Kann paraverbale Kommunikation die Glaubwürdigkeit beeinflussen?


Bachelorarbeit, 2017

74 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Teil
2.1 Glaubwürdigkeit
2.1.1 Definition und Glaubwürdigkeitsforschung
2.1.2 Persuasions- und Einstellungsforschung
2.1.3 Glaubwürdigkeitsattribution
2.1.4 Erzwungene Glaubwürdigkeit: Das Aufdecken von Täuschungen
2.2 Paraverbale Kommunikation
2.2.1 Begriffserklärung im Zusammenhang mit Prosodie
2.2.2 Einfluss in der Kommunikation
2.3 Glaubwürdigkeit als paraverbales Persönlichkeitskonzept
2.3.1 Paraverbale Kommunikation und Persönlichkeit
2.3.2 Persönlichkeit & Glaubwürdigkeit
2.3.3 Glaubwürdigkeit & Paraverbale Kommunikation

3. Empirischer Teil
3.1 Methodik
3.1.1 Konzeption der Studie
3.1.2 Konzeption der Fragen
3.1.3 Durchführungsmethodik
3.1.4 Auswertungsmethodik
3.2 Hypothesen

4. Ergebnisse
4.1 Beschreibung der Stichprobe
4.2 Deskriptive Ergebnisse
4.3 Zusammenfassung und Interpretation

5. Ableitung von Verhandlungspotentialen

6. Fazit & Ausblick

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang

Tabellenverzeichnis

Fragebogen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Yale-Ansatz (vgl. Janis und Hovland 1959, zitiert nach: Köhnken 1990: 120) / Eigene Darstellung 11

Abb. 2: Elaboration Likelihood Model (vgl. Petty und Cacioppo 1986: 126) / Eigene Darstellung 13

Abb. 3: Vgl. Bühler 1965: 28 / Eigene Darstellung 21

Abb. 4: Verteilung der prozentualen Häufigkeiten der Frage, ob Glaubwürdigkeit abhängig von Persönlichkeit und Ausdrucksweise einer Person ist / Eigene Darstellung 37

Abb. 5: Verteilung der Stimmeigenschaften in Bezug auf eine glaubwürdige Erscheinung / Eigene Darstellung 38

Abb. 7: Prozentuale Verteilung der Stimmeigenschaften bezüglich „Kompetent“ / Eigene Darstellung 39

Abb. 8: Prozentuale Verteilung der Stimmeigenschaften bezüglich „Dynamisch“ / Eigene Darstellung 39

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Tätigkeitsverteilung / Eigene Darstellung 34

Tab. 2: Durchschnittsalter im Zusammenhang mit der ausgeübten Tätigkeit / Eigene Darstellung 35

Tab. 3: Häufigkeitstabelle der zugeordneten Eigenschaften / Eigene Darstellung 35

Tab. 4: Häufigkeitstabelle der Vermeidungstaktiken / Eigene Darstellung 36

Tab. 5: Häufigkeitstabelle der Stimmeigenschaften bezüglich der positiven Dimensionsausprägungen des Fünf-Faktoren Modells / Eigene Darstellung 40

Tab. 6: Geschlechtsspezifische Bewertung der Glaubwürdigkeit nach Stimmeigenschaften / Eigene Darstellung 42

Tab. 7: Tätigkeitsspezifische Bewertung der Glaubwürdigkeit nach Stimmeigenschaften / Eigene Darstellung 43

Tab. 8: Übersicht der Überprüfung der Hypothesen / Eigene Darstellung 49

Tab. 9: Reliabilitätsanalyse (Eigene Darstellung) 60

Tab. 10: Geschlechtsspezifische Verteilung der Meinung über den Zusammenhang zw. Ausdrucksweise und Glaubwürdigkeit (Eigene Darstellung) 60

Tab. 11: Glaubwürdigkeitsbeurteilung nach paraverbaler Kommunikation (Eigene Darstellung) 60

Tab. 12: Prozentuale Verteilung der Stimmeigenschaften bezgl. "Vertrauenswürdig" (Eigene Darstellung) 61

Tab. 13: Prozentuale Verteilung der Stimmeigenschaften bezgl. "Kompetent" (Eigene Darstellung) 61

Tab. 14: Prozentuale Verteilung der Stimmeigenschaften bezgl. "Dynamisch" (Eigene Darstellung) 62

Tab. 15: Prozentuale Verteilung der Stimmeigenschaften bzgl. "Offenheit" (Eigene Darstellung) 62

Tab. 16: Prozentuale Verteilung der Stimmeigenschaften bzgl. "Gewissenhaftigkeit" (Eigene Darstellung) 63

Tab. 17: Prozentuale Verteilung der Stimmeigenschaften bzgl. "Extrovertiertheit" (Eigene Darstellung) 63

Tab. 18: Prozentuale Verteilung der Stimmeigenschaften bzgl. "Rücksichtnahme" (Eigene Darstellung) 64

Tab. 19: Prozentuale Verteilung der Stimmeigenschaften bzgl. "Emotionale Stabilität" (Eigene Darstellung) 64

Tab. 20: Kreuztabelle bzgl. "Vertrauenswürdig" und "Langsame Sprechgeschwindigkeit" (Eigene Darstellung) 65

Tab. 21: Symmetrische Maße (Phi-Koeffizient) bzgl. "Vertrauenswürdig" und "Langsame Sprechgeschwindigkeit" (Eigene Darstellung) 65

Tab. 22: Kreuztabelle bzgl. "Zuverlässig" und "Starke Betonung" (Eigene Darstellung) 65

Tab. 23: Symmetrische Maße (Phi-Koeffizient) bzgl. "Zuverlässig" und "Starke Betonung" 65

Tab. 24: Altersverteilung (Eigene Darstellung) 66

1. Einleitung

Glaubwürdigkeit ist ein Begriff, der in den unterschiedlichsten Situationen verwendet wird, während paraverbale Kommunikation vorerst weniger geläufig erscheint. In dieser vorliegenden Arbeit wird eine Kombination dieser zwei Felder geschaffen und auf Zusammenhänge überprüft.

Eines der größten Bedenken der Menschen besteht seit jeher darin Aussagen anderer Personen zu glauben beziehungsweise die Person selbst als glaubwürdig zu empfinden. Die soziale Kommunikation zweier oder mehrerer Menschen bietet großen Spielraum für Täuschungen und somit für Zweifel an der Glaubwürdigkeit anderer Personen. Schlussendlich ist keiner mehr gänzlich von dem Wahrheitsgehalt einer Aussage überzeugt. An dieser Stelle kommt die Glaubwürdigkeit einer Person ins Spiel. Wen halten wir weshalb für glaubwürdig?

Diese Frage ist für einige Menschen von großer Bedeutung, wodurch der Glaubwürdigkeit durchaus Wichtigkeit zugeschrieben wird, denn ihr Verlust stellt selten Vorteile für eine Person dar. Die Glaubwürdigkeitsforschung liefert schon seit Jahren einige Rätsel über Definitionsversuche des Begriffes und über ihren Einsatz. Verschiedene Autoren kommen bis heute zu mehr oder weniger genauen Ergebnissen, welche jedoch ständig untereinander kritisiert aber auch optimiert werden. Die paraverbale Kommunikation hingegen ist ein klarer Bestandteil in der Kommunikation, welcher vorerst weit entfernt von der Glaubwürdigkeit in Erwägung gezogen wird. In dieser vorliegenden Arbeit werden zu Anfang beide Forschungsfelder präsentiert und relevante Ergebnisse dargestellt. Hierbei wird Glaubwürdigkeit definiert, was einen glaubwürdig erscheinen lässt und auch auf das Täuschungsverhalten eingegangen. Des Weiteren wird die paraverbale Kommunikation erklärt und in Zusammenhang mit der Glaubwürdigkeit unter Berücksichtigung der Persönlichkeit gesetzt. Anschließend wird eine eigene Studie durchgeführt, die den direkten Zusammenhang zwischen Glaubwürdigkeit und paraverbaler Kommunikation untersucht. Somit dient die Arbeit zur Untersuchung der Verbindung dieser beiden Felder, um herauszufinden, wie sich die paraverbale Kommunikation auf die Glaubwürdigkeit einer Person auswirkt.

2. Theoretischer Teil

In diesem Kapitel wird Stellung zu dem theoretischen Hintergrund der Bachelor Arbeit genommen. Es wird unterteilt in Glaubwürdigkeit, paraverbale Kommunikation und in die Annahme, inwiefern Persönlichkeitseigenschaften ein Bindeglied zwischen diesen beiden Themenfeldern schaffen. Zu Anfang wird die Glaubwürdigkeit an sich dargestellt und anhand bereits durchgeführter Studien zusammenfassend auf eine Definition gebracht und dementsprechend erläutert. Ebenso wird der Aspekt der intentionalen Täuschung betrachtet, wobei Modelle Aufschluss über mögliche Vorgehens- und Verhaltensweisen liefern. Somit werden zwei Perspektiven beleuchtet; einerseits die Perspektive, wie und wodurch einer Person generell Glaubwürdigkeit verliehen wird und andererseits wie eine Person aktiv versucht Glaubwürdigkeit vorzutäuschen. Anschließend werden diese Untersuchungen in Verbindung mit der sozialen Kommunikation und unter Klassifizierung der paraverbalen Kommunikation gesetzt. Dahingehend werden ebenso Kommunikationsmodelle im Zuge des Gesamtkontextes unter Berücksichtigung der Persuasion eingebracht. Daraufhin liegt der Fokus auf dem Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und paraverbaler Kommunikation, wobei ein Bezug zur Wahrnehmung hergestellt wird. Abgerundet wird das Kapitel unter der Gesamtbetrachtung, inwiefern Persönlichkeitsmerkmale mit paraverbaler Kommunikation und gleichzeitig mit dem Faktor Glaubwürdigkeit zusammenhängen, wodurch die Persönlichkeit folglich als ein Bindeglied betrachtet wird.

2.1 Glaubwürdigkeit

2.1.1 Definition und Glaubwürdigkeitsforschung

Um zu Beginn „Glaubwürdigkeit“ kurz und prägnant zu definieren, kann sie „als prinzipielle Bereitschaft […], Botschaften eines bestimmten Objektes als zutreffend zu akzeptieren und bis zu einem gewissen Grad in das eigene Meinungs- und Einstellungsspektrum zu übernehmen“ (Wirth 1999: 55) verstanden werden.

Hinzuzufügen ist im Vorfeld, dass der Begriff „Glaubwürdigkeit“ an sich in jeder Studie variiert und auch die Dimensionen, anhand welcher der Begriff gemessen wird, sich dahingehend ebenso unterscheiden (Gaziano und McGrath 1986: 452; West 1994: 160; Wirth 1999: 48). Dementsprechend stößt dieser Begriff seit Jahren auf Herausforderungen in der Wissenschaft, angesichts einer einheitlichen Definition begleitet von der Frage, welche Faktoren beziehungsweise Dimensionen zur Erfassung des Begriffes, helfen würden ihm eine Vereinheitlichung zuschreiben zu können.

Schon in der griechischen Antike stellte Aristoteles eine dreigeteilte Definition auf, wobei die jeweiligen Kriterien von einem überzeugenden Redner zeugen. Die klassische Rhetorik nach Aristoteles setzt sich aus den Elementen „Ethos“ (Glaubwürdigkeit), „Logos“ (Logik) und „Pathos“ (Emotion) zusammen, die sich gegenseitig bedingen (vgl. Higgins und Walker 2012: 197).

Ethos bezieht sich auf die Glaubwürdigkeit und die Vertrauenswürdigkeit eines Redners und somit auf den Charakter, der als überzeugendes Element dargestellt wird (vgl. Higgins und Walker 2012: 197). Die Wahrnehmung des Charakters durch die Audienz wird ebenso durch das Besitzen von „Kompetenz“ als Überzeugungstechnik begünstigt (vgl. Higgins und Walker 2012: 198). Ethos stellt demnach im Rahmen der Glaubwürdigkeit den wahrgenommenen Charakter eines Redners dar (vgl. Higgins und Walker 2012: 198). Erkenntlich ist, dass die Wahrnehmung dessen betont wird und nicht zwingend das Verfügen über diese Eigenschaften. Logos bezieht sich auf die reine Argumentation sowie auf die erfolgreiche und die systematische Begründung, während sich Pathos auf die Emotionen der Audienz bezieht (vgl. Higgins und Walker 2012: 198). Eine Überzeugungstechnik bezüglich des Elementes „Pathos“ ist die Identifizierung eines Redners mit der Audienz, wodurch der Eindruck erweckt wird Wünsche, Werte und Bedürfnisse der Zuhörer zu verstehen (vgl. Burke 2013: 46; Higgins und Walker 2012: 198). Nach Köhnken (1990: 1) werden unter anderem positiv bewertete Eigenschaften, wie Intelligenz, Verantwortungsbewusstsein, Fleiß, Hilfsbereitschaft und Ehrlichkeit in Erwägung für die Definition gezogen. Des Weiteren nähert sich Köhnken dem Begriff Glaubwürdigkeit an, indem er ihn als „Wahrheitsvorsatz bzw. als Abwesenheit von absichtlichen Täuschungen“ (Köhnken 1990: 3) bezeichnet. Aufgrund dessen fällt die Definition nicht negativ, sondern proaktiv positiv aufgrund der Intention des Beurteilten aus.

An dieser Stelle ist einzubringen, dass sich Köhnken allerdings nur auf die Intention der Wahrheit beziehungsweise auf die Abwesenheit der wissentlichen Täuschungen, des Redners bezieht. „Während hier Glaubwürdigkeit ausschließlich an der Absicht des ‚Kommunikators' festgemacht wird“ (Nawratil 2006: 18), wenden sich andere Definitionen der Perspektive des Rezipienten zu, wodurch der Fokus nicht auf die Person gesetzt wird, die redet und Glaubwürdigkeit zeigen soll, sondern auf die Person, die die Glaubwürdigkeit vernimmt und den Redner danach beurteilt. Das gesamte wahre und konsistente kommunikative Verhalten, wird dann als glaubhaft empfunden, wenn die Erfahrung beziehungsweise die Erwartung, an die Person dahingehend vorhanden ist (vgl. Bentele 1988a, zitiert nach Jarren et al. 1998: 305).

Durch dieses Zuschreiben von Glaubwürdigkeit der Rezipienten an den Redner und nicht anhand der Absicht, wodurch aufgrund dessen ein glaubwürdiges Auftreten erreicht werden soll, kann daraus geschlossen werden, dass Verhaltensweisen in der verbalen und nonverbalen Kommunikation bestehen, welche ein glaubwürdigeres Erscheinungsbild begünstigen. Jedoch liegt die Entscheidung im Endeffekt bei dem Rezipienten, ob der Inhalt als wahrheitsgemäß empfunden und dadurch dem Redner generell Glaubwürdigkeit zugeschrieben wird. Stets sind die bisherigen Definitionen eine Kombination von positiven Aspekten, Einstellungen und Empfindungen gegenüber einer anderen Person, wodurch Glaubwürdigkeit als eine Art wahrgenommene inhaltliche und verhaltensbasierte Aufrichtigkeit einer anderen Person betrachtet wird.

Glaubwürdigkeit, definiert als ein zweidimensionales Konzept, besteht aus „expertness“ („extent to which a communicator is perceived to be a source of valid assertions“, Hovland et al. 1953: 21) und „trustworthiness“ („degree of confidence in the communicator’s intent to communicate the assertions he considers most valid“, Hovland et al. 1953: 21). „Kompetenz“ und „Vertrauenswürdigkeit“ sollen demnach die zwei leitenden Begriffe darstellen, welche essentiell für die Definition der empfundenen Glaubwürdigkeit sind.

Studien von Hovland1 et al. (1953: 35) belegen, dass Bewertungen der Rezipienten einer kommunikativen Mitteilung wohlwollender und positiver ausfielen, bei welchen der Kommunikator eine höhere Kompetenz und Vertrauenswürdigkeit aufwies, als bei kommunikativen Mitteilungen, bei welchen der Kommunikator eine nur geringe Glaubwürdigkeit mittels dieser Faktoren zeigte; auch sind die Absichten des Redners von Bedeutung für das Ergebnis (vgl. Hovland et al. 1953: 35).

Weiterhin wird die Beurteilung, im Rahmen der Forschung, des Begriffes „Glaubwürdigkeit“ in verhaltensorientierte, forensische und quellen- beziehungsweise kontextorientierte Glaubwürdigkeitsbeurteilung unterteilt und kategorisiert, wodurch ein Bezug zu der Sprache und dem Verhalten eines Redners aufgezeigt wird (vgl. Köhnken 1990: 9; Nawratil 2006: 12). Der Fokus wird daher nicht allgemein auf die Persönlichkeit, das Verhalten und die verbale und nonverbale Kommunikation im Gesamtzusammenhang gesetzt, sondern es werden die verschiedenen Forschungsgebiete einzeln nach ihren Perspektiven untersucht.

„Wer Augen hat zu sehen und Ohren zu hören, überzeugt sich, daß die Sterblichen kein Geheimnis verbergen können. Wessen Lippen schweigen, der schwätzt mit den Fingerspitzen; aus allen Poren dringt ihm der Verrat.“ (von Freud 1971: 174 f., zitiert nach Köhnken 1990: 12)

Freud betrachtet an dieser Stelle in seinem Kommentar den Aspekt, dass vor allem das Verhalten einer Person ausschlaggebend für die Glaubwürdigkeit sei, insofern, dass nicht einmal ein Wort gesagt werden müsse, um Unglaubwürdigkeit beziehungsweise Verrat, aufzudecken. Der erste Teil seiner Aussage richtet sich, in Betrachtung der Augen und Ohren, an die Verhaltensweisen und Sprache des Menschen und deren Glaubwürdigkeit in Bezug darauf. Im Umkehrschluss lässt sich aus der Aussage von Freud ableiten, dass Beurteilungen angesichts Glaubwürdigkeit eine deutliche Schwierigkeit mit sich bringen, wenn Menschen aktiv etwas zeigen und sprechen. Im Gegensatz dazu steht das Stillschweigen, welches wiederum mehr über einen Menschen offenbaren soll als Aktivitäten.

Der Ansatz der verhaltensorientierten Glaubwürdigkeitsbeurteilung geht davon aus, dass „der Wahrheitsgehalt einer Information nicht oder zumindest nicht allein aus dem Kommunikationskontext oder aus stabilen Merkmalen der Kommunikationsquelle abgeleitet werden kann“ (Köhnken 1990: 9). Bestimmte Verhaltenskorrelate (vgl. Köhnken 1986, zitiert nach Köhnken 1990: 9), welche beobachtbare, eine Person in kritischen Äußerungssituationen begleitende Verhaltensweisen darstellen, sind unterteilt in vier Systeme: Der Inhalt der kritischen Äußerung, das Sprechverhalten der Person, das nonverbale Verhalten und in psychophysiologische Phänomene.

Nach Nawratil (2006: 12) liegt das Ziel in der verhaltensorientierten Glaubwürdigkeitsforschung darin, im Rahmen der direkten Kommunikation mit einem Redner Hinweise auf Täuschungsversuche allein aus seinem Agieren entdecken zu können.

Demnach ist das Konstrukt an sich und die Beurteilung der Glaubwürdigkeit dieser Beschreibung nach stets in Abhängigkeit anderer Faktoren und vor allem nicht nur alleinig auf den Inhalt und Kontext einer Botschaft ausgelegt. Die Komplexität dieser zielgerichteten Wahrnehmung über den Wahrheitsgehalt spiegelt sich deutlich in der Vielfalt der damit zusammenhängenden Faktoren beziehungsweise Verhaltenskorrelate wider. Das Beurteilen danach besitzt mehrere Felder und Dimensionen, die von unterschiedlicher Natur sind, denn einerseits wird betrachtet, wie sich eine Person verhält ohne etwas von dem gesprochenen Wort zu hören und auf der anderen Seite wird bewertet, wie das Wort im Umfang von Inhalt und Art der Kommunikation schlüssig scheint beziehungsweise sich in das Gesamtumfeld einfügt, in Hinsicht auf die Kombination mit den Verhaltensweisen zu dem Sprechverhalten allgemein.

Im Bereich der forensischen beziehungsweise inhaltsorientierten Glaubwürdigkeitsbeurteilung untersucht die Forschung im Kontext des Glaubwürdigkeitsbegriffes kriminologische Zusammenhänge (vgl. Köhnken 1990: 82). Generell wendet sich diese Beurteilungsart an die Aussagepsycholgie im Rahmen von Zeugenaussagen. Nach Lipmann (1925: 115) wird unterschieden zwischen Zeugnisfähigkeit und Zeugnistüchtigkeit. Des Weiteren betrachtet er auf der anderen Seite Glaubwürdigkeit im Sinne von Aussageehrlichkeit. Somit besteht das Ziel dieser Nachforschungen und Untersuchungen darin, herauszufinden inwieweit Glaubwürdigkeit bei Personen vorliegt beziehungsweise fälschlicherweise aktiv versucht wird Glaubwürdigkeit aufzuerlegen. Besonders in diesem Gebiet ist Glaubwürdigkeit einer der wichtigsten Faktoren für beide Perspektiven. Denn einerseits müssen Personen aus Zwecken des Selbstschutzes ein glaubwürdiges Auftreten haben und andererseits liegt es in der Verantwortung der beurteilenden Personen glaubwürdiges Auftreten korrekt einschätzen zu können und den Wahrheitsgehalt dahinter feststellen zu können.

Das Konzept der „speziellen Glaubwürdigkeit“ (von Undeutsch 1967, zitiert nach Köhnken 1990: 83) besagt, dass Glaubwürdigkeit ein situatives Konstrukt ist und nicht mit Persönlichkeitsmerkmalen in Verbindung gebracht werden solle, denn Personen variieren mit in dem Wahrheitsgehalt in ihren Aussagen je nach Situation, wodurch Glaubwürdigkeit nicht an Persönlichkeitsmerkmalen, sondern an situativen Faktoren festgemacht wird. Köhnken argumentiert mit Hilfe des Konzepts der speziellen Glaubwürdigkeit von Undeutsch (1967: 125) gegen den Einfluss von Persönlichkeitsmerkmalen bei der Untersuchung der ausschlaggebenden Faktoren für den Wahrheitsgehalt einer Aussage. Dies ist nachzuvollziehen, da die Intention hinter der aktiven Erscheinung von Glaubwürdigkeit gegenüber der Persönlichkeit selbst steht. Auf Basis dieser Feststellungen kann eine Person in ihrer glaubhaften Erscheinung variieren. Jedoch ist die Entscheidung des Ergebnisses der schlussendlichen glaubwürdigen Aussage an der situativen Intention und nicht an der Persönlichkeit einer Person festzumachen, da eben der Situation entsprechend im Zuge des glaubwürdigen Erscheinungsbildes gehandelt wird, wodurch bestimmte Verhaltensweisen zum Vorschein kommen. Im Gegensatz dadurch ist die Persönlichkeit und ihre Merkmale an sich beständiger. Das bedeutet, dass ein gleiches Schema in der aktiven Glaubwürdigkeitserscheinung, somit also die Intention dahinter, vollzogen wird, welches sich aber in unterschiedlichen Variationen aufgrund der unterschiedlichen Persönlichkeiten und deren Merkmale, äußern kann. Auf dieser Basis ist es also der Fall, dass dieselbe Person einerseits in verschiedenen Situationen unterschiedlich handelt und andererseits unterschiedliche Personen mit unterschiedlichen Persönlichkeitsmerkmalen in bestimmten Situationen dieselbe Glaubwürdigkeit besitzen.

Dahingehend wird der Fokus in der forensischen Glaubwürdigkeitsbeurteilung auf die Aussage selbst gesetzt und nicht auf die Persönlichkeitsmerkmale eines Zeugen.

Als letzter Teilbereich der Glaubwürdigkeitsforschung wird die quellen- und kontextorientierte Glaubwürdigkeit behandelt. „Die quellen- und kontextorientierte Glaubwürdigkeitsforschung fragt nach verhaltensunabhängigen Merkmalen und Eigenschaften eines Sprechers, von denen seine Zuhörer auf seine Glaubwürdigkeit schließen, sowie nach der Bedeutung der Kommunikationssituation.“ (Nawratil 2006: 12)

Da sich dieser Bereich der Glaubwürdigkeitsbeurteilung nicht auf das Verhalten bezieht, soll untersucht werden, welche Umstände also welche Quellen und welcher Kontext dafür verantwortlich ist, dass jemandem Glaubwürdigkeit zugeschrieben wird. Empfindungen darüber werden schon vor Beginn einer Kommunikation aufgestellt und ziehen sich auch bis nach Ende dieser. Nach den „Premessage Expectancies“, also die Erwartungen eines Rezipienten vor Aufnahme der Botschaft eines Redners, bilden sich Rezipienten bereits ein Bild, anhand bereits verfügbarer Informationen über den Sprecher; Werden die Erwartungen des Rezipienten bestätigt, so wird die Ursache dem Redner zugeschrieben, wobei im Gegensatz unbestätigte Erwartungen der Situation zugeschrieben werden (vgl. Wood und Eagly 1981: 251). Dieses Zuschreiben der Ursachen, also die Attribution oder „Postmessage Processing“ (Wood und Eagly 1981: 250) führt dazu, dass bei bestätigten Erwartungen dem Redner nur geringe Glaubwürdigkeit angeheftet (Abwertungsprinzip) wird, da ausgeschlossen wird, dass andere Umstände neben dem Redner und seiner Situation eine Rolle spielen und dieser so frei über den Wahrheitsgehalt seiner Aussagen bestimmen kann, wohingegen bei widersprüchlichen Aussagen zu den Erwartungen des Rezipienten die Glaubwürdigkeit steigt (Aufwertungsprinzip), denn eine Argumentation gegen offensichtliche beziehungsweise die eigenen Erwartungen muss nach Schlussfolgerung der Rezipienten intensive Auseinandersetzung und Ergebnisaufbereitung des Kommunikators bedeuten (vgl. Kelly 1972, zitiert nach Koller 1990: 4; Köhnken 1990: 138).

Da es sich bei der quellen- und kontextorientierten Glaubwürdigkeitsbeurteilung um ein Gebiet der Einstellungsforschung handelt (vgl. Köhnken 1990: 118), gilt es sich zunächst auf die Einstellung zu konzentrieren und eine Struktur beziehungsweise eine Definition hinsichtlich dessen zu verwenden. Somit wird das „Dreikomponentenmodell“ (vgl. Maio und Haddock 2010: 25) verwendet. Die drei evaluativen Komponenten bestehen aus einer kognitiven, einer affektiven und einer konativen beziehungsweise behavioralen, Komponente und ergeben zusammen die Einstellung eines Menschen (vgl. Pratkanis et al. 2014: 6; Eagly und Chaiken 1993: 10). Eine Einstellung eines Menschen zu einer Person, einer Gruppe oder einem Gegenstand wird also durch drei verschiedene Faktoren bestimmt. Im Bereich der kognitiven Komponente spielen Überzeugungen eine Rolle, während sich die affektive Komponente der Einstellung auf die Gefühle eines Menschen bezieht (vgl. Köhnken 1990: 118). Durch die Kombination mit der letzten Komponente, wodurch also Überzeugungen, Gefühle und Verhaltensweisen im Zusammenspiel eine Art Bewertung darstellen, wird das Gesamtgefüge als eine Einstellung eines Menschen zu etwas bezeichnet. Geäußert wird dies beispielsweise in Vorurteile, Sympathie, Antipathie und Selbstwert (vgl. Smith et al. 2014: 247). Durch gerade den Selbstwert wird deutlich, dass Einstellungen nicht zwingend ein Resultat in der Perspektive gegenüber etwas Anderem sind, sondern auch Auswirkungen auf die eigene Person haben kann. Die Einstellungsforschung beschäftigt sich ebenso verstärkt mit dem Entstehen und Ändern der Einstellungen in Bezug auf persuasive Kommunikation.

2.1.2 Persuasions- und Einstellungsforschung

Der Zusammenhang zwischen Einstellungen und Glaubwürdigkeit zeigt sich in den Einstellungsänderungen, wobei diese „in ihrer Funktion als Indikator für die Effektivität der experimentellen Glaubwürdigkeitsmanipulation von Bedeutung sind“ (Köhnken 1990: 119).

Aufgrund dessen wird im Folgenden kurz auf den „Yale-Ansatz“ (von Janis und Hovland 1959, zitiert nach Köhnken 1990: 120) und auf das „Elaboration Likelihood Model“ (vgl. Petty und Cacioppo 1986: 126; Priester et al. 1999: 34) eingegangen.

Der „Yale-Ansatz“ (von Janis und Hovland 1959, zitiert nach Köhnken 1990: 120) stellt einen entscheidenden und wichtigen Aspekt in der Einstellungsforschung dar (s. Abb. 1). Nach diesem Ansatz wird in der persuasiven Kommunikation die Frage untersucht: Wer sagt was zu wem, über welchen Kanal, mit welchem Ziel? (vgl. Lasswell 1987: 17)

Anhand dieser Frage wird demnach Folgendes abgedeckt: Wer der Redner ist, was der Inhalt der Botschaft ist, welche Rezipienten die Botschaft empfangen, auf welchem Weg sie diese vermittelt bekommen und worin die Intention des Redners besteht. In dem eben erwähnten Yale-Ansatz wird der Fokus auf die Quelle, die Nachricht und den Empfänger gelegt. Janis und Hovland fügten diese Felder in einem Modell zusammen und erstellten auf Basis dessen ein Modell. Jedes der Felder (Quelle, Nachricht und Empfänger) besitzt verschiedene Faktoren.

Der erste Faktor der Quellen-Faktoren ist die „Glaubwürdigkeit“, unterteilt in „Kompetenz“ und „Vertrauenswürdigkeit“, zurückzuführend auch auf Hovland et al. (1953: 35) hinsichtlich der Wahl dieser beiden Begriffe als Unterkategorien. Weitere Faktoren der Quelle sind „Attraktivität“, „Status“, „Rasse“, und „Religion“ (s. Abb. 1). Im Gesamten beschreiben diese Faktoren den Kommunikator beziehungsweise die Person, Gruppe oder auch Institution (vgl. Köhnken, 1990: 119), von welcher die Nachricht ausgeht. Glaubwürdigere Sprecher, in Bezug auf Kompetenz und Vertrauenswürdigkeit (vgl. Hovland et al. 1953: 35), sowie attraktivere Personen (vgl. Chaiken und Eagly 1989: 213) werden als überzeugender wahrgenommen.

Die Faktoren, welche der Nachricht zugeschrieben werden sind „Reihenfolge der Argumente“, „einseitig vs. zweiseitig“, „Appell-Typ“ und „explizite vs. implizite Schlussfolgerungen“ (s. Abb. 1). Darauf basierend sind Personen leichter von einer Nachricht zu überzeugen, die nicht als solche erscheint beziehungsweise Rezipienten nicht in Kenntnis der Überzeugung sind (vgl. Petty und Cacioppo 1986: 174). Auch sollten Nachrichten nicht nur die eigene Position widerspiegeln, sondern auch die Argumente der Gegenseite beleuchten, denn durch die zweiseitigen Botschaften wird dem Empfänger das Gegenargument geliefert, ohne dass er sein Argument einsetzen konnte beziehungsweise man das Gegenargument bereits bedacht hat (vgl. Crowley und Hoyer 1994: 568 f.).

Abhängig von der Zeit zwischen einer persuasiven Kommunikation und der schlussendlichen Entscheidungsfindung ist die begünstigte Reihenfolge der Redner. Sollte direkt nach einem Überzeugungsprozess eine Entscheidung getroffen werden, so sollte man sich den Primacy Effekt zu Nutze machen, welcher besagt, dass das zuerst Gehörte länger in Erinnerung bleiben wird. Sollte aber eine längere Pause zwischen Diskussion und Entscheidung sein, ist es von Vorteil, der letzte Redner zu sein, da in diesem Fall das zuletzt Gehörte aufgrund des Recency Effekts besser erinnert wird (vgl. Miller und Campbell 1959: 8 f.).

Dies kann nicht nur auf die Reihenfolge der Redner bezogen werden, sondern auch auf die Reihenfolge der Argumente in einem Vortrag.

Dem Empfänger werden die Faktoren „Persuabilität“, „Ausgangsposition“, „Intelligenz“, „Selbstwertgefühl“ und „Persönlichkeit“ zugeordnet (s. Abb. 1). Empfänger, welche abgelenkt von der eigentlichen Überzeugung sind, sind leichter zu überzeugen als Empfänger, die konzentriert sind (vgl. Petty und Cacioppo 1986: 141). Personen mit einem durchschnittlichen Selbstwertgefühl besitzen eine höhere Beeinflussbarkeit (Persuabilität) als Personen mit überdurchschnittlich hohem oder niedrigem Selbstwert, während Empfänger mit hoher Intelligenz weniger anfällig für Beeinflussungen sind (vgl. Rhodes und Wood 1992: 165).

Als Folge der unabhängigen Variablen, also diejenigen, die unverändert während eines experimentellen Versuchs bleiben, führen der Abbildung entsprechend interne vermittelte Prozesse herbei. Die unabhängigen Variablen stellen die Quelle, die Nachricht und den Empfänger dar. Sie sind daher die drei Ausgangskomponenten, welche in Folge die Basis für eine Einstellungsänderung darstellen. Die internen vermittelten Prozesse beziehen sich jeweils auf die unabhängige Variable. Wird die Aufmerksamkeit eines Empfängers an die Quelle gerichtet und die Nachricht generell verstanden und auch vom Empfänger als akzeptiert betrachtet, so wurde das Fundament für eine Einstellungsänderung gelegt. Die Änderungen können sich je nach Art der Kommunikation oder anderen Faktoren bezüglich der Situation während des Überzeugungsprozesses in folgenden Variationen als beobachtbare Effekte der Kommunikation zeigen: Meinungsänderung, Wahrnehmungsänderung, Affektänderung, Verhaltensänderung (vgl. Janis und Hovland 1959, zitiert nach: Köhnken 1990: 120).

Der Yale-Ansatz bietet ein klares Verständnis, welche Faktoren in der persuasiven Kommunikation eine Rolle spielen und durch welche internen Prozesse es zu welchen Einstellungsänderungen führen kann. Von besonderem Interesse ist in diesem Modell der Faktor „Glaubwürdigkeit“ der Quelle. Dieser wird als einziger in dem Modell untergliedert, nämlich in Vertrauenswürdigkeit und Kompetenz. Glaubwürdigkeit, sowie Attraktivität als Quellenfaktoren bilden die einzigen Faktoren dieser Kategorie, die auf subjektiver Wahrnehmung beruhen. Im Gegensatz dazu herrscht in den Begriffen beziehungsweise Faktoren „Religion“, „Rasse“ oder auch „Status“ eine Stabilität, denn die Religion und Rasse beispielsweise ändern sich nicht situativ. Attraktivität und vor allem Glaubwürdigkeit können in verschiedenen Situationen unterschiedlich wahrgenommen werden, so auch nach dem Konzept der speziellen Glaubwürdigkeit nach Undeutsch (1967: 125). Auch von Bedeutung ist die Gleichstellung der Nachricht gegenüber zwei Personen, also einer Quelle und einem Empfänger. Demnach kommt dem Verstehen der Nachricht ebenso die selbe Wichtigkeit wie der Aufmerksamkeit und der Akzeptanz zu.

Glaubwürdigkeit wird „vor allem als objektiver Faktor des Kommunikators betrachtet, nicht als subjektiver (zugeschriebener) Faktor innerhalb des Rezeptionsprozesses.“ (von Bentele 1988: 410, zitiert nach Nawratil 2006: 52)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Yale-Ansatz (vgl. Janis und Hovland 1959, zitiert nach: Köhnken 1990: 120) / Eigene Darstellung

Das bedeutet, dass nach Bentele objektive Glaubwürdigkeit bei der Quelle in dem Modell vorliegt, wodurch der Rezipient diese wahrnimmt und somit aufnimmt. Jedoch sollte hierbei gerade diese subjektive Glaubwürdigkeit im Sinne eines Zuschreibungsprozesses des Empfängers Anwendung finden, wodurch der Empfänger die Glaubwürdigkeit nicht in dem Ausmaß annimmt, in dem sie bei der Quelle objektiv vorliegt, sondern in dem Ausmaß des persönlichen Empfindens die Glaubwürdigkeit bewertet. Bestätigt wird dies auch von anderen Autoren mit der Aussage, dass Glaubwürdigkeit strengstens im Auge des Betrachters liegt (vgl. Infante et al. 1993: 189). Somit wird diese auch von den Rezipienten beurteilt und nicht als objektiver Faktor eines Kommunikators beziehungsweise generell einer Person, gesehen. Glaubwürdigkeit stellt anhand dieser Feststellungen eine Zuschreibung eines Rezipienten dar.

Ein weiterer wichtiger Ansatz hinsichtlich der Einstellungen und Einstellungsänderungen in Bezug auf persuasive Kommunikation stellt das Elaboration Likelihood Model (s. Abb. 2) dar (vgl. Petty und Cacioppo 1986: 126; Priester et al. 1999: 34).

Das Modell besitzt zwei Routen, welche zu einer Einstellungsänderung führen sollen: Eine periphere und eine zentrale Route. Wird eine Person in einer persuasiven Kommunikation mit einer persuasiven Botschaft in der Nachricht konfrontiert, so wird die Information auf einer dieser beiden Routen verarbeitet. Diese Verarbeitung findet jedoch nur statt, wenn eine Motivation und Fähigkeit zu dieser Aufnahme und Verarbeitung vorhanden ist. Nicht der Fall ist dies, wenn beispielsweise kein persönliches Interesse daran besteht oder die Sprache des Gegenübers (der Quelle) nicht verstanden wird. Findet die Verarbeitung statt durch das Vorliegen der Motivation und Fähigkeit einer betroffenen Person, so wird bei wenig Gedanken über die konfrontierte Information die periphere Route eingeschlagen und bei aufwändigem Nachdenken und Auseinandersetzen mit dem Thema die zentrale Route gewählt. Die Elaboration, also das Ausmaß in welchem man über die persuasive Information nachdenkt (vgl. Petty und Cacioppo 1986: 128) bestimmt die Route, die von einem Empfänger gewählt wird. Hat man wenig Zeit, Interesse, persönlichen Bezug oder Wissen zu dem Thema, so schlägt man die periphere Route ein, welche zu einer instabilen Einstellungsänderung führt, da man sich auf Expertenurteile verlässt und nicht themenorientiert eine Entscheidung trifft. Setzt man sich allerdings intensiv mit dem Thema auseinander und wägt das Für und Wider der erhaltenen Botschaft mit seinem eigenen Meinungsbild und seinen Einstellungen bezüglich dieses Themas ab, so verarbeitet man die persuasive Information über die zentrale Route, welche zu einer stabilen Einstellungsänderung führt, da ausgiebig über das Thema nachgedacht wurde und man unter Sorgfalt seine geänderte Einstellung festigt (vgl. Petty und Cacioppo 1986: 126; Priester et al. 1999: 34).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Elaboration Likelihood Model (vgl. Petty und Cacioppo 1986: 126) / Eigene Darstellung

Das Heuristic-Systematic Model (vgl. Chaiken und Eagly 1989: 212), welches an das Elaboration Likelihood Model angelehnt ist, unterscheidet sich nur in einem Punkt von diesem. Die zentrale Route existiert ebenso bei dem Heuristisch-Systematischem Modell, die in diesem Fall aber als „systematisch“, statt „zentral“ bezeichnet wird. Die Unterscheidung der Modelle zeichnet sich dadurch ab, dass bei der heuristischen Verarbeitung, welche die periphere Route des Elaboration Likelihood Models ersetzt, der Inhalt einer persuasiven Botschaft als weniger wichtig empfunden wird und mittels Heuristiken eine Entscheidung getroffen wird beziehungsweise wird der Fokus auf einfache Schlussfolgerungen oder Schemata gelegt, die die Auseinandersetzung und Entscheidung mit den dargebotenen Informationen erleichtern, wodurch ebenso geringerer kognitiver Aufwand gefordert wird (vgl. Chaiken und Eagly 1989: 213).

Die beiden vorigen Modelle sind vor allem bedeutsam in Verbindung mit der Glaubwürdigkeit. Denn wie man bei dem Elaboration Likelihood Model und dem Heuristic-Systematic Model sehen kann, werden oftmals Entscheidungen beziehungsweise Einstellungsänderungen, durch geringes Auseinandersetzen mit den aufgenommenen Informationen getroffen. Gerade, wenn heuristische Verarbeitung vorliegt und einfache Regeln im Kopf bei einem niedrigen Ausmaß an Auseinandersetzung mit dem Thema benutzt werden und auf die Expertise beziehungsweise Kompetenz von Redner zurückgegriffen wird, spielen aufgrund dessen Faktoren eine Rolle, welche keinen großartigen oder überhaupt keinen Bezug zum Inhalt der Botschaft besitzen. Glaubwürdigkeit ist ein möglicher Faktor, der aufgrund der Komponente der vertrauenswürdigen Erscheinung als eine Beeinflussung zur schlussendlichen Entscheidung dienen kann. Denn wird der Inhalt weitestgehend ignoriert und die bloße Erscheinung in den Vordergrund gestellt, so spielt auch ebenso der Faktor „Kompetenz“ der Glaubwürdigkeit eine Rolle. „Kompetenz“ ist insofern bedeutsam, dass dem Empfänger beziehungsweise ein Zuhörer, der sich nicht mit dem Inhalt auseinandersetzt, Faktoren wie akademische Titel wichtig sind. Aufgrund dessen wird Vertrauen in die Quelle durch ihre Kompetenz aufgebaut und eine Herleitung gebildet, dass der Sprecher glaubwürdig sein müsse und wahrheitsgemäße Aussagen von sich gibt, die den Empfänger schlussendlich überzeugen (vgl. Hovland et al. 1953: 35). Festzumachen ist dies an Entscheidungen oder Einstellungsänderungen bei Personen, die auf die Aussagen von Experten vertrauen, gerade weil diese Experten sind (vgl. Chaiken und Eagly 1989: 216). Mit anderen Worten kann das alleinige Erscheinungsbild von Glaubwürdigkeit Menschen dazu bewegen, ihre Einstellung zu ändern, ohne dass inhaltliche Überzeugung geleistet wurde.

2.1.3 Glaubwürdigkeitsattribution

Anhand der im letzten Abschnitt behandelten Einstellungsänderungen wurde der Schluss gezogen, dass der Inhalt einer Nachricht nicht unbedingt von Relevanz für eine Überzeugung oder auch eine Wahrnehmung von Glaubwürdigkeit ist. Gerade durch die Bedeutsamkeit der Heuristiken, wodurch Personen Entscheidungen für sich treffen, die am nächsten liegen und kognitiv einfach zu treffen sind, kommt auch der Glaubwürdigkeit im Sinne der Einstellungsänderung und generell den wahrgenommenen Einstellungen eine Bedeutsamkeit zu. Aufgrund dessen besitzt das Bestehen der Glaubwürdigkeit inklusive ihren Faktoren „Vertrauenswürdigkeit“ und „Kompetenz“ eine große Reichweite, da die Faktoren nicht einfach nur von Rezipienten wahrgenommen werden, sondern diese auch Einstellungen von Personen verändern können, ohne dass inhaltlich etwas dazu beigetragen hat. Wodurch Glaubwürdigkeit hervorgerufen wird beziehungsweise an welchen Faktoren dies festzumachen ist, wird im Folgenden untersucht.

Zunächst wird untersucht wie die Attribution, also das Zuschreiben von Ursachen der Vertrauenswürdigkeit manipuliert wird. Anhand der Beantwortung dessen werden Faktoren abgeleitet, die Aufschluss über die vertrauenswürdige Erscheinung von Personen geben (vgl. Köhnken 1990: 123).

„Die […] Maßnahmen zur Manipulation der wahrgenommenen Kommunikatorglaubwürdigkeit können […] in drei Bereiche eingeteilt werden, je nachdem, ob sie (1) dauerhafte Charakteristika des Kommunikators, (2) die Absicht oder die Motivation zur Beeinflussung der Rezipienten oder (3) die Art der Argumentation des Kommunikators variieren.“ (Köhnken 1990: 123f)

Die dauerhaften Charakteristika wurden in einigen Studien getestet, indem in experimentellen Versuchen einer Quelle mehr oder weniger Vertrauenswürdigkeit beziehungsweise Kompetenz zugeschrieben wurde. Dies wurde so umgesetzt, dass dem Autor in einer Quelle, die es von Studenten zu beurteilen galt, entweder ein Hintergrund zugeschrieben wurde, der besagt er sei ein Spezialist für internationales Recht, oder ein früherer Theaterkritiker. Dabei wurde den einen Probanden gesagt, dass die ihnen vorgelegte Quelle einer Fachzeitschrift entnommen wurde und den anderen Probanden, die die Biographie des Theaterkritikers bekamen, wurde gesagt der Artikel sei aus der „Daily Press“. Somit wurde die stabile Charakteristik „Kompetenz“ untersucht. „Vertrauenswürdigkeit“ wurde durch zusätzliche Angaben zu der Person getestet, wobei bei einerseits den Probanden mitgeteilt wurde, dass Bekannte und Kollegen den Autoren für ehrlich halten und auf der anderen Seite wurde er als Nazi-Sympathisant tituliert, um niedrige Vertrauenswürdigkeit zu testen (vgl. McGinnies und Ward 1980, zitiert nach Köhnken 1990: 124).

Nach Köhnken (1990: 125) werden bei diesem Versuch und generell bei den meisten Persuasionsstudien Meinungen und Überzeugungen vermittelt, die die Einstellungsänderung bei den Rezipienten auszulösen scheinen und nicht die bloßen Sachverhalte an sich.

Die Faktoren „Kompetenz“ und „Vertrauenswürdigkeit“, also der Hintergrund der Quelle geben Aufschluss über ihre Glaubwürdigkeit bei anderen stabilen (dauerhaften) Charakteristika. Jedoch ist hier Vorsicht geboten, da in dieser Studie Meinungen und keine Sachverhalte vermittelt werden, wodurch das Ergebnis von der Realität abweichen kann.

Die Beeinflussungsabsicht untersucht im Zuge der Glaubwürdigkeitsattribution die offensichtliche Absicht der Beeinflussung in Verbindung mit Vertrauenswürdigkeit. Eine Methode dies zu untersuchen bietet das „Overhearing-Paradigma“, welche (von Walster und Festinger 1962, zitiert nach Köhnken 1990: 126) angewendet wurde, indem Probanden eine Konversation scheinbar unbeabsichtigt mithören. Indem die Probanden nicht davon ausgehen, dass sie bestimmt sind die Konversation mitzuhören, wird der Eindruck vermittelt die Intention der Beeinflussung würde nicht vorliegen. Dementsprechend wurde ein Teil in der Studie darüber informiert, dass die Belauschten über eine Lautsprecheranlage in Kenntnis über die Zuhörer sind wohingegen der andere Teil gesagt bekommen hat, dass die Belauschten scheinbar nicht in der Kenntnis der Zuhörer sind. Das Ergebnis dieser Studie besagt die empfundene Vertrauenswürdigkeit erscheint höher bei dem Teil der Probanden, die keine Beeinflussungsabsicht vermuten. Einstellungsänderungen treten jedoch nur bei persönlich relevanten Themen auf (vgl. Köhnken 1990: 126).

Die Art der Kommunikatoren bei einer Argumentation wird nach ihrem Standpunkt untersucht. Dies wurde insofern in einer Studie getestet, wobei Personen einmal für und einmal gegen ihre eigene offensichtliche Interessenlage argumentierten. In diesem Fall argumentierte einmal ein Staatsanwalt in einem den Probanden vorgelegten fiktiven Zeitungsinterview für die Erweiterung seiner Kompetenzen und einmal argumentierte ein zu zwanzig Jahren verurteilter Straftäter für die Erweiterung der Kompetenzen des Staatsanwaltes. Im Anschluss wurde auf die Ehrlichkeit beziehungsweise Vertrauenswürdigkeit, durch die Einschätzung von Probanden geschlossen. Beiden wurde wenig Glaubwürdigkeit für die Kompetenzerweiterung zugeschrieben (vgl. Walster et al. 1966, zitiert nach Köhnken 1990: 131).

Der daraus hervorgehende Befund ist jedoch von größerem Interesse: „Der aktuelle Zusammenhang zwischen der (unterstellten), Interessenlage des Kommunikators und seiner Argumentationsrichtung kann eine "allgemeine", personengebundene Vertrauenswürdigkeit überlagern.“ (Köhnken 1990: 132)

Mit anderen Worten wurde damit herausgefunden, dass wenn nach einem Interesse argumentiert wird, „Vertrauenswürdigkeit“ einen neuen Charakter bekommt, denn ein Sträfling ist zu einem Staatsanwalt von Grund auf weniger vertrauenswürdig. Jedoch ändert sich dies, wenn nach einer bestimmten Interessenlage argumentiert wird, wobei in diesem Beispiel die Vertrauenswürdigkeit eines Sträflings steigt beziehungsweise die Vertrauenswürdigkeit eines Staatsanwaltes sinkt.

Um die Glaubwürdigkeitsattribution insgesamt zu beurteilen, muss jede dieser Kategorien in die Beurteilung mit einbezogen werden. Im Folgenden wird darauf eingegangen, welche Komponenten dafür zuständig sind, dass einer Person Glaubwürdigkeit zugeschrieben wird.

Die stabilen kompetenten Charakteristika einer Quelle deuten auf eine hohe und vertrauenswürdige Quelle hin, da der scheinbare Hintergrund einer Quelle bedeutsam für die generelle Empfindung der Rezipienten ist. Somit gilt es akademische Titel und ähnliche gesellschaftlich hoch angesehene Eigenschaften hervorzuheben, um einen soliden Eindruck über eine Person zu vermitteln. Daraus hervor geht ein Bild einer Person, welches bestehen kann ohne die Person jemals gesehen zu haben, da suggeriert wird was die Person bereits in ihrem Werdegang geleistet hat, gerade in Bezug auf akademische Titel und der Tätigkeit. Hier zeigt sich deshalb auch eine Grundlage für Heuristiken auf, da Experten oder Spezialisten unterstellt wird, dass sie vor allem bezüglich ihres Gebietes wahrheitsgemäße Aussagen treffen.

Eine nicht so deutliche Attribution der Glaubwürdigkeit stellt die Beeinflussungsabsicht dar, welche bei gänzlichem Ausbleiben auf höhere Glaubwürdigkeit schließen soll. Aus den Studien geht hervor, dass diesbezüglich Einstellungsänderungen nur dann stattfinden, wenn auch persönlicher Bezug zu dem Thema besteht, wobei keine klare Intention der Beeinflussung erkennbar sein sollte. Aufgrund dessen ist bei Überzeugungsversuchen gegenüber anderen Personen darauf zu achten, dass die eigene Absicht nicht für andere erkennbar ist, denn dies würde die eigene Glaubwürdigkeit mindern.

Die Ergebnisse zu der Art der Kommunikatoren, hinsichtlich der Vertrauenswürdigkeit und Glaubwürdigkeit im Allgemeinen, zeigen, dass vertrauenswürdiges Erscheinen von der Interessenlage abhängig ist. Interessanterweise besitzt diese Abhängigkeit sogar das Ausmaß über generelle personenbezogene Vertrauenswürdigkeit hinwegzusehen, indem unglaubwürdigere Menschen der Situation entsprechend glaubwürdiger erscheinen können. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass stets auf die eigene Interessenlage in Bezug auf das eigene Erscheinen der Glaubwürdigkeit zu achten ist, da diese Faktoren miteinander in der Wahrnehmung der Rezipienten verknüpft sind. Infolgedessen sollte man sich angesichts der eigenen glaubwürdigen Erscheinung ebenso fragen, in welcher Interessenlage man sich befindet und in welchem Ausmaß einem generell „Vertrauenswürdigkeit“ von den betroffenen Personen zugeschrieben wird beziehungsweise ob eine Person vermutet, dass man eine Absicht besitzt sie beeinflussen zu wollen.

2.1.4 Erzwungene Glaubwürdigkeit: Das Aufdecken von Täuschungen

Glaubwürdigkeit ist ein wirkungsvolles Instrument, welches oftmals strategisch verwendet wird. Auf der einen Seite hoffen Personen darauf glaubwürdig zu erscheinen, um andere von ihren wahrheitsgetreuen Aussagen überzeugen zu können, ohne dass ihnen fälschlicherweise unterstellt wird zu lügen. Auf der anderen Seite jedoch ist Glaubwürdigkeit nicht unbedingt abhängig vom Wahrheitsgehalt der Aussage, wodurch sie in einen Zusammenhang mit Täuschungen gebracht wird. Im vorigen Abschnitt wurde behandelt welche Faktoren jemandem Glaubwürdigkeit zuschreiben. Wie nun aber Täuschungen aufgedeckt werden können, wird zu Gunsten der Bewahrung der wahrheitsgetreuen Glaubwürdigkeit im Folgenden dargestellt, um keine Glaubwürdigkeit jemandem zuzuschreiben, der sich womöglich fern von der Wahrheit befindet.

[...]


1 Im Original: „Reactions to a communication are significantly affected by cues as to the communicator’s intentions, expertness, and trustworthiness. The very same presentation tends to be judged more favourably when made by a communicator of high credibility than by one of low credibility“ (Hovland et al. 1953: 35)

Ende der Leseprobe aus 74 Seiten

Details

Titel
Kann paraverbale Kommunikation die Glaubwürdigkeit beeinflussen?
Hochschule
EBC Hochschule Stuttgart
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
74
Katalognummer
V463666
ISBN (eBook)
9783668921511
ISBN (Buch)
9783668921528
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Psychologie, Wirtschaft, Wirtschaftspsychologie, Glaubwürdigkeit, Parasprache, paraverbale, Kommunikation, Vertrauenswürdigkeit
Arbeit zitieren
Marcus Ruckh (Autor), 2017, Kann paraverbale Kommunikation die Glaubwürdigkeit beeinflussen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463666

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