Zur Bedeutung öffentlicher Investitionen. Die Aschauer-Hypothese


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015
21 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

INHALTSVERZEICHNIS:

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

SYMBOLVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

2 INFRASTRUKTUR UND OFFENTLICHE GUTER - EINE EINORDNUNG

3 OUTPUTEFFEKTE STAATLICH BEREITGESTELLTER INFRASTRUKTUR - DIE ASCHAUER-HYPOTHESE

4 ASCHAUERS HYPOTHESE - EINE KONTROVERSE SICHTWEISE

5 FAZIT

LITERATURVERZEICHNIS

Abbildungsverzeichnis

Tabelle 1 Durchschnittliche jahrliche Wachstumsraten in %

Tabelle 2 Infrastrukturelastizitaten

Abbildung 1 Anteil der offentlichen Investitionen an den Bruttoinlandsinvestitionen 1963­85 in % des BIP

Abbildung 2 Autobahnen und StraBen sowie LKW's, Anhanger und Busse pro Person

Abbildung 3 Kapitalstock an öffentlichen Autobahnen und Straßen pro Person sowie das Wachstum der gefahrenen Meilen auf Autobahnen und StraBen pro Person

Abbildung 4 Anteil der Bildungseinrichtungen pro Person (1987 Preise) und Anteil junger Leute an der Gesamtbevolkerung

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Wahrend viele EU-Lander uber anhaltend hohe Arbeitslosenzahlen klagen und teils hohe Schuldenberge anhaufen geht es der deutschen Wirtschaft hervorragend. Erstmals seit 1969 wird die BRD in der aktuellen Legislaturperiode einen ausgeglichenen Staatshaushalt vorzuweisen haben und keine neuen Schulden aufnehmen.[1] Doch die aktuelle Momentauf- nahme verschleiert den Blick auf die langfristige Entwicklung Deutschlands. Bereits in den letzten zwei Jahrzenten verzeichnete Deutschland eine historisch niedrige Investitionsta- tigkeit und ist mittlerweile eines der wachstumsschwachsten Lander der OECD.[2] Seit 1999 hat der Euroraum ein durchschnittlich hoheres Wirtschaftswachstum zu verzeichnen als Deutschland. Nicht Produktivitatsfortschritte sondern eine hohe Lohnzuruckhaltung der Arbeitnehmer begrunden die internationale Wettbewerbsfahigkeit.[3] Die von vielen Oko- nomen aufgezeigte Investitionslucke bietet Anlass genug sich erneut eingehender mit der erstmals von David A. Aschauer aufgezeigten These offentlicher Investitionen und deren Wirkungen auf das Wirtschaftswachstum zu beschaftigen. SchlieBlich hatte nach Berech- nungen des DIW das deutsche Wirtschaftswachstum um 0.6 Prozent hoher ausfallen kon- nen, wenn die durchschnittliche Investitionsquote der des OEDC-Durchschnitts angepasst worden ware. Die auBerst niedrige Nettoinvestitionsquote von 3.7% des BIP bedeuten die letzten Platze unter OECD-Landern.[4] Die Investitionslucke von 3% zwischen 1999 - 2012 langfristig wieder aufzuholen stellt einen finanziellen Mehraufwand an Investitionen in Hohe von 75 Mrd. € pro Jahr dar. Da vor allem der staatliche Sektor betroffen ist wird sich unter diesen Umstanden zeigen, ob die aktuelle Politik der Bundesregierung die richtige ist.[5] Zur Bedeutung offentlicher Investitionen wird auf den folgenden Seiten ausfuhrlich die Aschauer-Hypothese behandelt. Auf den nachsten zwei Seiten wird naher auf die Un- terscheidung offentlicher und privater Guter eingegangen. Eine genauere Beschreibung offentlicher Infrastruktur sowie bisheriger Forschungen bietet sich an. Das dann folgende Kapitel widmet sich ganz den empirischen Befunden Aschauers, stellt seinen Produktions- funktionsansatz in Auszugen und seine wichtigsten Erkenntnisse dar. Aufgrund der kont- rovers diskutierten Veroffentlichungen werden in Auszugen auch aussagekraftige Kritiken behandelt. AbschlieBend wird ein Fazit gezogen.

2 Infrastruktur und offentliche Guter - Eine Einordnung

Da sich diese Seminararbeit mit der von Aschauer erforschten Thematik offentlicher Infra- strukturinvestitionen auseinander setzt, ist eine kurze Einfuhrung hinsichtlich der Proble- matik der Unterteilung von offentlichen und privaten Gutern von Vorteil. Auch wird auf die Besonderheiten und Merkmale offentlicher Investitionen und Infrastruktur eingegangen um den Einstieg in die folgende Arbeit zu erleichtern.

Samuelson (1954) kennzeichnet offentliche Guter durch eine Nichtrivalitat, in dem jedes Individuum das betreffende Gut in einer Weise konsumieren kann als dass der Konsum eines x-beliebigen Individuums nicht davon beeintrachtigt wird. Private Guter hingegen kennzeichnen sich durch eine AusschlieBbarkeit unter den einzelnen Individuen aus.[6] Of­fentliche Guter beispielsweise werden in vielen Fallen durch den Staat in Form von Infra­struktur oder der Landesverteidigung zur Verfugung gestellt.[7] Jedoch kommt schon in die- ser Beschreibung die Problematik zum tragen als dass nicht jedes offentliche Gut in nicht- rivalisierender Weise konsumiert werden kann. Als Beispiel eignen sich StraBen bzw. Inf- rastruktur in besonderer Weise, da es durch eine zu hohe Benutzung anderer Verkehrsteil- nehmer zu einer Konsumeinschrankung seitens des einzelnen Individuums kommen kann.[8]

Zwar sind StraBen als Teil der Infrastruktur i.d.R. kein offentliches Gut im Sinne von Sa­muelson (1954), stellen aber als Allmendegut eine offentliche Investition dar. Schon Adam Smith betonte die Wichtigkeit offentlicher Infrastrukturinvestitionen, in dem er „public works and public institutions“ zu einer der drei tragenden Saulen des Staates hinter der Verteidigung und der Justiz benannte.[9] Tatom sieht in Infrastruktur „[...] the relatively large physical capital facilities and organizational, knowledge and technological frame­works that are fundamental to the organization of communities and their economic develo­pment. It includes legal, educational and public health systems; water treatment and distri­bution systems; garbage and sewage collection, treatment and disposal; public safety sys­tems, such as fire and police protection; communications systems, public utilities and transportation systems“.[10]

Nun wirft die Benutzung von Infrastruktur jedoch mehrere Probleme auf. Wie beispiels- weise der korrekten Ermittlung des tatsachlichen Wertes, der Unterscheidung von privaten und offentlichen Infrastrukturinvestitionen oder der Messung moglicher Outputeffekte (eingehender in Kap. 3 erlautert).[11] Zudem sollte angesichts des verhaltnismaBig kleinen offentlichen Sektors in den Vereinigten Staaten bedacht werden, dass diverse Infrastruktu- ren wie Telekommunikation, Transport, Wasser- und Gasversorgung im Gegensatz zu an- deren, beispielsweise westeuropaischen Landern, privatisiert sind.[12]

Die bisherige Ursachenforschung auf dem Gebiet des Produktivitatsabfalls der U.S.A. ab den fruhen 1960er Jahren beschrankte sich lediglich auf das offentliche Haushaltsdefizit[13], die Verschiebung der Beschaftigtenverhaltnisse auf Landwirtschaftlicher Ebene hin zu Nichtlandwirtschaftlichen Einkommensbeziehern, geringere allgemeine Forschung. - und Entwicklungsausgaben sowie rucklaufige Kapazitatsauslastungen.[14] AuBerdem wurde der Ruckgang der internationalen Wettbewerbsfahigkeit zunehmend auf die niedrige Sparquo- te im Land geschoben. Die politischen Bemuhungen konzentrierten sich darauf diese kunstlich zu erhohen. Denn nachweislich haben Lander mit hoheren Sparquoten auch ho- here Zuwachsraten an internationaler Wettbewerbsfahigkeit und Produktivitat verzeichnen.[15]

Ein Ergebnis jener politischen Bemuhungen war Ende der 1980er Jahre ein Entschluss der „National Commission on Public Works Improvement das bisherige Budget von 45 Mrd. US-$ innerhalb des nachsten Jahrzehnts zu verdoppeln.[16] Grund dafur war der offensichtli- che Mangel an ausreichenden Infrastrukturinvestitionen durch die offentliche Hand. Durch diesen Entschluss, Aschauer’s Grundlagenforschung sowie durch zahlreichen weiteren Arbeiten mit dem Bezug auf offentliche Infrastrukturinvestitionen ergibt sich die Frage, in wie fern Gelder des offentlichen Haushaltes den privaten Kapitalstock und somit das Wirt- schaftswachstum beeinflussen.

3 Outputeffekte staatlich bereitgestellter Infrastruktur - Die Aschauer- Hypothese

Als einer der ersten Okonomen beschaftigte sich David A. Aschauer, damals Chefvolks- wirt an der Federal Reserve Bank of Chicago, eingehender mit der Fragestellung ob der offentliche Kapitalstock in Form von Infrastrukturinvestitionen einen Einfluss auf das Wirtschaftswachstum einer Volkswirtschaft hat. Vor allem aber, ob der productivity slowdown“ der Vereinigten Staaten in den 1970er-Jahren bis Mitte der 1980er-Jahre auf mangelnde offentliche Infrastrukturinvestitionen zuruckgefuhrt werden konne. Die Aufse- hen erregenden Studien Aschauers ob eine Erhohung der Infrastrukturinvestitionen auf Seiten der offentlichen Hand moglicherweise direkte positive Effekte auf die Produktivitat im privaten Sektor haben konne lieB auch die Politik aufhoren.[17] SchlieBlich sorgte Bill Clinton mit seinem Wahlprogramm „Rebuild America“ - einem 50 Mrd. USD schweren Investitionsplan - dafur dass Diskussionen um Infrastrukturinvestitionen Gesellschaftstaug- lich wurden.[18] Bereits 1987 belegte Aschauer dass Investitionen des offentlichen Kapital- stocks direkt mit einem Anstieg des privaten Kapitalstocks durch eine positive Beeinflus- sung der privaten Rendite in Verbindung gebracht werden konnen. Demzufolge sind Staatsausgaben ein nicht zu vernachlassigender Faktor des langfristigen Produktionspoten- tials einer Volkswirtschaft. Steigende Staatsausgaben zwischen 1953-84 von anfanglich 26.1% auf 33.9% konnten den Schluss zu lassen dass sich diese Etat-Steigerungen gleich- maBig auf alle Budgets verteilt hatten. Jedoch sanken im gleichen Zeitraum die Nettoinves- titionen in die offentliche Infrastruktur seit Ende der 1960er-Jahre von 2.3% des BSP nach ihrem Hochststand auf gerade einmal 0.4% in den fruhen 1980er-Jahren. Die allgemein steigenden Staatsausgaben verschleiern den Blick auf das tatsachliche Problem der Verei­nigten Staaten. Ab den fruhen 1970er Jahren sinkende Nettokapitalinvestitionen in Infra- strukturprojekte und den 1966 beginnenden Ruckgang der Rendite privater[19] sowie offent- licher Investitionen[20]. Aschauer lieferte in seinen Arbeiten mehrfach empirische Befunde ab die seine Argumentation stutzen. So erlautert er durch zahlreiche Regressionen, die in dieser Arbeit nicht naher erlautert werden, auch die Bedeutung einer ausreichenden Kapi- talakkumulation des offentlichen Kapitalstocks fur die private Rendite. Jedoch wird dem Leser durch die Darstellung einer Gleichung die Moglichkeit gegeben sich mit den empiri- schen Befunden Aschauers (1988a) naher zu beschaftigen. Unter Annahme einer neoklas- sischen Produktionstechnologie fur den aggregierten Output wird folgende Gleichung der Rendite dargestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

wobei:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wir nehmen an, dass der offentliche Kapitalstock (kf) nutzen stiftend wirkt und einen komplementaren Effekt auf das private Kapital (kt) hat, so dass T kf zu einer Erhohung des Grenzprodukts des privaten Kapitals kt fuhrt. Eine 1-prozentige Erhohung des privaten Kapitalstocks hatte eine Senkung von 38.4% bzw. 38.1% der Brutto bzw. Netto-Ertragsrate zur Folge. Wahrend hingegen eine 1-prozentige Erhohung des offentlichen Kapitalstocks eine Steigerung der Ertragsrate von 19.1% bzw. 21.4% bewirkt.[21] Untersuchungen zur to- talen Faktorproduktivitat unterstutzen seine These des productivity slowdown“ durch ausbleibende offentliche Investitionen. So ist die totale Faktorproduktivitat und das Out- putwachstum, welches weder durch mehr Beschaftige noch einen hoheren Kapitalstrom erklart werden kann, in den 1960er Jahren um uber die Halfte von 1.8% in 1960 auf nur noch 0.8% in den fruhen 1970er-Jahren gefallen.[22]

Tabelle 1 Durchschnittliche jahrliche Wachstumsraten in %

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Aschauer, D. A. (1988b), S. 2, sowie Aschauer, D. A. (1989b), S. 19, eigene Darstellung

[...]


[1] Vgl. http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2014/11/2014-11 -25-gesamthaushalt-2015.html

[2] Vgl. Priewe, J., Rietzler, K. (2010) S. 7

[3] Vgl. Bach, S. et al. (2013)S. 6

[4] Vgl. Priewe, J., Rietzler, K. (2010) S. 16

[5] Vgl. Hagemann, H., et al. (2014) S. 2 f.

[6] Vgl. Samuelson, P. A. (1954) S. 387

[7] Vgl. Varian, H. R. (2011) S. 776

[8] Vgl. Ostrom, E. (1999); Casajus, A., Tutic A. (2008) S. 1

[9] Vgl. Smith, A. (1776) S.590

[10] Vgl. Tatom, J. A. (1993) S. 3

[11] Vgl. Gramlich, E. M. (1994) S. 1178

[12] Vgl. Tatom, J. A. (1994) S. 4

[13] Vgl. Aschauer, D. A. (1989b) S. 177

[14] Vgl. Aschauer, D. A. (1988b) S. 3

[15] Vgl. Tatom, J. A. (1991) S. 17

[16] Vgl. Aschauer, D. A. (1989a) S. 186

[17] Vgl. Aschauer, D. A. (1988a) S. 15

[18] Vgl. Tatom, J. A. (1993) S.14

[19] ausgenommen Finanzunternehmen

[20] Vgl. Aschauer, D. A. (1987) S. 1 ff.

[21] Vgl. Aschauer, D. A. (1988a) S. 12 f.

[22] Vgl. Aschauer, D. A. (1988b) S. 1

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Zur Bedeutung öffentlicher Investitionen. Die Aschauer-Hypothese
Hochschule
Universität Hohenheim  (Institut für Volkswirtschaftslehre)
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
21
Katalognummer
V463933
ISBN (eBook)
9783668928503
ISBN (Buch)
9783668928510
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Infrastruktur, öffentliche Güter, Outputeffekte
Arbeit zitieren
Yann Ebel (Autor), 2015, Zur Bedeutung öffentlicher Investitionen. Die Aschauer-Hypothese, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463933

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