Im Kapitel (B) ‚Ratgeber’ soll zu Beginn dieser Arbeit eine kurze literarische Einordnung der Erziehungsratgeber erfolgen, da sie aufgrund bestimmter Merkmale, wie z.B. verwendbares Wissen und Handlungsanleitungen, einem bestimmten Typus literarischer Gattungen zu geordnet werden können. Da Erziehungsratgeber den Leser in seinen Vorstellung von Kindheit und Erziehung sowie den zu vermittelnden Normen und Werte beeinflusst, jedoch selbst in Inhalt und Form dem gesellschaftlichen Wandel unterliegen, ist es notwendig die Geschichte des Ratgebergenres zu betrachten. Nur so kann deutlich werden, wie sich Ratgeber und deren Inhalte im Laufe der Geschichte veränderten: von dem Ratgeber, welcher nur für spezielle Zielgruppe gedacht war1, hin zu einem massemedialen Objekt. Die heutigen Erziehungsratgeber lassen sich mit Stichworten wie internationale Verbreitung, vereinzelt sehr hohe Auflagenzahlen, eine breite Zielgruppe und mit überwiegend psychologisch orientierten Ratschlägen charakterisieren. Wie es zu dieser Entwicklung kam, soll daher im geschichtlichen Abriss des Ratgebergenres ersichtlich werden.
Inhaltsverzeichnis
(A) EINLEITUNG
1. Hinführung zum Thema und Aufgabenstellung
2. Aufbau der Arbeit
(B) RATGEBER
1. Die literarische Einordnung der Erziehungsratgeber
2. Die Geschichte der Ratgeber
2.1. Die Ratgeberliteratur vor dem 20. Jahrhundert
2.1.1. Ratgeberliteratur bis zur Aufklärung
2.1.2. Ratgeberliteratur ab dem 18. Jahrhundert
2.2. Ratgeberliteratur zu Beginn des 20. Jahrhunderts
2.3. Die Entwicklung der Ratgeberliteratur während der Weimarer Republik
2.4. Die Ratgeberliteratur während dem Nationalsozialismus
2.5. Die Entwicklung der Ratgeberliteratur seit 1945
2.5.1. Ratgeber in der DDR
2.5.2. Ratgeber in der BRD
3. Zusammenfassung
(C) ERZIEHUNGSRATGEBER
1. Pädagogische Alltagstheorie vs. erziehungswissenschaftliche Theorie
2. Merkmale der Erziehungsratgeber
2.1. Merkmale des erziehungswissenschaftlichen Wissens in Ratgebern
2.1.1. Kausalzwänge
2.1.2. Breite und Verwendungsdichte
2.2. Allzuständigkeit
2.3. Patente Lösungen
2.4. Unkorrigierbarkeit
(D) UMGANG MIT AGGRESSIONEN BEI KINDERN
1. Beschreibung der Ratgeber
2. Aggression und ihre Subtypen aus wissenschaftlicher Sicht
2.1. Subtypen
2.2. Die Entwicklung „normaler“ Aggressionen
3. Aggressionsformen aus der Ratgeberperspektive
4. Ursachen und Entstehungsmodelle von Aggressionen aus wissenschaftlicher Sicht
4.1. Lern- und Verhaltenstheorien
4.1.1. Die klassische Konditionierung
4.1.2. Die Operante Konditionierung
4.1.3. Lernen durch Beobachtung
4.2. Triebtheorien
4.3. Die Frustrations-Aggressions-Hypothese
4.4. Die Theorie der sozialen Informationsverarbeitung
4.5. Risikofaktoren als Ursache / Verstärker aggressiven Verhaltens
5. Welche Ursachen werden von den Ratgeber-Autoren genannt?
5.1. Ursachen aufgrund der Entwicklung des Kindes
5.2. Ursachen, die sich aus dem direkten Erziehungsgeschehen ergeben
5.3. Ursachen, die sich aus der Interaktion mit dem sozialen Umfeld ergeben
6. Interventionsmöglichkeiten
6.1. Das Kontingenz-Management
6.2. Der familienbezogene Ansatz (Parental Management Training)
6.3. Der kognitiv-behaviorale Ansatz
6.4. Das Training sozialer Kompetenzen
6.5. Der psychodynamische Ansatz
6.6. Grenzen der Ansätze
7. Mit Aggressionen umgehen – die Ratgeberperspektive
7.1. Kurzzeitstrategien
7.2. Langzeitstrategien
8. Zwischenfazit
(E) GRENZEN SETZEN UND REGELN LERNEN
1. Die Notwendigkeit von Grenzen in der Erziehung
1.1. Die Erziehungsunsicherheit bezüglich dem ‚Grenzen setzen’
1.2. Grenzen als Orientierung
1.3. Die Grenzen als Schutz
1.4. Die Grenze als Chance zur Entwicklung
2. Welche Grenzen und Regeln gibt es?
2.1. Nicht-verhandelbare Grenzen und Regeln
2.2. Verhandelbare Grenzen und Regeln
3. Wie lernt ein Kind die Regeln und Grenzen?
3.1. Was ist zu beachten?
3.2. Welche Lerntheorien werden dargelegt?
3.3. Dargestellte Erziehungsstile
4. Zwischenfazit
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist es, die in pädagogischen Erziehungsratgebern verwendeten Erklärungsmuster und Begründungsfiguren zu analysieren und deren wissenschaftstheoretische Hintergründe transparent zu machen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie die Ratgeberautoren komplexe erziehungswissenschaftliche Theorien für Eltern transformieren, um im Erziehungsalltag als Autoritäten und technologische Berater zu fungieren.
- Historische Entwicklung des Ratgebergenres von der Hausväterliteratur bis zur modernen Psychologisierung.
- Gegenüberstellung von erziehungswissenschaftlicher Theorie und pädagogischer Alltagstheorie.
- Strukturelle Merkmale von Ratgebern, insbesondere Kausalzwänge, Allzuständigkeit und Unkorrigierbarkeit.
- Analyse der Themenfelder „Umgang mit Aggressionen bei Kindern“ sowie „Grenzen setzen und Regeln lernen“.
- Untersuchung der verwendeten Interventionsstrategien und deren theoretische Fundierung.
Auszug aus dem Buch
1. Die Notwendigkeit von Grenzen in der Erziehung
In Kapitel „Umgang mit Aggressionen bei Kindern“ ließ sich feststellen, dass Verhaltensauffälligkeiten u.a. auch dann entstehen, wenn, aus Sicht der Ratgeberautoren, in der Erziehung Fehler gemacht wurden. Hier zeigt sich erneut die doppelte Kausalität des Begriffs ‚Erziehung’: die Autoren geben einer ‚falschen’ Erziehung die Schuld für das Fehlverhalten von Kindern, aber die ‚richtige’ Erziehung, wie sie von den Ratgebern dargestellt wird, kann alle Fehler beheben.
Die Erziehungsunsicherheiten der Eltern, die nach Angabe der Ratgeberautoren aus den gesellschaftlichen Veränderungen der vergangenen Jahrhunderte resultiert, führt dazu, dass Eltern im alltäglichen Erziehungsgeschehen nicht ausreichend Grenzen und Regeln setzen und nicht nur damit, sondern auch mit dem verwendeten Erziehungsstil die Entwicklung des Kindes in negativer Weise beeinflussen.
Zusammenfassung der Kapitel
(A) EINLEITUNG: Einführung in das Thema Erziehungsratgeber, deren Wandel und die Forschungsfrage nach den darin verwendeten Erklärungsmustern.
(B) RATGEBER: Geschichtlicher Abriss der Entwicklung des Ratgebergenres vom Mittelalter bis in die Gegenwart, unterteilt nach zeitlichen Epochen.
(C) ERZIEHUNGSRATGEBER: Theoretische Abgrenzung von pädagogischer Alltagstheorie zu wissenschaftlicher Theorie sowie Darstellung der spezifischen Merkmale von Ratgebern.
(D) UMGANG MIT AGGRESSIONEN BEI KINDERN: Analyse von Definitionen, Ursachenmodellen und Interventionsmöglichkeiten bei aggressivem Verhalten in Ratgebertexten.
(E) GRENZEN SETZEN UND REGELN LERNEN: Untersuchung der Begründungen für Grenzen und Regeln sowie deren Vermittlung und Rolle im Erziehungsprozess.
(F) FAZIT: Resümee der Arbeit, welches die Ergebnisse hinsichtlich der verwendeten Begründungsfiguren und der Alltagsorientierung der Ratgeber zusammenfasst.
Schlüsselwörter
Erziehungsratgeber, pädagogische Alltagstheorie, Erziehungswissenschaft, Aggression bei Kindern, Grenzen setzen, Regeln lernen, Autorität, Kausalzwang, Verhaltensänderung, Allzuständigkeit, Erziehungsunsicherheit, sozialer Wandel, Transformation, Interventionsstrategien, Elternberatung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, welche wissenschaftlichen oder laientheoretischen Erklärungsmuster und Begründungsfiguren in modernen pädagogischen Erziehungsratgebern verwendet werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Analyse fokussiert sich primär auf die Themengebiete „Umgang mit Aggressionen bei Kindern“ sowie „Grenzen setzen und Regeln lernen“.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Ziel ist es, die oft impliziten Theorien hinter den Ratschlägen in Ratgeberbüchern transparent zu machen und zu prüfen, inwieweit wissenschaftliches Wissen in diese für Eltern aufbereiteten Texte einfließt.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden zur Untersuchung verwendet?
Die Arbeit nutzt eine qualitative Inhaltsanalyse der Ratgeberliteratur, wobei die Texte unter Berücksichtigung erziehungswissenschaftlicher Standards und historischer Entwicklungsprozesse interpretiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung des Ratgebergenres, die theoretische Differenzierung zwischen Alltagswissen und Wissenschaft sowie eine detaillierte Untersuchung der gewählten Themenfelder inklusive der Interventionsansätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Allzuständigkeit, Erziehungsunsicherheit, Kausalzwang, pädagogische Alltagstheorie, soziale Kognition und Verhaltenssteuerung.
Wie gehen Ratgeber mit der Erziehungsunsicherheit der Eltern um?
Ratgeber thematisieren die Unsicherheit meist einleitend, um ihr eigenes Produkt als Problemlösung zu legitimieren, und bieten oft allgemeingültige, patente Handlungsanweisungen an, um die Eltern zu entlasten.
Warum betonen die Autoren die Wichtigkeit der Konsequenz?
Konsequenz wird als zentrales Element der Erziehung dargestellt, da sie dem Kind Orientierung bietet, das Verhalten steuerbar macht und die elterliche Rolle als Autorität ohne zwangsläufige Anwendung von Gewalt stärken soll.
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- Kathrin Schneider (Author), 2005, Erklärungsmuster und Begründungsfiguren in pädagogischen Ratgebern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46385