Die verschiedenen Auftretensformen von Stalking


Projektarbeit, 2016

12 Seiten, Note: 1,0

Aleks Ancenko (Autor:in)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Definition

2 Handlungen

3 Dauer und Häufigkeit

4 Motive

5 Stalking und Kinder

6 Literaturverzeichnis

1Definition

Was Stalking genau ist, lässt sich nicht leicht beantworten, denn eine spezifische Verhaltensweise, die dabei immer präsent ist, lässt sich nicht bestimmen. Es lässt sich auch keine besondere Ursache oder Motivation finden. Ganz im Gegenteil, meist hat man es mit einer Mehrzahl von Verhaltensweisen zu tun. Dahinter kön-nen sich die unterschiedlichsten psychischen Besonderheiten, Emotionen und Mo-tivationen verstecken. Das Wort „Stalking“ selbst stammt aus der Jägersprache und bedeutet wörtlich übersetzt „auf die Pirsch gehen“. Somit verdeutlicht der Begriff die wiederholten Versuche des Stalkers, auf verschiedene Art und Weise mit dem Opfer gegen dessen Willen in Kontakt zu treten. Was man also zusam-menfassend sagen kann, ist, dass es sich um ein einseitiges Kontaktstreben han-delt. Genauer ausgedrückt versucht also eine Person eine Beziehung aufzubauen mit einer Person die es nicht möchte. Die Interaktion um die es sich beim Stalking handelt, ist also von einer deutlichen Asymmetrie geprägt (vgl. Hoffmann, 2006).

In der Literatur sind unzählige Definitionen von Stalking zu finden, bislang ist allerdings keine allgemein akzeptiert. Hoffmann (2006) bezieht sich auf Westrup (1998), ihrer Meinung nach können die folgenden 3 Merkmale Stalking konstitu-ieren:

Verhalten tritt mehr als nur einmal auf

Ziel bildet eine andere bestimmbare Person

Verhalten vom Opfer als unerwünscht

wahrgenommen löst Angst und/oder Besorgnis aus

Von Mullen u.a. (1999) stammt bisher die am weitestgehend anerkannteste Opera-tionalisierung. Festgelegt wurde sie ursprünglich im Rahmen einer wissenschaftli-chen Untersuchung. Hierbei wurde Stalking definiert als wiederholte (min. 10 Mal) und andauernde (min. 4 Wochen) unerwünschte Versuche sich dem Opfer anzunähern. Das Verhalten wurde dabei aufgrund des Empfindens der Opfer als unerwünscht wahrgenommen und nicht wegen Behauptungen des Täters (vgl. Hoffmann, 2006).

In den Untersuchungen lassen sich außerdem weite und enge Definitionen unter-scheiden. Unter der weiten Definition werden alle möglichen Arten der Freiheits- beschränkung und der nachstellenden Belästigung von Personen verstanden. So gehen einige Forscher bereits bei zwei oder mehr unerwünschten Kontaktaufnah-men von Stalking aus, wodurch sich die Prävalenzraten natürlich erhöhen. Enge Definitionen hingegen setzen eine deutliche Bedrohung und Einschüchterung des Opfers voraus. Die Angaben der Häufigkeit beziehen sich hier darauf, ob das Op-fer eindeutige Gefühle der Angst erlebt hat. Setzt man in Studien noch eine Min-destzeitdauer voraus, so fallen die Prävalenzdaten dementsprechend niedriger aus (vgl. Fiedler, 2006).

Zwar unterscheiden sich die einzelnen Definitionen hinsichtlich der Dauer, Häu-figkeit und auch der Qualität der Verhaltensweisen der Täter, jedoch ist es in der Praxis meist relativ eindeutig zu erkennen ob es sich um einen Stalkingfall handelt oder nicht. Somit spielen die Unterschiede zwischen den Definitionen in der Pra-xis eine relativ untergeordnete Rolle (vgl. Gallas u. a., 2010).

2Handlungen

Die Methoden mit denen Stalker versuchen in eine Kommunikation oder Bezie-hung mit ihren Opfern zu treten sind vielfältig. Die häufigsten Handlungen wer-den von Fiedler (2006) folgend erläutert:

- à Telefonanrufe

Das Telefon ist ein leicht zugängliches Hilfsmittel um in das Leben anderer ein-zudringen. Es ist die häufigste Form der Belästigung. Dabei können die Opfer sowohl zu Hause als auch am Arbeitsplatz kontaktiert werden. Mit dem Handy ist man heut zu tage ohnehin fast immer und überall zu erreichen. Wenn das Opfer versucht verzweifelt mit dem Täter zu kommunizieren, hat dieser die Möglichkeit entweder zu schweigen oder einfach aufzulegen. Auch passiert es oft, dass der Täter Wünsche nach Wideraussöhnung äußert oder penetrant auf das Opfer einre-det. Beschimpfende und obszöne Inhalte sind ebenfalls keine Seltenheit. Wenn das Opfer versucht das Gespräch zu beenden und aufzulegen, so können die Anru-fe zur Dauerbelästigung werden, so bilden Anrufe zu ungewöhnlichen Zeiten wie bspw. nachts keine Ausnahme. Die sexuell motivierten Stalker haben durch Anru-fe die Chance ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen. Sie beschreiben was das Opfer gerade anhat oder was es gerade deren Meinung nach macht. Die Täter können versuchen die Opfer an unterschiedlichsten Orten zu kontaktieren, wie etwa in Restaurants, am Arbeitsplatz oder sogar im Urlaub. Diese Tatsache impliziert au-tomatisch, dass der Stalker seine Opfer gut unter Beobachtung hat. Es ist also völ-lig verständlich, dass Telefone nicht nur als störend empfunden werden, sondern auch als bedrohlich und beängstigend. Es erweckt den Eindruck, als habe der Stalker alles unter Kontrolle und das Opfer sei ihm hilflos ausgeliefert. Jedes Te-lefonklingeln kann somit für das Opfer zum Horror werden.

- à Briefe, Fax oder SMS

Briefe können von Postboten, durch Nachbarn oder auch durch Freunde an die Opfer gelangen. Auch finden sich oft Nachrichten an der Windschutzscheibe des Autos oder auch an der Haustür. Die Inhalte können dabei sowohl romantisch als auch bedrohlich sein, oder auch eine Mischung aus beidem. Oft werden die Briefe an völlig Unbeteiligte geleitet, damit das Opfer umso mehr bloßgestellt werden kann. Auch können private Informationen, aber auch Unwahrheiten über sie ver-breitet werden. Sogar Finanzämter bekommen manchmal Informationen darüber, dass die Opfer Steuern hinterzogen haben.

- à Das Internet (Cyberstalking)

Das Internet hat sich mittlerweile als eines der wichtigsten Kommunikationsmittel herauskristallisiert. Gleichzeitig wurde eine neue Form des Stalkings beobachtet. Es besteht die Möglichkeit die Opfer mit E-Mails geradezu zu bombardieren, wodurch der normale E-Mailverkehr zur Unmöglichkeit werden kann. Auch wächst die Gefahr dadurch, dass Menschen unwissentlich nur deshalb Opfer wer-den, weil sie persönliche Informationen und Daten ins Internet stellen. Vor allem Plattformen wie beispielsweise Facebook oder Instagram bringen eine sehr hohe Gefahr mit sich.

- à Geschenke, Bestellungen, Aufträge

Bis zu einem Viertel der Opfer berichten außerdem vom Zusenden von Geschen-ken und anderen Zuneigungen. So werden Blumen oder Süßigkeiten zugesandt. Nicht selten kann es sich aber auch um makabre oder ekelerregende Dinge wie beispielsweise tote Haustiere oder Exkremente handeln. Immer beängstigend sind vor allem Zusendungen von Gegenständen die vorher aus der Wohnung des Op-fers gestohlen wurden.

3 Dauer und Häufigkeit

Häufigkeit

Die meisten Opfer die kontinuierlich verfolgt werden sind Frauen, der Wert liegt bei ungefähr 70 -80 Prozent (je nach Studie). Zwar können von Stalking alle Al-tersgruppen betroffen sein, dennoch zeigt sich, dass die Altersgruppe von 15-30 Jahren dabei besonders hoch zu sein scheint. Annährend die Hälfte der Betroffe-nen lebte während des Stalkings in einer festen Beziehung. 10 bis 20 Prozent be-fanden sich im Prozess einer Trennung oder waren geschiedenen (vgl. Fiedler, 2006).

In der Mannheimer Epidemiologischen Studie wurde die Verbreitung von Stal-king in der Allgemeinbevölkerung systematisch untersucht. In dieser Studie fan-den sich Häufigkeiten, die denen aus angelsächsischen Studien sehr ähnlich sind: ca. 11,6 % der Befragten gaben an, mindestens einmal in ihrem Leben Opfer eines Stalkers gewesen zu sein. Sie erfüllten die folgenden Definitionskriterien: Angst bei Betroffenen, mehrere unerwünschte Kontaktaufnahmen, Mindestdauer zwei Wochen, mindestens zwei verschiedene Verhaltensweisen (vgl. Gallas u. a., 2010).

Die Studien zeigen recht konvergent, dass von einer relativ hohen Lebenszeitprä-valenz auszugehen sei. Berücksichtigt man die Dunkelziffern, so können Schät-zungen bis fast 20 Prozent bei Frauen reichen und annährend bis 15 Prozent bei Männern. Diese Ergebnisse der Deutschen Studie sind vergleichbar mit den Er-gebnissen internationaler Studien. So zeigte sich beispielsweise in den USA eine Lebenszeitprävalenz von 8 bis 12 Prozent bei Frauen und 2 – 4 Prozent bei Män-nern. In einer Untersuchung in Großbritannien waren 6,8 Prozent der Männer und 16,1 Prozent der Frauen mindestens einmal in ihrem Leben betroffen. Die Unter-schiede in den Prävalenzen sind vor allem auf Unterschiede in den Kriterien (Dauer, Häufigkeit der Belästigung) zurückzuführen (vgl. Gallas u. a., 2010).

Dauer

Laut Gallas u.a. (2010) lassen sich im internationalen Vergleich unterschiedliche Ergebnisse erkennen. Was aber alle gemeinsam haben ist, dass sich die Verfol-gung meist über einen langen Zeitraum zieht. Eine Meta-Analyse von Spitzberg und Cupach ergab eine durchschnittliche Dauer von 22 Monaten. Auch in austra-lischen und holländischen Studien lässt sich eine ähnliche durchschnittliche Dauer erkennen, die bei 33 Monaten liegt. In einer Darmstädter Opferstudie wurden 551 Betroffene und 98 Täter befragt, dort lag die durchschnittliche Dauer bei ca. 28 Monaten. Bei einer Bevölkerungsstichprobe in der Mannheim-Studie wurden fast 25 Prozent der Betroffenen länger als ein Jahr verfolgt. Die durchschnittliche Dauer der Belästigungen in den verschiedenen Studien variiert zwar, dennoch zeigen die Ergebnisse, dass Stalking für viele Betroffene eine lang andauernde Stresssituation darstellt.

4 Motive

Die Frage nach dem Motiv von kriminellem Verhalten ist oft sehr problematisch. Auf welche Informationsquellen stützt man sich? Soll man dem Täter glauben der vielleicht sein eigenes Verhalten beschönigen will oder dem seine eigenen Motive gar nicht so bewusst sind? Wird aufgrund von äußeren Beschreibungen dem Ge-schehen ein Motiv zugeschrieben, so bewegt man sich gezwungenermaßen im Hypothetischen. Es kann sich dabei um Konflikte handeln die in der Persönlich-keit des Täters liegen und dann in der Tat einen Ausdruck finden können. Nach Hoffmann (2006) sind die folgenden Motive die am häufigsten beim Stalking eine Rolle spielen:

Der häufigste Wunsch der auftritt, ist eine Beziehung mit der anderen Person ein-zugehen oder auch eine bereits auseinander gegangene Partnerschaft wiederauf-zunehmen. Deutlich wird, dass es sich nicht nur um einen einzigen Beweggrund handeln kann und auch, dass sich dieser wandeln kann. Wenn beispielsweise die Annäherungsversuche des Täters zurückgewiesen werden, wandelt sich seine Zu-neigung nicht selten in Wut und Hass um. Dadurch kann sich ein Rachemotiv entwickeln und Belästigungen einen aggressiven Charakter annehmen.

Bei einigen Tätern steht die Ausübung von Psychoterror allerdings schon von An-fang an im Mittelpunkt. Ihnen geht es gezielt darum, dem Opfer Angst einzuja-gen. In einigen Fällen kann sich allerdings ein Groll verbergen, der sich aus einer persönlichen Auseinandersetzung entwickelt hat. Auch kann das Opfer eine sym-bolische Funktion besitzen und als Projektfläche eines Streites aus der Vergan-genheit dienen.

In einigen Fällen dient Stalking auch als Ablenkung. Das gilt besonders für Täter die sich in einer andauernden Lebenskrise befinden oder von Arbeitslosigkeit oder Trennung geplagt sind. Diese können mit der Fixierung auf einen anderen Men-schen einen neuen Lebenssinn finden an dem sie sich festhalten können. Durch die obsessive Beschäftigung mit dem Opfer, kann die Auseinandersetzungen mit der eigenen Lebenssituation vermieden werden und das Opfer wird immer mehr und mehr zum Mittelpunkt des eigenen Lebens (vgl. Hoffmann, 2006).

US- amerikanische Studien haben Opfer befragt um erste Anhaltspunkte für mög-liche Motive zu bekommen. Die große Spannweite der Antworten war aufgrund von verschiedensten Lebenssituationen und unterschiedlichsten Beziehungsfor-men nicht besonders überraschend. Am Häufigsten nahmen die Opfer an, den Tä-tern ging es darum Kontrolle oder Macht zu bekommen, eine bestehende Bezie-hung aufrechtzuerhalten oder auch die Opfer in Angst zu versetzen. Einige vermu-teten auch, den Stalkern ging es einfach nur darum Aufmerksamkeit und Beach-tung auf sich zu ziehen (vgl. Fiedler, 2006).

Die bisher wichtigsten Tatmotive die dokumentiert wurden stellt Fiedler (2006)

folgend zusammenfassend dar:

Eifersucht

Besitzansprüche auf das Opfer Ärger/Zorn

Klinisch relevante Zwanghaftigkeit,

Geiebensein Rache und Vergeltung

Erzwingen einer Intimbeziehung

Nichtakzeptanz einer aufgelösten Partnerschaft Aussöhnungsversuche

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die verschiedenen Auftretensformen von Stalking
Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
12
Katalognummer
V463416
ISBN (eBook)
9783668934269
ISBN (Buch)
9783668934276
Sprache
Deutsch
Schlagworte
stalking, soziale arbeit
Arbeit zitieren
Aleks Ancenko (Autor:in), 2016, Die verschiedenen Auftretensformen von Stalking, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463416

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