"Wir sind alle anders!" Rassismus und Ausgrenzung als Thema in der Grundschule (Unterrichtsentwurf 4. Klasse)


Unterrichtsentwurf, 2016
16 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Bedingungsanalyse
1.1 äußere Voraussetzungen
1.2 innere Voraussetzungen

2. Sachanalyse
2.1 Rassismus und Ausgrenzung
2.2 Rassismus bei Yalcin
2.3 Rassismus bei Memmi

3. Didaktische Analyse
3.1 Curricularer Kontext
3.2 Lernergebnisse
3.3 Lernkontext
3.4 Didaktische Begründung des Lerngegenstandes

4. Methodische Analyse und Lernprozess

5. Verlaufsplanung

6. Literaturverzeichnis:

7. Anhang

Arbeitsblatt Nr

Arbeitsblatt Nr.2

1. Bedingungsanalyse

1.1 äußere Voraussetzungen

Die geplante Unterrichtsstunde wird an eine Grundschule in Koblenz durchgeführt. Die ausgewählte Schule liegt in dem Stadtteil von Koblenz mit dem größten prozentualen Anteil an ausländischen Mitbürgern. Dem Gebiet werden einige negative Vorurteile auferlegt, da dort viele sozialschwache Familien wohnen1. Auch in den öffentlichen Medien gibt es kein Erbarmen für die Stadt. Koblenz steht auf Platz dreizehn der gefährlichsten Städte Deutschlands, mit hoher Kriminalitätsrate2.

1.2 innere Voraussetzungen

Die 4. Klasse, in der die Unterrichtsstunde durchgeführt werden soll, besteht aus 24 Schülerinnen und Schülern3. Dreizehn Mädchen und elf Jungen, alle zwischen neun und elf Jahren alt. Vier von ihnen mussten bis zum jetzigen Zeitpunkt eine Klassenstufe wiederholen. Neun Schülerinnen und sieben Schüler haben einen Migrationshintergrund. Da sie nicht alle in Deutschland aufgewachsen sind, haben sie teilweise starke Probleme mit dem Lesen, Schreiben und Lernen.

Die Klassenatmosphäre ist verbesserungsbedürftig. Oftmals kommt es zu Auseinander-setzungen zwischen Mädchen und Jungen, welche größtenteils der Klärung eines Lehrkörpers bedürfen. Es herrscht eine gespaltene Klassengemeinschaft.

Der Klassenraum wirkt klein und gedrängt, da an drei Wänden große Regale und Schränke mit Schulmaterialien stehen. Die Schüler sitzen an vier Sechsergruppentischen, männlich und weiblich gemischt.

Der Unterricht verläuft schleppend, da W1, W13, M3, M4, M8 und M10 eine Konzentrationsschwäche haben und somit immer wieder das Geschehen und das Lernverhalten der anderen Kinder stören. Sie haben Probleme selbstständig zu arbeiten.

Nur ein kleiner Teil der Klasse nimmt interessiert am Unterricht teil. Die Mitarbeit schwankt von starker Beteiligung, bis hin zur ungenügenden Anteilnahme.

W2, W4, W8 und M7 sind sehr selbstständig und können sich und ihre Mitschüler gut und objektiv reflektieren. W5, W7, W9, W12, M6 und M11 arbeiten tagesformabhängig, mal besser und mal schlechter mit; W3, W6, W10, W11, M1, M2, M5 und M9 sind unselbstständig und neigen dazu schnell die Meinung von anderen zu übernehmen.

Besonders in den Fächern Deutsch und Mathematik stoßen Lehrkräfte bei den Schülern auf Widerstand. Interessiert sind sie im Bereich Kunst und Sport. Dort arbeiten alle sehr gut mit.

Das Thema „Wir sind alle anders“ – mit dem Schwerpunkt Rassismus und Ausgrenzung, sollte in der Klasse gut angenommen werden, da voraussichtlich jeder von ihnen mit Vorurteilen und Verurteilungen im Alltag schon in Berührung gekommen ist, oder sich mit einem ähnlichen Thema inhaltlich beschäftigt hat - aktiv und auch passiv. Die Unterrichtsbeteiligung wird aufgrund der persönlichen Erfahrungen sehr hoch sein. Es ist ein Thema, welches jeden einzelnen Schüler anspricht und motiviert Gemeinsamkeiten und Unterschiede in diversen Hinsichten zu suchen und entdecken zu können.

Die Kinder sind auf Grund erarbeiteter Methoden mit verschiedenen Formen des Unterrichts vertraut, jedoch arbeiten sie lieber in offener Form miteinander. Vor allem die Gruppenarbeit ist sehr beliebt, welche allerdings ständig von der Lehrkraft überwacht und kontrolliert werden muss.

2. Sachanalyse

2.1 Rassismus und Ausgrenzung

Durch die aktuelle Flüchtlingssituation wird das Thema immer präsenter. Einige Menschen hegten bereits Vorurteile gegen ausländische Mitbürger, schon bevor diese massenweise aus ihren Lebensräumen in andere „sicherere Länder“ flohen. Die großen Massen und das damit verbundene vorübergehende Chaos verunsicherten das Volk. Der Regierung werden Vorwürfe zugewiesen, die immer intensiver und lauter werden. Unglückliche Momentaufnahmen, die groß propagiert werden, und eine große Gerüchteküche, trugen dazu bei, dass sich die Bevölkerung Deutschlands zunehmend unsicherer in ihrer Umgebung fühlt. Die Anzahl der beantragten Waffenscheine hat sich mehr, als verdreifacht, was die Angst und Beunruhigung wiederspiegelt.

Das bleibt natürlich nicht unbemerkt. Kinder sind äußerst sensibel und anfällig für solche Emotionsumbrüche und Verunsicherungen. Sie ahmen ihre Vorbilder nach und übernehmen unterbewusst die Einstellungen und Vorurteile ihrer Eltern / Geschwister.

So passiert es immer häufiger, dass Kinder unbegründet unfair und teilweise sogar aggressiv auf ihre Mitschüler reagieren. Dieses Verhalten kann von verbalen Auseinandersetzungen, Streitigkeiten und Diskriminierungen, über Mobbing, bis zum Ausschluss aus der Gruppe/ dem Freundeskreis hinreichen.

2.2 Rassismus bei Yalcin

„Rassismus ist eine spezifische, extreme Form des Vorurteils. Rassismus beinhaltet negative Einstellungen gegenüber Mitgliedern einer [bestimmten] Rasse, einer ethnischen oder fremden Gruppe.“4

Rassismus beruht auf Vorurteilen. Diese können schon im Kleinkindalter durch elterliche Erziehung angeeignet werden, wenn die Erziehungsberechtigten bereits eine gewisse Diskrepanz zu fremden Kulturen entwickelt haben. Vorurteile können vielseitig und unterschiedlich ausgeprägt entstehen. Sie betreffen meist die ethnische Herkunft, das äußere Erscheinungsbild oder die ausgeübte Kultur. Vorurteile bilden sich, wenn man sich lediglich oberflächlich mit einem dieser Themen auseinandersetzt und gemachte Erfahrungen sofort verallgemeinert. Deshalb ist es sehr wichtig, Kindern in der Schule oder in anderen öffentlichen Institutionen, einen offenen Raum für den Austausch mit anderen, Diskussionsrunden und Meinungsäußerungen zu bieten.

Denn das soziale Umfeld spielt ebenfalls eine erhebliche Rolle in der Charakterentwicklung und Meinungsfindung eines Menschen. Personen, in denen man ein Vorbild sieht, zum Beispiel Vater/Mutter, Freund/Freundin oder Geschwister, leisten einen erheblichen Beitrag zur Entwicklung und Entstehung von Urteilen, Sympathien und Antipathien, die sich leicht zu Vorurteilen weiterentwickeln lassen und abschließend durch offen formulierte Diskriminierung Ausdruck finden. „Vorurteile und rassistische Einstellungen haben Auswirkungen auf die Psychologie des Betroffenen und können zu destruktiven Verhaltensweisen und Einstellungen führen.“5 Das Resultat menschenverachtenden Verhaltens, hervorgerufen durch eben diese Vorurteile, führt nicht selten zu verbalen, aber schlimmer noch, auch zu körperlichen Übergriffen auf Personen, die nicht in das ‚Idealbild‘ der Täter hineinpassen. „Mit der Konstruktion von »Rassen« werden gesellschaftliche Verhältnisse naturalisiert, indem vermeintliche oder tatsächliche Körpermerkmale mit Charaktereigenschaften und Handlungen der Menschen so verknüpft werden, dass bestimmte Verhaltensweisen für ein Resultat der Abstammung gehalten werden.“6 Würde man sich intensiver und umfangreicher mit den Verhaltensmustern anderer, aber viel wichtiger noch, mit sich selbst und seinen eigenen kognitiven Fähigkeiten und Eigentümlichkeiten auseinandersetzen, würde das zur Ablösung von Vorurteilen führen.7 Man sollte sich durch seine Emotionalkompetenz immer vor Augen halten, dass wir alle in einer sozialen Gemeinschaft leben, in der wir auf Freundschaften und gegenseitige Unterstützung angewiesen sind. „Ein gemeinsames Ziel motiviert Menschen, zusammen zu arbeiten und folglich Konflikte zu überwinden.“8

2.3 Rassismus bei Memmi

Bei dem Begriff „Rassismus“ geht es laut Memmi im Wesentlichen um Machtkämpfe und Herrschaftsansprüche.9 Menschen unterliegen dem ständigen Drang schneller, besser und intelligenter zu sein, als ihre Gegenspieler. Nutzenorientierung und Leistung bestimmen den Alltag des Menschen, der unter der psychischen Belastung der Gesellschaft leidet und dem sozialen Druck standhalten muss. Die Angst, zu versagen und in seiner sozialen Gruppe oder der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden steigt, durch die Globalisierung und der sich stetig weiterentwickelnden Umwelt, immer weiter an. Als Einzelgänger kann dieser Druck ein sehr schwieriger und belastender Weg sein. In einer Gruppe jedoch, fühlt man sich stärker und gemeinsam mit Gleichgesinnten versucht der Mensch einen entlastenden Ausweg zu finden. Dazu benötigt es folglich die Einteilung in Rassen, damit sich solche Gruppierungen bilden und untereinander verbünden und bestärken können.10 Das eigentliche Ziel des Rassismus ist es, „die verallgemeinerte und verabsolutierte Wertung tatsächlicher oder fiktiver Unterschiede zum Nutzen des Anklägers und zum Schaden seines Opfers, mit der seine Privilegien oder seine Aggressionen [zu] []rechtfertig[en]“11 Das ist die Einstellung, die Menschen dazu bringt ihr Gewaltpotenzial an fremden Mitbürgern auszulassen, sie bloßzustellen und zu diskriminieren.

Dies geschieht durch verbale Auseinandersetzungen, über Mobbing, bis hin zu körperlichen Gewaltakten nicht nur in privaten, sondern auch in öffentlichen Räumen.

Die konstanten Ursachen des Rassismus liegen psychisch begründet in Angst, Unsicherheit, Aggression und dem Verlangen nach Herrschaft. Wirtschaftliche Habgier und Eigennutz können soziale Ursachen sein.12 Diese Gefühle sind in unserem Wesen verankert: „[d]er Rassismus ist etwas Natürliches, der Antirassismus nicht; der letztere kann höchstens eine Errungenschaft sein, die Frucht eines anhaltenden und harten Kampfes, und er wird wie jede kulturelle Errungenschaft des Menschen immer neuen Bedrohungen ausgesetzt sein.“13

[...]


1 Sven, 2014

2 BIZ, 2011

3 Der Einfachheit halber wird im weiteren Verlauf der Arbeit die männliche Form genutzt.

4 Yalcin 2015, S. 67, Hinzufüg. J.L.

5 ebd., S. 84

6 Kalpaka 2006, S. 4

7 vgl. Yalcin 2015, S. 87-90

8 ebd., S. 90

9 vgl. Memmi 1992, S. 155

10 vgl. ebd., S. 155

11 ebd., S. 164, Hinzufüg. J.L.

12 vgl. ebd., S. 160-163

13 ebd., S. 163, Hinzufüg. J.L.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
"Wir sind alle anders!" Rassismus und Ausgrenzung als Thema in der Grundschule (Unterrichtsentwurf 4. Klasse)
Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
16
Katalognummer
V463185
ISBN (eBook)
9783668910638
ISBN (Buch)
9783668910645
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rassismus, Ethik, Ausgrenzung
Arbeit zitieren
Jennifer Fleck (Autor), 2016, "Wir sind alle anders!" Rassismus und Ausgrenzung als Thema in der Grundschule (Unterrichtsentwurf 4. Klasse), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463185

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