Hemmungslose Gefühlshingabe, Polarisierung und Schematisierung moralischer
Standpunkte, superreiche Ölmagnaten, exaltierte Frauenkeilereien, bodenlose Infamie, dunkle Machenschaften, exzessive Liebschaften und Geld en masse. Das sind nur einige der wenigen Attribute, die man zu hören bekommt, sobald die Sprache auf die in den 80er Jahren durchaus populären Fernsehsoaps Dallas und Denver Clan kommt. Die beiden US-Importe verzeichneten nicht nur einen ungemeinen Erfolg bei den Einschaltquoten, sie ließen auch die Herzen von Medienwissenschaftlern hörbar höher schlagen, und das im negativen wie positiven Sinne; gleichwohl sorgten sie für eine Menge Zündstoff nicht nur in der medienpolitischen, sondern auch in der kulturpolitischen Arena. Während Intellektuelle aber auch Feuilletonisten den Untergang des Fernsehabendlandes kassandrahaft an die Wand malten, und Politiker in Bundestagsdebatten darüber stritten, ob eine solch intellektuell anspruchslose Produktion, die ein völlig verzerrtes und unwirkliches Amerikabild transportierte nicht verboten werden sollte, fieberten die Fans von Dallas jeden Dienstag mit den Ewings und delektierten sich an J.R.`s Rachegelüsten. Gleiches gilt für den Mittwoch, wo die Zuschauer geradezu begierig auf die nächste, klug ausgedachte Intrige von Alexis warten. Selbst der schwedische Regisseur Ingmar Bergmann – Grandseigneur im Filmbetrieb - fand Gefallen an Dallas und auch Elke Heidenreich brach für Dallas eine Lanze.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorbemerkungen
2. Das Genre Soap Opera
3. Die Machart von Dallas und Denver-Clan
4. Gründe für den lang anhaltenden Erfolg der beiden Soaps
5. Die Rezeption von Dallas und Denver-Clan
6. Schlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Fernsehsoaps Dallas und Denver Clan, um deren Genreeinordnung, spezifische Machart, Erfolgsfaktoren sowie die Rezeption beim Publikum zu analysieren und kritisch zu hinterfragen, ob sie lediglich als triviale Unterhaltung abgetan werden können.
- Strukturelle Analyse der beiden Fernsehserien
- Vergleich der dramaturgischen Mittel
- Untersuchung soziokultureller Erfolgsgründe
- Analyse des Rezeptionsverhaltens und der Identifikationsangebote
Auszug aus dem Buch
Die Machart von Dallas und Denver Clan
Nachdem im vorhergehenden Kapitel der Versuch unternommen wurde eine grobe Definition des Genres der Seifenoper zu liefern, soll es nun darum gehen spezielle dramaturgische Mittel, aber auch Besonderheiten die die spezifische Machart von Dallas und Denver Clan ausmachen, darzulegen.
Fangen wir mit dem Vorspann an: Beide Serien verfügen über eine Erkennungsmelodie, die sich über die Dauer der Serien gehalten und abgesehen von geringfügigen Änderungen immer gleich blieb. Ein videografisch gestreiftes Bild schüttet alle Protagonisten der beiden Serien am Anfang aus. Während bei Dallas der Zuschauer mit einer schnellen, abenteuerlich anmutenden, heroenhaften an Countrymusik erinnernden Melodie eingestimmt wird – ganz im Stile eines texanischen Cowboys -, legen die Macher von Denver Wert auf Pathos. Der Zuschauer fährt über die mondänen Berge Colorados, überfliegt das herrschaftliche Herrenhaus der Carringtons und wird begleitet von einer gloriolen Trompetenmusik, untersetzt mit klassischen Elementen, die dem Zuschauer signalisiert, dass er nun angekommen ist in der Welt des Prunks, des Unerreichbaren, des non plus ultra. Ausschlaggebend ist hier der Wiedererkennungseffekt, der beim Vorspann mittels der bekanntem Musik, beim Zuschauer eintritt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorbemerkungen: Die Einleitung beleuchtet die enorme Popularität der beiden Soaps in den 80er Jahren und die kontroversen Reaktionen von Medienwissenschaftlern und Politikern.
2. Das Genre Soap Opera: Dieses Kapitel verortet Dallas und Denver Clan historisch und strukturell im Genre der Seifenoper und diskutiert gängige Serienmodelle.
3. Die Machart von Dallas und Denver-Clan: Der Fokus liegt hier auf spezifischen dramaturgischen Mitteln wie Vorspann, Kameraführung, narrative Struktur sowie der Bedeutung des Cliffhangers.
4. Gründe für den lang anhaltenden Erfolg der beiden Soaps: Hier werden soziokulturelle und ökonomische Faktoren analysiert, die den langanhaltenden Erfolg der beiden Serien beim Publikum begründen.
5. Die Rezeption von Dallas und Denver-Clan: Das Kapitel untersucht, wie und warum das Publikum die Serien wahrnimmt und welche Rolle Identifikationsangebote und parasoziale Ebenen spielen.
6. Schlussbetrachtungen: Die Arbeit resümiert, dass eine abschließende Bewertung der Soaps nicht allein mit ästhetischen Kriterien der klassischen Kulturtheorie erfolgen kann, sondern eine Verschiebung der Maßstäbe erfordert.
Schlüsselwörter
Fernsehsoaps, Dallas, Denver Clan, Soap Opera, Machart, Erfolg, Rezeption, Cliffhanger, Identifikation, Melodramatik, Unterhaltung, Fernsehforschung, Reagan-Ära, Mediengesellschaft, Fiktion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Fernsehserien Dallas und Denver Clan als kulturwissenschaftliches Phänomen und hinterfragt deren Einordnung als triviale Unterhaltung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Genreeinordnung, der dramaturgischen Machart, den Erfolgsfaktoren sowie der Publikumsrezeption.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine fundierte Analyse, die aufzeigt, wie die Serien trotz ihrer melodramatischen Elemente eine tiefe Wirkung auf die Zuschauer ausübten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt medienwissenschaftliche Literatur und Analyseansätze, um die Serienstrukturen und Rezeptionsweisen in den soziokulturellen Kontext der 80er Jahre einzubetten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die erzählerischen und formalen Besonderheiten, die Motive des Publikumserfolgs sowie die komplexe Wahrnehmung durch den Zuschauer.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit ist gekennzeichnet durch Begriffe wie Soap Opera, Cliffhanger, Identifikationsangebot, Mediengesellschaft und das Spannungsfeld zwischen Fiktion und Alltag.
Wie unterscheiden sich Dallas und Denver Clan in ihrer Machart?
Während Dallas stärker durch eine Western-Ästhetik und Country-Elemente geprägt ist, setzt Denver Clan vermehrt auf Pathos und eine mondäne, glamouröse Inszenierung.
Warum war der Cliffhanger für den Erfolg der Serien so wichtig?
Der Cliffhanger fungierte als unentbehrliches ökonomisches und dramaturgisches Mittel, um die Zuschauer durch das Einfrieren dramatischer Höhepunkte dauerhaft an das Format zu binden.
- Quote paper
- Sven Weidner (Author), 2005, Die Fernsehserien "Dallas" und "Denver Clan". Nur triviale Unterhaltung? , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46345