Und raus bist du! Kinderarmut in Deutschland


Hausarbeit, 2013

25 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 . Einleitung.

2 . Was ist Armut?
2.1 Relative Armut .

3 . Was ist Kinderarmut?.
3.1 Zahlen zur Armutsbetroffenheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland und Fakten aus Aachen

4 . Die Situation in unseren Jugendeinrichtungen
4.1 Was tun wir speziell in unseren Jugendeinrichtungen gegen Kinderarmut?

5 . Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Anlagen
Anlage 1 - Weitere Statistiken und Informationen zum Thema Kinderarmut

1. Einleitung

„Dabei riskieren wir in Deutschland nicht mehr und nicht weniger als die Zukunft unseres Staates, wenn wir uns nicht um die Chance aller Kinder in diesem Land intensiv bemühen. Erstaunlicherweise scheint es viele Menschen hier nicht wirklich zu berühren, wenn sie von Kinderarmut hören. Offensichtlich können sie sich das nicht vorstellen. Aber wenn schon das Mitgefühl fehlt, dann sollten wir wenigstens unseren Verstand und unser ökonomisches Denken einschalten. Denn es geht um existenzielle Fragen: Welches Land kann es sich wirklich leisten, rund drei Millionen Kinder als benachteiligte Randgruppe aufwachsen zu lassen?“1.

Die UNICEF-Vergleichsstudie vom 30. März 2012 „Measuring child poverty“ zeigt, dass Relative Kinderarmut in Deutschland mit 8,5 Prozentpunkten im Mittelfeld der insgesamt 35 Industrienationen liegt2.

Der vierte Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung von September 2012 zeigt Kinderarmut als gravierenden Bedeutungsträger in der Bundesrepublik Deutschland3.

Im Dezember 2012 brachte der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband einen Bericht zur regionalen Armutsentwicklung unter dem Titel „Positive Trends gestoppt, negative Trends beschleunigt“ in Deutschland heraus4.

Das Problem der Kinderarmut in Deutschland greife ich in meiner Hausarbeit in „Einführung in die Wissenschaft Soziale Arbeit“ (Modul 6) und „Historische und systematische Zugänge zur Sozialen Arbeit“ (Modul 7) mit dem Thema „Und raus bist du – Kinderarmut in Deutschland “ auf, da für mich als Sozialarbeiterin das Thema Kinderarmut von hoher Bedeutung ist und ich sehe, wie viel in den nächsten Jahren für Kinder getan werden muss.

Hierbei arbeite ich unter Hinzuziehung von Fachliteratur heraus, inwiefern Kinder in Deutschland von Armut betroffen sind und somit aus dem Alltag der Gesellschaft ausgegrenzt werden, also „raus“ sind. Im zweiten Kapitel gehe ich auf die Frage ein: Was ist Armut? Dabei versuche ich zuerst den Begriff der Armut allgemein zu definieren, um anschließend näher auf die Begriffe der absoluten und relativen Armut eingehen zu können. Im dritten Kapitel versuche ich den Begriff der Kinderarmut zu definieren und zeige dabei Zahlen und Fakten aus Deutschland und Aachen auf, um festzustellen, in wieweit Kinder von Armut betroffen sind. Hierbei beziehe ich mich auf das von Stefanie Uerlings gegründete Netzwerk „KiM – Kinder im Mittelpunkt“, des Jugendamtes der Stadt Aachen. In Kapitel vier nehme ich speziell Jugendeinrichtungen in den Blick, bei denen ich schon länger ehrenamtlich tätig bin, um die Frage zu klären: Was tun wir speziell in unseren Jugendeinrichtungen gegen Kinderarmut? Abschließend gehe ich in Kapitel fünf als Fazit reflektiert mit meiner Rolle als Sozialarbeiterin um und schaue dabei, wie ich mich selbst im Bezug zum Thema Kinderarmut sehe, damit ich zum Schluss einige weitere Denkanstöße für die Zukunft formulieren kann. Das Fazit dient dabei nochmal besonders dazu, die Soziale Arbeit als Profession zu betrachten und den Umgang mit Kinderarmut in der Sozialen Arbeit zu beleuchten, bewerten und kritisch zu hinterfragen.

2. Was ist Armut?

Die erste Frage die man sich beim Begriff Armut stellen kann, ist: Wann gilt jemand als „arm“? Arm ist nicht gleich Arm. Vereinfacht gesagt bezeichnet Armut allgemein eine Situation des wirtschaftlichen Mangels, die es verhindert, ein angemessenes Leben zu führen5.

Doch was versteht man unter einem „angemessenen“ Leben? Diese doch etwas schwammige Formulierung versucht man in der Gesellschaft durch Schaffung von konkreten Definitionen aufzulösen. Gesellschaftlich wird eine Unterscheidung zwischen „arm“ und „nicht-arm“ durch Festlegung von Armutsgrenzen geschaffen, dabei gibt es eine Vielzahl von Unterscheidungsmöglichkeiten, beispielsweise politische Armutsgrenzen, die sich aus dem Niveau bestimmter sozialer Transferleistungen ableiten6. Armut lässt sich aber nicht immer aufzeigen; gefühlte Armut, die dem eigenen subjektiven Gefühl entspringt und sich nicht an Einkommensgrenzen festmachen lässt ist eine davon. Ursachen hierfür können die eigene Empfindung von gesellschaftlicher Ausgrenzung oder Diskriminierung aufgrund der eigenen wirtschaftlichen Situation sein. Das heißt konkret, wenn man das Gefühl hat, kein Bestandteil der Gesellschaft zu sein.

Doch was bedeutet es für Menschen in einem reichen Land wie Deutschland arm zu sein?

Erwerbslosigkeit trägt einen großen Teil dazu bei Armut und Ausgrenzung entstehen zu lassen. Es kann passieren, dass Menschen erwerbslos werden, weil das Unternehmen in dem sie arbeiten schließen muss oder an einem Standort in Deutschland seine Produktion stoppt, um in einem anderen Land seine Produktion kostengünstiger zu erhalten. Hierbei spricht man vor allem von einer Ökonomisierung der Arbeitsprozesse. Zusätzlich muss man aber auch betrachten, dass es in vielen Ländern nicht genügend Arbeitsplätze für jeden Menschen gibt und dadurch die Arbeits- und Lebensbedingungen aufgrund eines Mangels an finanziellen Mitteln eingeschränkt ist7.

„Viele Menschen arbeiten den ganzen Tag und trotzdem reicht ihr Lohn nicht aus, um sich oder ihre Familie zu ernähren. Oft sogar dann nicht, wenn sie noch zusätzlich einen Nebenjob machen. Ein zu geringer Arbeitslohn kann nicht nur Ursache für materielle Armut sein, sondern auch dazu führen, dass Menschen wenig Zeit mit ihrer Familie verbringen können, weil sie viel arbeiten müssen. Auch familiäre Notlagen können Armut auslösen. Zum Beispiel kann nach einer Trennung oder Scheidung der Eltern das Geld knapp werden, wenn die Gehälter nicht für zwei Wohnungen reichen“8.

Im folgenden Teilabschnitt wird explizit ein Typ von Armut in den Vordergrund gestellt, die relative Armut. Eine Definition wird dabei erarbeitet.

2.1. Relative Armut

Von relativer Armut spricht man, wenn die

„Lebenslage der Betroffenen bzw. ihr verfügbares Einkommen so weit unter den in einem Land herrschenden durchschnittlichen Lebensverhältnissen liegt, dass sie ausgegrenzt (marginalisiert) werden, selbst wenn sie über das zum Überleben Notwendige verfügen, also nicht absolut arm sind. Sie erreichen aber das soziokulturelle Existenzminimum nicht“9.

Kurz gesagt heißt das, dass der Begriff der Armut immer in Abhängigkeit von den Lebensverhältnissen in einem Land bestimmt und im Verhältnis zum Wohlstand des jeweiligen Landes betrachtet wird. Relative Armut definiert dabei eine Unterschreitung des als „annehmbar“ geltenden Lebensstandards einer Gesellschaft. Hierbei kann man bei Betrachtung von Entwicklungsländern und Industrieländern sehen, dass die Grenzen von absoluter und relativer Armut in Entwicklungsländern mit einem niedrigen Lebensstandard sehr eng beieinander liegen, hingegen bei Industrieländern ein beachtlicher Abstand existiert und absolute Armut in Industrieländern kaum noch zu finden ist10.

Wie versucht man „Relative Armut“ zu ermitteln?

„Die zur Festlegung von relativer Armut erforderlichen Kriterien, d.h. die zu erreichenden Mindeststandards, orientieren sich an den durchschnittlichen Verhältnissen in einer Gesellschaft, liegen aber deutlich darunter. Bei wirtschaftlichem Wachstum erhöht sich auch das in einer Gesellschaft geltende soziokulturelle Existenzminimum“11.

Zuerst muss ein Niveau definiert werden, unterhalb dessen man von Armut spricht. Aus pragmatischen Gründen wird dabei das Einkommen zugrunde gelegt. Die Festlegung von Mindeststandards zur Identifizierung von relativer Armut ist nicht rein wissenschaftlich möglich und letztlich ist die Festlegung der Grenze politisch-normativ. Im Datenreport 2011 wird grundlegend zwischen vier relativen Armutsgrenzen unterschieden:

70%-Grenze: „prekärer Wohlstand“,

60%-Grenze: „Armutsgefährdung“,

50%-Grenze: „Relative Einkommensarmut“,

40%-Grenze: „Armut“12.

Dabei werfen sich gesellschaftlich grundlegende Fragen auf:

- In welcher Gesellschaft wollen wir leben?
- Wie wird Einkommen gerecht verteilt?

Wenn es nicht gerecht verteilt wird, dann stellt sich die Frage nach dem Warum.

- Warum wird Einkommen nicht gerecht verteilt?

Sodass relative und/oder absolute Armut erst gar nicht entstehen können.

3. Was ist Kinderarmut?

Kinderarmut steht im Fokus der deutschen Armutsforschung, denn Kinder sind von Armut und ihren Folgen besonders betroffen. Zur Bestimmung von Kinderarmut werden in der Armutsforschung und Politik zwei Armutsgrenzen verwendet. Zum einen werden Kinder als arm definiert, die in einem Haushalt aufwachsen, der Grundsicherungsleistungen empfängt (Sozialstaatlich definierte Armutsgrenze). Zum anderen gelten Kinder als einkommensarm, die in Haushalten mit weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens leben (60%- Armutsschwelle). Fast jedes vierte Kind in Deutschland lebt in einem Haushalt, der einkommensarm ist und/oder Leistungen der Grundsicherung für Arbeitssuchende bezieht13.

Doch was genau heißt das für die Kinder? In den folgenden Unterkapiteln werden dazu Statistiken und eine Initiatorin des Aachener Netzwerks „Kinder im Mittelpunkt“ dazu herangezogen.

3.1. Zahlen zur Armutsbetroffenheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland und Fakten aus Aachen

Laut Paritätischem Wohlfahrtsverband ist die Zahl der Kinder, die in Familien mit Hartz-IV-Anspruch leben, im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2011 um rund 100 000 auf insgesamt 1,7 Millionen gestiegen14.

„In Deutschland leben über 2,5 Millionen Kinder in Einkommensarmut. Dies entspricht etwa 19,4 Prozent aller Personen unter 18 Jahren. Das Ausmaß der Kinderarmut ist seit vielen Jahren gravierend hoch“15.

Die Armutsgefährdungsquote in Deutschland sieht dabei wie folgt aus: Nach Zahlung staatlicher Sozialleistungen verfügten 15% der Bevölkerung über weniger als 929 Euro im Monat, d.h. 12,5 Millionen Menschen waren 2008

„armutsgefährdet“, und hatten damit 60% oder weniger des Medianeinkommens; davon waren 15% unter 18 Jahre und 21% 18 bis 24 Jahre16.

[...]


1 Von Welser, Maria: Leben im Teufelskreis. Kinderarmut in Deutschland - und keiner sieht hin. Gütersloh 2009, 9.

2 vgl. UNICEF Innocenti Research Centre: Measuring child poverty. Florenz 2012, 3.

3 vgl. Bundesregierung: Lebenslagen in Deutschland. Entwurf des 4. Armuts- und

Reichtumsberichts der Bundesregierung. http://www.sozialpolitik-aktuell.de/tl_files/sozialpolitik- aktuell/_Politikfelder/Einkommen- Armut/Dokumente/Entwurf%204.%20Armutsbericht%20der%20Bundesregierung%2017.9.2012.pdf (abgerufen am 21.02.2013).

4 vgl. Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband Gesamtverband e.V.: Positive Trends gestoppt, negative Trends beschleunigt. Berlin 2012.

5 vgl. Statistisches Bundesamt (Destatis) et al.: Armut. https://www.destatis.de/DE/Service/Glossar/A/Armut.html (abgerufen am 29.03.2013).

6 vgl. Piachaud, David (1992): Wie mißt man Armut? In Zusammenarbeit mit Donald Forester, in: Leibfried, Stephan / Voges, Wolfgang: Armut im modernen Wohlfahrtsstaat, in: Leibfried, Stephan / Voges, Wolfgang (Hg.): Armut im modernen Wohlfahrtsstaat. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie. Sonderheft 32/1992, Opladen, 63-87.

7 vgl. Statistisches Bundesamt (Destatis) et al. : Datenreport 2011. Ein Sozialbericht für die Bundesrepublik Deutschland. https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Datenreport/Downloads/Datenreport2011.pdf? blob=pu blicationFile (abgerufen am 29.03.2013).

8 SWR Kinder- und Familienprogramm: Aufwachsen in Armut. Was ist Armut? http://www.kindernetz.de/infonetz/thema/armut/armsein/- /id=268126/nid=268126/did=268138/1yclpny/ (abgerufen am 20.02.2013).

9 ebd.

10 vgl. Statistisches Bundesamt (Destatis) et al. : Datenreport 2011. Ein Sozialbericht für die Bundesrepublik Deutschland. https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Datenreport/Downloads/Datenreport2011.pdf? blob=pu blicationFile (abgerufen am 29.03.2013).

11 ebd.

12 ebd.

13 vgl. Statistisches Bundesamt (Destatis) et al. : Datenreport 2011. Ein Sozialbericht für die Bundesrepublik Deutschland. https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Datenreport/Downloads/Datenreport2011.pdf? blob=pu blicationFile (abgerufen am 29.03.2013).

14 vgl. Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband Gesamtverband e.V.: Positive Trends gestoppt, negative Trends beschleunigt. Berlin 2012.

15 Deutscher Kinderschutzbund: Kinderarmut in Deutschland. http://www.dksb.de/content/showpage.aspx?content=459&tpl=0 (abgerufen am 29.03.2013).

16 vgl. Statistisches Bundesamt (Destatis) et al. : Datenreport 2011. Ein Sozialbericht für die Bundesrepublik Deutschland. https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Datenreport/Downloads/Datenreport2011.pdf? blob=pu blicationFile (abgerufen am 29.03.2013).

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Und raus bist du! Kinderarmut in Deutschland
Hochschule
Katholische Hochschule NRW; ehem. Katholische Fachhochschule Nordrhein-Westfalen, Abteilung Aachen
Veranstaltung
„Einführung in die Wissenschaft Soziale Arbeit“ (Modul 6) und „Historische und systematische Zugänge zur Sozialen Arbeit“ (Modul 7)
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
25
Katalognummer
V463680
ISBN (eBook)
9783668929173
ISBN (Buch)
9783668929180
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kinderarmut, deutschland
Arbeit zitieren
Nadine-Dominique van der Meulen (Autor), 2013, Und raus bist du! Kinderarmut in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463680

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