Geburtshilfe und Frauenheilkunde im antiken Griechenland


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017

32 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Geburten und Geburtsheilkunde im ägyptischen Altertum
2.1 Gynäkologische Aufzeichnungen im Papyrus von Kahun
2.2 Gebärverhalten ägyptischer Frauen
2.3 Hebammen im ägyptischen Altertum

3. Geburten und Geburtsheilkunde im griechischen Altertum
3.1 Gynäkologische Aufzeichnungen – Corpus Hippocraticum
3.2 Beeinträchtigungen in der Schwangerschaft
3.3 Gebärende Frauen im griechischen Altertum
3.4 Geburtsfördernde Mittel für Mutter und Kind
3.5 Hebammen im griechischen Altertum:
3.6 Probleme bei der Geburt

4. Nachwort

5. Legende

6. Bildquellen

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Geburtshilfe ist im Großen und Ganzen vielen ein Begriff. Auch der Begriff Frauenmedizin ist quasi Selbsterklärend. In wie weit man sich damit auseinandersetzt bzw. damit beschäftigt hängt natürlich vom Interesse, dem Beruf, der Lebenssituation, dem Umfeld etc. ab. Bei mir war es die abrupt veränderte Lebenssituation, die mich quasi zwang mich mit Geburtenhilfe auseinander zu setzten. Ich behaupte, dass jede schwangere Frau früher oder später beginnt sich auf den Prozess der Geburt vorzubereiten. Die einen, wie erwähnt früher oder wie in meinem Fall später bzw. zwei Wochen vor Entbindungstermin. Für mich war die Schwangerschaft keine allzu besondere Zeit. Mir ging es gut, ich hatte weder Beschwerden noch besondere Essgelüste. Die viel gelesene Dauereuphorie gab e bei mir jedoch nicht, da min Lebensplan ein anderer war und ich erst neu sortieren musste. Nichts desto trotz ging es mir am D-Day natürlich gleich wie allen werdenden Mütter. Ich war wahnsinnig nervös und mir schwirrten all die Bilder, Bücher, Artikel und Weblinks aus dem Internet im Kopf herum. Doch Dank der Medizin und einigen unterstützenden bzw. beschleunigenden Maßnahmen war vierzehn Stunden später dieser kleine Wurm da und der neue Lebensplan war viel besser als der alte.

Als ich mich zum Seminar“ Ausgewählte Themen zur antiken Medizin“ anmeldete und die Seminararbeitsthemen zur Auswahl standen, wusste ich sofort welchen Thema ich mich widmen würde. Da Gebären natürlich eine Frauen – Sache ist und dies sowohl im Altertum als auch heute Schmerzen bereitete stellte sich mir die Frage wie dazu Abhilfe geschafft werden konnte? Was unternommen wurde wenn sich das Kind im Mutterleib zur Geburt nicht drehte? Was geschah in Punkto Hygiene? Gab es Hebammen die die Gebärdenden nicht nur körperlich sondern auch seelisch unterstützten?

All diesen Fragen bin ich nachgegangen und versuchte diese so gut wie möglich in dieser Arbeit zu beantworten und am Ende mit der heutigen Geburtsheilkunde sowie Geburtenhilfe gegenüberzustellen.

2. Geburten und Geburtsheilkunde im ägyptischen Altertum

2.1 Gynäkologische Aufzeichnungen im Papyrus von Kahun

Zu meiner Verwunderung gab es tatsächlich Aufzeichnungen im Altertum zu Gynäkologie und Geburtsheilkunde. Während meinen Recherchen stieß ich auf eins der ältesten Zeugnisse zu diesem Sujet. Der Papyrus von Kahun oft auch als medizinische Papyri von Lahun bezeichnet, wurde von William Flinders Petrie, einem englischen Archäologen in einer Arbeitersiedlung in Medinet – Kahun bei El – Lahun bei Ausgrabungsarbeiten entdeckt. Francis Llewellyn Griffith übersetzte die Payri 1898 ins englische und publizierte die ihm wichtigsten Papyri. Heute findet man die Papyri von Kahun im Petrie Museum of Egyptian Archaelogy des Universtiy College in London.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2.: Sir William Flinders Petrie Abb.3.: Francis Llewellyn Griffith

Wie schon erwähnt ist der Papyrus von Kahun neben den Ebers Papyri und auch den Edwin Smith Papyri eines der ältesten Zeugnisse um ca. 2000 v. Chr. Laut Forschung fehlen dem Papyrus die erste und auch die letzte Seite, aus nicht ersichtlichem Grund. Es unterteilt sich in zwei Fachgebiete. Der Papyrus von Kahun beinhaltet Teile von Abschriften älterer Texte, medizinische Aufzeichnungen sowie Fragmente zur Veterinärmedizin. Für diese Arbeit sind jedoch nur die medizinischen Aufzeichnungen relevant und die dazu niedergeschriebenen gynäkologischen Beobachtungen. Ein weiterer Teil der Papyri enthalten fünfunddreißig Rezepte gegen gynäkologische leiden und erläutert zu dem die pränatale Bestimmung des kindlichen Geschlechts.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4.: Papyrus von Kahun – medizinische Aufzeichnungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5.: Papyrus von Kahun – veterinärmedizinische Aufzeichnungen

Siebzehn dieser Anweisungen beginnen mit dem Satz:

„Rezept für eine Frau die an … leidet.“ Die Papyrusschriften geben Aufschluss über Wirkungsursahen zwischen Geschlechtsverkehr und Empfängnis, die Unfruchtbarkeit bei Männer als auch bei Frauen, die Dauer einer Schwangerschaft sowohl der Niederkunft selbst als auch dem Voraussagen über das Geschlecht des Kindes.

In den gynäkologischen Aufzeichnungen findet man unter anderem auch Berichte über Empfängnisverhütung, Abszesse in der Brust, Fibrome, Gebärmuttervorfall, Dysmenorrhoe und Amenorrhoe. Die in den Papyri zu findenden Rezepte erscheinen auf den ersten Blick eher merkwürdig und unlogisch für heutige Verhältnisse, doch bei näherer Betrachtung erweisen sie sich als nachvollziehbar und wirksam.

Auszüge aus der Rezept Sammlung:

Bei diesem Beispiel handelt es sich um Gebärmutterkrebs: „ Beräuchere sie mit alles Art verbrannten Fleisches, das genau den gleichen Geruch hat wie der den sie ausströmt.“1

Rezept zur Diagnose der Unfruchtbarkeit I: „Wassermelonen und ungekerbte Früchte der Sykomore zerkleinern und mit der Milch einer Frau mischen, die einen Sohn geboren hat. Trinken. Wenn sie sich übergibt, wird sie niederkommen; wenn sie Blähungen hat, wird sie niemals gebären.“2

Eine weiter Methode als die orale Einnahme dieser Mixtur, war diese in die Vagina zu injizieren.

Rezept zur Diagnose der Unfruchtbarkeit II: „Du gibst eine angefeuchtete Knoblauchzehe in ihre Vagina, die dort während er ganzen Nacht bis zum Morgen bleibt. Wenn der Knoblauchgeruch aus ihrem Mund dringt, wird sie niederkommen. Andernfalls wird sie nicht gebären.“ Tuben leiten den Knoblauchgeruch.3

Wie schon erwähnt, wurde auch das Geschlecht des Kindes prognostiziert und darüber Aufzeichnungen in den Papyri festgehalten. Folgende Methode wurde zur Bestimmung diesem angewandt:

Geschlechtsbestimmung des Kindes: „ Du füllst Gerste und Weizen, außerdem Sand und Datteln in zwei Leinenbeutel, die die Frau täglich mit ihrem Urin befeuchtet. Wenn sowohl Gerste als auch Weizen keimt, ist sie schwanger.

Wenn zuerst die Gerste keimt wird es ein Junge, wenn zuerst Weizen keimt wird es ein Mädchen. Wenn weder Gerste noch Weizen keimen, ist sie nicht schwanger.“4

Julius Manger, ein deutscher Gynäkologe, bestätigte diese Methode 1933 im pharmakologischen Labor in Würzburg. Manger konnte diese jedoch nur mit umgekehrter Reihung beweisen, das heißt Urin und Weizen bedeuteten ein männlicher Fötus und Urin und Gerste einen weiblichen Fötus im Mutterleib. Ob es nun ein Übersetzungsfehler in den Papyri war, wie auch Dr. med. et phil. Dr. h.c. Paul Diepgen in seinem Buch „Die Frauenheilkunde der alten Welt“, Springer-Verlag GmbH, Heidelberg, vermutet, oder die Getreidearten im allgemeinen auf den Phytochromen überspickten Urin einer schwangeren reagieren bleibt jedoch bis dato offen. Botaniker bestätigen zumindest den Nachweis eines Wachstumshormons in den Pflanzen die mit Urin einer schwangeren Frau in Verbindung kamen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6.: Auszug aus „Die Frauenheilkunde der alten Welt“

2.2 Gebärverhalten ägyptischer Frauen

Es existiert eine Vielzahl an Hieroglyphen und Abbildungen gebärdender Frauen im ägyptischen Altertum. Folgende Abbildung zeigt ein Relief des Tempels von Luxor. Man erkennt eine Gebärdende die auf einem Thron/ Gebärstuhl sitzt. Um die Entbindung zu erleichtern, behalfen sich die ägyptischen Frauen indem sie auf Ziegel oder Steinen saßen, so die Forschungsergebnisse laut Pecker, André (1990): Gynäkologie und Geburtshilfe vom Altertum bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts, Band 2, Salzburg, Andreas & Andreas Verlagsbuchhandel.

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Abb. 7.: Gebärdende auf Thron/ Gebärstuhl, Ägypten

Eine weitere Abbildung zeigt ebenfalls eine Frau die sich unmittelbar vor der Entbindung befindet. Es ist eine Statuette aus gebranntem Ton aus Alexandria aus der Zeit 3. Jahrhundert v. Chr. Diese Art von Figuren wurde Gebärdenden bzw. Schwangeren Frauen als Votivgaben geschenkt. Mit diesen Talismanen bat man um eine glückliche Entbindung, sorglosen Geburtsverlauf oder dankte für eine Geburt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 8.: Statuette einer Gebärdenden, Ägypten; 3. Jhdt. v. Chr.

2.3 Hebammen im ägyptischen Altertum

Exodus, V, 16: „ Und der König von Ägypten sprach zu den jüdischen Hebammen und sagte: Wenn ihr die Hebammenarbeit verrichtet, sollt ihr auf die beiden Ziegel sehen: wenn es ein Junge ist, tötet ihn, aber wenn es ein Mädchen ist, dann laßt es leben.“

Unmittelbar an der Geburt beteiligt waren, wie heute auch, die Hebammen. In dem erwähnten Auszug aus dem Alten Testament war von jüdischen Hebammen die Rede. Es gibt zu diesem Punkt unterschiedliche wissenschaftliche Ergebnisse, ob erste Hebammen nun jüdisch oder ägyptisch waren. Diese Frage scheint zunächst irrelevant, doch ist in der Geschichte bewiesen, dass die Hebräer zu dieser Zeit ein gefangenes Volk der Ägypter waren und Jüdinnen keine männlichen Nachkommen gebären durften. So wurden die männlichen Nachkommen der Hebräer in den Nil geworfen um keine jüdische Nachkommenschaft zu gewährleisten und Erhebungen allen voran ausgeschlossen waren. Der Überlieferung zufolge waren Jüdinnen härter gesotten als die Ägyptischen Frauen und konnten somit allein gebären. Fest steht jedoch, dass die beiden Völker trotz allem unabhängig voneinander eigene Hebammen hatten und dieser Berufsverband sehr wohl schon existierte. Weitaus mehr Informationen zu diesem Abschnitt der Geburtenhilfe zeigt uns das griechische Altertum und die Aufzeichnungen Soranos´.

3. Geburten und Geburtsheilkunde im griechischen Altertum

3.1 Gynäkologische Aufzeichnungen – Corpus Hippocraticum

Nach den gynäkologischen Aufzeichnungen der Ägypter aus den Papyrus Schriften und dem Auszug des Alten Testaments widmen wir uns den Schriften des Corpus Hippocraticum.

Im griechischen Altertum stößt man unweigerlich auf Hippokrates (460 v. Chr. – 370 v. Chr.), der als der Vater der Medizin gilt. Er war einer der ersten der vaginale Untersuchungen betrieb und diese schriftlich fest hielt. Diese Schriftsätze waren im Corpus Hippocraticum gesammelt. Der Corpus Hippocraticum wurde vom 5. Jhdt. v. Chr. bis zum 2. Jhdt. n. Chr. verfasst und ist eine Sammlung von mehr als 60 medizinischen Texten. Nicht nur Hippokrates selbst schrieb medizinische Texte für diese Sammlung, sondern seine Söhne Thesslalus und Drakon, sein Schwiegersohn Polybes und seine Schüler der Schule Knides waren ebenfalls Verfasser medizinischer Texte. Anhand der Zeitspanne in der der Corpus Hippocraticum entstand, ist ein einziger Verfasser gar nicht möglich und somit sind die erwähnten Autoren neben Hippokrates gleichermaßen zu beachten.

[...]


1 Pecker, André (1990): Gynäkologie und Geburtshilfe vom Altertum bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts, Band 2, Salzburg, Andreas & Andreas Verlagsbuchhandel

2 Pecker, André (1990): Gynäkologie und Geburtshilfe vom Altertum bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts, Band 2, Salzburg, Andreas & Andreas Verlagsbuchhandel

3 Pecker, André (1990): Gynäkologie und Geburtshilfe vom Altertum bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts, Band 2, Salzburg, Andreas & Andreas Verlagsbuchhandel

4 Pecker, André (1990): Gynäkologie und Geburtshilfe vom Altertum bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts, Band 2, Salzburg, Andreas & Andreas Verlagsbuchhandel

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Geburtshilfe und Frauenheilkunde im antiken Griechenland
Hochschule
Universität Salzburg  (FB Geschichte Altertumswissenscchaften)
Veranstaltung
Antike Medizin
Note
2
Autor
Jahr
2017
Seiten
32
Katalognummer
V463295
ISBN (eBook)
9783668910799
ISBN (Buch)
9783668910805
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Antike, Griechenland, Medizin, Frauenheilkunde, Geburtshilfe, Hipocrates
Arbeit zitieren
Teresa Kvapil (Autor), 2017, Geburtshilfe und Frauenheilkunde im antiken Griechenland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463295

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