Innerhalb dieser Seminararbeit soll zunächst ein geschichtlicher Überblick gewonnen werden, indem die Entwicklung der Arbeitszeit in Deutschland anhand verschiedener Ereignisse, die zur Gestaltung beigetragen haben, aufgezeigt werden. Danach soll ein direkter Bezug darauf genommen werden um die Forschungsfrage historisch anzugehen. Ein Zwischenfazit soll den geschichtlichen Teil abschließen. Daraufhin soll grundsätzlich geklärt werden, welche Möglichkeiten der Arbeitszeitverkürzung sich bieten. Im nächsten Schritt soll kurz auf den heutigen Stand der Beschäftigung und Arbeitszeit eingegangen werden. Danach folgt eine Übersicht der Beschäftigungsproblematik und bestehenden Theorien zur Lösung des Problems.
Ist dies geschehen, werden die verschiedenen Formen der Arbeitszeitverkürzung und deren Unterschiede in Bezug auf eine Beschäftigungswirkung skizziert, worauf eine differenzierte Auseinandersetzung mit der Ausgangsfrage folgt. Innerhalb dieser Diskussion sollen verschiedene Für- und Gegenargumente dazu führen ein umfassendes Bild der möglichen Folgen einer Arbeitszeitverkürzung zu gewinnen und die Frage eines Beschäftigungspotentials zu klären. Im letzten Schritt soll ein Fazit die gesammelten Erkenntnisse zusammentragen und auswerten.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung und Aufbau der Arbeit
2. Entwicklung der Arbeitszeit in Deutschland
2.1 Historische Bilanz
2.2 Möglichkeiten die Arbeitszeit zu verkürzen
2.3 Der aktuelle Stand in Deutschland
3. Die Beschäftigungspolitik
4. Arbeitszeitverkürzung als beschäftigungspolitisches Instrument
4.1 Formen der Arbeitszeitverkürzung
4.2 Reduktion der Überstunden
4.3 Ausweitung der Teilzeitarbeit
4.4 Verkürzung der Lebensarbeitszeit
4.5 Theoretische Grundüberlegung
4.6 Mögliche Folgen einer Reduktion der Arbeitszeit
4.7 Arbeitszeitverkürzung im Umfang des Produktivitätsfortschritts
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Seminararbeit besteht darin, die wissenschaftlich umstrittene Frage zu klären, ob eine Verkürzung der Arbeitszeit als effektives Instrument zur Reduktion von Arbeitslosigkeit in Deutschland fungieren kann. Dabei wird untersucht, inwiefern theoretische Modelle und historische Erkenntnisse einen Zusammenhang zwischen Arbeitszeitverkürzung und Beschäftigungswachstum belegen oder widerlegen.
- Historische Entwicklung der Arbeitszeit und Arbeitsmarktdynamiken in Deutschland
- Vergleich verschiedener beschäftigungspolitischer Theorien (neoklassisch vs. keynesianisch)
- Analyse unterschiedlicher Formen der Arbeitszeitverkürzung (Teilzeit, Lebensarbeitszeit, Überstundenabbau)
- Untersuchung ökonomischer Auswirkungen wie Lohnstückkosten und Produktivitätsfortschritt
- Bewertung des Beschäftigungspotenzials unter Berücksichtigung von Strukturproblemen ("Mismatching")
Auszug aus dem Buch
4.6 Mögliche Folgen einer Reduktion der Arbeitszeit
Große Skepsis zeigt sich in Bezug auf eine potentielle Entstehung höherer Lohnstückkosten. Um auf diese Annahme näher eingehen zu können, muss zwischen einer Arbeitszeitverkürzung mit ausgleichender Lohnerhöhung, also einer Verkürzung mit gleichbleibendem Lohn und einer Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich differenziert werden. Eine Arbeitszeitverkürzung mit proportional steigendem Lohn bedeutet, dass sich die Lohnstückkosten erhöhen und die Gefahr einer kosteninduzierten Inflation entsteht und somit die Güterpreise steigen und der Reallohn entsprechend sinkt. Aus neoklassischer Perspektive kann der Reallohn durch einen Nominallohnsenkung ebenfalls herabgesetzt werden, was sich wiederum in einer erhöhten Beschäftigung auszahlt. Demzufolge wäre eine Nominallohnerhöhung bei sinkendem Reallohn ebenfalls möglich um die Reallohnhöhe stabil zu halten. Allerdings wird hierbei von einem flexiblen Nominallohn ausgegangen, ein rigider Nominallohn könnte die entstehende Arbeitslosigkeit nicht mildern. Nach keynesianischer Theorie geht der sinkende Nominallohn wiederum mit einem fallenden Preisniveau einher, wodurch der Reallohn unverändert bleibt und die Arbeitslosigkeit weiterhin besteht. Selbst wenn die Arbeitgeber bereit wären auf einen Lohnausgleich im Zuge der Arbeitszeitverkürzung zu verzichten, würden die Lohnstückkosten dennoch steigen, da erhöhte Fixkosten entstehen, die wiederum von der Anzahl der Arbeitnehmer abhängen und nicht von der geleisteten Arbeitszeit, wie bspw. der entstehenden Verwaltungs-und Einarbeitungskosten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung und Aufbau der Arbeit: Einführung in die historische Debatte der Arbeitszeitverkürzung als beschäftigungspolitisches Instrument und Definition des methodischen Vorgehens.
2. Entwicklung der Arbeitszeit in Deutschland: Darstellung der historischen Entwicklung von Arbeitszeitnormen sowie der aktuellen Situation und Möglichkeiten zur Arbeitszeitverkürzung.
3. Die Beschäftigungspolitik: Erörterung der wirtschaftspolitischen Herausforderungen bei der Bekämpfung von Arbeitslosigkeit und der verschiedenen zugrunde liegenden Beschäftigungstheorien.
4. Arbeitszeitverkürzung als beschäftigungspolitisches Instrument: Detaillierte Analyse verschiedener Ausprägungen der Arbeitszeitverkürzung, deren ökonomische Implikationen sowie die theoretischen Hindernisse für eine positive Beschäftigungswirkung.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Erkenntnisse, die zu dem Ergebnis führt, dass kein eindeutiger positiver Zusammenhang zwischen Arbeitszeitverkürzung und Arbeitslosigkeitsreduktion nachweisbar ist.
Schlüsselwörter
Arbeitszeitverkürzung, Arbeitslosigkeit, Beschäftigungspolitik, Arbeitsvolumen, Lohnstückkosten, Teilzeitarbeit, Lebensarbeitszeit, Neoklassik, Keynesianismus, Produktivitätsfortschritt, Reallohn, Arbeitsmarkt, Mismatching, Wirtschaftswachstum, Tarifverhandlungen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht kritisch, ob staatliche oder tarifliche Maßnahmen zur Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit tatsächlich dazu beitragen können, die Arbeitslosigkeit in Deutschland nachhaltig zu senken.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen die historische Entwicklung der Arbeitszeit, die Wirksamkeit beschäftigungspolitischer Instrumente, die Rolle von Lohnstückkosten und die Bedeutung des Produktivitätswachstums.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, zu analysieren, ob durch eine Umverteilung des vorhandenen Arbeitsvolumens mittels Arbeitszeitverkürzung die Beschäftigungslücke geschlossen werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der Analyse historischer Studien, Gesetzestexte sowie wirtschaftstheoretischer Modelle zur Beschäftigungspolitik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Arbeitszeit, die Vorstellung theoretischer Erklärungsmodelle für Arbeitslosigkeit sowie eine detaillierte Untersuchung verschiedener Formen der Arbeitszeitverkürzung, wie z.B. Teilzeitarbeit und Lebensarbeitszeitverkürzung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Arbeitszeitverkürzung, Beschäftigungspolitik, Lohnstückkosten, Arbeitsmarkt, Produktivitätsfortschritt und die Abwägung zwischen neoklassischen und keynesianischen Ansätzen.
Warum ist die Annahme eines konstanten Arbeitsvolumens problematisch?
Die Arbeit verdeutlicht, dass Arbeitsvolumen keine homogene Größe ist. Die Annahme, Arbeit ließe sich einfach auf mehrere Personen verteilen, vernachlässigt komplexe wirtschaftliche Faktoren wie Qualifikationsanforderungen, Standortfaktoren und unternehmerische Fixkosten.
Welchen Einfluss hat der technologische Fortschritt auf die Beschäftigung?
Durch die zunehmende Digitalisierung und Automatisierung entstehen Freisetzungseffekte, die zukünftig neue Anforderungen an die Arbeitswelt stellen und die Debatte über Arbeitszeitverkürzung als Mittel zur Existenzsicherung von Arbeitsplätzen erneut befeuern könnten.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle von Überstunden?
Die Publikation kommt zu dem Schluss, dass der Abbau von Überstunden, sofern diese durch Freizeit ausgeglichen werden, zwar der Flexibilisierung dient, jedoch in der Praxis selten nennenswerte Beschäftigungseffekte für Arbeitslose erzielt.
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- Philipp Sautter (Author), 2018, Führt eine Arbeitszeitverkürzung zur Reduktion von Arbeitslosigkeit?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463663