Digitale Überwachungsmöglichkeiten von Google anhand der Kartendienste Google Earth und Google Maps


Hausarbeit, 2014
23 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Uberwachungsbegriff

3. Daten- und Informationsformen

4. Uberwachungsmoglichkeiten von Kartendiensten
4.1 Google Earth
4.1.1 Funktionen
4.1.2 Datenspeicherung
4.1.3 Kritik
4.2 Google Maps
4.2.1 Google Streetview
4.2.2 Google Latitude
4.2.3 Datenspeicherung
4.2.4 Kritik

5. Vernetzte Uberwachung

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Online- Quellenverzeichnis

1. Einleitung

„Wenn sie nicht wollen, dass irgendwer es erfahrt, dann sollten Sie es vielleicht gar nicht erst tun."1

Datenschutzrechtliche Fragen sind immer wieder Teil der offentlichen Debatte um die Privatsphare im Internet. Besonders haufig ist dabei die Rede von dem Konzern Google, der seine Nutzer auf verschiedene Arten uberwacht. Die Google-Debatte wird vor allem durch die Veroffentlichungen des Anbieters bestarkt, die eine Vernetzung von gesammelten Daten ermoglichen. Eine umfassende Uberwachung wird durch das Zusammenfuhren der, von mehreren Diensten gesammelten, Personendaten, Adressdaten, Kommunikationsdaten, Standortdaten, Bilddaten und Konto- oder Bankdaten ermoglicht.

Google ist das weltweit teuerste Medienunternehmen2, mit einer besonders ausgepragten Marktdominanz in Deutschland3. Die Produktpalette von Google ist sehr umfangreich und umfasst Webanwendungen in verschiedenen Bereichen, zum Beispiel zur Organisation von Daten, Kommunikation und Informationsbeschaffung.

Ich nutze taglich Produkte von Google und kann mir nur schwer vorstellen, auf die Produkte des Universalanbieters zu verzichten. Einiges erscheint mir als „gewohnliche" Nutzerin undurchsichtig, weshalb mich der Konzern im Zusammenhang mit Uberwachung besonders interessiert hat.

Die Marktdominanz des Konzerns wirkt oft angsteinfloRend, dieser Eindruck wurde bei der Literatursichtung zum Thema vermittelt. Es gibt etliche Veroffentlichungen, die sich mit der „Datensammelwut"4 oder Jnformationssammelsucht"5 von Google beschaftigen und vor den Gefahren der Datensammlung, Datenspeicherung und Datenverwaltung warnen. Laut dem Soziologen Alexander Halavais wirft das Datensammeln und Data-Mining fundamentale Fragen zur privaten und personlichen Sicherheit auf, was eine Politisierung von Googles Macht zur Folge habe.6

Die Anwendungen, anhand dessen man Uberwachungspraktiken von Google untersuchen konnte, sind vielzahlig. Die Untersuchung aller Produkte wurde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Um eine sinnvolle Einschatzung vornehmen zu konnen, musste das Thema daher auf wenige, exemplarisch ausgewahlte, Dienste beschrankt werden.

Die erste offentliche Diskussion, die mir im Zusammenhang von Google und Datenschutz in Erinnerung geblieben ist, drehte sich um die Standortdienste des Unternehmens, Google Maps und Google Earth, weshalb ich mich fur eine genaue Betrachtung dieser Dienste entschlossen habe. Im Jahr 2008 ging es dabei vor allem um Google Street View, „dem globalen Blick des US-Internet Konzerns vor die eigene Haustur und in den eigenen Garten"7. Interessant konnte auRerdem der mittlerweile Eingestellte Zusatzdienst Latitude sein, da er im Kontrast durch ein freiwilliges Preisgeben des eigenen Standorts funktioniert. Es wird somit ein weiterer Aspekt der new surveillance8 beleuchtet, die anhand einer Definition des Uberwachungsbegriffs naher erlautert werden wird.

Relevant ist zunachst die Frage, um was fur Anwendungen es sich handelt und welche Arten von Informationen erfasst werden. Darauffolgend wird untersucht, wie diese Informationen genutzt werden konnen, um zu uberwachen. Weiterhin wird versucht, die offentliche Kritik an den Diensten anhand von beispielhaften Meldungen auf Nachrichtenplattformen aufzuzeigen. AbschlieRend werden die Ortungsdienste in den Gesamtkontext der Uberwachung durch Google eingeordnet, die durch die Vernetzung von Daten gekennzeichnet ist.

2. Der Uberwachungsbegriff

Uberwachung kann in unterschiedlichen Formen auftreten. Bei der Uberwachung durch Google handelt es um eine relativ neue Form der Uberwachung, die digitale Uberwachung.

Digitale Uberwachung ist durch das Internet gekennzeichnet und wird in der Forschung vielzahlig betitelt. Aktuell hat sich noch kein Konzept zur Beschreibung digitaler Uberwachung durchgesetzt. Das Phanomen ist Teil eines sich schnell verandernden Feldes, sodass sich die fur eine Beschreibung relevanten Ansatzpunkte stetig verandern. Ein weiterer Grund fur das Fehlen einer einheitlichen theoretischen Grundlage ist die Komplexitat des Themas, da es sich bei Google um ein marktwirtschaftliches Unternehmen handelt, welches Uberwachung und seine Machtposition zur Gewinnerzielung nutzt.

Einen Uberblick uber die unterschiedlichen Aspekte von digitaler Uberwachung bietet „Internet and Surveillance" von Albrechtslund, Boersma, Fuchs und Sandoval. Die verschiedenen Ansatze zur Uberwachung beinhalten die Begriffe dataveillance9, the electronic (super)panopticon10 oder electronic surveillance11. Gemeint ist dabei immer die systematische Uberwachung von personlichen Informationen anhand von Computertechnologie.

Voraussetzung dieser Entwicklung ist laut David Lyon das Voranschreiten der Digitalisierung, da Neuerungen die Moglichkeiten der digitalen Uberwachung erweitert hatten. Unter anderem konnten groRere Datenmengen verarbeitet werden und die Verarbeitung brauchte weniger Zeit als fruher. Das Nachverfolgen von Personen werde durch das Zerstreuen von Datenbanken, zu denen wichtige Institutionen freien Zugang hatten, begunstigt. Dies fuhre dazu, dass die Leute einer zunehmenden Uberwachung ausgesetzt sind.12

Grundlegend fur die neue Form der Uberwachung ist es, laut Gary T. Marx, dass der Uberwacher gegenuber dem Uberwachten einen Informationsvorsprung habe13, wodurch sich eine Asymmetrie ergibt. Dieser Informationsvorsprung lasst sich im Verhaltnis zwischen dem Unternehmen Google und seinen Nutzern deutlich erkennen. Das Unternehmen legt nicht offen, wie Anwendungen funktionieren (Bsp.: Algorithmus der Suchmaschine/was genau mit den gesammelten Daten innerhalb des Unternehmens passiert) Kurz und Rieger bezeichnen dieses Verhaltnis als „unuberblickbares Informationsgefalle zwischen Kunden und Anbieter"14 15.

Im Fall von Google kann man von einer mass dataveillance[15] sprechen, da eine groRe Anzahl von Menschen betroffen ist. Lyon stellt in diesem Zusammenhang heraus, dass alle Anwendungen des Internets, des WWW und des E-Mail Systems zuruckverfolgt werden konnten und eine Aufzeichnung der Daten vor allem aufgrund der Kommerzialisierung dieser (Internet)- Medien stattfinde.16 Ein Beweis dafur, dass diese Moglichkeiten genutzt werden ist das Durchsuchen von Mails der Nutzer von Google Mail nach bestimmten Schlagworten, was starker personalisierte Werbung ermoglichen soll.

Ein weiterer Aspekt der new surveillance ist es, dass Google Dinge uber seine Nutzer weiR, die sie selbst moglicherweise nicht wissen. So konnte zum Beispiel festgestellt werden, wo eine Person an einem bestimmten Datum gewesen ist, dass soweit zuruckliegt, dass die Person sich nicht mehr daran erinnern kann. Google hingegen kann diese Daten auf langere Zeit speichern als der Mensch anhand seines Gedachtnisses selbst.

Im Zusammenhang mit Uberwachung wird oftmals das Konzept des Panopticon von Jeremy Betham einbezogen, sowie die Uberlegungen Michel Focaults zu diesem Thema. Eine weitere Metapher ist der Big Brother von George Orwell, der durch das Buch 1984 gepragt wurde.17 Diese Vergleiche sind jedoch aufgrund von einer Dezentralisierung der Uberwachung und damit verbundenen Veranderungen der Anspruche an einen Uberwachungsbegriff laut Lyon „nicht geeignet, die gegenwartige Uberwachung angemessen zusammenzufassen".18

3. Daten- und Informationsformen

Die fur den Datenschutz besonders relevanten Daten werden auch als „personenbezogene Daten" bezeichnet. Im Bundesdatenschutzgesetz werden diese wie folgt definiert: „Einzelangaben uber personliche oder sachliche Verhaltnisse einer bestimmten oder bestimmbaren naturlichen Person (Betroffener)19. Sie haben das Potenzial, eine bestimmte Person eindeutig zu identifizieren. Diese Informationen gehoren zu den „sensiblen" Daten uber eine Person.

Bei den von Kartendiensten ubertragenen Daten handelt es sich um Standortdaten, die zur Navigation und Ortung dienen konnen. Ebenso konnen moglicherweise Adressdaten ubermittelt werden. Bilddaten konnen zudem mit Standortdaten verknupft werden, sodass offen gelegt wird, was fur einen Inhalt ein Foto hat und wann und wo es aufgenommen wurde.

Standortdaten geben Auskunft daruber, an welchem Ort sich eine Person befindet. Adressdaten hingegen beschreiben den permanenten Aufenthaltsort einer Person und umfassen Informationen uber die Strafe, Hausnummer und Postleitzahl.

4. Uberwachungsmoglichkeiten von Kartendiensten

Das umfangreiche Angebot von Google beinhaltet unter anderem Kartendienste. Bei Google Earth und Google Maps kann man sich nahezu jeden Ort auf der Erde von oben als hochauflosendes Satellitenbild anschauen. Die beiden Dienste sind seit 201020 miteinander vernetzt. Der Nutzer kann mit einem Klick von der Kartenansicht bei Maps zur Satellitenansicht bei Earth wechseln. Innerhalb der Anwendung Maps hat der Nutzer auRerdem die Moglichkeit, zur sogenannten Streetview- Ansicht umzuschalten. Wenn ein Nutzer seine Standortinformationen teilen mochte, hatte er dazu mit dem Dienst Latitude die Moglichkeit.

4.1 Google Earth

2004 kaufte Google das Unternehmen Keyhole Corporation auf, was dem Unternehmen Zugriff auf eine umfangreiche Datenbank mit Satellitenbildern und geografischen Informationen der Erde lieferte. Die von Keyhole veroffentlichte Software Earth Viewer wurde spater, am 28. Juni 2005, in Google Earth umbenannt. Es handelt sich dabei um einen „geografischen Browser"21, der mit Hilfe von Luft- und Satellitenbildern einen dreidimensionalen Eindruck der Erde vermittelt. Google Earth ist primar eine Sammlung von Luft- und Satellitenbildern, ein „virtueNe Globus"22, der fast die komplette Erdoberflache abdeckt.

Es gibt verschiedene Versionen der Software, neben der kostenlosen Basisversion konnen kostenpflichtige Versionen genutzt werden. Bei Google Earth Plus hat der Nutzer die Moglichkeit, die kostenlose Version aufzurusten. Dadurch wird die Geschwindigkeit erhoht und die Auflosung verbessert sich. Fur Google Earth Pro-Maps for Work wirbt Google unter anderem mit erweiterten Mess- und Zeichentools, mit denen man „einen Standort direkt von ihrem Schreibtisch aus planen, vermessen, und visualisieren [kann]"23. Des Weiteren kann sich der Nutzer historische Verkehrsdaten darstellen lassen.

Die Qualitat der Bilddaten ist unterschiedlich. Ballungsraume werden besonders genau dargestellt, in weniger bewohnte Gegenden ist die Auflosung der Rasterdaten geringer. Die Inhalte von Google Earth werden „von hochst unterschiedlichen Quellen aggregiert, beispielsweise aus Google Maps."24

4.1.1. Funktionen

Innerhalb von Google Earth hat der Nutzer die Moglichkeit, auf verschiedene Funktionen zuzugreifen. Mit Google Sky kann man sich durch das Weltall bewegen. Google Moon und Google Mars ermoglichen eine gezieltere virtuelle Reise. In die Vergangenheit kann durch historische Karten geblickt werden, die fruhere Satellitenbilder einbeziehen. Wetterdaten ermoglichen auRerdem eine Darstellung von Niederschlagen und Sturmen. Der integrierte Reisefuhrer zeigt Landergrenzen und Bilder an, zu denen eine Information uber das jeweilige Land gegeben wird. Mit Google Ocean sind Unterwasseransichten moglich. Zusatzlich gibt es eine Flugsimulator-Funktion. Des Weiteren kann innerhalb von Google Earth auch die Anwendung Google Street View genutzt werden.

[...]


1 Eric Schmidt im Dezember 2009, damaliger CEO von Google zum Thema Privatsphare im Rahmen eines Fernsehinterviews mit dem amerikanischen Sender CNBC.

2 Vgl. Rohle, Theo: Der Google-Komplex: uber Macht im Zeitalter des Internets. Bielefeld 2010, S. 21.

3 Vgl. Ebd., S.20.

4 Kurz, Constanze; Rieger, Frank: Die Datenfresser: wie Internetfirmen und Staat sich unsere personlichen Daten einverleiben und wie wir die Kontrolle daruber zuruckerlangen. Frankfurt a.M. 2011, S.99.

5 Streib, Simon: Big Brotherhood is watching you: unseren Daten auf der Spur. Berlin 2011, S. 121.

6 Ubersetzt aus: Hills, Ken; Petit, Michael; Jarett, Kylie: Google and the culture of search. London 2013, S. 17.

7 Weichert, Thilo: Die Kontrolle durch die Datenschutzbeauftragten- Handlungsgrenzen und Handlungsmoglichkeiten, insbesondere im Lichte eins neuen EU-Rechts. In: Hill, Hermann; Martini, Mario, Wagner, Edgar (Hg.): Verwaltungsressourcen und Verwaltungsstrukturen. Baden- Baden 2013, S.127- 134, S.127.

8 Vgl. Marx, Gary T.: Undercover: Police Surveillance in America. Berkeley 1989, S. 217-219. Ders.: What's New About the "New Surveillance"? Classifying for Change and Continuity. In: Surveillance and Society. Vol 1 (2002), S. 9-29, S. 12.

9 Clarke, Roger: Information Technology and Dataveillance. In: Communications of the ACM. Vol. 31, Issue 5 (1988), S. 498-512, S. 500.

10 Gordon, Diana. 1987. The electronic panopticon. In: Politics and Society. Vol. 15, Issue 4 (1987), S. 483-511. Poster, Mark: The mode of information: Post-structuralism and Social Contexts. Cambridge 1990, S. 93.

11 Lyon, David: The electronic eye: The rise of surveillance society. Cambridge 1994, S. 8

12 Ebd. S. 51 f.

13 Marx: What's new about the "New Surveillance?", S. 29.

14 Kurz, Rieger: Die Datenfresser, S.102.

15 Clarke, Roger: Dataveillance: delivering '1984'. In Green, Leila; Guinery, Roger (Hg.): Framing technology: Society, Choice and Change. Sydney 1994. Verfugbar unter: http://www.rogerclarke.com/DV/PaperPopular.html, abgerufen am: 1.10.2014.

16 Ubersetzt aus: Lyon, David: The world wide web of surveillance: the Internet and off-world power- flows. In; Information, Communication & Society. Vol. 1, Issue 1 (1998), S. 91-105, S.101.

17 "The majority of studies is informed by either Orwellian or Foucaldian ideas". Siehe dazu: Lyon: The Electronic Eye, S. 72.

18 Ders. S. 64

19 §3 Absatz 1 BDSG, abrufbar unter: http://www.gesetze-im-internet.de/bdsg_1990/___ 3.html, abgerufen am: 1.10.2014.

20 Schuler, Hans-Peter: Google-Maps-lernt-3D. Verfugbar unter: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Google-Maps-lernt-3D-988352.html, abgefragt am: 1.10.2014.

21 Ortner, Heike : Google Earth als Hypertext: der geografische Browser und seine Verknupfungen mit dem World Wide Web. In: Bucher, Hans-Jurgen: Neue Medien- neue Formate: Ausdifferenzierung und Konvergenz in der Medienkommunikation. In: Bucher, Hans-Jurgen (Hg.) [u.a.]: Interaktiva. Frankfurt a.M. 2010, S. 189-204, S. 189.

22 Kiefer, Philip: Die ultimativen Google und Google Earth Tipps. Dusseldorf 2007, S.299.

23 Siehe hierzu: https://www.google.com/intx/de/work/mapsearth/, abgerufen am: 1.10.2014.

24 Ortner: Google Earth als Hypertext, S.190.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Digitale Überwachungsmöglichkeiten von Google anhand der Kartendienste Google Earth und Google Maps
Hochschule
Universität Paderborn
Veranstaltung
Medien im Spannungsfeld von Kontroll- und Überwachungsordnungen
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
23
Katalognummer
V463340
ISBN (eBook)
9783668926448
ISBN (Buch)
9783668926455
Sprache
Deutsch
Schlagworte
digitale, überwachungsmöglichkeiten, google, kartendienste, earth, maps
Arbeit zitieren
Judith Kerstgens (Autor), 2014, Digitale Überwachungsmöglichkeiten von Google anhand der Kartendienste Google Earth und Google Maps, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463340

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