Das US-Einwanderungsgesetz von 1924. Ein Akt des Rassismus?


Hausarbeit, 2018
21 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1 Forschungsstand

2. Definitionen
2.1 Rassismus
2.2 Nativismus

3. US-Einwanderungsgesetz von
3.1 Der Weg zum Johnson-Reed-Act
3.2 Inhalt und Quoten des US-Einwanderungsgesetzes von

4. Persönlichkeiten
4.1 Francis Walker & Joseph A. Hill
4.2 William P. Dillingham
4.3 Albert Johnson

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Vereinigten Staaten von Amerika [USA]. Bekannt als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten und sogenannter Schmelztiegel aller Ethnizitäten und Völkergruppen. Ein Staat der in den letzten 50 Jahren für relativ offene Immigration und Weltpolitik stand. Doch rückt die aktuelle US-Regierung wieder eine restriktive Immigrationspolitik in den Vordergrund. Die gegenwärtige politische Auseinandersetzung mit der Einwanderungsproblematik in den USA bringt es nahe sich mit ähnlichen Situationen in der US-amerikanischen Immigrationspolitik zu befassen. Hierbei sticht vor allen Dingen die Zeit um das 20. Jahrhundert heraus. Denn bereits zu Anfang des 20. Jahrhunderts vertraten die USA eine Immigrationspolitik mit der Absicht bestimmte Völkergruppen zu denunzieren und sich eine möglichst passende ‘weiße‘ Bevölkerung zu erschaffen. Diese Tatsache fällt jedoch in den meisten grundlegenden Lehren über vergangene Errungenschaften der USA weg. Deshalb soll es in dieser Arbeit um diese legislativen Wendepunkte der US-amerikanischen Immigrationspolitik gehen, dem Einwanderungsgesetz von 1924. Dabei soll ein besonderer Fokus nicht nur auf der Beschaffenheit des Gesetzes liegen, sondern vielmehr auch ein Blick darauf geworfen werden, welche Menschen dazu beigetragen haben, dass ein solch restriktives und weitreichendes Gesetz in seiner Art und Weise zustande gekommen ist. Ziel der Hausarbeit wird es sein, herauszustellen inwieweit Rassismus bzw. rassistisch oder auch nativistisch motiviertes Handeln, dafür gesorgt hat, dass dieses Gesetz in Kraft treten konnte. Zudem soll untersucht werden inwieweit die jeweiligen Persönlichkeiten, die maßgeblich an der Umsetzung dieses Gesetzes beteiligt waren, nur Kinder ihrer Zeit gewesen sind oder eine von sich ausgehende diskriminierende Haltung gegenüber Ausländern hatten.

1.1 Forschungsstand

Das Einwanderungsgesetz von 1924, seine Entstehung und die ideologische Motivation der Schlüsselpersönlichkeiten sind ein gut erforschtes Gebiet innerhalb der Immigrationsforschung. In Bezug auf die Fragestellung, hinsichtlich der Persönlichkeiten stoßen insbesondere die Werke von Mae M. Ngai „The Architecture of Race in American Immigration Law“ und „Impossible Subjects: Illegal Aliens and the Making of Modern America“ heraus. Sie werfen einen Blick auf die Gesellschaft und die Akteure und somit hinter die legislative Entstehungsgeschichte. Zur Beschreibung der legislativen Prozesse und Kennzahlen führt bei der Recherche kein Weg an Aristide Zolbergs „A Nation by Design“ vorbei, der seinen Fokus darauflegt, inwieweit die USA aktiv versucht haben ihre Bevölkerung möglichst so zu gestalten, dass sie den eigenen Vorgaben bezüglich Rassenreinheit zu Beginn des 20. Jahrhunderts entspricht. Neben Zolberg gilt auch John Highams „Strangers in the Land“ als grundlegend für jegliche Arbeit in der Einschränkung von Einwanderung. Neben diesen grundlegenden Werken sind noch die Aufsätze von Kristofer Allerfeldt „‘And We Got Here First’: Albert Johnson, National Origins and Self-Interest in the Immigration Debate of the 1920s“ und John M. Lund „Vermont Nativism: William Paul Dillingham and U. S. Immigration Legislation“ verwendet worden. Diese setzen sich mit den einzelnen Charakteren und Persönlichkeitszügen, der damals verantwortlichen Personen auseinander.

2. Definitionen

Bevor eine intensivere Auseinandersetzung mit der Thematik stattfinden kann, müssen zuerst die der Arbeit grundlegenden Begriffe des Rassismus und des Nativismus erläutert werden, um ein passendes Verständnis für spätere Ausführungen zu schaffen. Aufgrund des Umfangs dieser Arbeit werden jedoch nicht alle Interpretationen und Facetten aufgeführt, sondern lediglich ein allgemeines wissenschaftliches Verständnis davon vermittelt.

2.1 Rassismus

Besonders der Begriff des Rassismus ist ein sehr weitläufig erforschtes Gebiet durch seine Bedeutung während des 2. Weltkrieges und dem Aufkommen des Nationalsozialismus. Aber dennoch soll ein genauerer Blick darauf geworfen werden, ob es auch verschiedene Strömungen innerhalb des Rassismus gibt. Denn bei einer allgemeinen Definition zu Rassismus, lässt sich dieser in zwei Erklärungsansätze einteilen. Der Eine konzentriert sich auf die reine Substanz des Rassismus, wohingegen der Andere versucht auf seinen Funktionsweise einzugehen.1 Beim ersteren wird der Rassismus eher als Glaube interpretiert, in dem Rassen nicht oder nur auf lange Zeit änderbar sind. Zudem besitzen Rassen eigene Charakteristika, deren einzige Möglichkeit der Änderung durch eine Mischung mit einer anderen Rasse stattfinden kann. Ferner beinhaltet dieser Glaube ein klares Machtgefüge von überlegenen Rassen und entsprechend unterlegenen Rassen.2 Ein anderer Ansatz erkennt im Rassismus vielmehr einen Versuch in Zeiten unsicherer Zugehörigkeit alte oder aber auch neue Grenzen von Zugehörigkeit entweder theoretisch zu rechtfertigen oder gar praktisch hervorzubringen. Die Rechtfertigung erfolgt dann auf dem Wege der Erzeugung eines bestimmten Wissens, das darauf abzielt Individuen auf Basis ihrer angeblich wahren Natur in eine Gemeinschaft einzuschließen oder auszuschließen. Ferner wird eine naturgewollte Lebensnotwendigkeit solcher Unterscheidungen zwischen der eigenen Gemeinschaft und einer fremden Gemeinschaft konzipiert. Eine besondere Rolle für das Verständnis späterer Ausführungen zum Einwanderungsgesetz besitzt jedoch die praktische Herstellung von Wissen. Diese zeigt sich nämlich in vielen Bemühungen, die Wirklichkeit dem theoretischen Wissen anzupassen und somit die Welt nach Maßgabe der Theorie zu gestalten und der Natur ihre scheinbares Recht zu verschaffen.3

2.2 Nativismus

Bei dem deutlich spezifischeren Nativismus hingegen, handelt es sich nicht um einen Glauben oder eine Funktionsweise, die für alle Menschen auf der Welt gilt. Es handelt sich dabei vielmehr um eine Art des amerikanischen Nationalismus der nach innen gerichtet und auf die Erhaltung des kulturellen amerikanischen Erbes ausgerichtet ist. Wichtig ist dabei, dass für Nativisten wahre Amerikaner nur diejenigen sind, die bereits dort geboren wurden und innerhalb dieses sozio-politischen Umfeldes aufgewachsen sind. Dadurch entsteht eine selektiv-restriktive Einstellung gegenüber Ausländern. Amerika wird zwar als Zuflucht für Einwanderer gesehen, aber nur, wenn diese auch den entsprechenden Kriterien genügen. Flüchtlinge aus unerwünschten Ländern hingegen werden als Fremdkörper wahrgenommen, die eine Gefahr für das amerikanische Blut und die Gesellschaft darstellt.4 In der beleuchteten Zeit zwischen 1890 und 1925 bekam diese Haltung einen neuen Schub nach dem ersten Weltkrieg. Insbesondere der unzufrieden stellende Ausgang des 1. Weltkrieges für viele Amerikaner, der aufkommende Kommunismus und die erneut steigenden Flüchtlingszahlen, führten damals zu einem großen Zulauf für eine Programmatik, die die Werte des amerikanischen Nativismus wiederspiegelten.5

3. US-Einwanderungsgesetz von 1924

Das US-Einwanderungsgesetz, welches am 26. Mai 1924 in Kraft trat, war ein Wendepunkt in der Geschichte der amerikanischen Immigrationspolitik. Es stand symbolisch für das Ende einer Ära der freien Immigration aus Europa und für den Beginn der Ära der Restriktion. Das Gesetz führte Quoten auf Basis von Rasse sowie nationaler Herkunft ein und schuf eine Hierarchie der Attraktivität der Völker. Es diskriminierte gezielt Völkergruppen, die weniger erwünscht waren gegenüber hauptsächlich nordischen und westeuropäischen Völkern. Um aufgrund der Kürze dieser Arbeit einen passenden Rahmen zu setzen, wird sich im Folgenden hauptsächlich mit den Restriktionen gegenüber Europäern auseinandergesetzt. Ferner soll, um die Thematik chronologisch sinnvoll zu beleuchten, zuerst ein Überblick über die Zustände der Einwanderung und der vorherigen Gesetzgebung gegeben werden, bevor eine Analyse des Gesetzes von 1924 und seiner Quoten stattfindet.

3.1 Der Weg zum Johnson-Reed-Act

Bevor es zu den Quoten des Gesetzes von 1924 kam, welches auch als „Johnson-Reed-Act“ bekannt ist, gab es bereits zwei Vorgänger, die jeweils wichtige Meilensteine auf dem Weg zur Gesetzgebung darstellten. Zum einen den „Immigration-Act“ von 1917, der als Voraussetzung zur Einreise in die USA, die Fähigkeit auf Englisch lesen zu können überprüfte. Mit dem Gesetz von 1917 sollte insbesondere den Süd-und Osteuropäer die Einreise erschwert werden.6 Zum anderen der sogenannte „Emergency-Quota-Act“ von 1921, der in seiner Struktur und Beschaffenheit deutlich erkennbare Ähnlichkeiten zum späteren „Johnson-Reed-Act“ besaß, sodass er die Grundlage für das Gesetz von 1924 bildete. Aber wie konnte es überhaupt so weit kommen, dass ein Staat Einwanderungs-Quoten für Länder einführt, um die Einreise zu kontrollieren?

Zu Anfang des 20. Jahrhunderts gab es große Einwanderungswellen in den Vereinigten Staaten von Amerika. Dadurch wurden Gruppen, wie die sogenannten Restriktionisten, die in populistischer Form gegen die vermehrte Einwanderung in den USA kämpften, immer stärker und insgesamt die Abneigung gegenüber Einwanderern in den USA populärer. Um 1907 gab es eine dauerhaft hohe Einwanderung mit Werten bis zu 1.300.000 Einwanderern aus Europa.7

Diese Zahl sank zwar in den nächsten Jahren und in Folge des 1. Weltkrieges, aber erreichte 1921 kurz nach dem 1. Weltkrieg mit 621.364 Einwanderern erneut eine komplette Auslastung der Schifffahrtindustrie.8 Hinzu kam, dass der bis dato geltende Immigration-Act von 1917 an Wirkung verlor, da die Alphabetisierungsrate und Bildung auf der ganzen Welt stieg. Ferner gab es durch den aufkommenden Bolschewismus und Anarchismus in Europa, eine „rote Angst“, bei der man sich vor dem Import extremistischer und terroristischer Aktivisten durch die Einwanderer fürchtete.9 Der dadurch entstandene hohe politische Druck ließ die führenden restriktionistischen Politiker handeln. Somit wurde 1920 durch den Vorsitzenden des Ausschusses für Einwanderung und Einbürgerung, Albert Johnson, die Aussetzung der Immigration für 2 Jahre vorgeschlagen. Dieser Vorschlag wurde im Kongress angenommen, aber vom Senat abgelehnt, aufgrund der Bedenken über nicht genügend günstige Arbeitskräfte für die Industrie.10 Dennoch entstand durch die Annahme im Repräsentantenhaus eine sehr hohe öffentliche Salienz zu dem Thema, sodass es einen Alternativvorschlag gab. Der Senator von Vermont, William P. Dillingham, schlug vor die Einwanderung nicht vollkommen auszusetzen, sondern nur selektiv zu begrenzen. Dies sollte durch Quoten geschehen, die die Immigration auf Basis der Volkszählung von 1919 auf jeweils 5 % der jeweiligen Bevölkerung begrenzte. Die Einreisenden sollten, entsprechend ihres eingetragenen Geburtslandes in ihrem Reisepass, auf Ellis Island gezählt werden, um so die Einhaltung der Quoten zu überprüfen. Der Vorschlag wurde, mit der Korrektur der Quote von 5 % auf 3%, mit überwältigender Mehrheit im Mai 1921 angenommen Somit war die Immigration auf 350.000 Einwanderer jährlich begrenzt.

Nach diesem ersten Sieg der Nativisten und Restriktionisten zeigte sich jedoch schnell, dass die Bezeichnung des Gesetzes, „Emergency-Quota-Act“ einen wahren Kern hatte. Auf der einen Seite stellte sich heraus, dass die Überprüfung der Quoten-Erfüllung auf Ellis-Island chaotisch war und immer wieder zu Ausnahmen führte, da es ein Wettrennen der Transport-Unternehmen gab, um möglichst viele Einwanderer zu befördern bevor die Quoten ausgeschöpft waren.11 Zudem waren die Restriktionisten in ihrem Bestreben die Immigration komplett zu verbieten oder wenigstens nur den Einwanderern die Einreise zu ermöglichen, die sie als passend und amerikanisch genug hielten, nicht gestärkt. In Europa füllten beispielsweise zu 45 % Süd-und Osteuropa und nur zu 55 % die begehrten Nord-und Westeuropäer die Quoten aus. Somit gab es 1924 einen neuen Gesetzesvorschlag, der die Immigration auf 2 % der jeweiligen Volksgruppe in den USA beschränkte und eine jährliche Obergrenze in Höhe von 155.000 Einwanderer festsetzte. 12

[...]


1 Koller, Christian (2009): Rassismus. 1. Aufl. Paderborn: Schöningh, S. 8.

2 Geiss, Imanuel (1988): Geschichte des Rassismus. Erstausg., 1. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp), S. 15.

3 Geulen, Christian (2007): Geschichte des Rassismus. 1. Aufl. s.l.: C.H.Beck., S. 11 f.

4 Hans Jürgen Wendler (1978): Universalität und Nativismus: Das nationale Selbstverständnis der USA im Spiegel der Einwanderungspolitik, S. 2-4

5 Ebd. S. 176 ff.

6 Ngai, Mae M. (2005): Impossible subjects. Illegal aliens and the making of modern America. 4. Aufl. Princeton, NJ: Princeton Univ. Press (Politics and society in twentieth-century America). S. 19

7 Zolberg, Aristide R. (2008): A nation by design. Immigration policy in the fashioning of America. 1st Harvard Univ. pbk. ed. Cambridge, Mass, London: Harvard University Press, S. 230

8 Ebd., S. 243

9 Hans Jürgen Wendler (1978): Universalität und Nativismus: Das nationale Selbstverständnis der USA im Spiegel der Einwanderungspolitik, S. 174

10 Leonard, Henry Beardsell (1980): The Open Gates: The Protest Against the Movement to Restrict European Immigration // The open gates. New York: Arno Press ((American ethnic groups)), S. 231-232

11 Higham, John (1978): Strangers in the land. Patterns of American nativism 1860-1925. 20. print. New York: Atheneum (Atheneum paperbacks, 32), S. 310 ff.

12 Ngai, Mae M. (2005): Impossible subjects. Illegal aliens and the making of modern America. 4. Aufl. Princeton, NJ: Princeton Univ. Press (Politics and society in twentieth-century America). S. 21-23

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Das US-Einwanderungsgesetz von 1924. Ein Akt des Rassismus?
Hochschule
Universität Osnabrück  (Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
"Selecting by Origin”: Ethnos, Nation und Migration
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
21
Katalognummer
V463296
ISBN (eBook)
9783668917330
ISBN (Buch)
9783668917347
Sprache
Deutsch
Schlagworte
us-einwanderungsgesetz, rassismus
Arbeit zitieren
Tim Paulsen (Autor), 2018, Das US-Einwanderungsgesetz von 1924. Ein Akt des Rassismus?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463296

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