Anwendung von alternativen Vokabellernstrategien anhand der Schlüsselwortmethode


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018
19 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Vermittlung der Wortschatzaneignung
2.1 Problemfelder der Wortschatzaneignung
2.2 Theorie zur Funktionsweise menschlicher Informationsverarbeitung
2.3 Die Schlüsselwortmethode
2.4 Warum ist die Schlüsselwortmethode erfolgreicher als die Paar-Assoziationsmethode?

3 Zwischenfazit

4 Die Schlüsselwortmethode in der Anwendung
4.1 Das Vorgehen im Unterricht
4.2 Diskussion des vorgestellten Konzeptes

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Beim Erlernen von Fremdsprachen sind die Wortschatzaneignung und das Erlernen von grammatikalischen Regeln der Sprache unerlässlich. Wie dieses Vorhaben im schulischen Kontext realisiert wird ist dabei ebenso unterschiedlich wie das Angebot an Schulbüchern, die den Lernenden beim Lernen und den Lehrenden bei der Vermittlung Hilfestellungen anbieten. Dennoch hat sich eine Vokabellernstrategie nahezu in allen Fremdsprachenunterrichten bis heute durchgesetzt und hält sich hartnäckig seit Generationen: Die Paar-Assoziationsmethode. Diese Methode arbeitet (meist) mit dem klassischen Vokabelheft und überprüft die Leistung anhand von standardisierten Vokabeltests (Nevelin: 88).

In der vorliegenden Arbeit wird die Effizienz dieser Methode vor dem Hintergrund kognitionspsychologischer Forschungstheorien genauer betrachtet und ein alternatives Modell, die Schlüsselwortmethode, vergleichend herangezogen und vorgestellt werden. Des Weiteren wird eine Unterrichtsplanung diskutiert werden, die die Schlüsselwortmethode im Fremdsprachenunterricht anwendet.

Der Aufbau der Arbeit gliedert sich in zwei Hauptteile, einen theoriebasierten und einen praxisbasierten Teil. Begonnen wird mit dem theoriebasierten Teil, in dem erstens eine theoretische Einführung in die Schwierigkeiten und Probleme der Vermittlung von Vokabellernstrategien erfolgt. Hierbei wird auf die Paar-Assoziationsmethode eingegangen und die kognitionspsychologische Theorie des Mehrspeichermodells eingegangen, um darzustellen, wie die Informationsverarbeitungsleistung im menschlichen Gehirn vorstellbar ist. Zweitens findet die Auseinandersetzung mit der alternativen Vokabellernstrategie der Schlüsselwortmethode statt. Auch hierbei wird die kognitionspsychologische Theorie des Mono-Speichermodells, die dieser Methode zugrunde liegt, vorgestellt. Im Anschluss werden die Ergebnisse des theoretischen Hauptteils in einem Zwischenfazit dargestellt und diskutiert. Der darauffolgende praxisorientierte Teil beinhaltet die Darstellung und Überlegung zu einer Umsetzung der Vokabellernstrategie der Schlüsselwortmethode in einem idealtypisierten Unterrichtsentwurf eines Fremdsprachenunterrichts in Spanisch. Anschließend wird dieser Unterrichtsentwurf kritisch-reflektierend betrachtet. Ein Fazit zu den theoretischen Ergebnissen und dem praxisorientierten Entwurf schließt die Arbeit ab.

2 Die Vermittlung der Wortschatzaneignung

In diesem Abschnitt findet der Theorierahmen zur Wortschatzaneignungsstrategien statt. Zunächst wird auf die allgemeinen Problemfelder beim Erlernen einer Fremdsprache hingewiesen und hierbei die Wortschatzaneignung explizit herausgestellt. In einem weiteren Unterkapitel werden Überlegungen zu Lösungsstrategien dargelegt, um anschließend in einem dritten Abschnitt eine Alternativen zum traditionellen Vokabellernen im Schulkontext zu diskutieren: die Schlüsselwortmethode.

2.1 Problemfelder der Wortschatzaneignung

Wortschatzaneignung hat aus Perspektive der Lehrkraft meist das Ziel, dass Lernende zunächst einen grundständigen Wortschatz erlernen, diesen allmählich erweitern und die erlernten Worte in der Fremdsprache sowohl schriftlich als auch mündlich korrekt, d.h. grammatikalisch und sinnhaft korrekt, und zudem spontan in verschiedenen Kontexten resp. Situationen anwenden können. Beim Vokabellernen als Wortschatzaneignung handelt es sich um Kognitionsstrategien zum Einprägen, d.h. zur Einspeicherung des Erlernten ins Gedächtnis und zur Reproduktion dieser Informationen aus dem (Langzeit-)Gedächtnis in spezifischen Situationen.1 Aus der Perspektive der Lernenden, also der Schüler und Schülerinnen (im Folgenden auch: SuS) stellt sich diese kognitive Strategie im Lernprozess des alltäglichen und vielerorts traditionell durchgeführten Schulunterrichts jedoch zumeist anders dar: Die zu lernende Information wird sich von den SuS zwar eingeprägt, doch dies meist in der künstlichen Schul-Lebenswelt der SuS, die nicht als eine für sie originäre und lebenspraktisch nahe Lebenswelt wahrgenommen wird, so wie Gerhard Bach und Johannes-Peter Timm (1996: 2) zum Fremdsprachenerwerb zusammenfassend treffend festhalten:

„In diesem künstlichen Lernumfeld, das durch einen Komplex von administrativen, räumlich-personellen und organisatorischen Vorgaben, pädagogischen und fachlichen Norm- und Zielsetzungen sowie entsprechenden methodischen Steuerungsmechanismen geprägt ist, ist der Gebrauch der Fremdsprache außerdem lediglich Mittel zum Zweck: Er dient nur ihrer eigenen Erlernung.“

Somit lässt sich der Rückschluss ziehen, dass auch die Wortschatzaneignung an und für sich nicht in einen größeren Kontext, bspw. dem Gebrauch der Fremdsprache in individuell verschiedenen Situationen, gestellt wird, sondern in dem schulischen Mikrokosmos von Erlernen und Abfragen des Erlernten verweilt. Das Erlernen von Wörtern erfolgt entsprechend meist nach eingeübten Schemata wie der „Paar-Assoziationsmethode [die] meist die Übersetzung von Einzelwörtern oder Phrasen ohne weitere Einbettung in einen sprachlichen Kontext erfordert“ (Stadler&Hinger 2018: 134). Zudem erfolgt die Informationsreproduktionsleistung der SuS daraufhin in einer direkten Abfrage der Vokabeln in Form eines Vokabeltests, der die Methode der Informationseinprägung lediglich widerspiegelt. Der Anspruch, dass die Vokabeln auch losgelöst vom vorgegebenen Lernkontext anzuwenden sind, findet dabei keine Berücksichtigung.

Auch sind weitere negative Implikationen mit dieser Paar-Assoziations-Wortschatzaneignungsmethode verbunden, wie sie exemplarisch das klassische Vokabelheft bietet: Oftmals sind Vokabeln in der Ausgangs- und Zielsprache nicht deckungsgleich in ihrer Bedeutung. Außerdem wird eine zufällig angeordnete Reihenfolge der Wörter „mitgelernt“, d.h., die Anordnung der Wörter wird sich ebenfalls eingeprägt, wodurch ein separates Abrufen der Vokabeln aus dem Gedächtnis erschwert wird (Kleinschroth 1992: 50f). Auch die korrekte Aussprache als Zusatzinformation zur zu lernenden Vokabel oder die Einbettung in Beispielsätzen und Definitionen fehlen gänzlich (Lüders 2005: 24).

Dass das klassische Vokabelheft mit der ihm innewohnenden Abdeckmethode als überholt dient, ist innerhalb der Fachdidaktik mittlerweile allgemein anerkannt (vgl. Stork 2003). Doch die klassischen „Vokabeltests, die mit zweisprachigen Wortgleichungen arbeiten, erfreuen sich nach wie vor im Unterricht aller Jahrgangsstufen zumindest bei Lehrern großer Beliebtheit“ (Rössler 2009: 10). Diese Methode spart den Lehrkräften in der Vorbereitung und der Korrektur viel Zeit, da sie sehr einfach aufgebaut ist und keiner größeren Vor- und Nachbereitung bedarf. Und auch SuS kennen das eingeübte Verfahren zur Überprüfung der Vokabeln und können sich sehr leicht auf die Überprüfung der Lernleistung einstellen, zumal die meisten Vokabeln lediglich einmalig in einem Test abgefragt werden und sich keine Wiederholungen der Vokabeln in weiteren Vokabeltests ergeben. Der aufzubauende Wortschatz ist von den SuS somit nur für die situative (Über-)Prüfung zu erlernen und wird deshalb schlechter im Langzeitgedächtnis verankert.

Doch wie speichern wir generell beim Erlernen einer Fremdsprache den zu erlernenden Wortschatz in unserem Gedächtnis? Und wie funktioniert daraufhin das Abrufen der Information am besten? Die Antworten auf diese Fragen lassen sich im direkten Zusammenhang mit den alternativen Wortschatzaneignungsstrategien, die im nächsten Unterkapitel behandelt werden, betrachten.

2.2 Theorie zur Funktionsweise menschlicher Informationsverarbeitung

Heranzuziehen zur Beantwortung der vorangegangenen Fragen ist die kognitionspsychologische Forschung, die Aufschluss darüber gibt, wie das Sprachwissen im Gehirn (ab)gespeichert wird und am geeignetsten wieder abgerufen werden kann. Kurzum: Die kognitionspsychologische Forschung gibt eine Vorstellungsweise davon, wie wir uns den Prozess des Informationsspeicherns vorstellen können. Hierzu ist der Begriff des Mentalen Lexikons (ebd.: 5) ausschlaggebend. Das mentale Lexikon ist ein metaphorischer Begriff, der die Speicherung von Wörtern als Netzwerk versteht, indem die Wörter auf verschiedenebener Weise miteinander verknüpft sind. Es handelt sich somit um ein mehrdimensionales, vernetztes Speichersystem mit verschiedenen Komponenten. Zur Funktionsweise des mentalen Lexikons hält Andrea Rössler (ebd.: 5) zusammenfassend fest:

„Die Verknüpfungsprinzipien sind zum einen formaler Art (phonologische, morphologische und syntaktische Komponente), zum anderen inhaltlicher bzw. semantischer Art (konzeptuelle Komponente). Jedes Wort steht in verschiedenen syntagmatischen (Satzteile, Kollokationen, Komposita usw.) und paradigmatischen Zusammenhängen (z. B. Synonyme). Die Qualität und Quantität der Verbindungen zwischen den Konzeptknoten (Wortrelationen) ist wichtig zum Wiedererkennen und Anwenden der Lexeme.“

Die Forschungsergebnisse in diesem Bereich sind allerdings noch nicht vollständig und zudem in Fachkreisen stark umstritten. Das mentale Lexikon steht in der Tradition kognitionspsychologischer Konzepte, die den „Spracherwerb aus der Sicht der Struktur und Prozesse des Gehirns [betrachten]. Sie sehen das Gehirn als ein geschlossenes und sich selbst organisierendes System der Informationsverarbeitung an“ (Roche 2005: 18). Mit kognitivistischen Theorien lassen sich m.E. zwar am Geeignetsten die Informationsverarbeitungsprozesse herleiten und erklären. Insbesondere die sprachliche Informationsverarbeitung ist jedoch ein derart komplexer Prozess, so dass zu dessen vollständiger Erklärung weitere Forschungen notwendig sind, die etwa auch implizites Wissen bzw. Habitualisierungen berücksichtigen.

Das kognitionspsychologische Konzept des Speichers im Gehirn wurde Ende der sechziger Jahre von Richard M. Shiffrin und Richard C. Atkinson (1969) entwickelt (Imhof 2010: 44). Verschiedene Gedächtnisspeicher (Mehrspeichermodell), die in ihren Eigenschaften im Wissensnetzwerk (hier grob vorgenommen) unterschieden werden in das Ultrakurzzeit-, das Kurzzeit- (oder auch Arbeitsgedächtnis genannt) und das Langzeitgedächtnis. Diese Theorie zum Gedächtnis gehört der strukturalistischen Gedächtnistheorie (Stork 2003: 78) an, da die Vorstellung einer einzelnen Gedächtnisinstanz strukturell zugunsten dieser drei nebeneinander existierenden Gedächtnisspeicher verworfen wird. Im Ultrakurzzeitgedächtnis werden Informationen per definitionem nur sehr kurz (meist nur Sekunden oder deren Bruchteile) gespeichert und nach sinnvollem Gehalt ausgewählt, ob sie an das Kurzzeitgedächtnis weitergegeben werden sollen, in dem sie wiederum für höchstens ein paar Minuten zur Verfügung stehen. Über eine Wiederholungsfunktion, die in der psychologischen Forschung als „ erhaltendes Wiederholen “ (Gruber 2018: 5) oder auch als Rehearsal (ebd.: 5) bezeichnet wird, kann die Information aufrechterhalten und somit im Langzeitgedächtnis gespeichert werden. Wenn kein Rehearsal stattfindet und weitere Informationen im Kurzzeitgedächtnis hinzukommen, dann wird die Information nicht aufrechterhalten, sie wird ersetzt oder gelöscht. Ein vermehrtes Auftreten von Reizen und verschiedene Wahrnehmungs- und Aufmerksamkeitsprozesse sind hierfür verantwortlich (ebd.: 5f).

Diese Ausführungen verdeutlichen nicht nur, dass das Abspeichern von Worten im Gedächtnis, um einen späteren Zugriff zu ermöglichen, äußerst komplex ist, sondern auch wie fragil die Informationsaufnahme abläuft, da stetig neue Reize die langfristige Informationsspeicherung beeinflussen, bzw. stören können. Ablenkungen bei der Informationsaufnahme beeinflussen somit den Lernprozess.

Das klassische Vokabelheftlernen sollte laut dem kognitionspsychologischen Informationsaufnahmeprozess eigentlich zu einem Erfolg führen: Das stetige Wiederholen (Rehaersal) von Worten in der Paar-Assoziationsmethode führt zu einer langfristigen Einprägung der Information.2 Die in Kapitel 2.1 dargestellten Probleme der Paar-Assoziationsmethode sind vordergründig auch nicht auf die kognitionspsychologischen Speicherprozessstruktur bezogen, sondern bedingt durch den Aufbau und die Organisation der Netzwerkstruktur im Speicherprozess selbst, wie sie oben mit der Vorstellung vom mentalen Lexikon beschrieben wurden: Werden Vokabeln lediglich in Reihenfolge und Paar-Assoziation erlernt und abgespeichert, fällt ein Zugriff auf diese Information in einem anderen Kontext (bspw. einer anderen Überprüfung als dem klassischen Vokabeltest) schwerer, da die Verknüpfungspunkte zum Abruf der Information anders gesetzt sind und zudem situationsbedingt sich die von den SuS implizit mitgelernte Erwartungshaltung zur Abfrage der gelernten Information ggf. ändert.3

[...]


1 Eine Übersicht zu den verschiedenen Kognitionsstrategien zum Erlernen einer Fremdsprache gibt bspw. Roche, Jörg (2005): Fremdsprachenerwerb – Fremdsprachendidaktik. Tübingen und Basel, S.11-29.

2 Vorausgesetzt, dass eine kontinuierliche Konzentration und eine entsprechende Lernatmosphäre (bspw. ruhiger Arbeitsplatz ohne Ablenkungen) bestehen.

3 Auch die Motivation der Lernenden wird dadurch nicht gesteigert und kann mitunter stagnieren. Hierbei ist allerdings nicht nur das Lernen von Vokabeln verantwortlich, sondern ebenfalls äußere Faktoren wie bspw. das generelle Interesse an der Fremdsprache oder die Vermittlung der Sprache durch die Lehrkraft etc.. Im Rahmen dieser Arbeit liegt der Fokus jedoch auf der Vermittlung und dem Angebot an alternativen Lehrformen, weshalb eine detaillierte Analyse aller Faktoren, die einen Einfluss auf die Lernmotivation haben, nicht stattfinden kann.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Anwendung von alternativen Vokabellernstrategien anhand der Schlüsselwortmethode
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Romanisches Seminar)
Veranstaltung
Wortschatzlernen
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
19
Katalognummer
V463400
ISBN (eBook)
9783668926318
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wortschatz Vokabel Lernstrategie Schlüsselwortmethode Vokabellernstrategie Spanisch Unterricht Schule alternativ, Paar-Assoziationsmethode Kognitionspsychologie Psychologie Vokabelheft Vokabeltest Fremdsprachenunterricht Unterrichtsplanung Unterrichtsentwurf
Arbeit zitieren
Christian Nehl (Autor), 2018, Anwendung von alternativen Vokabellernstrategien anhand der Schlüsselwortmethode, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463400

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