Erhebung der Innovationsfähigkeit in einem Industrieunternehmen


Hausarbeit, 2018
28 Seiten, Note: 1,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Darstellungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung der Arbeit
1.3 Aufbau der Arbeit

2. Theoretische Grundlagen
2.1 Innovation
2.2 Innovationsfähigkeit
2.3 Notwendigkeit und Wettbewerbsvorteile durch Innovation

3. Strukturbaum und Erhebung
3.1 Operationalisierung
3.2 Auswahl des Mediums zur Erhebung
3.3 Ausarbeitung des Fragebogens
3.4 Erhebung in der Praxis

4. Diskussion

5. Fazit und Ausblick

6. Anhang

7. Literaturverzeichnis

I. Darstellungsverzeichnis

Darstellung 1: Strukturbaum

Darstellung 2: Zusammenstellung Objektivität, Reliabilität, Validität

1. Einleitung

Wachsender Konkurrenzdruck, größere Produktvielfalt und eine steigende Austauschbarkeit von Produkten sind in aktuellen Zeiten nicht selten Bewährungsprobe für das Management von Unternehmen jeglicher Art und Größe. Die Differenzierung von anderen Marktteilnehmern und der Gewinn von Marktanteil beschäftigt dabei tagtäglich die Entscheidungsträger und Unternehmensführer, um die Unternehmung nicht nur am Leben, sondern auch profitabel zu halten.[1]

Zentraler Punkt dieser Überlegungen ist der Themenbereich der Innovation. Ohne Innovation haben Unternehmen kaum eine Überlebenschance, andererseits ist das Risiko einer fehlgeschlagenen Innovation und Produktneueinführung nicht vernachlässigbar und kann im schlimmsten Fall das genaue Gegenteil der erwünschten Wirkung erzielen.[2] Je nach Wirtschaftsbereich beträgt diese sogenannte Flop-Quote bis zu 85% und muss damit in der Entscheidungsfindung kritisch betrachtet werden.[3] Umso wichtiger ist es allerdings, dass diesem Risiko nicht durch die Beibehaltung des Status Quo aus dem Weg gegangen wird, sondern eine durchgängige und wiederkehrende Innovationshaltung im Unternehmen gelebt wird – nicht nur auf Führungsebene sondern durch die gesamte Hierarchie des Unternehmens hindurch und gültig für jeden einzelnen Mitarbeiter.[4]

1.1 Problemstellung

Die Messung der Innovationsfähigkeit wurde in der Forschung bisher aus vielerlei Sichtweisen heraus betrachtet. Gerade weil der Begriff der Innovation vielfältig definiert werden kann (siehe Kapitel 2), ist die Messung der Innovationsfähigkeit nicht minder komplex. Es wird daher ein Umdenken in der Innovationsforschung gefordert, sodass der Fokus auf die theoretische Fundierung und das Forschungsdesign verstärkt wird.[5] Es gilt hierbei zu beachten, welche Dimensionen der Innovationsfähigkeit betrachtet werden sollen und wie diese gemessen werden. Weiterhin muss sichergestellt sein, dass sowohl die ausgewählte Methodik zur Messung geeignet, als auch die Operationalisierung auf diese Methodik angepasst ist.[6]

1.2 Zielsetzung der Arbeit

Zielsetzung dieser Arbeit ist die Ausarbeitung einer Messmethode zur Erhebung der Innovationsfähigkeit von Unternehmen. Diese Messmethode soll allgemein anwendbar sein, also sowohl für große Unternehmen als auch für kleine Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern entwickelt werden. Der Fokus wird hierbei rein auf die Erstellung des zugrundeliegenden Konstrukts gelegt und die Auswahl und den Einsatz einer passenden Erhebungsmethode.

1.3 Aufbau der Arbeit

Aufbauend werden dafür zunächst die Grundlagen und Begriffe der Innovationsfähigkeit und zugehöriger Themen behandelt, während im Hauptteil dieser Arbeit ein Strukturbaum entwickelt wird, der als Basis zur Messung der Innovationsfähigkeit dient und die einzelnen Dimensionen und Indikatoren dieser herausstellt. Anschließend wird ein Fragebogen erarbeitet, der die Indikatoren des Strukturbaums zugrunde legt und diese durch ausgewählte Fragen misst. Abschließend wird die erarbeitete Methode kritisch betrachtet und geltende Gütekriterien überprüft. Im Ausblick wird schließlich darauf eingegangen, wie mit den Ergebnissen verfahren werden kann.

2. Theoretische Grundlagen

Im Verlaufe dieses Kapitels werden zum Aufbau der Grundlagen für die Operationalisierung in Kapitel 3 die Begriffe der Innovation, Innovationsfähigkeit sowie die Gründe und Wettbewerbsvorteile der Innovation beziehungsweise Innovationsfähigkeit definiert.

2.1 Innovation

Je nach verwendeter Literatur werden für den Begriff Innovation verschiedene Definitionen angegeben. So schreibt das Gabler Wirtschaftslexikon als allgemeine Definition für den Begriff der Innovation: „Bezeichnung in den Wirtschaftswissenschaften für die mit technischem, sozialem und wirtschaftlichem Wandel einhergehenden (komplexen) Neuerungen.“[7]

Gleichzeitig wird aber erwähnt, dass kein „allg. gültiger Innovationsansatz bzw. keine allg. akzeptierte Begriffsdefinition“ vorliege.[8] Stattdessen wird Innovation in vier verschiedene Interpretationen aufgeteilt:

- „Leitvorstellung bzw. Denkhaltung von Unternehmern und Managern: Beim innovativen Unternehmen z.B. finden Neuerungen ihren Niederschlag in der Unternehmens- und Produktpolitik;
- Sozialtechnologie, z.B. als Programme oder Ansätze zur Beschreibung, Erklärung und Beeinflussung des geplanten organisatorischen Wandels;
- strategisches Konzept: (Technische) Innovationen dienen als „Waffe” im (internationalen, technologischen) Wettbewerb und helfen dem Unternehmen, Wachstum zu erzielen;
- analytische Variable (bei gesamtwirtschaftlicher Betrachtungsweise): Innovation bzw. technischer Fortschritt ist das erklärende Moment, warum eine Produktionsfunktion eine nächsthöhere Stufe der wirtschaftlichen Entwicklung oder des Wachstums erreicht.“[9]

Hauschildt und Salomo verwenden zur Bestimmung des Innovationsbegriffs eine Unterteilung in sechs verschiedene Dimensionen:

- „Die inhaltliche Dimension: Was ist neu?
- Die Intensitätsdimension: Wie neu?
- Die subjektive Dimension: Neu für wen?
- Die Akteursdimension: Neu durch wen?
- Die prozessuale Dimension: Wo beginnt, wo endet die Neuerung?
- Die normative Dimension: Ist neu gleich erfolgreich?“[10]

Schmid und Gerberich hingegen verwenden acht sogenannte Felder der Innovation, bestehend aus den Feldern der Produktinnovation, Prozessinnovation, Service Innovation, Vertriebsinnovation, Innovation im Supply Chain Management, Marketing Innovationen, Organisationsinnovationen und dem Feld der Geschäftsmodellinnovation.

Jedes dieser Felder beschreibt einen eigenen Bereich innerhalb der Unternehmung mit dem Feld der Produktinnovation als dem Kernstück der Innovation. Es gibt keine Unterscheidung hinsichtlich der Wertigkeit der einzelnen Felder.[11]

Allem gemein ist dabei der Ansatz, dass Innovation immer etwas Neues bringt und eine Veränderung des Status Quo mit sich zieht. Im Laufe dieser Arbeit wird bei der Operationalisierung bewusst nicht eine einzelne Definition von Innovation zugrunde gelegt, sondern mehrere dieser Interpretation verwendet, um eine ganzheitliche Betrachtung der Innovationsfähigkeit zu ermöglichen, ohne einzelne Formen der Innovation zu vernachlässigen.

2.2 Innovationsfähigkeit

Mit den Interpretationen des Begriffs Innovation kann nun die Innovationsfähigkeit näher beleuchtet werden. Es werden hierzu zwei Definitionen gegenübergestellt, miteinander verglichen und deren Gemeinsamkeiten herausgearbeitet.

Sammerl, Wirtz und Schilke verstehen Innovationsfähigkeit „als ein die Gesamtorganisation umspannendes Phänomen“ und bezeichnen sie als ein Konstrukt aus „mehreren ergänzenden Sub-Fähigkeiten“.[12] Bei den Sub-Fähigkeiten beziehen sie sich dabei auf Fähigkeiten auf organisationaler Ebene, weisen aber auch auf den Bezug zum Dynamic Capabilities View als theoretischem Bezugsrahmen für Innovationsfähigkeit hin.[13] Dessen Zielsetzung besteht darin zu erklären, „auf welche Weise Unternehmen vor dem Hintergrund eines sich ändernden Umfelds einen Wettbewerbsvorteil herbeiführen bzw. diesen aufrecht erhalten“.[14] Im Rahmen dieser Arbeit wird der Dynamic Capabilities View nicht behandelt, da dieser zwar eine deutlich tiefergehende Analyse einer Unternehmung ermöglicht, die für die Erhebung der Innovationsfähigkeit nicht zwingend notwendig ist und zu umfangreich ist. Für eine Analyse, die nicht nur die Innovationsfähigkeit betrachtet, ist der Dynamic Capabilities View ein Instrument, das nach Möglichkeit Beachtung finden sollte und die Erkenntnisse der Analyse entscheidend beeinflussen kann.

Das Gabler Wirtschaftslexikon definiert Innovationsfähigkeit durch eine Kombination von Innovationspotenzial („Voraussetzung und Mittel, um eine Innovationsfähigkeit zu gewährleisten“[15] ) und Innovationsklima („Gesamtheit aller positiven und negativen Einstellungen, organisatorischen Festlegungen und Maßnahmen bei der Hervorbringung von Innovationen“[16] ). Es werden dazu zwölf Kriterien zur Beurteilung verwendet:

- „Hohe Wachstumsrate im Vergleich zu Untrnehmen der gleichen Branche,
- beachtenswerte soziale Leistungen,
- Verhalten in wirtschaftlichen Krisensituationen,
- Qualität von Planungsmechanismen,
- externe Beziehungen,
- rationeller Einsatz materieller Ressourcen,
- Organisation der Produktion,
- Geschäftsdynamik,
- Umfang von Forschung und Entwicklung,
- Auslandsaktivitäten,
- finanzielle Sicherung der Zukunft,
- Persönlichkeit der Unternehmensleitung.“[17]

Bei der Gegenüberstellung der beiden Definitionen von Sammerl, Wirtz und Schilke sowie dem Gabler Wirtschaftslexikon wird deutlich, dass beide Autoren unter dem Begriff Innovationsfähigkeit eine Kombination mehrerer Sub-Fähigkeiten beziehungsweise Kriterien sehen. Da es in der Literatur keine einheitliche Sichtweise auf notwendige Kriterien oder Sub-Fähigkeiten für Innovationsfähigkeit gibt, werden im Laufe der Arbeit eigene Kriterien entwickelt und durch in der Literatur angegebene Kriterien erweitert.

Hauptteil dieser Arbeit wird eine Erhebung der Innovationsfähigkeit am Beispiel eines Industrieunternehmens. Als Grundlage wird betrachtet, wie die Literatur eine Messung der Innovationsfähigkeit vornimmt. Zuallererst ist die Operationalisierung des Begriffs wichtig. Während im vorigen Kapitel bereits zwei Möglichkeiten der Einsortierung gezeigt wurden, definieren Sammerl, Wirtz und Schilke fünf eigene Dimensionen auf Basis von relevanter Innovationsmanagement- und Projektmanagementliteratur:

- „Prozessmanagement
- Portfoliomanagement
- Innovationskultur
- Internes Lernen
- Lernen von Kunden“[18]

Dabei fällt auf, dass ausschließlich interne Faktoren berücksichtigt werden. Externe Faktoren wie das Umfeld und politische Gegebenheiten werden in den Dimensionen nicht beachtet, weshalb im Hauptteil aus Gründen einer möglichst ganzheitlichen Betrachtung der Innovationsfähigkeit einer Unternehmung eine Mischform aus den im Grundlagenteil genannten Dimensionen und eigenen, neuen Dimensionen verwendet wird.

Zu den fünf Dimensionen wurden von Sammerl, Wirtz und Schilke 41 Indikatoren entwickelt und mithilfe einer schriftlichen, standardisierten Befragung mittels Fragebogen Unternehmen in Deutschland mit mindestens 50 Mitarbeitern befragt. Da in den Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern 94% zu den Innovatoren zählen und in den Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern nur 50%, wurde diese Mindestgröße gewählt.[19]

Die einzelnen Fragen zu den fünf verschiedenen Innovationsfähigkeitsdimensionen finden sich in Anhang 1.

Die zu entwickelnde Erhebung im Hauptteil soll ihren Fokus auch auf kleine und mittelständische Unternehmen legen, weshalb ebenso Unternehmen mit unter 50 Mitarbeitern für die Erhebung infrage kommen können. Es muss daher sichergestellt sein, dass ein Modell entwickelt wird, welches auch die Ansprüche dieser Kleinstunternehmen beachtet.

Das Weltwirtschaftsforum misst in seiner Studie im Global Competitiveness Report 2018 die Innovationsfähigkeit über zwölf verschiedene Indikatoren:

- „Diversity of workforce
- State of cluster development
- International co-inventions
- Multi-stakeholder collaboration
- Scientific publications
- Patent applications
- R&D expenditures
- Quality of research institutions
- Buyer sophistication
- Trademark applications“[20]

Diese Indikatoren sind zwar zugeschnitten auf die Wirtschaft und Eigenschaften eines Landes, nicht eines einzelnen Unternehmens. Dennoch lassen sich daraus Schlüsse und Indikatoren ableiten, die für die Erhebung der Innovationsfähigkeit eines Wirtschaftsunternehmens hilfreich sein können. Punkte wie die Forschungs- und Entwicklungsausgaben, Diversität der Mitarbeiter und Patentanmeldungen lassen sich ohne Weiteres auf ein Industrieunternehmen übertragen und können in angepasster Gewichtung Platz in der Erhebung des Hauptteils finden in Kombination und Ergänzung mit Indikatoren von Sammerl, Wirtz und Schilke und selbst entwickelten Dimensinen und Indikatoren.

2.3 Notwendigkeit und Wettbewerbsvorteile durch Innovation

Wie in der Einleitung bereits erwähnt, kann eine Unternehmung am Markt nur erfolgreich sein, wenn sie sich durchgehend verändert und ihre Prozesse und Produkte an die Marktgegebenheiten anpasst. In Asien ist beispielsweise das Thema der künstlichen Intelligenz nicht mehr wegzudenken[21], in Deutschland hingegen gaben 2017 noch 43% der Befragten einen kulturellen Widerstand gegen Innovation an, was sich im Folgejahr allerdings positiv veränderte.[22] So wurde Deutschland erst kürzlich in einer Studie des Weltwirtschaftsforums als innovativstes Land bezeichnet vor den USA, dem wettbewerbsfähigsten Land der Studie, und der Schweiz an dritter Stelle. Die Innovationsfähigkeit wird dabei als eine von zwölf Säulen der Produktivität eines Landes gesehen.[23]

Klar ist dem Großteil der Wirtschaft und dem Weltwirtschaftsforum, dass eine reine Kostenführerschaft langfristig keine entscheidenden Vorteile bringt. Durch Innovation hingegen können neue Kunden gewonnen und bestehende weiter gebunden werden. Dabei werden Wettbewerbsvorteile geschaffen und damit auch Preis- und Ertragsvorteile, die langfristig zu einer besseren Position der Unternehmung am Markt führen und deren Wert steigern.[24]

[...]


[1] Vgl. Duncker und Schütte 2018, S. 1–2.

[2] Vgl. Duncker und Schütte 2018, S. 2–3.

[3] Vgl. Haller und Twardawa 2014, 99 f.

[4] Vgl. Rühl et al. 2018, S. 7–9.

[5] Vgl. Sammerl et al. 2008, S. 131–132.

[6] Vgl. Sammerl et al. 2008, S. 132–133.

[7] Möhrle und Specht 2018.

[8] Ebd.

[9] Möhrle und Specht 2018.

[10] Hauschildt et al. 2016, S. 5–6.

[11] Vgl. Gerberich und Schmid 2018, S. 44–45.

[12] Sammerl et al. 2008, S. 132.

[13] Vgl. Sammerl et al. 2008, 133 ff.

[14] Ebd.

[15] Möhrle 2018.

[16] Specht 2018a.

[17] Specht 2018b.

[18] Sammerl et al. 2008, S. 142.

[19] Vgl. Sammerl et al. 2008, 140 f.

[20] Schwab 2018, S. 57.

[21] Vgl. Meckel 2018.

[22] Vgl. Lestrange 2018, S. 42.

[23] Vgl. Whiting 2018.

[24] Vgl. Schwab 2018, 4 ff.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Erhebung der Innovationsfähigkeit in einem Industrieunternehmen
Note
1,3
Jahr
2018
Seiten
28
Katalognummer
V463203
ISBN (eBook)
9783668924840
ISBN (Buch)
9783668924857
Sprache
Deutsch
Schlagworte
erhebung, innovationsfähigkeit, industrieunternehmen
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Erhebung der Innovationsfähigkeit in einem Industrieunternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463203

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