Er wurde auf der griechischen Insel Salamis geboren und war später in Athen tätig, bevor er 408 v.Chr. „wahrscheinlich aus Unzufriedenheit mit Publikum und Preisrichtern“ nach Pella in Makedonien ging, wo er auch im Jahr 406 v. Chr. verstarb. Es sind 19 vollständige Stücke unter seinem Namen erhalten und etwa 1300 Fragmente unterschiedlicher Länge. Er soll insgesamt 92 Dramen geschrieben haben, darunter 22 Tetralogien, welche aus jeweils drei Tragödien und einem Satyrspiel bestehen. Acht der erhaltenen Euripides-Tragödien tragen den Titel ihrer weiblichen Hauptfiguren, darunter auch Medea (431). Medea war Teil einer Tetralogie mit Philoktet, Der Netzfischer und dem Satyrspiel Die Schnitter. Im Aufführungsjahr dieser Tetralogie belegte Euripides jedoch nur den dritten und gleichzeitig letzten Platz im musischen Wettbewerb, seine Adaption des Mythos fiel also in den Augen des Zielpublikums durch.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung griechischer Mythen ein, stellt die Medea-Figur in ihrer vielfältigen Rezeptionsgeschichte vor und definiert den Fokus der Arbeit auf den Vergleich von Euripides, Corneille und Wolf.
2. Theoretische Einführung: Dieses Kapitel erläutert grundlegende Begriffe der Mythenforschung sowie das historisch gewachsene Verhältnis zwischen Mythos, Götterglauben und göttlichem Wirken.
3. Analyse: Die Analyse untersucht detailliert die Medea-Adaptionen von Euripides, Pierre Corneille und Christa Wolf und arbeitet die spezifischen Unterschiede in der Charakterisierung und Rollenverteilung heraus.
4. Zusammenfassung der Ergebnisse: Das abschließende Kapitel fasst die Untersuchungsergebnisse zusammen und resümiert die Wahrnehmung der drei unterschiedlichen Medea-Typen: die leidende, die rachsüchtige und die hintergangene Medea.
Schlüsselwörter
Medea, Mythos, Euripides, Pierre Corneille, Christa Wolf, Magie, Göttlichkeit, Rezeptionsgeschichte, Charakterisierung, Rache, Kindermord, Antike, Literaturwissenschaft, Götterglaube, Entmythologisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie die Medea-Figur in drei literarischen Werken unterschiedlicher Epochen dargestellt wird und welchen Einfluss Magie und Göttlichkeit auf ihre Charakterisierung haben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Medea-Mythos, die Rolle von Magie, der Götterglaube, die Rezeptionsgeschichte literarischer Stoffe sowie die psychologische und gesellschaftliche Konstruktion der Medea-Figur.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist ein inhaltlicher Vergleich der Werke von Euripides, Corneille und Wolf, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Umgang mit dem Medea-Mythos sowie die Veränderung ihrer Charakterisierung durch den Aspekt der Magie aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse und einen komparatistischen Werkvergleich auf Basis einschlägiger literaturtheoretischer Literatur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung und eine detaillierte Analyse der drei ausgewählten Vergleichswerke, wobei jeweils der Umgang mit dem Mythos, Magie und Göttlichkeit beleuchtet wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Medea, Mythos, Rezeptionsgeschichte, Magie, Göttlichkeit und Charakterisierung charakterisiert.
Inwiefern unterscheidet sich die Medea bei Christa Wolf von den anderen Versionen?
Im Gegensatz zu den antiken und klassischen Vorlagen wird Medea bei Wolf entmythologisiert; ihre besonderen Fähigkeiten werden nicht als übernatürliche Magie, sondern als heilerische Begabung dargestellt, die von politisch motivierten Gegnern als Waffe gegen sie instrumentalisiert wird.
Wie bewerten die Autoren die Rolle der Götter in den jeweiligen Werken?
Während bei Euripides die göttliche Ordnung noch direkt in das Geschehen eingreift, rückt der Götterglaube bei Corneille in den Hintergrund und wird bei Wolf weitgehend entmythisiert und als weltliches Konstrukt interpretiert.
- Citation du texte
- Jenny Spanier (Auteur), 2018, Die Rolle von Magie und Göttlichkeit für die Charakterisierung von "Medea", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463123